Viele Mütter kennen das Problem von Hämorrhoiden nach der Geburt: ein juckender Po und Blut auf dem Toilettenpapier sind keine Seltenheit. Obwohl Hämorrhoiden, auch als „Krampfadern am After“ bekannt, etwa jede zweite Frau im Wochenbett betreffen, sind sie für viele Betroffene ein Tabuthema. Es ist wichtig, sich aus der Scham-Ecke zu befreien, denn Hämorrhoiden sind gut behandelbar.
Hämorrhoiden nach der Geburt: Ein häufiges Problem
Vergrößerte, juckende oder blutende Hämorrhoiden nach der Geburt sind nicht ungewöhnlich und können sehr lästig sein. Im schlimmsten Fall verursachen die geschwollenen Gefäßpolster am After Schmerzen, die eine Behandlung durch einen Facharzt erfordern. Um dies zu vermeiden, ist es ratsam, sich bereits beim ersten Anzeichen von Hämorrhoiden an eine Hebamme zu wenden. Sie kann unterstützen, unangenehme Symptome zu lindern und so einen Arztbesuch unnötig zu machen.
Was sind Hämorrhoiden?
Hämorrhoiden sind natürliche Gefäßpolster am Enddarm, die normalerweise unbemerkt bleiben und eine wichtige Funktion erfüllen: Sie dichten den After ab, um unkontrollierten Stuhlabgang zu verhindern. Wenn Laien von Hämorrhoiden sprechen, meinen sie meist geschwollene oder hervortretende Gefäßpolster am After. Dies kann zu Schmerzen, Juckreiz, leichten Blutungen nach dem Stuhlgang oder einem Verschmieren des Stuhls führen.
Ursachen für Hämorrhoiden nach der Geburt
Während der Schwangerschaft sorgen Hormone wie Progesteron dafür, dass das Gewebe weicher wird, was für das Wachstum des Bauches und die Geburt wichtig ist. Diese hormonelle Umstellung bleibt auch im Wochenbett bestehen und begünstigt das Anschwellen der Hämorrhoiden. Zusätzlicher Druck durch den Babybauch und eine schwangerschaftsbedingte Verstopfung, die zu stärkerem Pressen führt, können das Problem verschärfen.
Wichtiger Hinweis für den Toilettengang: Bitte nicht pressen! Achten Sie auf einen möglichst weichen Stuhl. Harter Stuhl und Verstopfungen können Hämorrhoiden verschlimmern.
Wenn bereits im letzten Schwangerschaftsdrittel Hämorrhoiden bestanden, können diese auch nach der Geburt fortbestehen. Die Geburt selbst kann durch starkes Pressen zu Hämorrhoiden führen, deren Ausprägung sich möglicherweise erst Wochen später bemerkbar macht.
Schmerzen bei Hämorrhoiden nach der Geburt
Die Frage nach Schmerzen bei Hämorrhoiden nach der Geburt lässt sich nicht pauschal beantworten. Einige Frauen klagen über Schmerzen, während andere hauptsächlich Juckreiz oder leichte Blutungen beim Abwischen bemerken. Manche Frauen haben Schwierigkeiten mit der Hygiene nach dem Stuhlgang. Es gibt keinen Grund für Scham, und eine vertrauensvolle Kontaktaufnahme mit einer Hebamme oder einem Arzt ist entscheidend für Hilfe.
Erkennung von Hämorrhoiden
Hämorrhoiden werden in vier Schweregrade eingeteilt:
- Grad 1: Keine äußere Sichtbarkeit der Knötchen.
- Grad 2: Größere Knoten nur bei Stuhlgang sichtbar.
- Grad 3: Größere Knoten vor dem After, die sich manuell zurückschieben lassen.
- Grad 4: Knoten, die nicht mehr zurückgeschoben werden können.
Die Beschwerden variieren je nach Schweregrad, sind bei Grad 4 am ausgeprägtesten.
Raus aus der Tabu-Zone: Sprechen Sie darüber!
Es ist verständlich, dass Hämorrhoiden ein intimes und schambehaftetes Thema sind. Dennoch ist es unerlässlich, darüber zu sprechen, um Hilfe erhalten zu können. Ein offener Umgang kann das Wochenbett erheblich entspannter gestalten.

Dauer von Hämorrhoiden nach der Geburt
Hämorrhoiden nach der Geburt sind ein individuelles Leiden. Studien zufolge leiden etwa 30 % der Frauen acht Wochen nach der Geburt noch unter Hämorrhoiden, nach 24 Wochen sind es immer noch 13 %. Ein frühzeitiger Behandlungsbeginn kann nachweislich die Rückbildung beschleunigen.
