Stillhütchen, auch bekannt als Stillhut, Brusthut oder Brusthütchen, sind Hilfsmittel, deren Einsatz unter Stillfachleuten kontrovers diskutiert wird. Während einige sie als praktisches Werkzeug zur Erleichterung des Stillens empfehlen, warnen andere vor potenziellen Nachteilen und plädieren dafür, sie aus der Stillpraxis zu verbannen.

Mögliche Nutzen von Stillhütchen
Stillhütchen werden oft empfohlen, wenn das Anlegen des Babys Schwierigkeiten bereitet. Dies kann verschiedene Ursachen haben:
- Medizinische Interventionen während der Geburt: Infusionen, Analgetika und andere Medikamente können die Reflexe des Neugeborenen sowie die Mutter-Kind-Interaktion beeinträchtigen und zu Schwellungen im Brustwarzen-Warzenhof-Komplex führen.
- Saugschwäche des Neugeborenen: Manche Neugeborenen, insbesondere Frühgeborene oder kranke Kinder, sind vorübergehend saugschwach und können die Brustwarze nicht richtig einsaugen oder halten.
- Anatomische Besonderheiten: Flache, unelastische Brustwarzen bei der Mutter oder ein kurzes Zungenbändchen beim Kind können das Saugen erschweren.
- Traumatische Geburten oder neurologische Unreife können ebenfalls zu Saugproblemen beitragen.
Befürworter argumentieren, dass Stillhütchen in diesen Situationen das Stillen ermöglichen, indem sie eine ausgeprägte Brustwarzenform imitieren und einen starken Saugstimulus erzeugen. Dies kann auch bei Schlupf- und Flachwarzen, die zu schwache Saugstimulation für effektives Stillen aufweisen, eine schnelle Hilfe sein. Zudem können sie bei diesen Brustwarzenformen Schmerzen bei der Mutter reduzieren, da die Brustwarzen weniger beansprucht werden.
Stillhütchen bieten eine stabile Brustwarzenform, die auch in den Saugpausen erhalten bleibt. Dies erleichtert es insbesondere saugschwachen Babys, mit geringerer Saugkraft Milch zu entleeren. Babys, die zuvor mit der Flasche gefüttert wurden, akzeptieren die Brust mit Stillhütchen manchmal eher, da sie eine vertraute, rigide Nippel-Form aus Plastik vorfinden und die Milch leichter verfügbar ist. Das Vordefüllen des Hütchens mit Milch kann den Saugbeginn belohnen.
Risiken und Nachteile von Stillhütchen
Gegner von Stillhütchen weisen auf mehrere gravierende Nachteile hin:
- Verzögerung der Problemlösung: Stillhütchen werden oft anstelle einer qualifizierten Stillberatung eingesetzt, ohne das zugrunde liegende Problem zu beheben. Dies kann dazu führen, dass bessere Methoden zur Unterstützung des Stillens nicht angewendet werden.
- Verlagerung des Problems: Das Stillproblem wird in der Klinik scheinbar gelöst, verlagert sich aber oft auf die Zeit nach der Entlassung.
- Erhöhtes Risiko für Komplikationen: Entgegen der Herstellerangaben sind Stillhütchen bei wunden Brustwarzen selten die richtige Lösung. Es gibt Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Wundinfektionen, Milchstau, Soor und Brustentzündungen.
- Prägung des Neugeborenen: Babys können sich an Stillhütchen "prägen", was das spätere Weglassen erschwert. Das Saugmuster unterscheidet sich vom direkten Stillen, da das Baby die Brustwarze nicht wie gewohnt mit den Kauleisten erfasst. Dies kann zu Verletzungen oder Verweigerung der Brust ohne Hütchen führen.
- Schwierigkeit der Entwöhnung: Die Entwöhnung vom Stillhütchen kann genauso schwierig oder sogar schwieriger sein als die von der Flasche.
- Verminderte Milchbildung: Die Silikonbarriere kann die Ausschüttung der Stillhormone Prolaktin und Oxytocin vermindern, was die Milchbildung weniger effektiv stimuliert.
- Beeinträchtigung des Geruchssinns: Der natürliche Duft der Montgomery-Drüsen, der das Baby beim Andocken leitet, erreicht das Baby durch das Hütchen schlechter.
