In der Welt der Kinderwunschbehandlungen spielt der richtige Zeitpunkt eine entscheidende Rolle. Ein zentraler Bestandteil vieler Fruchtbarkeitsbehandlungen, wie der In-vitro-Fertilisation (IVF) oder der intrauterinen Insemination (IUI), ist die sogenannte Auslösespritze. Diese Spritze sorgt dafür, dass der Eisprung gezielt ausgelöst wird, um die Erfolgschancen auf eine Schwangerschaft zu maximieren. Dieser Beitrag beleuchtet, was die Auslösespritze genau ist, wie sie funktioniert und in welchen Situationen sie eingesetzt wird, sowie die kontrovers diskutierte Anwendung im Rahmen von Diäten.
Was ist die Auslösespritze?
Die Auslösespritze, oft auch als „Trigger-Spritze“ bezeichnet, enthält in der Regel das Hormon Humanes Choriongonadotropin (hCG). Dieses Hormon ähnelt dem luteinisierenden Hormon (LH), das natürlicherweise im Körper freigesetzt wird und den Eisprung auslöst. Das hCG in der Auslösespritze sorgt dafür, dass die Eizellen in den Eierstöcken den Reifungsprozess abschließen und die Eizellen 36 bis 40 Stunden nach der Injektion freigesetzt werden.
Choriongonadotropin (hCG) ist ein Glykoproteinhormon, das strukturell aus einer Alpha- und einer Beta-Untereinheit besteht und funktionell dem luteinisierenden Hormon (LH) ähnlich ist. Es bindet an LH-Rezeptoren auf den Leydig-Zellen des Hodens und stimuliert die Produktion von Testosteron, was wiederum die Spermatogenese fördert. Bei Frauen fördert hCG die Progesteronsynthese im Corpus luteum, was essentiell für die Etablierung und Aufrechterhaltung einer frühen Schwangerschaft ist. Darüber hinaus wird hCG zur Induktion der Ovulation und zur Unterstützung der Lutealphase bei assistierten Reproduktionstechnologien eingesetzt.

Wann wird die Auslösespritze eingesetzt?
Die Auslösespritze wird in der Regel in folgenden Situationen eingesetzt:
1. In-vitro-Fertilisation (IVF)
Während eines IVF-Zyklus wird die Frau zunächst durch hormonelle Stimulation dazu gebracht, mehrere Eizellen gleichzeitig zu produzieren. Der Zeitpunkt des Eisprungs muss jedoch genau kontrolliert werden, damit die Eizellen im optimalen Reifestadium entnommen werden können. Hier kommt die Auslösespritze ins Spiel: Sie wird verabreicht, um den Eisprung zum idealen Zeitpunkt auszulösen, sodass die Eizellen für die Entnahme bereit sind.
Dosierung in der Reproduktionsmedizin:
- Ovulationseinleitung: 5.000-10.000 IE 24-48 h nach der letzten HMG- bzw. FSH-Gabe.
- Vorbereitung des Follikels in der Reproduktionsmedizin: 5.000-10.000 IE 30-40 h nach der letzten HMG- bzw. FSH-Gabe.
2. Intrauterine Insemination (IUI)
Bei der IUI wird das aufbereitete Sperma des Partners oder eines Spenders direkt in die Gebärmutter eingeführt. Um die Chancen auf eine erfolgreiche Befruchtung zu maximieren, muss die Insemination kurz vor dem Eisprung erfolgen. Die Auslösespritze stellt sicher, dass der Eisprung genau terminiert werden kann, um die Befruchtungschancen zu erhöhen.
3. Ovulationsinduktion
Bei Frauen mit Unregelmäßigkeiten im Menstruationszyklus oder bei anovulatorischen Zyklen (wenn kein Eisprung stattfindet) kann die Auslösespritze verwendet werden, um den Eisprung herbeizuführen. Dies ist oft Teil einer Behandlung mit Fruchtbarkeitsmedikamenten, die den Eisprung stimulieren.
Anwendung bei Sterilität:
- Sterilität bei Lutealinsuffizienz: 5.000 IE am 21., 23. und 25. Tag des Zyklus.
Wie wird die Auslösespritze angewendet?
Die Auslösespritze wird in der Regel subkutan (unter die Haut) injiziert, meist in den Bauch oder Oberschenkel. Ihr Arzt oder eine speziell geschulte Pflegekraft zeigt Ihnen, wie die Injektion korrekt durchgeführt wird. Der Zeitpunkt der Injektion ist entscheidend und wird vom behandelnden Arzt genau festgelegt, oft basierend auf Ultraschalluntersuchungen und Hormonmessungen.
Warum ist der Zeitpunkt so wichtig?
Der Erfolg einer Kinderwunschbehandlung hängt stark vom richtigen Timing ab. Wenn die Eizellen zu früh oder zu spät freigesetzt werden, kann dies die Chancen auf eine erfolgreiche Befruchtung verringern. Die Auslösespritze ermöglicht es, den Eisprung präzise zu steuern, sodass die Eizellen im bestmöglichen Zustand zur Befruchtung bereit sind.
