Der weibliche Menstruationszyklus ist ein komplexer Prozess, der durch ein fein abgestimmtes Zusammenspiel von Hormonen gesteuert wird. Abweichungen von diesem Rhythmus können vielfältige Ursachen haben, von denen einige mit dem Körpergewicht, insbesondere mit Untergewicht, in Verbindung stehen.
Ursachen für Blutungsstörungen und Zyklusunregelmäßigkeiten
Häufige Ursachen für Blutungsstörungen, die nicht auf organische Ursachen zurückzuführen sind, beinhalten die Follikelpersistenz. Bei diesem Zustand reift das Ei zwar heran, springt aber nicht. Der persistierende Follikel produziert weiterhin Östrogene, was zu einem fortgesetzten Aufbau der Gebärmutterschleimhaut führt, ohne dass es zu einer regulären Menstruationsblutung kommt.
Auch andere Hormonstörungen können den Zyklus beeinflussen. Eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse kann die Hormonproduktion in den Eierstöcken stören. Ein besonderer Fall ist das Syndrom der polyzystischen Ovarien (PCO-Syndrom), bei dem Follikel im Eierstock heranreifen, aber kein Eisprung stattfindet. Frauen mit PCO-Syndrom leiden oft zusätzlich unter verstärkter männlicher Behaarung, Übergewicht und einer gewissen Insulinresistenz.
Eine weitere Ursache für Zyklusstörungen ist die Endometriose, bei der gebärmutterschleimhautartiges Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Dieses Gewebe reagiert auf hormonelle Schwankungen im Zyklus, baut sich auf und ab, kann aber nicht wie die Schleimhaut in der Gebärmutter ausgeschieden werden.
Bei besonders starken Blutungen können Myome vorliegen. Dies sind gutartige Geschwulste in oder an der Gebärmutter, von denen Schätzungen zufolge 40 bis 80 Prozent aller Frauen betroffen sind.
Auch externe Eingriffe in den Hormonhaushalt können den Zyklus beeinflussen. Eine Studie aus dem Jahr 2006 zeigte, dass jede zehnte Frau im ersten Zyklus nach Absetzen der Pille keinen Eisprung hatte. Dies wird auf eine verlangsamte Eireifung zurückgeführt, die durch die Hormone FSH und LH gesteuert wird. Der fein abgestimmte Ablauf der Hormonausschüttung muss sich nach hormoneller Verhütung erst wieder neu einpendeln.

Individuelle Zyklusmuster und altersbedingte Veränderungen
Die Menstruation wird von Frauen sehr unterschiedlich erlebt, was auch die Länge und Regelmäßigkeit des Zyklus betrifft. Die erste Menstruation, die Menarche, setzt typischerweise zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr ein. Zu Beginn ist der Zyklus oft unregelmäßig, stabilisiert sich aber innerhalb von ein bis drei Jahren.
Das etablierte individuelle Zyklusmuster bleibt über rund 30 Jahre weitgehend konstant, abgesehen von Schwangerschaften und Stillzeiten. Erst ab dem 45. Lebensjahr wird der Zyklus zunehmend instabil, da die Produktion von Geschlechtshormonen abnimmt.
Häufige Auslöser für Zyklusabweichungen
Nicht alle Abweichungen vom Zyklus sind krankhaft. Oft sind die Auslöser sehr alltäglich, wie Stress oder Ortswechsel durch Umzug, Reisen oder Urlaube, aber auch ein Partnerwechsel kann den Zyklus beeinflussen.
Zwischenblutungen (Metrorrhagien) sind häufig harmlos, können aber auch auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen. Regelmäßig verstärkte und/oder verlängerte Monatsblutungen sollten von einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt abgeklärt werden, um Erkrankungen der inneren Geschlechtsorgane wie Entzündungen, gutartige Wucherungen oder Krebs auszuschließen.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn nach etwa sechs Wochen Ausbleiben der Periode plötzlich Blutungen mit ungewohnten Schmerzen auftreten.
