Die Eröffnungsphase der Geburt: Ein detaillierter Überblick

Die Geburt eines Kindes ist ein komplexer und faszinierender Prozess, der in verschiedene Phasen unterteilt wird. Die erste und oft längste Phase ist die Eröffnungsphase. Sie beginnt mit den ersten regelmäßigen und schmerzhaften Kontraktionen der Gebärmutter und endet erst, wenn der Muttermund vollständig geöffnet ist und das Baby in den Geburtskanal eintreten kann. Bei einer Erstgebärenden kann dieser Prozess zwischen 8 und 14 Stunden dauern, während er bei Frauen, die bereits Kinder geboren haben, in der Regel kürzer ist.

Zu Beginn der Eröffnungsphase sind die Wehen oft noch schwach und unregelmäßig. Sie können sich wie leichte Krämpfe im Unterleib anfühlen und sind durch längere Pausen unterbrochen. Während dieser Zeit ist es vielen Frauen noch möglich, sich zu unterhalten und umherzugehen. Die Kontraktionen treten anfangs in Abständen von 5 bis 20 Minuten auf und dauern nur etwa 10 bis 15 Sekunden. Zu diesem Zeitpunkt ist der Muttermund erst wenige Zentimeter, maximal 3 Zentimeter, geöffnet. Viele Frauen entscheiden sich in dieser Phase, das Krankenhaus aufzusuchen oder ihre Hebamme zu informieren.

Mit fortschreitender Eröffnungsphase nehmen die Wehen an Intensität, Dauer und Regelmäßigkeit zu. Die Kontraktionen werden länger (30 bis 60 Sekunden) und treten in kürzeren Abständen auf, etwa alle 3 bis 7 Minuten. Die Wehen werden stetig schmerzhafter, und die Pausen dazwischen verkürzen sich weiter. Im Durchschnitt setzen die Wehen nun alle 2 bis 4 Minuten ein und dauern ungefähr eine Minute. In dieser Phase erweisen sich die im Geburtsvorbereitungskurs erlernten Atmungs- und Entspannungsübungen als besonders wertvoll.

Ein wichtiger Vorgang während der Eröffnungsphase ist die Verkürzung und das Verstreichen des Gebärmutterhalses. Der Gebärmutterhals, der normalerweise wie ein Zapfen in die Vagina ragt und den Muttermund verschließt, wird durch den Druck des kindlichen Kopfes und die Wehen zunehmend verkürzt und weicher. Dies ebnet den Weg für die vollständige Öffnung des Muttermundes. Wenn die Fruchtblase noch intakt ist, platzt sie häufig in dieser Phase infolge der zunehmenden Wehenstärke. Eine Blasensprengung durch die Hebamme kann ebenfalls durchgeführt werden, um die Geburt zu beschleunigen. Dabei wird die Fruchtblase vorsichtig eingeschnitten, was nicht schmerzhaft ist.

Die Eröffnungsphase wird oft in eine frühe Latenzphase und eine aktive Phase unterteilt. In der Latenzphase öffnet sich der Muttermund zunächst langsam auf etwa 4 bis 5 Zentimeter, was bei Erstgebärenden durchschnittlich 8 Stunden dauern kann. Die Aktivphase, in der sich der Muttermund von etwa 4 bis 5 Zentimetern auf die vollständige Öffnung von 10 Zentimetern erweitert, ist intensiver und kann bei Erstgebärenden etwa 5 bis 7 Stunden dauern.

Schema der Muttermundöffnung während der Eröffnungsphase

Die Übergangsphase: Der anstrengendste Teil der Eröffnung

Das letzte Drittel der Eröffnungsphase wird auch als Übergangsphase bezeichnet. Diese Phase ist zwar kurz, aber besonders anstrengend. Die Wehen kommen nun sehr schnell hintereinander, werden stärker, und der Schmerz ist meist am intensivsten. Viele Gebärende haben in dieser Zeit das Gefühl, "nicht mehr zu können". Begleiterscheinungen wie Zittern, Schweissausbrüche, Übelkeit oder Erbrechen können auftreten. Der zunehmende Druck des kindlichen Kopfes auf den unteren Rücken und den Enddarm kann zu einer unfreiwilligen Entleerung von Blase oder Darm führen. Auch emotional ist diese Phase eine enorme Herausforderung; viele Frauen sind in dieser Zeit sehr gereizt und empfinden starke Schmerzen, was den Wunsch nach Schmerzmitteln verstärken kann.

Obwohl die Schmerzen in der Übergangsphase sehr stark sein können, ist es ratsam, den Drang zu pressen zu widerstehen, bis der Muttermund vollständig geöffnet ist (10 Zentimeter). Eine spezielle Atemübung, bei der sanft ausgeatmet wird, als wollte man eine Kerze ausblasen, kann helfen, diesen Drang zu kontrollieren.

