Verkürzter Gebärmutterhals: Ursachen, Folgen und Behandlung

Eine Zervixinsuffizienz, auch bekannt als Muttermundschwäche oder Gebärmutterhalsschwäche, stellt eine Schwangerschaftskomplikation dar, bei der sich der Gebärmutterhals vorzeitig verkürzt und der Muttermund sich ohne vorangehende Wehen öffnet. Dies kann zu Fehlgeburten oder Frühgeburten führen und erhöht das Risiko für diese Komplikationen.

Was ist eine Zervixinsuffizienz?

Während einer normalen Schwangerschaft verschließen der innere und äußere Muttermund sowie der Schleimpfropf den Gebärmutterhals fest. Diese Abdichtung hat zwei Hauptfunktionen: Sie stützt die Gebärmutter und schützt das ungeborene Baby vor aufsteigenden Keimen und Infektionen. Erst unter dem Einfluss von Geburtswehen öffnet sich der Gebärmutterhals, um den Weg für das Baby in den Geburtskanal freizumachen. Bei einer Zervixinsuffizienz verkürzt sich der Gebärmutterhals jedoch vorzeitig, oft schon im zweiten Trimester der Schwangerschaft (zwischen dem 4. und 6. Schwangerschaftsmonat), und der Muttermund beginnt sich ohne Wehentätigkeit zu öffnen.

Medizinisch gesehen ist die Zervixinsuffizienz eine Funktionsschwäche des Gebärmutterhalses (lateinisch: cervix uteri). Alternative Bezeichnungen sind Muttermundschwäche, Gebärmutterhalsschwäche oder Trichterbildung, letztere bezieht sich auf die Form des Gebärmutterhalses bei dieser Komplikation.

Die normale Länge des Gebärmutterhalses während der Schwangerschaft beträgt in der Regel drei bis fünf Zentimeter (30-50 mm). Eine Verkürzung auf unter 2,5 Zentimeter (25 mm) vor der 34. Schwangerschaftswoche, insbesondere vor der 24. Woche, wird als kritisch angesehen und erhöht das Risiko für eine Frühgeburt erheblich. Ein Wert von unter 15 mm gilt als alarmierend.

Es ist wichtig zu unterscheiden, dass ein verkürzter Gebärmutterhals primär die anatomische Verkürzung der Zervix beschreibt, während die Zervixinsuffizienz eine Schwäche des Gewebes und eine schmerzlose, vorzeitige Öffnung des Muttermundes ohne Wehen meint. Beide Zustände können jedoch gemeinsam auftreten und führen zu einem ähnlichen Risiko für Frühgeburten.

Schema des weiblichen Beckens mit hervorgehobenem Gebärmutterhals (Zervix)

Ursachen einer Zervixinsuffizienz

Die genauen Ursachen einer Zervixinsuffizienz sind nicht immer vollständig geklärt und oft liegt eine Kombination verschiedener Faktoren vor. Zu den bekannten Ursachen und Risikofaktoren zählen:

  • Mechanische Überlastung: Eine erhöhte Belastung des Gebärmutterhalses und Muttermundes, beispielsweise durch eine Mehrlingsschwangerschaft, kann zu einer Verkürzung führen.
  • Aufsteigende Infektionen: Infektionen mit Keimen wie Chlamydien oder Streptokokken können Entzündungen auslösen, die wiederum die Freisetzung von Prostaglandinen bewirken. Prostaglandine spielen eine Rolle bei der Erweichung und Öffnung des Muttermundes.
  • Angeborene Bindegewebsschwäche: Genetische Erkrankungen wie das Ehlers-Danlos-Syndrom können die Struktur und Festigkeit des Bindegewebes beeinträchtigen und somit auch die Stabilität des Gebärmutterhalses schwächen.
  • Verletzungen des Gebärmutterhalses: Frühere operative Eingriffe am Gebärmutterhals, wie eine Konisation (Entnahme eines Gewebekegels zur Entfernung von Krebsvorstufen), eine Ausschabung oder auch Verletzungen während früherer Geburten, können das Gewebe schwächen.
  • Fehlbildungen der Gebärmutter: Angeborene Anomalien der Gebärmutter können ebenfalls eine Rolle spielen.
  • Vorherige späte Fehlgeburten oder Frühgeburten: Frauen, die bereits eine oder mehrere späte Fehlgeburten (im zweiten Trimester) oder Frühgeburten erlitten haben, haben ein erhöhtes Risiko für eine Zervixinsuffizienz in Folgeschwangerschaften.
  • Körperliche Belastung und Stress: Schweres Heben, langes Stehen und hoher psychischer Stress können den Druck auf den Gebärmutterhals erhöhen und eine Verkürzung begünstigen.
  • Rauchen: Nikotinkonsum kann die Bindegewebsbildung beeinträchtigen.
  • Zu viel Fruchtwasser: Ein erhöhtes Fruchtwasservolumen kann ebenfalls den Druck auf den Gebärmutterhals erhöhen.

Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass in vielen Fällen keine eindeutigen Risikofaktoren identifiziert werden können.

Symptome einer Zervixinsuffizienz

Eine Zervixinsuffizienz verläuft häufig symptomlos oder die Symptome sind sehr unspezifisch. Dies macht die Diagnose oft schwierig, da die Komplikation unbemerkt bleiben kann, bis es zu einer Frühgeburt kommt. Wenn Symptome auftreten, können diese zwischen der 14. und 20. Schwangerschaftswoche erscheinen und umfassen:

  • Ein Druckgefühl im Becken oder in der Vagina, oft als "Nach-unten-drücken" beschrieben.
  • Schmierblutungen oder leichte Scheidenblutungen.
  • Unklare Unterleibs- oder Rückenschmerzen, die menstruationsähnlich sein können.
  • Ein veränderter Scheidenausfluss (Menge, Farbe oder Konsistenz).
  • Ein Ziehen in den Leisten oder im unteren Rücken.

Ein wichtiges Merkmal der Zervixinsuffizienz ist, dass sie keine Kontraktionen oder Wehenschmerzen verursacht. Diese Symptome können auch auf andere Schwangerschaftsbeschwerden hinweisen und sind kein sicherer Beweis für eine Muttermundschwäche. Daher ist eine ärztliche Untersuchung zur Klärung unerlässlich.

Grafik, die die verschiedenen Symptome einer Zervixinsuffizienz auflistet

Diagnose einer Zervixinsuffizienz

Die Diagnose einer Zervixinsuffizienz wird in erster Linie durch bildgebende Verfahren gestellt, da eine rein manuelle Untersuchung oft nicht ausreicht.

Vaginaler Ultraschall

Die transvaginale Ultraschalluntersuchung gilt als Goldstandard zur Messung der Zervixlänge. Dabei wird eine spezielle Ultraschallsonde in die Scheide eingeführt, um den Gebärmutterhals präzise zu vermessen. Diese Untersuchung ist genauer als andere Methoden und ermöglicht eine zuverlässige Beurteilung der Länge und Beschaffenheit des Gebärmutterhalses.

Die Messung erfolgt typischerweise zwischen der 16. und 24. Schwangerschaftswoche. Bei Frauen mit bekannten Risikofaktoren kann die Messung auch früher beginnen. Eine routinemäßige Zervixlängenmessung für alle Schwangeren ist jedoch nicht standardmäßig vorgesehen, wird aber bei Risikopatientinnen empfohlen.

Weitere diagnostische Maßnahmen

Neben dem Ultraschall wird der Arzt auch die Krankengeschichte der Patientin erfragen, insbesondere bezüglich früherer Früh- oder Fehlgeburten. Eine vaginale Tastuntersuchung kann ebenfalls Hinweise auf eine Verkürzung oder Erweichung des Gebärmutterhalses geben.

Wenn eine Zervixinsuffizienz vermutet wird oder Risikofaktoren vorliegen, werden regelmäßige Kontrolluntersuchungen mittels Ultraschall durchgeführt, um eine mögliche Verkürzung und deren Fortschreiten zu überwachen.

