ICSI: Übelkeit am Vormittag – Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Das Ovarielle Hyperstimulationssyndrom (OHSS) ist eine seltene, aber mögliche Komplikation, die während der hormonellen Stimulation im Rahmen einer künstlichen Befruchtung auftreten kann. Glücklicherweise sind Überstimulationen meist gut kontrollierbar und mit entsprechenden medizinischen oder praktischen Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Die Schwere der Symptome variiert je nach Ausprägung der Überstimulation. Eine schwere Überstimulation tritt nur in etwa 0,1 bis 2 % der Fälle auf.

Wenn sich die Symptome einer Überstimulation nach der Follikelpunktion verschlimmern, kann es ratsam sein, den Embryotransfer zu verschieben. Die Behandlung einer Überstimulation richtet sich nach ihrem Schweregrad.

Symptome und Behandlung leichter Formen der Überstimulation

Bei leichten Formen einer Überstimulation können folgende Maßnahmen zu Hause ergriffen werden:

  • Körperliche Schonung zur Entlastung des Körpers.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Mindestens 3-4 Liter pro Tag sind empfohlen, um den Flüssigkeitshaushalt zu stabilisieren.
  • Kühlung des Unterbauchs: Dies kann helfen, die Durchblutung der Eierstöcke zu drosseln.
  • Eiweißreiche Kost oder die Einnahme von Eiweißdrinks aus der Apotheke oder dem Supermarkt (z.B. Allin) haben sich ebenfalls als sehr hilfreich erwiesen.

Behandlungsmöglichkeiten bei schwereren Formen und zur Vorbeugung

Bei schwereren Ausprägungen einer Überstimulation sind oft medizinische Interventionen notwendig:

  • Infusionen mit beispielsweise Multi-Lipid (SMOF) oder Calcium zur Unterstützung des Körpers.
  • Ankurbeln der Nierenfunktion zur Förderung der Wasserausscheidung.
  • Aszitespunktion zur Verringerung des Bauchdrucks, falls sich Flüssigkeit im Bauchraum ansammelt.
  • Engmaschige Überwachung der Flüssigkeitsausscheidung, des Bauchumfangs und der Blutwerte, um das Risiko schwerer Komplikationen wie Nierenversagen oder Thrombosen zu minimieren.
  • Engmaschige ambulante Betreuung oder eine stationäre Aufnahme in einer gynäkologischen Abteilung sind bei schweren Formen unerlässlich. In Wien werden in solchen Fällen das AKH oder das SMZ-Ost empfohlen.
Schema zur Veranschaulichung des Ovariellen Hyperstimulationssyndroms (OHSS) und seiner Behandlungsschritte.

Vermeidung einer Überstimulation während der IVF/ICSI-Behandlung

Um einer Überstimulation vorzubeugen, werden während der Stimulationsphase regelmäßige Ultraschalluntersuchungen und Bluttests durchgeführt. Dennoch kann es vorkommen, dass der Körper stark auf die Hormonstimulation reagiert. Wenn im Ultraschall viele kleine Follikel sichtbar sind und der Östrogenspiegel im Blut sehr hoch ist, kann die behandelnde Ärztin oder der Arzt entscheiden, die Behandlung vorzeitig abzubrechen oder die Dosis anzupassen.

Manchmal wird eine Überstimulation erst nach der Gabe der Auslösespritze (hCG) deutlich. In solchen Fällen werden die Eizellen zwar entnommen, ein Embryotransfer findet jedoch in diesem Zyklus nicht statt. Die Embryonen werden eingefroren und können in einem späteren, nicht stimulierten Zyklus eingesetzt werden. Während der Stimulationsphase und nach der Auslösespritze ist es wichtig, keinen ungeschützten Geschlechtsverkehr zu haben, um eine versehentliche Schwangerschaft zu vermeiden, die die Überstimulation verschlimmern könnte.

Persönliche Erfahrungen mit Übelkeit während der ICSI-Stimulation

Viele Frauen berichten von Übelkeit während der hormonellen Stimulation für eine ICSI-Behandlung. Die Intensität und der Zeitpunkt der Symptome können stark variieren.

