Sabine Balster: 25 Jahre Hebammenarbeit in Schermbeck und Bricht

Seit 25 Jahren ist Sabine Balster, die in Bricht wohnt, als Hebamme tätig. Dieses besondere Jubiläum möchte die 46-jährige Mutter von drei Kindern mit allen Eltern und Kindern feiern, die sie in den vergangenen Jahren betreut hat. „Ich möchte sehen, wie es allen geht, möchte den Kindern begegnen - gucken, ob es ihnen gut geht", sagt sie mit strahlenden Augen.

Foto von Sabine Balster lächelnd mit einem Baby auf dem Arm

Die Feier und die Vorbereitungen

Um dieses Ereignis gebührend zu feiern, wird die Familie und auch die Nachbarschaft eingespannt. Sabine Balster bittet um Verständnis für mögliche Verkehrsbeeinträchtigungen an diesem Tag, verspricht aber, dass der Kuchen in der Nachbarschaft gebacken wird. Im Laufe ihrer Karriere hat sie auch am Lüttge Feld 17 Babys auf dem Weg ins Leben begleitet.

Ihr Mann hat für die Feierlichkeiten gesorgt und ein Zelt aufgestellt, das auf ebenem Boden steht, da an der Straße Lüttge Feld kein Bürgersteig vorhanden ist. Sabine Balster betont die Unterstützung, die sie von ihrem Mann erfährt, und sagt liebevoll: „Hebammenmänner sind eben etwas ganz Besonderes."

Beruflicher Werdegang: Vom Kreißsaal zur Freiberuflichkeit

In ihren drei Jahren Erfahrung im Kreißsaal hat Sabine Balster 280 Kindern auf die Welt geholfen. Ihre eigene Familienplanung begann im Alter von 24 Jahren mit der Geburt ihres ersten Kindes. Sie resümiert rückblickend: „Das war das perfekte Alter fürs erste Kind, man ist so herrlich naiv und macht sich wenig Sorgen." Nach einer dreijährigen Elternzeit kam das zweite Kind, was eine Rückkehr in den Kreißsaal für sie ausschloss. Daraufhin entschied sie sich, freiberuflich tätig zu werden. Der Keller wurde entsprechend ausgebaut, und kurz darauf kündigte sich ihr drittes Kind an.

Die Geburten ihrer eigenen Kinder erlebte sie unterschiedlich. Ihre Entscheidung, Hebamme zu werden, erklärt sie mit einem Lachen: Sie habe schon immer, neben der Bravo, Elternzeitschriften gelesen. Dies tut sie auch heute noch, wobei sich der Inhalt der Zeitschriften kaum verändert habe, nur die Fotos. Ihre Ausbildung absolvierte Sabine Balster in Stuttgart. Sie erinnert sich an die Aussage „Lehrjahre sind keine Herrenjahre", doch das Durchhalten und der Blick auf die alternative Geburtshilfe während ihrer Ausbildung hätten sich gelohnt.

Collage aus alten und neuen Ausgaben von Elternzeitschriften

Freiberufliche Tätigkeit: Mehr als nur Geburtsbegleitung

Eine Rückkehr in den Kreißsaal war für Sabine Balster aufgrund der hohen Versicherungsanforderungen für freiberufliche Hebammen nicht realisierbar. Heute bietet sie eine breite Palette an Dienstleistungen an:

  • Geburtsvorbereitungskurse
  • Betreuung der Mütter im Wochenbett
  • Rückbildungsgymnastik mit Schwerpunkt Beckenboden
  • Babymassage

Darüber hinaus kümmert sie sich auch um werdende und junge Väter. Sie nimmt ihnen vor der Geburt Ängste und steht ihnen auch danach für Gespräche zur Verfügung. Sie betont die Wichtigkeit der Männer im Kreißsaal, da sie die Hebamme unterstützen können.

Sabine Balster beobachtet, dass nach der Geburt oft das Kind im Mittelpunkt steht und die jungen Väter vergessen werden. Sie erinnert sich an Hebammen während ihrer Ausbildung, die der Meinung waren, Männer hätten im Kreißsaal nichts zu suchen. Sie selbst sieht das anders und betont die unterstützende Rolle der Väter.

Veränderungen in der Geburtshilfe und Elternschaft

Die Mütter selbst hätten sich im Laufe der Jahre nicht grundlegend verändert, wohl aber ihr Umfeld. Sabine Balster ist überzeugt, dass der Instinkt, das Kind zu gebären und eine tiefe Bindung aufzubauen, tief in den Frauen verankert ist. Sie glaubt, dass Narkotika diese Urinstinkte dämpfen können. Dennoch teilen Eltern auch heute noch dieselben Sorgen, Wünsche, Träume und Hoffnungen.

Allerdings sind werdende Mütter heute älter, selbstständiger und beruflich erfolgreicher. Dies erhöht den Druck, dass die Geburt ein Erfolg werden muss. Der Informationsbedarf wird heute oft im Internet gestillt, anstatt sich an die eigene Mutter, Großmutter oder Freundinnen zu wenden. Diese Informationsflut kann Druck aufbauen, mit dem Glauben, dass die Erfüllung aller Ratschläge automatisch zu einem gesunden Kind führt. Sabine Balster ermutigt Mütter, sich auf ihre Urinstinkte zu verlassen und den Begriff „Guter Hoffnung sein" zu verinnerlichen.

Infografik, die den Informationsfluss für werdende Eltern früher und heute vergleicht

Sie stellt fest, dass viele 35-jährige Mütter zum ersten Mal ein Baby auf dem Arm halten und unsicher wirken. In ihren Kursen versucht sie, diesen Druck zu nehmen, die Mütter zu motivieren, auf ihre Instinkte zu vertrauen und sie auf dem Weg zu begleiten. Denn nach der Geburt beginnt erst der eigentliche Alltag mit kurzen Nächten, Bauchschmerzen des Babys und hormonellen Schwankungen bei der Mutter, die den Anspruch hat, alles perfekt zu meistern: Mann, Kind, Haushalt und ein gutes Aussehen.

Aktuelle Situation und Zukunftspläne

Sabine Balster betreute im letzten Jahr 73 Familien und im ersten Halbjahr dieses Jahres bereits 47. Sie bestätigt die Meldungen des statistischen Bundesamtes, dass die Geburtenrate wieder steigt, und hat dies auch bereits dem Bürgermeister mitgeteilt.

Zu ihrem 50. Geburtstag wünschte sich Sabine Balster eine Veränderung in ihrem Leben. Anstatt ein neues Hobby zu beginnen, hat sie sich für ein Ehrenamt in der Notfallseelsorge entschieden, was laut Koordinator Peter Bromkamp nicht unüblich ist.

Sabine Balsters beruflicher Werdegang im Überblick

Ereignis Zeitpunkt Details
Ausbildung zur Hebamme Abschluss 1991 Absolviert in Stuttgart
Tätigkeit in Kliniken Nach 1991 Paracelsus-Klinik Marl, Marien-Hospital Gelsenkirchen-Buer
Geburt erstes Kind 1994 Aufgabe der Kreißsaaltätigkeit wegen Schichtdienstunverträglichkeit
Geburt zweites Kind 1997
Beginn freiberuflicher Tätigkeit 1998 Aufbau der Praxis in Schermbeck (neuer Wohnort)
Geburt drittes Kind 2001 Möglichkeit, Kurse zu Hause anzubieten
Kinder erwachsen, Oma Aktuell Freude auf weitere Enkelkinder

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