Die Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung, die die Schilddrüse angreift, stellt für Frauen mit Kinderwunsch und während der Schwangerschaft eine besondere Herausforderung dar. Eine optimale Einstellung der Schilddrüsenwerte ist entscheidend für eine erfolgreiche Schwangerschaft und die Gesundheit von Mutter und Kind.
Schilddrüsenwerte bei Kinderwunsch und Schwangerschaft
Bei Frauen mit Kinderwunsch und Hashimoto-Thyreoiditis wird angestrebt, den TSH-Wert im Bereich von 0,3 bis 1,0 einzustellen. Während der Schwangerschaft gelten generell niedrigere TSH-Referenzwerte als außerhalb dieser Zeit. Dies ist auf die partialagonistische Wirkung des Schwangerschaftshormons HCG am TSH-Rezeptor zurückzuführen. Die Werte für fT3 und fT4 sollten zwar nicht über den Normbereich erhöht sein, aber Werte im oberen Normbereich sind tolerierbar.
Schwangere mit Hashimoto-Thyreoiditis benötigen oft eine höhere Thyroxindosis und zusätzliche Jodversorgung. Ähnlich wie bei der Einnahme hormoneller Verhütungsmittel kann der Bedarf an Schilddrüsenhormonen während der Schwangerschaft aufgrund zahlreicher Stoffwechselvorgänge steigen.

Jodzufuhr während der Schwangerschaft
Die Empfehlungen zur Jodzufuhr für schwangere Frauen mit Hashimoto-Thyreoiditis sind unterschiedlich. Einerseits kann zu viel zusätzliches Jod die Schilddrüsenentzündung der Mutter verschlimmern, andererseits schadet zu wenig Jod dem ungeborenen Kind. Zur Bestimmung der individuellen Jodversorgung wird die Messung von Jod im Urin empfohlen, auch wenn dieser Wert nicht überbewertet werden sollte. Im Zweifelsfall wird dringend zur Erhöhung der Jodzufuhr geraten, wobei die theoretische Gefahr einer Verschlechterung der Schilddrüsenentzündung bei regelmäßigen Kontrollen und Anpassung der Thyroxindosis minimiert werden kann.
Ein Jodmangel kann beim ungeborenen Kind zu Hirnschäden führen. Studien zeigen, dass schon geringer Jodmangel Beeinträchtigungen des Denkvermögens zur Folge haben kann, wobei die Schwere der Beeinträchtigung mit der Jodversorgung der Mutter im ersten Schwangerschaftsdrittel korreliert. Daher wird Frauen, auch mit Hashimoto-Thyreoiditis oder nach Morbus Basedow, empfohlen, bereits bei bestehendem Kinderwunsch Jod als Nahrungsergänzung, idealerweise in Kombination mit Folsäure, einzunehmen. Nur Schwangere mit akuter Schilddrüsenüberfunktion sollten kein zusätzliches Jod einnehmen.
Frühzeitige Anpassung der Hormondosis
Es ist von entscheidender Bedeutung, die Hormondosis bei Schwangeren frühzeitig anzupassen, um zu verhindern, dass das ungeborene Kind über einen längeren Zeitraum einer mütterlichen Schilddrüsenunterfunktion ausgesetzt ist. Eine sofortige Erhöhung der Thyroxindosis um 25µg beim Feststellen der Schwangerschaft wird empfohlen. Die angestrebten Schilddrüsenwerte während der Schwangerschaft sind T3 und T4 im Normbereich, TSH zwischen 0,3 und 1,0.
Im Gegensatz zu den Folgen einer Schilddrüsenunterfunktion besteht für das Kind keine Gefahr durch die TPO-Antikörper der Mutter. Diese werden zwar über die Plazenta übertragen, können aber die gesunde Schilddrüse des Kindes nicht angreifen, da sie nicht in die Schilddrüsenzellen des Kindes gelangen. Hohe Werte bei den Schilddrüsen-Antikörpern haben daher keine Auswirkungen auf das Kind.
