Kinderwunsch und Reisen in Zika-Gebiete: Risiken und Präventionsmaßnahmen

Zwischen März und April 2024 unternahmen eine schwangere Frau aus Dänemark (erstes Trimester, 8. bis 10. Schwangerschaftswoche) und ihr Partner einen dreiwöchigen Urlaub auf Phuket, Thailand. Nach ihrer Rückkehr in der 11. Schwangerschaftswoche zeigten routinemäßige vorgeburtliche Tests in Dänemark, darunter ein Trisomie-Screening und eine Chorionzottenbiopsie aufgrund einer früheren Chromosomenanomalie, normale Ergebnisse. Auch die Ultraschalluntersuchung im zweiten Trimester verlief unauffällig.

In der 26. Schwangerschaftswoche ergab jedoch ein Wachstumsscan, der aufgrund eines neu diagnostizierten Schwangerschaftsdiabetes durchgeführt wurde, dass der Kopfumfang des Fötus deutlich unter der für sein Alter erwarteten Größe lag. Die Bildgebung ergab eine schwere Mikrozephalie als Folge einer Zika-Virus-Infektion.

Karte von Thailand mit markierten Provinzen, in denen Zika-Virus-Fälle gemeldet wurden.

Das Zika-Virus: Verbreitung und Übertragung

Das Zika-Virus kommt insbesondere in tropischen und subtropischen Regionen vor, hauptsächlich in Afrika und Asien, auf pazifischen Inseln Ozeaniens und in vielen Ländern Mittel- und Südamerikas. Seit Mai 2016 ist die Zika-Virus-Infektion in Deutschland meldepflichtig. Im Jahr 2024 wurden in 42 Provinzen Thailands insgesamt 347 Zika-Virus-Fälle gemeldet (Stand: 1. November 2024).

Das Zika-Virus wird hauptsächlich durch den Stich infizierter Stechmücken der Gattung Aedes (Aedes aegypti und Aedes albopictus) übertragen. Diese Mücken leben in warmen Regionen und sind sowohl tag- als auch nachtaktiv. Besonderer Vorsicht ist vor der asiatischen Tigermücke geboten, die das Virus überträgt.

Das Virus kann außerdem durch Blut- oder beim Sexualkontakt übertragen werden, vor allem durch Sperma. Dies ist noch Wochen bis Monate nach der Infektion möglich. Das Zikavirus ist weiterhin in mehreren tropischen und subtropischen Regionen verbreitet - neben Thailand auch in Ländern wie Brasilien, Indonesien, Vietnam oder den Malediven.

Illustration einer Stechmücke der Gattung Aedes.

Symptome und Risiken einer Zika-Virus-Infektion

Viele Menschen, die mit dem Zika-Virus infiziert sind, haben keine Symptome. Wenn Symptome auftreten, sind diese normalerweise mild und umfassen Fieber, Hautausschlag, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen. Die Beschwerden sind häufig mild und bessern sich meist im Laufe einer Woche. Oft bleibt die Infektion auch unbemerkt. Es besteht der Verdacht, dass sich im Zusammenhang mit der Infektion in seltenen Fällen die Nervenkrankheit Guillain-Barré-Syndrom ausbilden kann.

Richtig gefährlich kann der Zika-Virus jedoch für Schwangere werden. Eine Infektion während der Schwangerschaft kann bestimmte Geburtsfehler verursachen. Das Virus kann von einer schwangeren Person auf den Fötus übertragen werden. Bei einer Infektion während der Schwangerschaft kann sie zu schweren Fehlbildungen des Kindes führen - etwa zur Schädelfehlbildung Mikrozephalie, Entwicklungsstörungen oder neurologischen Schäden. Auch Fehl- und Totgeburten sind möglich.

Prävention und Schutzmaßnahmen

Es gibt derzeit weder einen Impfstoff zur Vorbeugung noch ein Medikament zur Behandlung von Zika. Die wichtigste Schutzmaßnahme ist die Prävention.

Schutz vor Mückenstichen

Wer in ein Zika-Gebiet reist, sollte sich vor tagaktiven Mücken schützen. Es helfen helle, lange Kleidung und ein Mückenschutzmittel mit dem Wirkstoff DEET (Diethyltoluamid) oder Icaridin. Eine mechanische Abwehr bieten Mückengitter an Fenstern, Moskitonetze über dem Bett und langärmelige Kleidung. Auf unbedeckte Haut können spezielle Mückensprays, so genannte Repellents, aufgetragen werden. Auch Kleidung kann mit Repellents imprägniert werden. Einen hundertprozentigen Schutz bieten sie aber nicht.