- Gestörte Immunübertragung: Der Schutz des Babys vor Erkrankungen kann beeinträchtigt werden, da der Mechanismus der Antikörperbildung durch die Barriere gestört ist.
- Umständliche Anwendung: Das Stillen mit Hütchen ist umständlicher, weniger spontan und erfordert mehr Aufmerksamkeit, insbesondere nachts.
- Abhängigkeit und Mehraufwand: Mutter und Kind sind abhängig von einem zusätzlichen Gegenstand, dessen Reinigung und Auskochen zusätzlichen Aufwand bedeutet.
- Schwierigkeiten beim Stillen in der Öffentlichkeit: Diskretes und hygienisches Stillen in der Öffentlichkeit ist mit Stillhütchen erschwert.
- Risiko bei falscher Größe: Eine falsche Größe oder Anbringung kann zu Schmerzen, Hautverletzungen, Quetschungen, Verletzungen des inneren Brustwagengewebes und ungenügendem Milchtransfer führen.

Vermeidung von Stillhütchen trotz Anlegeproblemen
In vielen Fällen können Anlegeprobleme von vornherein vermieden werden durch:
- Mütterzentrierte Geburtshilfe: Natürliche Geburten ohne unnötige medizinische Interventionen und mit ungestörtem Hautkontakt minimieren das Risiko von Saugproblemen.
- Geduld und alternative Fütterungsmethoden: Bei anfänglichen Schwierigkeiten kann Geduld helfen. Bis das Baby fit genug ist, kann die Milch per Hand und Pumpe gewonnen und das Baby mit Löffel, Becher oder Sonde ernährt werden.
- Haut-zu-Haut-Kontakt und Laid-back-Nursing: Intensiver Hautkontakt und die zurückgelehnte Stillposition können die angeborenen Reflexe des Babys nutzen, um die Brust zu suchen und anzudocken.
- Unterstützung durch Fachpersonal: Qualifizierte Stillfachkräfte können bei der Positionierung und dem Anlegen helfen und den Milchfluss durch Brustkompression oder Brusternährungssets erhöhen.
Auch bei ursprünglich flachen oder unelastischen Brustwarzen kann Stillen oft funktionieren, wenn man die Geduld hat, bis sich das Baby angepasst hat. Studien, wie eine dänische Untersuchung mit frühgeborenen Babys, konnten keine Vorteile der Stillhütchennutzung feststellen.
Die Anwendung von Stillhütchen
Die Entscheidung für oder gegen Stillhütchen hängt oft von den Arbeitsweisen des betreuenden Fachpersonals ab. Während einige Fachkräfte, die unter Zeitdruck arbeiten, Stillhütchen als schnelle Lösung bevorzugen, finden spezialisierte Still- und Laktationsberaterinnen oft Wege, Stillprobleme ohne diese Hilfsmittel zu lösen.
Wenn Stillhütchen eingesetzt werden, ist auf die korrekte Anwendung zu achten:
- Passende Größe: Das Hütchen muss gut auf die Brustwarze passen, nicht zu locker und nicht zu fest. Eine zu kleine Größe kann die Brustwarze einklemmen, eine zu große Größe kann den nötigen Reiz am Gaumen des Babys nicht auslösen. Die Größe richtet sich nach dem Durchmesser der Brustwarzenbasis.
- Zentriertes Anbringen: Das Hütchen sollte mittig auf der Brustwarze platziert werden.
- Weites Öffnen des Mundes: Das Baby sollte den Mund weit öffnen und möglichst viel vom Brustgewebe erfassen. Die Zahnleiste des Babys liegt am Rand des Stillhütchens.
- Milchbefüllung: Das Vordefüllen der Spitze des Hütchens mit Milch kann das Baby zum Saugen animieren und belohnen.
- Material: Moderne, ultradünne Silikon-Stillhütchen sind älteren Modellen aus Gummi oder Latex vorzuziehen, da sie die Milchbildung weniger beeinträchtigen.
- Hautkontakt: Modelle mit Aussparung für die Nase ermöglichen mehr Hautkontakt und erleichtern dem Baby, den Geruch der Brustwarze zu erkennen.
