Der Frühling kündigt sich im Alten Land, einem bedeutenden Obstanbaugebiet nahe Hamburg, mit dem Aufbrechen der Knospen an. Die Kirschbäume stehen kurz vor ihrer Blüte, die sich als ein "weißes Band" über die Landschaft legen wird. In Nordeuropas größtem Obstanbaugebiet zwischen Hamburg und Stade wird erwartet, dass die frühen Kirschsorten bereits am kommenden Wochenende in voller Blüte stehen.
Diese frühe Blütezeit birgt jedoch auch Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf die Bestäubung. Die erfolgreiche Fruchtbildung bei Kirschen ist maßgeblich von der Anwesenheit und Aktivität von Bestäubern abhängig. Während die Bienen eine zentrale Rolle spielen, sind auch Wildbienen unverzichtbare Helfer im Ökosystem des Obstanbaus.
Die Bedeutung von Bestäubern für Kirschen
Die blühenden Kirschbäume ziehen mit ihren zarten, weißen Blüten die Bienen an. Die Insekten sammeln Nektar tief in der Blüte, wobei sie unweigerlich mit den Staubbeuteln in Berührung kommen. Dabei pudern sie ihre pelzigen Körper mit Pollen ein. Wenn sie die nächste Blüte anfliegen, geben sie einen Teil dieses Pollens ab, was zur Bestäubung führt. Schon kurz nach diesem Prozess können an den Zweigen kleine, grüne Kirschen beobachtet werden.
Die Qualität und Quantität der Bestäubung hat direkten Einfluss auf den Fruchtansatz. Wenn die Bestäubung nicht ausreichend erfolgt, fallen die jungen Früchte kurz nach der Blüte in Massen ab. Dies kann auf eine mangelnde Befruchtung zurückgeführt werden.

Wildbienen im Obstanbau
Wildbienen sind für die Bestäubung von Obstbäumen von großer Bedeutung. Bedauerlicherweise sind mehr als die Hälfte der rund 560 heimischen Wildbienenarten auf der Roten Liste gefährdeter Arten zu finden. Ihr Rückgang hat dramatische Folgen für die Landwirtschaft und die Artenvielfalt.
Im Alten Land engagieren sich Obstbauern aktiv für den Schutz und die Förderung von Wildbienen. Gemeinsam mit Partnern wie Reinhard Quast, dem Vizepräsidenten des Bauernverbandes Hamburg e.V., werden Modellflächen geschaffen, um geeignete Maßnahmen zur Unterstützung von Wildbienen im Obstanbau zu erproben. Insbesondere Gewässerrandbereiche bieten hierfür großes Potenzial.
Maßnahmen zur Förderung von Wildbienen
- Wildbienenfreundliches Mahdmanagement: Eine angepasste Mahd von Grünflächen kann die Blütenvielfalt erhöhen und somit die Nahrungsbasis für Wildbienen erweitern.
- Schaffung von Nisthabitaten: Bei Grabenräumungen kann der anfallende sandige Aushub zu Haufen aufgeschichtet werden, um wertvolle Nistmöglichkeiten für Wildbienen zu schaffen.
Diese Projekte sind Teil eines größeren Wildbienenschutzprogramms, das die Deutsche Wildtier Stiftung initiiert hat und an dem weitere Partner wie der Friedhof Ohlsdorf, der Hamburg Airport, der Landesbund der Gartenfreunde in Hamburg e.V. sowie Golf-Clubs im Rahmen von "Golf und Natur" beteiligt sind. Diese Organisationen stellen Blühflächen für Wildbienen zur Verfügung.
Herausforderungen bei der Bestäubung von Kirschen
Ein spezifisches Problem tritt auf, wenn ein Kirschbaum nicht selbstfruchtbar ist. In solchen Fällen ist die Anwesenheit von Bäumen anderer Sorten in der Nähe unerlässlich, um eine Fremdbestäubung zu gewährleisten. Die genetische Kompatibilität der Sorten spielt hierbei eine entscheidende Rolle, da bestimmte Sterilitätsallele die Selbstbestäubung verhindern.