Symptome und Anzeichen von Zyklusstörungen
Folgende Symptome können auf Zyklusstörungen hinweisen:
- Unregelmäßige, zu häufige oder seltene Monatsblutungen
- Verstärkte, verlängerte oder schwache Blutungen
- Ausbleiben der ersten Monatsblutung bis zum Alter von 16 Jahren (primäre Amenorrhoe)
- Ausbleibende Entwicklung von sekundären Geschlechtsmerkmalen (Brüste, Scham- und Achselbehaarung)
- Verstärkte und/oder verlängerte Menstruationsblutungen bis hin zur Dauerblutung
- Verstärkter, verfärbter und/oder übelriechender Ausfluss
Zusätzlich können folgende Faktoren zu Zyklusstörungen beitragen:
- Hormonelles Ungleichgewicht in Pubertät oder Wechseljahren
- Stress oder Erschöpfung
- Orts- oder Klimawechsel
- Leistungssport
- Starkes Untergewicht
Untergewicht und seine Auswirkungen auf den Zyklus und die Fruchtbarkeit
Ein starkes Untergewicht kann erhebliche Auswirkungen auf den Menstruationszyklus und die Fruchtbarkeit haben. Der Körper schaltet in einen Sparmodus, bei dem die Fortpflanzungsfunktion heruntergefahren wird, um die Selbsterhaltung zu priorisieren.
Primäre Amenorrhoe und Untergewicht
Bei Mädchen kann starkes Untergewicht, insbesondere im Zusammenhang mit Essstörungen wie Anorexia nervosa, zur primären Amenorrhoe führen. Dies bedeutet, dass die erste Menstruation bis zum 16. Lebensjahr ausbleibt. Begleitend kann es zu einer ausbleibenden Entwicklung von sekundären Geschlechtsmerkmalen kommen.
Spezifische Ursachen für primäre Amenorrhoe, die auch mit Untergewicht assoziiert sein können, umfassen:
- Konstitutionelle Entwicklungsverzögerung
- Ullrich-Turner-Syndrom
- Hormonelle Störungen (z. B. Adrenogenitales Syndrom)
- Fehlbildungen an den Geschlechtsorganen
Sekundäre Amenorrhoe und Untergewicht
Bei Frauen, die bereits eine Menstruation hatten, kann starkes Untergewicht zu einer sekundären Amenorrhoe führen, bei der die Periode über drei Monate ausbleibt. Dies ist auch bei Leistungssportlerinnen und Frauen mit Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie zu beobachten.
Weitere Ursachen für sekundäre Amenorrhoe, die mit dem Körpergewicht und Lebensstil zusammenhängen, sind:
- Schwangerschaft, Scheinschwangerschaft, Blasenmole oder Chorionkarzinom
- Stillzeit, hormonelle Umstellung nach Entbindung
- Absetzen hormoneller Verhütungsmittel wie der Pille
- Unterernährung, z. B. bei Magersucht
- Schilddrüsenüberfunktion oder -unterfunktion
- Sonstige Hormonstörungen

Der Zusammenhang zwischen Körperfettanteil und Hormonproduktion
Ein niedriger Körperfettanteil, wie er bei starkem Untergewicht oder extremem Sport vorkommt, kann die Produktion von Hormonen beeinträchtigen, die für den Eisprung notwendig sind. Das Fettgewebe spielt eine wichtige Rolle bei der Östrogenbildung. Fällt der Körperfettanteil unter einen kritischen Wert, kann dies zu einem Ausbleiben des Eisprungs und damit der Menstruation führen.
Der Körper gerät in eine Art Notzustand, in dem alle Reserven für die Selbsterhaltung benötigt werden. Eine Schwangerschaft würde in dieser Situation die Gesundheit von Mutter und Kind gefährden. Selbst nach erfolgreicher Behandlung kann die Fruchtbarkeit über längere Zeit eingeschränkt bleiben.
Essstörungen und Amenorrhoe
Essstörungen wie Anorexia Nervosa (Magersucht), Bulimie (Ess-Brech-Sucht) und Binge-Eating-Störung sind ernstzunehmende Erkrankungen, die gravierende körperliche Folgen haben können, darunter auch das Ausbleiben der Periode (Amenorrhoe).
