Grundprinzipien beim Heben und Tragen von Säuglingen

Wenn ein Kind geboren ist, hat sich das Wunder des Lebens vollzogen. Freude, Erschöpfung und Erleichterung dürfen sich ausbreiten. Zuwendung, wohlwollende Einfühlung, gefühlsmäßige Identifikation und angemessenes Eingehen auf das Kind sind unter den Lebenszutaten die kostbarsten. Hinzu kommt der Schutz vor Lärm und sonstiger Überreizung, vor Zugluft, Kälte und Überhitzung, außerdem Geduld und Langmut als untadeliges Zubehör - alles nicht käuflich. Gelingt es, uns weit zum Kind hin zu denken und beim Aufheben wissentlich ein wertvolles Geschöpf in unsere Hände zu nehmen, wird an unseren Handhabungen schon viel richtig sein.

Porträt eines Neugeborenen, das sanft von den Eltern gehalten wird

Die Entwicklung des Säuglings und die Notwendigkeit der Unterstützung

Das junge Leben eines Säuglings ist geprägt von entscheidenden Entwicklungsschritten, die von der Horizontalen in die Vertikale führen. Die Entwicklung der gesamten Grobmotorik zeigt sich innerhalb der ersten 12 bis 18 Lebensmonate. Ein gesunder Säugling erreicht die Vertikale erst um den 9. Lebensmonat. Wenn Frauen und Männer zum ersten Mal Eltern werden, ist alles neu und faszinierend, bringt aber auch Unsicherheiten mit sich, besonders im Umgang mit einem kleinen, hilflosen Säugling. Viele junge Eltern, und vor allem frisch gebackene Väter, sind häufig sehr zögerlich und vorsichtig im Umgang mit einem Neugeborenen. Dabei darf und soll beherzt, sicher und vor allem bewusst zugegriffen werden, denn Babys mögen Berührungen. Während der Schwangerschaft befand sich das Baby im Fruchtwasser und in der Gebärmutter. Jetzt, nach der Geburt, muss es sich erst einmal an die Schwerkraft gewöhnen. Die differenzierten Bewegungen fallen ihm schwerer und es braucht Hilfe und Unterstützung von außen.

Infografik, die die grobmotorische Entwicklung eines Säuglings über die ersten 18 Monate zeigt

Grundlegende Prinzipien im Umgang mit dem Säugling

Bei jedem Handgriff ist es wichtig, sich grundsätzlich zu überlegen, wie man selbst eine bestimmte Bewegung ausführen würde. Zeitgleich sollte man sich fragen, was das Baby in einer bestimmten Situation selbst tun würde, wenn es dazu alleine in der Lage wäre. Das eigene Handeln und die Unterstützung helfen dem Baby so lange, bis es diese Schritte eigenständig durchführen kann. Jede neue Herausforderung und jedes Erfolgserlebnis macht das Kind mutiger und motiviert es, auch bei Rückschlägen wieder aufzustehen und es immer wieder zu versuchen.

Grundsätzlich gilt: Je kleiner das Baby ist, desto mehr Unterstützung und Nähe braucht es von außen. Seine Bewegungen sollen so natürlich wie möglich unterstützt werden, ohne diese vollständig zu übernehmen. Denn auch Babys können schon sehr viel allein. Es sollte zunächst grundsätzlich die Chance bekommen, jede Bewegung mitzumachen und bei selbstkontrollierten Bewegungen unterstützt werden. Zudem ist darauf zu achten, wie das Baby bewegt wird und was man anders machen könnte, um seine Eigenständigkeit zu fördern und nicht seine Anspannung zu erhöhen. Abwehrzeichen sollten beachtet werden.

Körperliche Besonderheiten des Säuglings

Es ist wichtig zu verstehen, dass Babys andere Proportionen haben als Erwachsene. Nach der Geburt wirkt der Rücken des Babys zunächst leicht gerundet. Es hat Schwierigkeiten auf der geraden Unterlage stabil zu liegen, da auch seine Beine so geformt sind, dass sie nur punktuell die Fläche berühren können. Der Kopf ist so groß wie sein Brustkorb, das Becken fast halb so groß wie der Kopf und die Arme so kurz, dass sie nicht über die Mitte seines Körpers reichen. All das bedeutet für das Baby, dass es anfangs große Mühe hat, den Körper in der Schwerkraft auszubalancieren.

In der Rückenlage bietet ein kleines Kissen oder eine Handtuchrolle unter den Beinen Halt und mehr Stabilität, sodass das Baby die Beine entspannt ablegen kann. Zusätzlich kann als Beruhigungshilfe für unruhige Phasen eine Puckhilfe nützlich sein.