Folgen einer Zervixinsuffizienz

Die Hauptfolge einer Zervixinsuffizienz ist ein stark erhöhtes Risiko für:

  • Fehlgeburten: Insbesondere im zweiten Trimester der Schwangerschaft (vor der 23. SSW).
  • Frühgeburten: Wenn die Zervixinsuffizienz nach der 23. SSW auftritt, besteht die Gefahr einer Geburt vor der 37. SSW. Neugeborene, die vor der 37. SSW geboren werden, gelten als Frühchen und haben ein höheres Risiko für gesundheitliche Komplikationen.

Die Verkürzung des Gebärmutterhalses kann zu einer sogenannten Trichterbildung führen, bei der sich der innere Muttermund öffnet und die Fruchtblase in den Gebärmutterhals oder sogar in die Scheide vordringen kann (Fruchtblasenprolaps). Dies erhöht das Infektionsrisiko und kann die Geburtseinleitung beschleunigen.

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Behandlungsmöglichkeiten bei Zervixinsuffizienz

Die Behandlung einer Zervixinsuffizienz zielt darauf ab, ein Voranschreiten der Verkürzung zu verhindern, den Gebärmutterhals zu stützen und somit eine Frühgeburt abzuwenden oder hinauszuzögern.

Cerclage (Muttermundverschluss)

Die Cerclage (auch Zerklage genannt) ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem der äußere Muttermund mit einem festen Kunststoffband (Naht) verschlossen wird, um eine Frühgeburt zu verhindern. Dieser Eingriff wird in der Regel unter Vollnarkose oder Regionalanästhesie durchgeführt und kann bis zur 28. Schwangerschaftswoche erfolgen. Die Cerclage wird üblicherweise vor der Geburt wieder entfernt. Bei Einlingsschwangerschaften mit vorangegangener Frühgeburt und Zervixinsuffizienz vor der 24. SSW wird die Cerclage von führenden medizinischen Fachgesellschaften empfohlen.

Zervixpessar

Als Alternative zur Cerclage kann ein Zervixpessar eingesetzt werden. Dies ist ein fester Silikonring, der minimalinvasiv ohne Narkose um den Muttermund gelegt wird, um ihn zu stützen und zu verschließen.

Progesterontherapie

Die Gabe von Progesteron als Vaginalgel wird häufig empfohlen. Progesteron ist ein Hormon, das für den Erhalt der Schwangerschaft wichtig ist und helfen kann, die Gebärmutter zu entspannen und den Gebärmutterhals zu stabilisieren. Die Verabreichung erfolgt meist bis zur 36. SSW.

Weitere medizinische Maßnahmen

  • Kortikosteroide (Lungenreifespritze): Wenn eine Frühgeburt akut droht, werden Kortikosteroide verabreicht, um die Lungenreifung des Fötus zu beschleunigen und Atemnot bei einer zu frühen Entbindung vorzubeugen.
  • Magnesium: Die Gabe von Magnesium kann zur Entspannung der Gebärmutter und zur Vorbeugung vorzeitiger Wehen eingesetzt werden.
  • Tokolytika (Wehenhemmer): Bei bereits eingesetzten vorzeitigen Wehen können Tokolytika die Entbindung für einige Tage hinauszögern und Zeit für den Transport in eine spezialisierte Klinik sowie für die Lungenreifung des Kindes gewinnen.
  • Antibiotika: Bei nachgewiesenen Infektionen wird eine Antibiotikabehandlung durchgeführt.

Schonung und Bettruhe

Bei einer diagnostizierten Zervixinsuffizienz kann ärztlich verordnete körperliche Schonung, im Extremfall auch Bettruhe und ein Beschäftigungsverbot, angezeigt sein. Ziel ist es, die Belastung auf Muttermund und Gebärmutterhals zu verringern. Allerdings wird strenge Bettruhe heute nicht mehr generell empfohlen, da sie Risiken wie Thrombosen und Muskelschwund birgt und sich negativ auf die Psyche auswirken kann. Das Ausmaß der Schonung wird individuell vom Arzt festgelegt.

Frauen mit Zervixinsuffizienz sollten auf körperliche Anstrengung, schweres Heben, langes Stehen und Geschlechtsverkehr verzichten. Bei älteren Kindern kann eine Haushaltshilfe beantragt werden.

Infografik mit den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten bei Zervixinsuffizienz

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