Eine Patientin beschreibt ihre Erfahrung:

„Ich befinde mich in der 2. ICSI, Stimulationstag 11. Habe mir Menopur 200 stimuliert und mit Ganirelix unterdrückt. Nur gestern Abend gab es dann statt Menopur einmalig Bemfola 225. Heute Morgen 13 Follikel im US. Am späten Nachmittag ging es mir sehr plötzlich schlecht mit starker Übelkeit. Musste mich heute Abend dann übergeben. Übelkeit hält an. Habe jetzt Vomex genommen und gerade planmäßig die Auslösespritze gespritzt. Meine Frage: Habt ihr Erfahrung mit starker Übelkeit und Erbrechen während der Stimulation? Überlege ob ich vielleicht nicht doch Mittags etwas falsches gegessen habe und es Zufall ist. Freue mich über eure Erfahrungen!“

Andere Nutzerinnen teilen ihre Erlebnisse:

  • „Ich habe damals mit Bemfola 300 stimuliert und hatte keinerlei Nebenwirkungen außer dass ich etwas müde war. Ich denke, das ist etwas Stimulationsunabhängiges bei Dir.“
  • „Ich leide unter Stimulation auch unter starker Übelkeit, aber ohne Erbrechen. Mit ist aber hundselend. Es wird aber nach der Punktion besser!“
  • „Meine Medis waren von anderen Herstellern, aber ich hatte mit Druckgefühl und Übelkeit zu tun auch von der Stimu. Das war leichte Übelkeit ca ab Tag 4-5. Nach der Auslösespritze war mir dann sehr schlecht mit mehrmaligen Übergeben. Es war sehr sicher von den Medis.“
  • „Ich hatte das auch extrem! Bei meiner ersten ICSI hatte ich überhaupt keine Probleme... da habe ich aber auch nur mit Gonal F stimuliert und es wurden gerade mal 7 EZ. Bei meiner zweiten ICSI (bin gerade in der WS) hatte ich extreme Kreislaufprobleme... dachte sogar ich muss ins KH... mir ging es gar nicht gut. Kam ganz plötzlich, Freitags hat es angefangen und wurde von Tag zu Tag schlimmer (habe auch höher dosiert und mit einem anderen Medikament stimuliert). Hatte dann Montag US, mein Arzt meinte laut US alles gut, er hat dann noch das kleine Blutbild machen lassen, war auch alles okay. Ich habe dann Montags aufgehört zu stimulieren und ausgelöst, Mittwoch PU gehabt und ab dem Tag ging es mir auch wieder besser.“
  • „Ich bin gerade in der Stimulationsphase meiner ersten ICSI-Behandlung und natürlich sehr aufgeregt...Die Vorzyklus-Behandlung habe ich sehr gut überstanden, ohne jeglicher Nebenwirkungen etc. Ich spritze seit Samstag Puregon. Gestern Abend habe ich dann denn vollen Flash bekommen - ohne Grund. Habe mich einfach nur schrecklich gefühlt… Gestern Abend hatte ich auch so komisches Ziehen im Bauch, kommt das alles von der Stimulation?“
  • „Meine Übelkeit ist nun im nachhinein betrachtet eindeutiges Überstimulationsanzeichen gewesen. Musste nach Punktion mit viel wasser trinken und eiweissshakes entgegenwirken. Es war einige Tage unklar ob wir überhaupt Transfer machen. Wir haben es dennoch gewagt da meine Gegenmassnahmen angeschlagen haben.“
  • „Ich hatte während Stimulation extreme Übelkeit. Aber erst später, bei meinem ersten Versuch hatte ich überhaupt keine Probleme. Ich wurde mit Gonal stimuliert und es wurden 9 schöne Follikel punktiert. Bei ICSI Nummer 2 (bin gerade in der WS) wurde ich mit einem anderen Medikament stimuliert und hatte extreme Kreislaufprobleme, einmal musste ich sogar zur KH, weil es mir sehr schlimm ging. Mit jedem Tag war das schlimmer. Nach dem ersten Ultraschall sagte der Arzt es ist alles ok und hat dann noch das kleine Blutbild machen lassen, war auch alles ok. Ich habe dann aufgehört zu stimulieren und ausgelöst, PU gehabt und ab dem Tag ging es mir auch wieder besser. Mein Arzt ist der Meinung, dass die Eierstöcke evtl. auf mein Nervensystem drücken und mir das die Kreislaufprobleme verursacht.“