Grundsätzlich lässt eine Schwangerschaft bei Patientinnen mit Hashimoto-Thyreoiditis die Beschwerden meist zurückgehen. Dies wird durch die vermehrte Produktion des Schwangerschaftshormons Progesteron bewirkt, welches das Immunsystem abschwächt, um die Akzeptanz des ungeborenen Kindes zu fördern.

Nach der Entbindung: Anpassung der Hormontherapie und mögliche Komplikationen
Entsprechend der erhöhten Thyroxindosis während der Schwangerschaft sollte nach der Geburt die Dosis sofort um 25µg gesenkt werden. Nach der Schwangerschaft können durch den Rückgang des Progesterons Hashimoto-Schübe ausgelöst werden, was zu vermehrtem Auftreten von Symptomen führen kann. Daher sollten die Schilddrüsenwerte in kurzen Intervallen, etwa alle vier Wochen, für ein halbes Jahr kontrolliert werden.
Stillen bei Hashimoto-Thyreoiditis
Mütter mit Hashimoto-Thyreoiditis können ihre Kinder bedenkenlos stillen. Nur die Vormilch in den ersten Wochen des Stillens enthält Schilddrüsenantikörper in geringen Mengen, die beim Kind keine chronische Hashimoto-Thyreoiditis verursachen können. Es ist zu beachten, dass Stillen den Bedarf an Thyroxin erhöht. Nach dem Abstillen muss die Thyroxin-Dosis meist wieder gesenkt werden.
Postpartale Thyreoiditis
Etwa 10% der Frauen erkranken in den ersten sechs Monaten nach der Entbindung erstmals an einer Schilddrüsenentzündung, der sogenannten postpartalen Thyreoiditis. Diese Form der Hashimoto-Thyreoiditis führt in den meisten Fällen nicht zu einer chronischen Funktionsstörung der Schilddrüse.
In einigen Fällen kann es nach der Geburt zu einem Wiederauftreten von Antikörpern kommen, wie beispielsweise TRAK bei Morbus Basedow. Hohe TRAK-Werte können theoretisch Symptome beim Kind hervorrufen, dies ist jedoch bei Hashimoto-Antikörpern (wie TPO-AK) anders, da diese die Schilddrüse des Kindes nicht angreifen können.
Hashimoto-Thyreoiditis und Fruchtbarkeit
Hashimoto-Thyreoiditis kann den Eisprung und den Zyklus beeinflussen und somit den Kinderwunsch beeinträchtigen. Die Schilddrüse steuert über ihre Hormone viele Körperfunktionen, einschließlich der Fruchtbarkeit. Bei Verdacht auf Hashimoto ist eine ärztliche Diagnose wichtig. Bei Kinderwunsch sollte auf den TSH-Wert geachtet werden, der idealerweise schon vor der Schwangerschaft auf unter 2,5 mU/l eingestellt wird. Bei der Diagnose werden oft auch Progesteron und das Anti-Müller-Hormon (AMH) überprüft.
Vor einer Schwangerschaft ist Jod bei Hashimoto-Patientinnen oft problematisch, da es die Entzündung verstärken kann. Selen, Vitamin D, Folsäure und Eisen sind wichtige Nährstoffe, die zur normalen Funktion des Immunsystems, zum Zellwachstum und zur Bildung roter Blutkörperchen beitragen.
Umgang mit der Erkrankung
Hashimoto-Erkrankungen sind gut behandelbar, auch wenn sie nicht heilbar sind. Die medikamentöse Behandlung erfolgt meist mit L-Thyroxin (T4), manchmal in Kombination mit T3. Sobald eine Schwangerschaft eintritt, verändert sich der Hormonbedarf, und Jod wird für die Bildung von T3 und T4 wieder wichtig. Nach der Geburt sinkt der Hormonbedarf, was eine Reduzierung der Thyroxin-Dosis zur Folge hat.