Was hilft bei Hämorrhoiden nach der Geburt?
Ernährung für einen weichen Stuhl
Eine angepasste Ernährung ist essenziell. Expert*innen empfehlen, viel Wasser zu trinken und ballaststoffreich zu essen, um den Darm zu unterstützen. Pflaumen- oder Birnensaft, Weizenkleie oder Leinsamen im Joghurt können ebenfalls hilfreich sein. Getrocknete Pflaumen (ungeschwefelt, Bio-Qualität) gelten als bewährtes Hausmittel zur Stuhlregulierung.
Tipp: Weichen Sie für den Anfang 2-3 Dörrpflaumen über Nacht in Wasser ein und verzehren Sie sie am Morgen. Das Einweichwasser kann ebenfalls getrunken werden.
Entspannter Toilettengang
Nehmen Sie sich Zeit für den Toilettengang und vermeiden Sie Druck. Langes Sitzen auf der Toilette kann die Situation verschlimmern. Eine Fußbank oder ein Yogablock kann die Haltung verbessern und den Stuhlgang erleichtern.
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Beckenbodentraining
Ein gut trainierter Beckenboden kann Hämorrhoiden entgegenwirken. Sanftes Beckenbodentraining kann wenige Wochen nach der Geburt begonnen werden. Die Hebamme kann hierbei wertvolle Tipps geben.
Linderung von Schmerzen und Juckreiz
Kühlung kann Linderung verschaffen. Wickeln Sie ein Kühlkissen oder ein gefrorenes Kondom (mit Wasser gefüllt und eingefroren) mehrfach in ein sauberes Handtuch und legen Sie es auf die betroffenen Stellen. Dies kühlt den Bereich, ohne ihn zu gefrieren.
Toilettenhygiene und Salben
Achten Sie auf eine gute Hygiene, aber reiben Sie den After nicht zu stark mit Toilettenpapier ab. Eine Po-Dusche oder lauwarmes Wasser sind schonender. Salben mit Hamamelis können Linderung verschaffen. Besprechen Sie die Anwendung von Salben oder eventuell notwendigen Medikamenten mit Cortison mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Arzt.
Wann verschwinden Hämorrhoiden nach der Geburt?
Im Idealfall bilden sich Hämorrhoiden nach der Geburt von selbst zurück. Sollte dies nicht der Fall sein, ist eine Absprache mit Hebamme und Arzt über weitere Behandlungsschritte notwendig. In manchen Fällen können operative Eingriffe, Verödungen oder Vereisungen in Erwägung gezogen werden. Warten Sie nicht aus falscher Scham auf Hilfe.
Welcher Arzt bei Hämorrhoiden nach der Geburt?
Ihre Hebamme ist zunächst eine wichtige Ansprechpartnerin. Bei deren Fehlen wenden Sie sich an Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt. Bei Bedarf wird eine Überweisung an einen Proktologen (Facharzt für Enddarmerkrankungen) erfolgen.
Es ist entscheidend, sich helfen zu lassen und nicht allein mit Hämorrhoiden nach der Geburt fertig zu werden. Ihre Hebamme kann eine Einschätzung geben und die bestmögliche Unterstützung bieten, damit Sie sich auf sich und Ihr Baby konzentrieren können.
Andere Ursachen für Juckreiz nach der Geburt
Neben Hämorrhoiden können auch andere Ursachen zu Juckreiz nach der Geburt führen. Dazu zählen hormonelle Veränderungen, die Heilung von Geburtsverletzungen oder Infektionen.
Vaginaler Juckreiz nach der Geburt
Vaginaler Juckreiz nach der Geburt betrifft etwa 60-70% der neuen Mütter. Natürliche Ursachen sind:
- Hormonelle Umstellung: Ein rapider Abfall des Östrogenspiegels nach der Geburt führt zu Trockenheit und Juckreiz. Stillen senkt den Östrogenspiegel weiter und kann den Juckreiz über Monate aufrechterhalten.
- Physisches Trauma der Geburt: Heilendes Gewebe nach vaginaler Geburt oder Kaiserschnitt kann Juckreiz verursachen.
- Wochenfluss und Einlagen: Feuchtigkeit und Reizungen durch Lochien und Schwangerschaftseinlagen können zu Beschwerden führen.
Die Dauer des Juckreizes hängt von der Ursache ab. Normaler postpartaler Juckreiz bessert sich meist innerhalb von 1-2 Wochen. Bei Infektionen sollte er nach Behandlungsbeginn schnell abklingen. Frauen mit schwieriger Geburt, Dammschnitt oder Blasensprung können 6-8 Wochen lang Juckreiz erfahren.