Die Verwendung von Stillhütchen kann den Transfer des dickflüssigen Kolostrums in den ersten Tagen erschweren, was zu einer unzureichenden Entleerung der Brust und geringer Kolostrumaufnahme führen kann. Bei zusätzlicher Pump- und Handmilchgewinnung sollte auf die Methode des Hands-on-Pumping geachtet werden, um die Milchbildung zu steigern.

Die passende Stillhütchen-Größe finden
Die Wahl der richtigen Größe ist entscheidend für eine effektive und schmerzfreie Anwendung. Die Größe des Stillhütchens richtet sich nach dem Durchmesser der Brustwarzenbasis, nicht des Warzenhofs. Es gibt verschiedene Größen (S, M, L) mit Durchmessern zwischen 18 und 22 Millimetern. Ideal ist es, wenn die Brustwarze die Spitze des Hütchens gut ausfüllt, ohne eingeklemmt zu werden.
Bei der Auswahl sind folgende Punkte zu berücksichtigen:
- Brustwarzenform: Sind sie klein, flach, eingezogen oder normal geformt?
- Materialtest: Fühlt sich das Material weich und flexibel an?
- Anlegetechnik: Ist der Mund des Babys wirklich weit geöffnet?
- Trinkverhalten: Schluckt das Baby regelmäßig oder "nuckelt" es nur?
- Brustentleerung: Fühlt sich die Brust danach weicher und entleert an?
Manche Modelle sind speziell für kleine oder flache Brustwarzen konzipiert, um dem Baby das Erfassen zu erleichtern. Andere Modelle mit einer flachen Basis und Aussparung für die Nase fördern den Hautkontakt und ein natürlicheres Saugverhalten. Stabilere Modelle können hilfreich sein, wenn die Brust sehr weich ist und das Gewebe beim Andocken stark nachgibt.
Hersteller wie Medela oder MAM bieten verschiedene Durchmesser an. Eine Messung der Brustwarzenbasis nach dem Stillen oder vorsichtiger Stimulation kann bei der Auswahl helfen. Es sollte ein kleiner Abstand (1-2 mm) zwischen der Brustwarzenspitze und dem Ende des Hütchens bleiben.
Das Stillhütchen abgewöhnen
Die Entwöhnung vom Stillhütchen erfordert Geduld und einen ruhigen Moment ohne Zeitdruck. Da das Saugen am Hütchen für Babys oft einfacher ist, können sie sich daran gewöhnen und das Trinken an der nackten Brustwarze verweigern.
Folgende Strategien können helfen:
- Schrittweise Entwöhnung: Versuchen Sie, das Hütchen gegen Ende einer Stillmahlzeit vorsichtig zu entfernen, wenn der erste Hunger gestillt ist.
- Beginnen ohne Hütchen: Immer wieder versuchen, das Stillen ohne Hütchen zu beginnen.
- Anregen des Milchspendereflexes: Kurzes Abpumpen vor dem Anlegen kann die Brustwarze vergrößern und den sofortigen Milchfluss fördern, was das Baby belohnt.
- Haut-zu-Haut-Kontakt: Viel nackter Hautkontakt kann die Instinkte des Kindes wecken.
- Geduld: Manche Babys gewöhnen sich mit der Zeit an das Stillen ohne Hütchen, insbesondere wenn sie älter werden.
Das Ziel sollte sein, das Stillhütchen nur so lange wie nötig und so kurz wie möglich anzuwenden und sobald wie möglich zum Stillen ohne Hilfsmittel zurückzukehren.
Richtig anlegen beim Stillen – So machst du’s richtig! | Still-Tutorial | hallohebamme
Hygiene und Pflege von Stillhütchen
Sauberkeit ist essenziell, um Infektionen wie Soor oder Brustentzündungen vorzubeugen. Stillhütchen müssen nach jedem Gebrauch gründlich gereinigt werden:
- Nach dem Stillen unter fließendem warmem Wasser mit einem Tropfen Spülmittel abspülen.
- Vor dem ersten Gebrauch und bei kranken Kindern/Frühgeborenen auskochen (5-10 Minuten) oder sterilisieren.
- Anschließend gut trocknen lassen und in einer sauberen Box mit Deckel aufbewahren.
Besonders bei der Verwendung für kranke Kinder und Frühgeborene ist höchste Hygiene geboten. Glatte Oberflächen erleichtern die Reinigung.
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