Mögliche Nebenwirkungen und Risiken
Wie bei jeder medizinischen Behandlung kann es auch bei der Anwendung der Auslösespritze zu Nebenwirkungen kommen. Die häufigsten sind:
- Müdigkeit
- Übelkeit
- Bauchschmerzen
- Leichte Schmerzen oder Schwellungen an der Injektionsstelle
Eine seltene, aber ernsthafte Komplikation ist das Ovarielle Überstimulationssyndrom (OHSS), bei dem die Eierstöcke überstimuliert werden und es zu einer Ansammlung von Flüssigkeit im Bauchraum kommt. Ihr Arzt wird Sie über die Anzeichen von OHSS informieren und engmaschig überwachen, um dieses Risiko zu minimieren.

Allgemeine Warnhinweise und Kontraindikationen für Choriongonadotropin (hCG):
- Die Anwendung von Choriongonadotropin soll während der Schwangerschaft nicht erfolgen.
- Choriongonadotropin sollte nicht während der Stillzeit eingesetzt werden.
- Bekannte oder vermutete sexualhormonabhängige Tumoren.
- Hyperprolaktinämie, Tumoren der Hypophyse oder des Hypothalamus, unbehandelte Funktionsstörungen der Schilddrüse oder der Nebennieren.
- Zusätzlich beim Mann: nicht durch hypogonadotropen Hypogonadismus bedingte Infertilität, androgenabhängige Tumoren.
- Zusätzlich bei der Frau: Sterilität ohne Beeinträchtigung der Follikelreifung, Ovarialzysten ausser polyzystisches Ovar, ungeklärte Vaginalblutung, Ovarialkarzinom, Endometriumkarzinom, Mammakarzinom.
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.
- Tumoren des Hypothalamus oder der Hypophyse.
- Vergrößerung der Ovarien oder Ovarialzysten, sofern sie nicht durch ein polyzystisches Ovarialsyndrom bedingt oder unbekannter Ursache sind.
- Gynäkologische Blutungen unbekannter Ursache.
- Ovarial-, Uterus- oder Mammakarzinom.
- Lutropin alfa darf nicht angewendet werden, wenn eine Gegebenheit vorliegt, die eine normale Schwangerschaft unmöglich macht, wie z. B. primäre Ovarialinsuffizienz, Missbildungen der Sexualorgane, die eine Schwangerschaft unmöglich machen, fibröse Tumore der Gebärmutter, die eine Schwangerschaft unmöglich machen.
HCG-Diät: Eine umstrittene Anwendung
Im Jahr 1954 entwickelte der britische Arzt Dr. Albert T.W. Simeons die sogenannte HCG-Diät. Die Idee zu dieser Diät beruhte auf seiner Beobachtung an indischen, schwangeren Frauen, die trotz extrem geringer Energiezufuhr mehr Fett- als Muskelgewebe verloren und gleichzeitig sehr leistungsfähig waren. Er führte dies auf die durch die Schwangerschaft erhöhten Konzentrationen von HCG zurück. An seinen Patienten beobachtete er stärkere Gewichtsverluste, wenn sie zusätzlich zu einer extremen Energierestriktion niedrige Dosierungen von HCG-Injektionen erhielten.
Das Ziel der HCG-Diät ist laut Simeons eine Gewichtsabnahme durch Abnahme von Depotfett, welches vorrangig Hüften, Beine und Arme betrifft. Die Hormongabe soll zudem deutlich geringeres Hungergefühl als bei einer solchen Reduktionsdiät ohne HCG-Zufuhr bewirken.
Kritische Bewertung der HCG-Diät
Kritische Stimmen aus der Wissenschaft gibt es seit den 1980er Jahren. Die Food and Drug Administration erklärte bereits 1976, dass Injektionen mit dem Hormon HCG weder als sicher noch als effektiv für die Gewichtsabnahme seien. Es gebe keine Evidenz dafür, dass HCG zusätzlich zu einer energiereduzierten Diät die Fettverteilung im Körper verändere oder das Hungergefühl bremse. Der Gewichtsverlust sei lediglich auf die Energiereduktion zurückzuführen.
Verschiedene Studien, darunter eine doppelblinde, randomisierte Cross-over-Studie aus dem Jahr 1976 an 202 Patienten, sowie eine prospektive, randomisierte, doppelblinde Studie an 51 Frauen im Jahr 1976, konnten keine signifikanten Unterschiede im Gewichtsverlust, der Fettverteilung oder dem Hungergefühl zwischen HCG- und Placebo-Gruppen feststellen. Auch spätere Studien und eine Metaanalyse aus dem Jahr 1995 kamen zu dem Schluss, dass zur Wirkung der HCG-Diät für die Behandlung von Übergewicht keine wissenschaftliche Evidenz vorliegt.