Regelmäßige Kontrollen der Schilddrüsenwerte in den ersten sechs Monaten nach der Geburt, idealerweise alle vier Wochen, sind ratsam. Trotz guter Einstellung kann Hashimoto zu Komplikationen führen, in seltenen Fällen auch zu einem erneuten chronischen Schub. Eine Schwangerschaft ist trotz Hashimoto möglich, vorausgesetzt die Schilddrüsenwerte sind stabil eingestellt und eine ärztliche Begleitung erfolgt. Zusätzliche Unterstützung durch ausreichend Schlaf, eine nährstoffreiche Ernährung und Stressreduktion ist empfehlenswert.
Selen und Jod in der Schwangerschaft - Prof. Dr. Lutz Schomburg - Kongress Tatort Schwangerschaft
Hashimoto und andere Autoimmunerkrankungen
Die Entstehung von Hashimoto kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden, darunter genetische Veranlagung, Infektionen (wie das Epstein-Barr-Virus), Umweltgifte und eine gestörte Darmbarriere (Leaky Gut Syndrom). Insbesondere eine Glutenunverträglichkeit, wie Zöliakie, kann mit Hashimoto in Verbindung gebracht werden. Eine glutenfreie Ernährung kann daher Teil einer ganzheitlichen Behandlungsstrategie sein.
Auch ein Mangel an Vitamin D wird als möglicher Faktor bei der Entstehung von Hashimoto diskutiert. Studien zeigen, dass die Ergänzung von Vitamin D und Selen die Schilddrüsenfunktion sowie Blutzucker- und Blutfettwerte verbessern kann. Hormonstörungen wie Östrogendominanz oder PCOS können ebenfalls mit Hashimoto assoziiert sein.
Schulmedizinische und alternative Ansätze
Die schulmedizinische Behandlung von Hashimoto konzentriert sich primär auf die Substitution von Schilddrüsenhormonen (L-Thyroxin). Dabei wird das Immunsystem, das die Ursache der Erkrankung darstellt, oft ignoriert. Alternative Ansätze umfassen die Überprüfung und Behebung von Vitamin-D-Mangel, die Behandlung von Hormonstörungen, die Entgiftung von Umweltgiften und die Unterstützung des Immunsystems durch gezielte Nährstoffgaben.
Die Rolle von Jod bei Hashimoto ist kontrovers. Während einige Experten eine moderate Jodzufuhr empfehlen, raten andere, insbesondere bei aktiver Entzündung, zur Vorsicht. Eine hochdosierte Jodtherapie sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
Entwicklung der fetalen Schilddrüse
Die fetale Schilddrüse entwickelt sich autonom. Ab der 10. bis 12. Schwangerschaftswoche beginnt die Schilddrüse des Kindes eigene Hormone zu synthetisieren. Da die Plazenta für Schilddrüsenhormone nahezu undurchlässig ist, sind die mütterliche und kindliche Schilddrüsenfunktion durch autonome Regelkreise gesteuert. Jodid ist der einzige plazentagängige Baustein. Daher wird ab der 10. bis 12. Schwangerschaftswoche die prophylaktische Gabe von Jodid empfohlen, um eine Strumaentwicklung beim Feten oder eine durch Jodmangel induzierte Reifestörung der Schilddrüse zu verhindern.
Ein Jodmangel ist nach Eisenmangel das häufigste nahrungsbedingte Defizit in der Schwangerschaft. Dies kann zu einem Kropf bei Mutter und Fetus führen. Eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion oder Morbus Basedow während der Schwangerschaft kann zu Fehl-, Früh- oder Totgeburten führen. Die Zufuhr von Schilddrüsenhormon bei Unterfunktion der Schwangeren schadet dem Fötus nicht und verhindert Schwangerschaftskomplikationen. Zusätzlich muss die Mutter Jodid für die Schilddrüse des Kindes aufnehmen.
Bei Basedow'scher Krankheit, die zu einer Überfunktion der Schilddrüse führt, ist eine Behandlung unerlässlich. Da Radiojodtherapie und Operation während der Schwangerschaft eingeschränkt sind, bleibt die Therapie mit Thyreostatika die Hauptbehandlungsmöglichkeit. Diese Medikamente müssen jedoch in der niedrigstmöglichen Dosierung gegeben werden, um eine Unterfunktion beim Fötus zu vermeiden.
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