Bei Süßkirschen ist dies ein häufiges Phänomen, da viele Sorten zwei aktive Sterilitätsallele besitzen. Für eine erfolgreiche Fruchtbildung muss ein Baum mit einer anderen Kirschsorte bestäubt werden, die über kompatible Sterilitätsalele verfügt. Dies kann durch das Pflanzen eines zweiten, befruchtenden Baumes oder durch das Veredeln des bestehenden Baumes mit einer geeigneten Sorte erreicht werden.
Der Fall eines einsamen Kirschbaumes
Ein Forumsteilnehmer berichtet von einem einsamen, nicht selbstfruchtbaren Kirschbaum seiner Eltern, der in den letzten Jahren schlecht bestäubt wurde. Die jungen Früchte fielen massenhaft ab, was auf mangelnde Befruchtung hindeutete. Zwar befanden sich eine Wildkirsche in 50 Metern Entfernung und ein Kleingartenverein mit weiteren Kirschbäumen in 500 Metern Entfernung, doch die Unsicherheit über deren Befruchtungsleistung blieb.
Zur Unterstützung der Bestäubung wurde erwogen, ein Bienenvolk aufzustellen. Hierbei entstanden jedoch Fragen bezüglich der Effektivität von Ablegern ohne Königin und der optimalen Platzierung der Bienenvölker. Einige Meinungen besagen, dass Bienen in direkter Stockumgebung weniger effektiv bestäuben und ein Abstand von etwa 20 Metern ratsam ist.

Es wurde auch die Möglichkeit diskutiert, dass das Aufstellen von Bienenstöcken in der Nähe des Baumes kontraproduktiv sein könnte, da die Bienen möglicherweise andere, attraktivere Blütenquellen bevorzugen. Die Erfahrung zeigt, dass die Kirschblüte eine wichtige Frühtracht für Bienen darstellt, die zur Stärkung der Völker beiträgt.
Sauerkirschen und ihre Bestäubung
Bei Sauerkirschen ist die Situation oft anders als bei Süßkirschen. Die meisten Sauerkirschsorten sind selbstfruchtbar. Selbst die wenigen selbststerilen Sorten können von anderen Sauerkirsch- oder sogar Süßkirschbäumen bestäubt werden, sofern sie zur gleichen Zeit blühen.
Ein weiterer Forumsbeitrag thematisiert eine Sauerkirsche, die als Fremdbestäuber gilt und als nicht besonders pollen- oder nektarreich eingestuft wird, was zu einer geringen Anflugrate von Bienen und anderen Insekten führt. Versuche, die Bestäubung durch das Einbringen fremder, blühender Kirschäste zu unterstützen, waren nicht erfolgreich.
Ursachen für geringen Fruchtansatz bei Sauerkirschen
Es wird darauf hingewiesen, dass die Ursachen für einen geringen Fruchtansatz bei Kirschen vielfältig sein können und nicht immer auf Befruchtungsprobleme zurückzuführen sind. Ein wichtiger Faktor ist die Anfälligkeit für Krankheiten wie Monilia. Dieser Pilz kann Blüten infizieren, das Fruchtholz schädigen und zu einem totalen Ertragsausfall führen.
Bestimmte Sauerkirschsorten, obwohl in einigen Regionen beliebt, sind in feuchtem Klima anfälliger für Monilia. Symptome können vertrocknete Blütenbüschel oder Blüten sein, durch die der Pilz eindringt. Auch wenn eine Sorte als wenig anfällig gilt, kann sie unter ungünstigen klimatischen Bedingungen dennoch betroffen sein.
Zusätzlich spielt das Blühwetter eine entscheidende Rolle. Kurze Blüteperioden, bedingt durch unterschiedliche Blühzeiten verschiedener Sorten, können bei schlechtem Wetter dazu führen, dass die Befruchtung nicht optimal verläuft. Kirschen gelten generell als gute Nektarproduzenten, auch wenn der Nektargehalt variieren kann. Selbst Sorten mit geringerem Nektargehalt können für Insekten attraktiv sein.
Viele Bienenarten gefährdet | Warum die Honigbiene so wichtig ist (ZDF heute Beitrag)
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