ICSI Tagebuch Nr.3 - Stimulation mit 300 IE Pergoveris | Erstes Follikel-TV | SSW 1+2

Übelkeit in der Frühschwangerschaft: Ein Vergleich

Es ist interessant zu bemerken, dass Übelkeit ein häufiges Symptom auch in der Frühschwangerschaft ist. Viele Frauen leiden unter dieser Übelkeit, die vorwiegend am Morgen eintritt. Diese kann ein Zeichen für eine gut verlaufende Schwangerschaft sein, da das vom Embryo produzierte Hormon hCG die Übelkeit auslöst. Bei Zwillingsschwangerschaften ist die Übelkeit oft stärker ausgeprägt, da mehr hCG produziert wird.

Für Frauen, die unter Schwangerschaftsübelkeit leiden, werden folgende Tipps gegeben:

  • Kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt, reich an Proteinen und Kohlenhydraten.
  • Vermeidung von würzigen und fetten Speisen.
  • Kleine Schlucke von Elektrolyt-Drinks können Flüssigkeitsverlust ausgleichen.
  • Akupunktur oder Akupressur (z.B. mit „Sea Band“) sowie Ingwertee können Linderung verschaffen.
  • Bei anhaltendem Erbrechen sollte ein Arzt aufgesucht werden, gegebenenfalls ist eine Infusionstherapie oder ein Krankenhausaufenthalt notwendig.

Die Übelkeit verschwindet in der Regel bis zur 16.-20. Schwangerschaftswoche von selbst.

Risiken und Nebenwirkungen der IVF/ICSI-Behandlung

Die In-vitro-Fertilisation (IVF) sowie die Follikelpunktion gelten als sichere und etablierte Methoden. Dennoch können im Rahmen der Behandlung Nebenwirkungen auftreten:

  • Hormonelle Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit oder Stimmungsschwankungen.
  • Überstimulation der Eierstöcke (OHSS) mit Bauchschmerzen, Flüssigkeitseinlagerungen oder Kreislaufproblemen (selten).
  • Erhöhtes Risiko für Mehrlingsschwangerschaften bei Transfer mehrerer Embryonen.
  • Emotionale Belastungen durch den Behandlungsverlauf oder ein mögliches negatives Ergebnis.

Bei der Follikelpunktion selbst können auftreten:

  • Vorübergehende Unterbauchschmerzen oder leichte Blutungen.
  • Infektionen (selten, prophylaktische Maßnahmen werden ergriffen).
  • Verletzungen benachbarter Organe wie Blase, Darm oder Blutgefäße (sehr selten).
  • Risiken durch die Kurzzeitnarkose, z. B. Kreislaufreaktionen oder Übelkeit (selten).

Schwerwiegende Komplikationen sind insgesamt selten.

Umgang mit Übelkeit und anderen Nebenwirkungen während der Stimulation

Nebenwirkungen sind sehr individuell. Manche Frauen spüren kaum etwas, während andere stark beeinträchtigt sind. Eine Frau berichtet:

„Nebenwirkungen sind sehr persönliche Sache und es läuft bei allen anders. Einige spüren keine Nebenwirkungen, anderen geht es mega schlecht. Ich selbst reagiere auch sehr schlecht auf Hormone und konnte keine Pille nehmen. Diese 2 Wochen die ich mich stimulieren sollte war für mich die Hölle. Ich hatte ständige Übelkeit und Schwindel. Gott sei Dank bin ich nicht zugenommen wie es bei vielen anderen Frauen der all ist. Auch hatte ich Heißhungerattacken und man muss sehr gut aufpassen. Die Haut wurde bei mir zwar unrein, Pickel…Die Brüste wurden Größer. Bei mir wurden 7 wunderschöne Eizellen punktiert und 3 liessen sich befruchtet. Jetzt warte ich auf meinen Bluttest aber ich denke, der Versuch hat geklappt weil ich viele Anzeichen habe gerade wie bei meiner ersten Schwangerschaft. Also, mach dir einfach nicht zuviel Sorgen. Jeder Körper reagiert anders auf die Hormone!“

Strategien zur Linderung von Übelkeit

Die genaue Ursache von Übelkeit, insbesondere in der Schwangerschaft, ist nicht immer vollständig geklärt. Ein Zusammenspiel von Schwangerschaftshormonen (u. a. hCG, Östrogen, Progesteron) und einer veränderten Magen-Darm-Beweglichkeit wird angenommen. Neuere Forschung bringt auch das Plazentahormon GDF-15 mit Appetitverlust und Übelkeit in Verbindung; genetische Unterschiede scheinen zu erklären, warum manche Schwangere stärker betroffen sind.

