Das humane Choriongonadotropin (hCG) ist ein Hormon, das eine zentrale Rolle im Fortpflanzungssystem spielt. Es wird während der Schwangerschaft von der Plazenta produziert und ist für die Aufrechterhaltung der Gelbkörperfunktion und die Progesteronproduktion verantwortlich. Die hCG-Injektion wird häufig im Rahmen von Fruchtbarkeitsbehandlungen wie der In-vitro-Fertilisation (IVF), der intrazervikalen Insemination (ICI) oder der intrauterinen Insemination (IUI) eingesetzt.
Choriongonadotropin ist ein natürlich vorkommendes Hormon, das primär in der Plazenta gebildet wird und eine Schlüsselrolle in der Aufrechterhaltung der Schwangerschaft spielt. Durch seine Fähigkeit, die Synthese von Progesteron in den Eierstöcken zu stimulieren, unterstützt es die Implantation und das Wachstum des Embryos.
Anwendungsbereiche von hCG
Das humane Choriongonadotropin (hCG) findet in verschiedenen medizinischen Bereichen Anwendung:
Reproduktionsmedizin und Gynäkologie
- Ovulationseinleitung: Bei Frauen wird hCG injiziert, um den Eisprung gezielt auszulösen, sobald die Eizellen reif sind. hCG imitiert die natürliche Wirkung des luteinisierenden Hormons (LH), das für den Eisprung verantwortlich ist. Durch die gezielte Injektion wird die letzte Phase der Eizellreifung eingeleitet. Dies ist ein entscheidender Bestandteil vieler Kinderwunschbehandlungen, da es eine präzise Steuerung des Eisprungs ermöglicht und die Chancen auf eine erfolgreiche Befruchtung verbessert.
- Sterilität bei Lutealinsuffizienz: hCG kann zur Unterstützung der Lutealphase eingesetzt werden.
- Vorbereitung des Follikels in der Reproduktionsmedizin: Die Gabe von hCG erfolgt nach der letzten Hormongabe (HMG bzw. FSH), um die Follikelreifung zu optimieren.
Andrologie
In der Andrologie wird Choriongonadotropin (hCG) zur Behandlung des hypogonadotropen Hypogonadismus eingesetzt. Dies ist eine Störung, bei der aufgrund eines Mangels an Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) aus dem Hypothalamus oder an luteinisierendem Hormon (LH) und follikelstimulierendem Hormon (FSH) aus der Hypophyse die Geschlechtsdrüsen unterentwickelt bleiben. Bei erwachsenen Männern ahmt HCG das luteinisierende Hormon (LH) nach - das Signal, das vom Gehirn an die Hoden gesendet wird, um Testosteron zu produzieren. Wenn Sie externes Testosteron (oder andere anabole Steroide) einnehmen, registriert Ihr Körper einen hohen Androgenspiegel und schaltet seine eigene Produktion durch negative Rückkopplung ab. HCG ahmt die natürliche LH-Produktion nach und stimuliert so die körpereigene Testosteronproduktion.
Zusätzlich wird hCG bei Männern zur Behandlung der Infertilität eingesetzt, die nicht durch hypogonadotropen Hypogonadismus bedingt ist, sowie bei androgenabhängigen Tumoren.
Pädiatrie
In der Pädiatrie findet hCG Anwendung bei der Behandlung des Hodenhochstands (Kryptorchismus). Dies ist eine häufige angeborene Anomalie bei Jungen, bei der ein oder beide Hoden nicht in den Hodensack (Skrotum) absteigen. Die Behandlung mit hCG zielt darauf ab, den natürlichen Abstieg des Hodens zu stimulieren, indem sie die Testosteronproduktion erhöht, was wiederum für die Entwicklung der männlichen Geschlechtsorgane und die Förderung des Hodenabstiegs notwendig ist.
Auch bei der Behandlung der verzögerten Pubertät bei Jugendlichen kann hCG eingesetzt werden.
Wirkungsweise von hCG
Choriongonadotropin (hCG) ist ein Glykoproteinhormon, das strukturell aus einer Alpha- und einer Beta-Untereinheit besteht und funktionell dem luteinisierenden Hormon (LH) ähnlich ist. Es bindet an LH-Rezeptoren auf den Leydig-Zellen des Hodens und stimuliert die Produktion von Testosteron, was wiederum die Spermatogenese fördert. Bei Frauen fördert hCG die Progesteronsynthese im Corpus luteum, was essentiell für die Etablierung und Aufrechterhaltung einer frühen Schwangerschaft ist.