Infografik mit Tipps zum Mückenschutz im Urlaub.

Reisewarnungen und Empfehlungen

Das Auswärtige Amt (AA) rät Schwangeren und Frauen, die schwanger werden wollen, von „vermeidbaren Reisen“ in Regionen der Kategorien 1 und 2 abzusehen - das gilt derzeit etwa für Länder wie Thailand und die Malediven. Die Weltgesundheitsorganisation WHO teilt die betroffenen Länder deshalb in verschiedene Kategorien ein.

Das CRM Centrum für Reisemedizin weist auf mögliche Risiken für Schwangere und Paare mit Kinderwunsch hin anlässlich einer Zunahme importierter Zika-Virusinfektionen nach Thailandreisen. Für Schwangere und Paare mit Kinderwunsch rät das CRM, geplante Reisen in Zika-Risikogebiete wie Thailand möglichst zu vermeiden. Sollte eine Reise dennoch unumgänglich sein, ist ein konsequenter Mückenschutz unerlässlich.

Besondere Hinweise für Paare mit Kinderwunsch

Paare mit Kinderwunsch sollten nach einer Reise in ein Zika-Gebiet die Empfehlungen der WHO beachten. Die WHO empfiehlt, nach einer Reise in ein Zika-Gebiet mindestens sechs Monate mit einer Schwangerschaft zu warten. Männer sollten drei Monate lang eine Empfängnis vermeiden, da sich das Virus nachweislich länger im Sperma halten kann.

Wenn Paare nicht so lange warten möchten, können sie einen Bluttest machen lassen - eventuell auch beide Partner. Das Zika-Virus ist auch durch Geschlechtsverkehr übertragbar. Der Test kostet etwa 80 Euro pro Person. Das Ergebnis sollte man dann mit einem Tropenmediziner besprechen. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt hierzu eine differenzierte Diagnostik, je nachdem, ob entsprechende Symptome aufgetreten sind oder nicht.

Experten empfehlen allen Menschen, die sich in einer Zika-Region aufgehalten haben, nach der Rückkehr vorsichtshalber drei Monate lang Kondome zu verwenden, beim Sex mit Schwangeren während der gesamten Schwangerschaft.

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Diagnose und Behandlung

Innerhalb der ersten vier Wochen nach dem Auftreten von Symptomen wird das Virus im Blut oder Urin nachgewiesen. Frühestens nach einer Woche sind im Blut die Antikörper gegen das Virus feststellbar. Ein Antikörpertest ist ab etwa vier Wochen nach der Rückkehr aus einem Infektionsgebiet weitgehend sicher.

Es gibt derzeit keine spezifische Therapie gegen eine Zika-Virus-Infektion. Lediglich die Symptome lassen sich lindern. Beispielsweise kann der Arzt körperliche Schonung und eventuell schmerzstillende und fiebersenkende Medikamente empfehlen. Eine Impfung zur Vorbeugung einer Zika-Virus-Infektion existiert bisher nicht (Stand: Mai 2025), es laufen jedoch mehrere Testreihen zur Entwicklung eines Impfstoffes.

Aktuelle Zahlen und Einschätzung des Risikos

Im Jahr 2023 wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) 16 Zika-Virus-Erkrankungen gemeldet - ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr (10 Fälle) und dem Vorpandemiejahr 2019 (11 Fälle). Davon entfielen 10 Fälle auf Reiserückkehrer aus Thailand. Daraus ergibt sich laut Statistischem Bundesamt etwa ein Zika-Fall pro 73.000 Thailand-Reisende.

„Die absolute Zahl der Erkrankungen ist niedrig - das Zika-Risiko bei Reisen nach Thailand bleibt also insgesamt gering“, ordnet Prof. Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin, die Zahlen ein. „Allerdings verlaufen viele Infektionen symptomlos und bleiben daher unentdeckt.“

Im Süden Deutschlands wurde vereinzelt die asiatische Tigermücke nachgewiesen, die möglicherweise auch das Zika-Virus übertragen kann. Wer aus einer Zika-Region in eine solche Region Deutschlands zurückkehrt und selbst infiziert ist, könnte das Zika-Virus über die Tigermücke also theoretisch an andere Menschen weitergeben. Nachgewiesen wurde ein solcher Fall bislang nicht.

tags: #kinderwunsch #thailand #urlaub