Folgende Strategien können helfen, Übelkeit zu lindern:

  • Frühzeitige Einnahme eines Multivitamin-/Pränatalpräparats: Studien deuten darauf hin, dass die regelmäßige Einnahme vor und zu Beginn der Schwangerschaft das Risiko starker Übelkeit reduzieren kann.
  • Etablierung von Ess- und Trinkroutinen: Kleine, regelmäßige Mahlzeiten und eine gute Trinkstruktur können die Umstellung im ersten Trimester erleichtern.
  • Reduzierung von Reflux-Triggern: Spätes, sehr fettes oder scharfes Essen und große Portionen können Magenbeschwerden verstärken.
  • Kleine, häufige Mahlzeiten: Essen Sie alle 2-3 Stunden eine kleine Portion. Ein leerer Magen fördert Übelkeit; Überessen ebenso. Beispiele: Eine halbe Banane + Handvoll Nüsse; Hafercracker mit Hüttenkäse; kleine Gemüsesuppe; Joghurt mit Haferflocken.
  • Trennung von Speisen und Getränken: Trinken Sie bevorzugt zwischen den Mahlzeiten.
  • Snacks für die Nacht: Legen Sie sich abends Cracker/Zwieback ans Bett. Morgens erst 2-3 Bissen essen, 10 Minuten sitzen bleiben, dann langsam aufstehen.
  • Proteinreiche Snacks: Protein stabilisiert den Blutzucker und sättigt ohne zu beschweren. Beispiele: Joghurt/Skyr, Hüttenkäse auf Knäckebrot, Nussmus auf Toast, hart gekochtes Ei, Edamame, milde Kichererbsen-Hummus-Wraps, kleine Portion Linsen- oder Hühnersuppe.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Ziel sind insgesamt etwa 1,5-2 l über den Tag (sofern medizinisch nichts dagegenspricht). Trinken Sie schluckweise: stilles Wasser, verdünnte Säfte, Ingwer- oder Pfefferminztee, Eiswürfel, Wassereis, Brühen. Bei Neigung zu Erbrechen: lieber zwischen den Mahlzeiten trinken.
  • Ingwer: Als Tee, Kapseln oder Bonbons kann Ingwer Übelkeit messbar lindern.
  • Vermeidung von Triggern: Häufige Trigger sind Kochdünste (v. a. Zwiebeln, Knoblauch), Kaffee, Parfüm, Zahnpasta-Schaum, stickige Luft, Bildschirmarbeit ohne Pausen. Notieren Sie Ihre Trigger und versuchen Sie, diese zu umgehen.
  • Reisekrankheitsbänder: Manche Frauen profitieren von diesen Bändern, die Druck auf Akupressurpunkte ausüben.
  • Kalte Speisen: Kälte reduziert aufsteigende Düfte. Probieren Sie: Overnight-Oats, kalte Sandwiches mit pasteurisierten Zutaten, milder Kartoffelsalat ohne Zwiebeln, Gemüse-Smoothies, Joghurt-Bowls, Reissalate.
  • Akupunktur: Die Behandlung des Akupunkturpunktes P6 (Neiguan) am Handgelenk wird in der Praxis häufig eingesetzt und kann Linderung verschaffen.
  • Ausreichend Ruhe und Entspannung: Müdigkeit kann Übelkeit verstärken. Planen Sie Mikro-Pausen, kurze Power-Naps und frühe Bettzeiten. Entspannungstechniken wie Spaziergänge, Meditation oder Hypnobreathing können helfen.

Viele Schwangere kennen Übelkeit und gelegentliches Erbrechen im ersten Trimester. Meist sind diese Beschwerden unangenehm, aber erträglich und verschwinden nach einigen Wochen von selbst. In seltenen Fällen jedoch nimmt die Übelkeit extreme Ausmaße an (Hyperemesis gravidarum), bei der Essen und Trinken kaum noch möglich sind und die Frau deutlich an Gewicht verliert. Dies ist eine ernsthafte Erkrankung, die frühzeitig behandelt werden sollte.

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