Dosierung und Anwendung von hCG
Die Dosierung und Anwendung von hCG variiert je nach Indikation und individuellem Behandlungsplan. Es ist wichtig, die ärztlichen Anweisungen genau zu befolgen.
Medizinische Dosierung
Innerhalb der medizinischen Einrichtung ist HCG für die Behandlung und Heilung von Hypogonadismus zugelassen. Die Verschreibungsprotokolle beziehen sich auf verschiedene Behandlungsmethoden:
- Kurzzeitige Therapie: Eine kurzzeitige 6-wöchige HCG-Therapie.
- Langzeittherapie: Maximal ein Jahr.
- Individuell angepasstes Programm: Ein vom Arzt und Patienten besprochenes Programm.
Medizinische, verschreibungspflichtige HCG-Dosen empfehlen typischerweise 500 - 1.000 IE HCG, dreimal wöchentlich über einen Zeitraum von 3 Wochen. Danach werden die HCG-Dosen auf die gleiche Menge reduziert und nur noch zweimal wöchentlich verabreicht. Für die Langzeittherapie wird eine höhere Dosis von 4.000 IE empfohlen, die dreimal pro Woche über einen Zeitraum von 6 bis 9 Monaten verabreicht wird. Nach diesem Zeitraum sollen die HCG-Dosen für einen verbleibenden Zeitraum von 3 Monaten dreimal pro Woche auf 2.000 IE gesenkt werden.
Dosierung in der Reproduktionsmedizin
- Ovulationseinleitung: 5.000-10.000 IE 24-48 Stunden nach der letzten HMG- bzw. FSH-Gabe.
- Sterilität bei Lutealinsuffizienz: 5.000 IE am 21., 23. und 25. Tag des Zyklus.
- Vorbereitung des Follikels in der Reproduktionsmedizin: 5.000-10.000 IE 30-40 Stunden nach der letzten HMG- bzw. FSH-Gabe.
Dosierung in der Pädiatrie
- Kryptorchismus:
- 6-12 Monate: 2×/Woche 250 IE
- Über 1 Jahr: 2×/Woche 500 IE
- Verzögerte Pubertät:
- Über 15 Jahre: 2×/Woche 1000 IE während 8-12 Wochen, eventuell nach 3 Monaten wiederholen.
Dosierung bei Hypogonadotropem Hypogonadismus
Initial 500-1000 IE alle 2 Tage während 4-6 Wochen, danach 500 IE abwechselnd mit 75 IE HMG 2-3×/Woche während 3 Monaten.
Anwendung im Bodybuilding und zur PCT (Post-Cycle-Therapie)
Humanes Choriongonadotropin (HCG) wird in der Bodybuilding-Community häufig zur Aufrechterhaltung, Steigerung oder Wiederherstellung der körpereigenen Testosteronproduktion eingesetzt. Es ist wichtig zu verstehen, dass HCG keine eigenständige PCT-Lösung ist. Die alleinige Verwendung von HCG zur Hormonwiederherstellung nach einem anabolen Steroidzyklus wird als veraltete Praxis angesehen.
Wichtige Hinweise zur Anwendung von hCG im Bodybuilding:
- Kombination mit anderen Mitteln: HCG sollte idealerweise als Teil eines Mehrkomponenten-PCT-Protokolls verwendet werden, oft in den ersten 1-2 Wochen des PCT, während andere Mittel wie SERMs (Selective Estrogen Receptor Modulators) für die restlichen Wochen eingesetzt werden.
- Synergie mit Nolvadex: Studien haben gezeigt, dass HCG und Nolvadex (Tamoxifen Citrat) zusammen einen synergistischen Effekt bei der Stimulierung der endogenen Testosteronproduktion haben. Nolvadex kann auch helfen, die Desensibilisierung der Leydig-Zellen zu blockieren, die durch hohe Dosen von HCG verursacht werden kann.
- Aromatasehemmer: Da HCG die Aromataseaktivität erhöhen und zu einem Anstieg des Östrogenspiegels führen kann, was wiederum Gynäkomastie und eine Unterdrückung der HPTA zur Folge haben kann, ist die gleichzeitige Anwendung eines Aromatasehemmers (AI) unerlässlich. Aromasin (Exemestan) wird oft als beste Wahl angesehen, da es die Konzentrationen anderer AIs wie Letrozol und Arimidex nicht negativ beeinflusst.