Schemazeichnung, die die Proportionen eines Neugeborenen im Vergleich zu einem Erwachsenen darstellt

Richtiges Heben und Halten

Wenn das Baby auf dem Arm eingeschlafen ist, ist es oft schwierig, es ohne Aufwachen ins Bettchen zu legen. Ein Trick besteht darin, das Baby nicht unter den Armen hochzunehmen. Es erschrickt sonst, nimmt die Arme hoch und weiß nicht, was mit ihm passiert. Besser ist es, es so hinzulegen, wie man sich selbst hinlegen würde: Das Baby an Oberkörper und Becken stützen, sodass es leicht nach vorne gebeugt ist, dann zunächst mit Füßen und Beinen die Matratze berühren lassen und das Baby auf den Po setzen. Diese Bewegung kann das Baby leichter verstehen und nachvollziehen und fühlt sich im Raum orientierter. Dieses Ablegen ist auch im wachen Zustand empfehlenswert.

Früher war der klassische Handgriff zum Wickeln das Hochziehen der Beine. Diese Bewegung würde das Kind aber erst dann selbständig ausführen, wenn es eine Kerze machen könnte. Daher ist das Wickeln über die Seitenlage besser: In Rückenlage die Windel öffnen und das Genital reinigen, dann das Baby dabei unterstützen, in die Seitenlage zu kommen, um die Windel entfernen zu können. Der restliche Po wird gesäubert. Dann wird in gleicher Position eine neue Windel aufgeschlagen, an den Po gelegt und das Kind unterstützt, sich zurückzudrehen. So landet es in der geöffneten Windel, die nun verschlossen werden kann. All das mag anfangs ungewohnt klingen, wird aber durch häufige Wiederholung zur Routine.

Das richtige Hochnehmen des Babys

Bevor die Frage aufkommt, wie das Baby gehalten werden soll, gilt es zu klären, wie es überhaupt auf den Arm kommt. Das Kleine sollte am sichersten und bequemsten hochgehoben werden. Wenn sich das Baby in Rückenlage befindet, hebt man es am besten über die Seite hoch. Diese Variante eignet sich besser als das gerade Hochnehmen, da die seitlichen Halsmuskeln in den ersten Lebenswochen kräftiger ausgeprägt sind als die Nackenmuskeln.

  • Das Baby wird mit beiden Händen von vorne unter seine Achseln gefasst. Die Daumen sind dabei vorne, die restlichen Finger stützen hinten den Kopf und den Rücken.
  • Das Kind wird in dieser Haltung auf die Seite gedreht.
  • Zum Hochheben wird es dann noch ein kleines bisschen weiter gedreht und in die ausgewählte Position gelegt.

Es ist wichtig, das Baby abwechselnd links- und rechtsherum zu drehen, um es hochzuheben. So werden beide Seiten trainiert und das Kind bleibt flexibel.

Illustration, die das korrekte seitliche Hochheben eines Säuglings zeigt

Beliebte Tragepositionen

Nachdem das Kleine sicher hochgehoben ist, gibt es verschiedene populäre Haltegriffe. Wahrscheinlich wird sich schnell eine Lieblingsposition entwickeln, die dem Elternteil und dem Kind besonders gut tut. Es ist ratsam, die Griffe ab und zu zu verändern, um Fehlhaltungen und Überbelastungen bei beiden zu vermeiden.

1. Der Fliegergriff

Beim Fliegergriff liegt das Baby bäuchlings auf dem Unterarm, der Kopf liegt in der Armbeuge und mit einer Hand werden sein Po und die Oberschenkel festgehalten, damit es stabil liegt. Um diese Haltung einzunehmen, wird das Baby über die Seite hochgehoben und dann bäuchlings auf den Unterarm gelegt. Der freie Arm kann zur Unterstützung dazu genommen werden, insbesondere wenn das Kind nicht mehr ganz klein ist. Mit der freien Hand kann der Rücken des Babys gestreichelt werden, was besonders bei Bauchweh beruhigend wirken kann.

Gut zu wissen: Immer mehr Expert:innen empfehlen, den Fliegergriff nicht mehr anzuwenden, da er die Wirbelsäule und die Hüfte zu sehr belasten kann. Außerdem ist das Baby der Umgebung zugewandt, wodurch es zu einer Reizüberflutung kommen könnte, was angeblich der Grund dafür ist, dass Babys bei diesem Griff plötzlich ruhig werden. Eine Alternative ist das Tragen in Anhockspreizhaltung.

2. Der Wiegegriff

Der Wiegegriff ist ein guter Allrounder und auch gut geeignet, um das Kleine zu beruhigen. Dabei wird das Baby im Ganzen gehalten und liegt bequem in der Armbeuge, ganz nah an den Körper gedrückt. Der Körper des Babys befindet sich in einer geraden Lage. Der Hinterkopf des Babys liegt in der Armbeuge, sodass das Kind die Eltern ansehen kann. Der Unterarm umschließt den Oberkörper, während die Hand den Po des Babys stützt. Babys Arme sollten vor dem Körper sein und nicht eingeklemmt werden. Der freie Arm kann zur Unterstützung genutzt oder dazu verwendet werden, dem Baby das Fläschchen oder den Schnuller zu geben.

Gut zu wissen: Durch den nahen Abstand fällt es dem Kind leichter, Augenkontakt zu halten, was den Bond verstärkt. Diese Lage eignet sich auch wunderbar zum Stillen oder Fläschchengeben.

