Dass ich einmal ein Hochbett selber bauen würde, hätte ich ehrlich gesagt nie erwartet. Dabei liegt es bei unseren kleinen Räumen mit den hohen Decken (3,3 Meter) eigentlich auf der Hand. Und Berlin hat insgesamt recht viel Altbaubestand und damit viele Möglichkeiten, Hochbetten zu bauen. Alleine hätte ich mich allerdings niemals daran gewagt - so ein Projekt ist körperlich wirklich harte Arbeit. Es muss exakt gemessen werden, vor allem weil die Konstruktion an den Wänden befestigt wird. Und in diesem Fall gilt definitiv nicht: „Wer misst, misst Mist“, besser gleich richtig machen.

Nach unserem selbst gebauten Podest für das Schlafzimmer folgte also nun ein selbst gebautes Hochbett für das schon sehr kleine Durchgangs-Kinderzimmer. Das neue Modell sollte das alte ersetzen, das ehrlich gesagt keine besonders sichere Konstruktion war. Das Hochbett soll aus Holzpfosten bestehen, die wir an den Wänden befestigen. Unser Problem mit den Wänden: alles Rigips, dahinter kommt Watte und Luft, danach erst das Mauerwerk.
Kurz vor dem Geburtstag des Kindes packte es uns: Warum nicht JETZT noch los, Holz und Zubehör holen und los bauen. Schenken wir ihr doch ein neues Hochbett. Von Samstag bis Mittwoch werden wir schon schaffen, auch wenn wir Sonntag nicht bohren und Montag nicht dran arbeiten können, weil wir gar nicht da sind. Wir hatten also genau: Samstag Abend für den Abbau, Dienstag nach der Arbeit für den Aufbau. Sportlich.
Konstruktion und Materialauswahl
Die Herausforderung beim Bau des Hochbetts war, möglichst nur an den Ecken Stützpfeiler zu installieren, damit der Raum unter dem Bett komplett frei bleibt. Um das Gewicht von Bett, Kind und riesigen Kuscheltieren direkt auf den Fußboden zu leiten und damit die Wände zu entlasten, haben wir uns für 10x12 cm starke Kanthölzer an jeder Ecke entschieden. Alle verbauten Balken bestehen aus Fichten-Konstruktionsvollholz für den sichtbaren Einbau, sind also gehobelt und gefast und haben einen Feuchtesatz, der nahe an der zu erwartenden Gleichgewichtsfeuchte im Einbauzustand liegt. So haben wir die Wahrscheinlichkeit nachträglicher Verformungen minimiert.

Montage und Befestigung
In die Stütz- und äußeren Quer- und Längsbalken haben wir Löcher für die Wandverankerung gebohrt und ca. 5 cm tief geweitet, damit die Schraubenköpfe im Holz versenkt werden können und die Scherkräfte kleiner werden. Auf die Auflagefläche der Stützbalken haben wir nur einfach zwei hochkant (gegen Durchbiegen) liegende Kanthölzer als Querbalken gelegt. Diese werden an den Seiten jeweils mit den auch aufliegenden Längsbalken verschraubt. Zwei weitere Querbalken werden zu gleichen Abständen in die Mitte verschraubt, um ein Durchbiegen der Auflage zu verhindern.
Zu guter Letzt noch eine Lattenrost mit Schrauben gegen Verrutschen gesichert und aus den Resten der Kanthölzer und einem alten Regal eine Reling gebaut.
Kosten und Weiterentwicklung
Die Gesamtkosten liegen ungefähr bei erschwinglichen 170 Euro. Am Ende - wenn alles gut geht, dann sieht das selbst gebaute Hochbett so aus und der Raum gewinnt deutlich mehr Platz. Ich freue mich natürlich auch sehr, dass dieses Hochbett im Freundeskreis inzwischen sehr oft nachgebaut wurde. Und wir es im zweiten Kinderzimmer auch noch direkt gebaut haben.

Inzwischen hat es natürlich schon ein paar weitere Veränderungen gegeben. Wir haben das Bett weiß gestrichen, damit es noch weniger auffällt und auch die Leiter gegen eine weiße ausgetauscht. Zusätzlich haben wir auf der linken Seite, also hinter der Tür, noch ein schmales Regal mit Lochbrettern befestigt, für noch mehr Stauraum. Auch der Rausfallschutz ist jetzt umgebaut, denn in kleinen Zimmern ist Stauraum halt einfach alles: Dort hängen jetzt weitere Kästen, in die wir Dinge verstauen können, die eventuell nicht so oft genutzt werden.
Häufig gestellte Fragen zum Hochbettbau
In den letzten Jahren kamen immer wieder diverse Fragen auf, ich versuche einige kurz zu beantworten.
Lohnt sich das überhaupt?
Definitiv! Wir haben zwei dieser Kinderzimmer und die Betten in einem kurzen Abstand hintereinander gebaut. Der große Sohn war schon 15, die kleine 10. Aber auch für ältere Kinder lohnt sich der Bau. Heute, fast 10 Jahre später wird das eine Bett als Lounge genutzt (mit Glotze und Kuschelkissen, Spielmatratze, usw.) und das andere als (Gäste)Bett.
Wie viel Gewicht hält das Bett aus?
Genau kann ich es natürlich nicht sagen, aber es hängen schon locker auch mal 5 Kinder gleichzeitig oben rum oder auch drei Erwachsene, zwei Kinder und viele andere verschiedene Konstellationen. Es knarzt nicht und es sind also auf jeden Fall 250kg, die es aushält.
Mit welchem Programm habt ihr gezeichnet?
Mit einem CAD-Programm. Kostenlos ist z.B. FreeCAD.
Wie ist die Leiter befestigt?
Die meisten Leitern für Hochbetten haben integrierte Haken, die man dann einhängen kann. Dafür haben wir eine Temperguss-Rohr befestigt und die Stange eingehängt.
Was ist mit dem Rausfallschutz?
Der ursprüngliche Rausfallschutz, wie auf den Bildern zu sehen, ist so nicht mehr vorhanden. Wir haben zwei große Schränke hingebaut, zum einen, weil wir jedes Stückchen Schrank in so kleinen Zimmern benötigen, zum anderen ist es natürlich sicherer. Es gibt aber viele andere Konstruktionen, die man als Rausfallschutz nutzen kann.
Hochbett mit Spielebene aus Ikea Kura & Malm (+Trofast-Treppe)
tags: #hochbett #rausfallschutz #netz #obi