- Dosierung für PCT: Typischerweise werden 500 IE HCG täglich für die ersten 1 bis 2 Wochen des PCT empfohlen. Höhere und häufigere Dosen sind nur in den ersten Wochen nach Beendigung eines Steroidzyklus notwendig, um einen anfänglichen "Stoß" des Testosteronausstoßes zu erzeugen.
- Langzeit- und überlange Zyklen: Bei sehr langen Zyklen (12 Wochen oder länger) kann die wöchentliche Anwendung von HCG während des Zyklus erforderlich sein, um die Hodenfunktion aufrechtzuerhalten und einer möglichen Desensibilisierung gegen Gonadotropine entgegenzuwirken. Hierbei sollte die Dosis 500 IE nicht überschreiten.
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Kontraindikationen und Nebenwirkungen
Die Anwendung von hCG ist nicht für jeden geeignet und kann Nebenwirkungen hervorrufen.
Kontraindikationen
- Bekannte oder vermutete sexualhormonabhängige Tumoren, wie z. B. Ovarialkarzinom, Endometriumkarzinom, Mammakarzinom.
- Hyperprolaktinämie, Tumoren der Hypophyse oder des Hypothalamus.
- Unbehandelte Funktionsstörungen der Schilddrüse oder der Nebennieren.
- Ungeklärte Vaginalblutung.
- Ovarialzysten, ausser polyzystisches Ovar.
- Sterilität ohne Beeinträchtigung der Follikelreifung (dies ist eine Indikation, keine Kontraindikation, aber es muss unter ärztlicher Aufsicht erfolgen).
- Nicht durch hypogonadotropen Hypogonadismus bedingte Infertilität (beim Mann).
- Schwangerschaft und Stillzeit: Die Anwendung von Choriongonadotropin soll während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht erfolgen.
Mögliche Nebenwirkungen
- Allgemein: Die Behandlung mit hCG kann zu einer gesteigerten Produktion von Androgenen und einer Zunahme der Flüssigkeitsretention führen.
- Thromboembolie: Bei Patienten mit einem generellen Risiko für Thromboembolien, etwa durch persönliche oder familiäre Vorgeschichte, deutliche Adipositas (BMI > 30 kg/m²) oder Thrombophilie, besteht unter hCG-Therapie ein erhöhtes Risiko für venöse oder arterielle Thromboembolien.
- Kinder und Jugendliche: Bei präpubertären Jungen muss hCG mit Vorsicht angewendet werden, um einen vorzeitigen Epiphysenschluss oder eine vorzeitige sexuelle Entwicklung zu vermeiden. Eine regelmäßige Überwachung der Skelettreifung ist angezeigt.
- Gynäkomastie: Durch die erhöhte Aromataseaktivität und den daraus resultierenden Anstieg des Östrogenspiegels können Männer eine Gynäkomastie entwickeln.
- Hodenatrophie und Desensibilisierung: Bei unsachgemäßer oder zu langer Anwendung kann HCG die Leydig-Zellen der Hoden dauerhaft schädigen und zu einer Desensibilisierung gegen LH und FSH führen, was die Wiederherstellung der körpereigenen Testosteronproduktion erschwert.
- Doping: Die Verwendung von hCG kann bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen führen.
Verabreichung und Lagerung
HCG wird im medizinischen Bereich hauptsächlich über intramuskuläre (IM) oder subkutane (s.c.) Injektionen verabreicht. Studien haben gezeigt, dass die Ergebnisse bei beiden Verabreichungswegen nahezu identisch sind. Der Unterschied liegt in der Freisetzungsrate: IM-Injektionen erreichen Spitzenwerte im Blutplasma schneller (ca. 6 Stunden) als subkutane Injektionen (16 bis 20 Stunden).
HCG wird typischerweise als lyophilisiertes (gefriergetrocknetes) Pulver in Fläschchen oder Ampullen geliefert und muss vor der Verabreichung mit sterilem Wasser oder bakteriostatischem Wasser rekonstituiert werden. Die genaue Dosierung in einer Spritze hängt von der Menge des verwendeten Lösungsmittels ab.
Lagerung: Nach der Rekonstitution sollte HCG immer gekühlt (ca. 2-8 Grad Celsius) aufbewahrt werden. Bei Raumtemperatur oder durch heftiges Schütteln kann das empfindliche Proteinmolekül denaturiert und unwirksam werden.