3. Die Schulterhaltung

Diese Position finden viele Babys besonders angenehm. Auf Mama oder Papas Schulter fühlen sie sich geborgen und können die Welt entdecken. Das Kind wird in aufrechter Haltung an den Oberkörper gelehnt, wobei das Köpfchen über die Schulter gelegt wird. Mit einem Arm wird der Po des Babys gestützt. Der andere Arm hält den Bereich des Kopfes und des oberen Rückens. Die Arme des Babys sollten frei auf der Schulter liegen und nicht eingeklemmt sein.

Gut zu wissen: Die Schulterhaltung ist die Position der Wahl, wenn es ums Bäuerchenmachen geht. Das Baby wird dafür am besten noch ein bisschen weiter oben angelegt, sodass die Ärmchen über die Schulter hängen. Durch den Druck auf den Magen des Kindes kann die Luft besser entweichen. Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass sie die Wahrnehmung und Aufmerksamkeit des Babys trainiert.

Collage aus drei Bildern, die die drei beliebtesten Tragepositionen illustrieren: Fliegergriff, Wiegegriff und Schulterhaltung

Richtiges Ablegen des Babys

So wichtig wie das richtige Hochnehmen des Babys ist das Ablegen. Auch das sollte am besten über die Seite und genauso langsam und behutsam erfolgen. Dazu greift man mit beiden Händen unter die Achseln des Babys, wobei die Finger Schultern und Nacken stützen. Dann legt man das Baby mit den Füßen zuerst ab und rollt es über ein Po-Bäckchen in die Rückenlage.

Illustration, die das korrekte seitliche Ablegen eines Säuglings zeigt

Die Vorteile des Getragenwerdens

Die genannten Haltepositionen können und sollten je nach Situation angewendet und abgewechselt werden. Wenn sich nach einigen Tagen eine Routine entwickelt hat, werden Eltern intuitiv die passenden Griffe anwenden und keine Angst mehr haben, das Neugeborene zu verletzen. Es ist wichtig, immer auf das Köpfchen und eine gestützte Wirbelsäule zu achten.

Wichtiger als die bilderbuchartige Halteform und Ausführung ist es, das Baby trotz anfänglicher Scheu so viel wie möglich zu tragen. Von liebenden Armen aus die Welt zu entdecken ist das Beste, was dem Baby in dieser frühen Entwicklungsphase passieren kann. Babys, die viel getragen werden, weinen deutlich weniger, sind generell ruhiger und ausgeglichener und machen schneller geistige und körperliche Fortschritte. Gemütlich und geborgen an der Wärme und dem Herzschlag der Eltern die Welt kennenzulernen, fördert die Entwicklung des Gehirns und schult den Gleichgewichtssinn.

Auch wenn der Rat, das Baby auch mal schreien zu lassen, verlockend klingen mag, sollte man versuchen, so oft wie möglich engen Hautkontakt mit dem Kleinen zu haben, denn es gibt kein "Zuviel", wenn es ums Tragen geht. Jede Minute, die das Baby sich bei den Eltern einkuscheln darf, ist ein wichtiger Moment, der die Verbundenheit und Liebe weiter stärkt. Mit dem Tragen signalisiert man dem Kind: "Ich bin immer da, wenn du mich brauchst. Ich beschütze und wärme dich. Du bist sicher in dieser Welt." Mit diesem Urvertrauen ausgestattet, wird der Schatz bestmöglich in die Welt starten können.

Sicherheit im Auto

Für die gesicherte Mitnahme Ihres Säuglings im PKW haben sich Hersteller viel überlegt. Die Baby-Schale sollte mit dem Rücken zur Fahrtrichtung, entgegengesetzt dem Fahrzeuglenker, auf der Rücksitzbank untergebracht werden. Wird sie auf den Beifahrersitz gestellt, ist unbedingt der Front-Airbag abzuschalten! Die Ausstattung kommt nur voll zur Wirkung, wenn die Gurte darüber korrekt fixiert sind und für die Dauer der Fahrt verlässlich geschlossen bleiben. Diese Bestimmungen sind am Weg absolute Sicherheitserfordernis.

Je steiler aufgerichtet die Rückenlehne, desto mehr Druck entsteht auf der Lendenwirbelsäule. Daher die unerlässliche Empfehlung, das mitfahrende Kind, je jünger, desto näher in der Horizontalen und nicht länger als zur Überwindung der Fahrdistanz darin zu belassen. Es ist ratsam, nur kurze Strecken zu fahren und, wenn längere Touren unvermeidlich sind, genügend Zeit und Pausen einzuplanen. Das Baby sollte am Ende der Fahrzeit gleich herausgenommen und ihm wieder eigener Bewegungsraum gestattet werden.

Grafik, die die korrekte und sichere Installation einer Babyschale im Auto zeigt

Komfort im Kinderwagen

Nebst einem Babybett braucht es auch im Kinderwagen eine waagrechte Liegefläche. Diese sollte nicht zu weich und speziell fürs Wagerl nicht zu dünn sein, da winterliche Kälte unter anderem von unten angreift.

tags: #heben #und #tragen #des #sauglings #allgemeine