Bei Anorexia Nervosa ist die Angst vor Gewichtszunahme, eine restriktive Nahrungsaufnahme und oft eine Körperschemastörung (Wahrnehmung des Körpers als zu dick trotz Untergewicht) charakteristisch. Bei Bulimie treten Essattacken auf, denen oft selbst ausgelöstes Erbrechen folgt. Bei der Binge-Eating-Störung kommt es zu Essattacken ohne anschließende gewichtsregulierenden Maßnahmen.
Das Ausbleiben der Periode bei Untergewicht ist oft auf eine gestörte Hormonproduktion zurückzuführen, insbesondere auf eine eingeschränkte Östrogenproduktion. Eine strenge Kalorienreduktion und ein geringer Körperfettanteil können die Hormonbalance stören.
Gewichtszunahme und das Wiedereinsetzen der Periode
Um das Wiedereinsetzen der Periode zu fördern, ist eine Gewichtszunahme auf einen gesunden BMI-Wert (oft als Orientierungswert über 18,5 angesehen) entscheidend. Eine ausgewogene Ernährung, die keine Mahlzeiten auslässt und gesunde Fette, Vollkornprodukte sowie Hülsenfrüchte enthält, ist wichtig. Übermäßiger Sport sollte vermieden werden.
Es gibt keinen universellen BMI-Wert, der das Wiedereinsetzen der Periode garantiert, da individuelle Faktoren wie Stress oder psychische Belastungen eine Rolle spielen können. Auch nach Erreichen des Normalgewichts kann es dauern, bis sich der Zyklus normalisiert.
6 Arten von Essstörungen
Zyklusstörungen bei Leistungssport
Leistungssport, insbesondere wenn er mit sehr niedrigem Gewicht oder strengen Diäten verbunden ist (z. B. Ballett, Eiskunstlauf, Turnen, Ausdauersportarten), kann den Menstruationszyklus stören. Übertraining, lange Trainingseinheiten und intensive Cardio-Sessions ohne ausreichende Regeneration können zu einem Anstieg von Stresshormonen wie Cortisol führen. Dies kann einen Progesteron-Mangel verursachen und Zyklusstörungen hervorrufen.
Diagnose und Behandlung von Zyklusstörungen
Zur Diagnose von Zyklusstörungen gehört das Führen eines Zykluskalenders, um die Länge und Regelmäßigkeit des Zyklus zu beurteilen. Der erste Tag der Menstruation wird als erster Zyklustag gezählt. Zyklen zwischen 21 und 35 Tagen gelten als normal.
Bei Abweichungen ist es ratsam, auf den eigenen Körper zu achten und mögliche Auslöser wie Stress, Schlafmangel oder intensive sportliche Betätigung zu identifizieren.
Wann zum Arzt?
Starke oder ungewöhnlich verlängerte Blutungen sollten ärztlich abgeklärt werden, insbesondere wenn über 80 ml Blut pro Periode verloren werden (Hypermenorrhö). Mögliche Ursachen wie Entzündungen, Wucherungen oder Krebs müssen ausgeschlossen werden.
Bei einem Ausbleiben der Periode über sechs Wochen, gefolgt von plötzlichen Blutungen mit Schmerzen, ist ebenfalls ärztliche Hilfe notwendig.
Weitere Anzeichen, die eine ärztliche Abklärung erfordern, sind:
- Unregelmäßige, zu häufige oder seltene Monatsblutungen
- Verstärkte, verlängerte oder schwache Blutungen
- Ausbleiben der ersten Monatsblutung bis zum Alter von 16 Jahren (primäre Amenorrhoe)
- Ausbleibende Entwicklung von sekundären Geschlechtsmerkmalen
- Verstärkter, verfärbter und/oder übelriechender Ausfluss
Die ärztliche Untersuchung kann Hormontests, Ultraschalluntersuchungen und andere bildgebende Verfahren umfassen. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und kann von Gewichtsmanagement über Stressreduktion und Anpassung des Trainings bis hin zu medikamentösen oder operativen Verfahren reichen.
Bei Verdacht auf Essstörungen ist eine kombinierte Betreuung durch Frauenärzte und Psychiater oder Psychotherapeuten unerlässlich.
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