Unerwünschte Wirkungen der HCG-Diät können sein:
- Kopfschmerzen
- Störungen der Regelblutung
- Reizbarkeit, Unruhe, Depressionen
- Müdigkeit
- Ödeme
- Gynäkomastie
- Ovarialzysten
- Schmerzen an der Injektionsstelle
In einigen Fällen wurde die Entstehung einer Thrombose mit HCG in Verbindung gebracht, und in einem Fall hob die Injektion von HCG die Wirkung der Verhütungspille auf. Von einer Behandlung mit dem Hormon HCG zur Gewichtsabnahme wird daher dringend abgeraten.
Andere medizinische Anwendungen von Choriongonadotropin (hCG)
Neben der Kinderwunschbehandlung und der umstrittenen HCG-Diät gibt es weitere medizinische Indikationen für die Anwendung von hCG:
1. Kryptorchismus (Hodenhochstand)
In der Pädiatrie findet hCG Anwendung bei der Behandlung des Hodenhochstands, einer häufigen angeborenen Anomalie bei Jungen, bei der ein oder beide Hoden nicht in den Hodensack (Skrotum) absteigen. Die Behandlung mit hCG zielt darauf ab, den natürlichen Abstieg des Hodens zu stimulieren, indem sie die Testosteronproduktion erhöht, was wiederum für die Entwicklung der männlichen Geschlechtsorgane und die Förderung des Hodenabstiegs notwendig ist.
Dosierung bei Kryptorchismus:
- 6-12 Monate: 2×/Woche 250 IE
- > 1 Jahr: 2×/Woche 500 IE
- Behandlungsdauer: 5 Wochen.
2. Verzögerte Pubertät und Hypogonadotroper Hypogonadismus
In der Andrologie wird Choriongonadotropin (hCG) zur Behandlung des hypogonadotropen Hypogonadismus eingesetzt, einer Störung, bei der aufgrund eines Mangels an Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) aus dem Hypothalamus oder an LH und FSH aus der Hypophyse die Geschlechtsdrüsen unterentwickelt bleiben. Es kann auch bei verzögerter Pubertät angewendet werden.
Dosierung bei verzögerter Pubertät und hypogonadotropem Hypogonadismus:
- Verzögerte Pubertät: >15 Jahre: 2×/Woche 1000 IE während 8-12 Wochen, evtl. nach 3 Monaten wiederholen.
- Hypogonadotroper Hypogonadismus: initial 500-1000 IE alle 2 Tage während 4-6 Wochen, danach 500 IE abwechselnd mit 75 IE HMG 2-3×/Woche während 3 Monaten.
3. Sterilität bei Lutealinsuffizienz
Bei Frauen kann hCG zur Unterstützung der Lutealphase eingesetzt werden, um die Etablierung und Aufrechterhaltung einer frühen Schwangerschaft zu fördern.
Lutropin alfa: Eine Alternative in der assistierten Reproduktion
Lutropin alfa, auch bekannt als rekombinantes humanes luteinisierendes Hormon (r-hLH), wird vorrangig in der assistierten Reproduktionsmedizin eingesetzt. Es ist indiziert für die Anwendung zusammen mit follikelstimulierendem Hormon (FSH) zur Stimulation der Follikelreifung bei erwachsenen Frauen, die einen schweren Mangel an LH und FSH aufweisen.
Anwendungsart und Wirkmechanismus:
Lutropin alfa ist für subkutane Injektionen vorgesehen. Es wirkt im Zusammenspiel mit FSH, um die Follikelentwicklung und Ovulation zu fördern. LH hat eine spezielle Rolle in den Thekazellen der Eierstöcke, wo es die Produktion von Androgenen anregt, die dann zu Östrogen umgewandelt werden. FSH fördert parallel dazu die Entwicklung der Ovarialfollikel.
Dosierung von Lutropin alfa:
- Standarddosierung: Täglich 75 IE Lutropin alfa (entspricht einer Durchstechflasche) zusammen mit 75 bis 150 IE FSH.
- Dosisanpassung: Erfolgt basierend auf dem individuellen Ansprechen der Patientin.
- Abschluss der Stimulation: 24 bis 48 Stunden nach der letzten Injektion von Lutropin alfa und FSH erfolgt eine einmalige Injektion von 250 µg Choriongonadotropin alpha (hCG) oder 5.000 bis 10.000 IE hCG.
Nebenwirkungen von Lutropin alfa können sein:
- Kopfschmerzen
- Unterleibsschmerzen
- Abdominelle Beschwerden
- Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö
- Leichtes oder mittelschweres OHSS
- Ovarialzyste, Brustschmerzen, Beckenschmerzen
- Reaktionen an der Injektionsstelle
Die Behandlung mit Lutropin alfa kann das Risiko für Mehrlingsschwangerschaften erhöhen. Es wird empfohlen, die Behandlung unter Aufsicht eines in der Fertilitätsbehandlung erfahrenen Arztes durchzuführen.