Linderung von vaginalem Juckreiz
Hausmittel können Linderung verschaffen:
- Kältekompressen und Eispackungen: Betäuben und reduzieren Entzündungen.
- Sanfte Reinigung: Mit warmem, klarem Wasser oder milden, parfümfreien Reinigungsmitteln.
- Sitzbäder: Mehrmals täglich in warmem Wasser zur Linderung und Beschleunigung der Heilung.
- Sichere topische Behandlungen: Aloe-Vera-Gel oder Hamamelis-Pads können kühlend wirken.
- Luftzirkulation: Locker sitzende Baumwollunterwäsche, Verzicht auf Unterwäsche, wenn möglich.
Wenn Hausmittel nicht helfen, sollten Medikamente wie Antihistaminika oder Antimykotika nach ärztlicher Rücksprache in Betracht gezogen werden.

Pemphigoides gestationis (früher Herpes gestationis)
Pemphigoides gestationis ist ein seltener, stark juckender Hautausschlag, der während der Schwangerschaft oder nach der Geburt auftreten kann. Er ist nicht durch Herpesviren verursacht, obwohl der Ausschlag dem ähneln kann.
- Symptome: Starker Juckreiz, beginnend oft im Nabelbereich, Ausbreitung über den Körper. Bläschen und Blasen sind charakteristisch, können sich auf erythematösen Plaques entwickeln.
- Betroffene Bereiche: Handflächen, Fußsohlen, Rumpf, Gesäß und Extremitäten. Gesicht und Schleimhäute sind meist nicht betroffen.
- Beginn: Meist im 2. oder 3. Trimester, kann aber auch früher oder postpartal beginnen.
- Behandlung: Topische oder systemische Kortikosteroide, nichtsedierende orale Antihistaminika.
- Risiken für den Fetus: Meist nicht betroffen, aber bei Frühgeburten oder kleinwüchsigen Säuglingen können Risiken bestehen, die auf Plazentainsuffizienz zurückzuführen sind.
Pruriginöse und Urtikarielle Papeln und Plaques der Schwangerschaft (PUPP)
PUPP ist eine stark juckende Hauterkrankung, die typischerweise in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft auftritt und nach der Geburt wieder abklingt. Die Ursachen sind unbekannt.
- Symptome: Stark juckende Plaques, die mit Papeln und Quaddeln beginnen, meist im Bauch- oder Unterleibsbereich.
- Ausbreitung: Kann sich auf Rumpf und rumpfnahe Extremitäten ausbreiten.
- Behandlung: Lokal anzuwendende Schüttelmixturen und schwache Steroide auf Cremebasis. Systemische Steroide nur in Ausnahmefällen.
Andere mögliche Ursachen für Juckreiz
Weitere Ursachen für Juckreiz nach der Geburt können sein:
- Trockene Haut: Hormonelle Umstellungen können zu trockener, spannender und juckender Haut führen. Intensive Feuchtigkeitspflege ist ratsam.
- Akne und Hautunreinheiten: Als Reaktion auf hormonelle Umstellungen, Stress und Schlafmangel.
- Nebenwirkungen von Medikamenten: Insbesondere nach Antibiotikaeinnahme kann es zu Pilzinfektionen oder Hautirritationen kommen.
- Cholestase (Gallenstau): Ein Juckreiz, der oft nachts auftritt und auf erhöhte Leberwerte hinweisen kann. Eine ärztliche Abklärung ist hier unerlässlich.
Wann ärztlichen Rat einholen?
Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn:
- der Juckreiz sehr stark ist und den Schlaf oder Alltag beeinträchtigt.
- Hausmittel keine Linderung verschaffen oder die Symptome sich verschlimmern.
- der Juckreiz länger als 6-8 Wochen nach der Entbindung anhält.
- ungewöhnlicher Ausfluss, Fieber, starke Schmerzen oder sichtbare Veränderungen im Genitalbereich auftreten.
- Sie den Verdacht auf eine Infektion oder Cholestase haben (z.B. bei starkem, nächtlichem Juckreiz und erhöhten Leberwerten).
- Sie sich unsicher sind, ob die Heilung normal verläuft oder Hautveränderungen schnell auftreten.
- Sie Anzeichen einer Infektion an Wunden bemerken (Entzündungen, Rötungen, Eiter, unangenehmer Geruch).
- Sie starken Haarausfall, kahle Stellen oder schwere Akne entwickeln.
- Ihr Bauchgefühl Ihnen sagt, dass etwas nicht stimmt.