Darstellung des kindlichen Kopfes, der sich durch den Muttermund presst

Vorzeichen und Anzeichen des Geburtsbeginns

Die Geburt kündigt sich oft schon Tage im Voraus durch verschiedene körperliche Zeichen an. Dazu gehören unregelmäßige leichte Wehen (Vorwehen), zunehmende Rückenschmerzen aufgrund der Lockerung der Bänder im unteren Rücken, der Abgang eines blutigen Schleimpfropfs aus der Vagina, der bisher den Muttermund verschlossen hat, und häufiger Stuhldrang oder leichter Durchfall. Vorwehen machen den Muttermund langsam geburtsreif. Sie sind unregelmäßig, kurz und relativ leicht, sodass man sich während einer Wehe noch unterhalten kann. Geburtswehen führen zur Eröffnung des Muttermunds und kommen regelmäßig, etwa alle fünf bis fünfzehn Minuten, dauern eine Minute und sind so kräftig, dass man sich aufs Atmen konzentrieren muss.

Ein weiteres wichtiges Anzeichen kann die Zeichnungsblutung sein. Wenn sich der Muttermund zu öffnen beginnt, können durch die Dehnung und starke Durchblutung kleine Risse in den Blutgefäßen entstehen. Dies ist nicht gefährlich, sondern ein Zeichen dafür, dass sich etwas am Muttermund tut. Eine leichte Blutung mit bräunlich-rotem Schleimabgang auf der Slipeinlage kann ein gutes Indiz sein, tritt aber nicht bei jeder Frau auf. Wenn zusätzlich regelmäßige Wehen auftreten, die zunehmend veratmet werden müssen, hat die erste Phase der Geburt begonnen.

Der Abgang des Schleimpfropfs, der den Muttermund während der Schwangerschaft verschlossen und das Baby vor Keimen geschützt hat, ist ebenfalls ein deutliches Zeichen. Dies zeigt sich durch den Austritt einer größeren Menge Schleim, der teilweise mit leichten Blutfäden durchzogen sein kann. Manchmal löst sich der Pfropf auch nach und nach und wird als normaler Ausfluss empfunden. Wenn jedoch eine gesteigerte Menge Sekret bemerkt wird und die Geburt kurz bevorsteht, kann dies ein Hinweis auf die beginnende Öffnung des Muttermundes sein.

Das Platzen der Fruchtblase ist ein weiteres bekanntes Zeichen, tritt aber nicht immer zu Beginn der Geburt auf. Oft platzt die Fruchtblase erst, wenn der Muttermund bereits geöffnet ist. Solange der Muttermund fest verschlossen ist, liegt das Baby sicher in der Fruchtblase. Sobald sich der Muttermund öffnet, drückt sich die Fruchtblase in die Öffnung und bildet eine Spannung, die durch den Druck des Babys zunehmen kann. Dies kann zum Platzen der Fruchtblase führen. Wenn Fruchtwasser austritt, sollte die Frau ihre Hebamme oder ihren Arzt informieren. Bei einem Blasensprung kurz vor oder zum errechneten Geburtstermin setzen in der Regel innerhalb von 24 Stunden spontan Wehen ein.

Es ist nicht immer leicht zu unterscheiden, ob es sich bei der austretenden Flüssigkeit um Fruchtwasser, Urin oder Ausfluss handelt. Fruchtwasser ist in der Regel klar und hat einen neutralen bis leicht süßlichen Geruch. Im Gegensatz zu Urin lässt sich der Abgang von Fruchtwasser nicht durch Anspannen der Beckenbodenmuskulatur verhindern. Ein pH-Teststreifen kann Aufschluss geben: Fruchtwasser hat einen pH-Wert von etwa 7,0, während der pH-Wert der Scheide durchschnittlich 4 bis 4,4 beträgt.

Der Muttermund bei 1 cm Öffnung

Wenn der Muttermund nur 1 cm offen ist, deutet dies darauf hin, dass die Geburt noch am Anfang steht. Dies kann bereits einige Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin geschehen. Während der Schwangerschaft sollte der Muttermund geschlossen sein und den Gebärmutterausgang mit einem Schleimpfropf schützen. Sobald regelmäßige Wehen einsetzen, beginnt sich der Muttermund weiter zu öffnen. Bei einer Öffnung von nur 1 cm sind regelmäßige Wehen und genügend Druck auf den Gebärmutterausgang erforderlich, damit sich der Muttermund weiter öffnet. Leichte Unterleibsschmerzen oder Blutungen können auftreten, wenn sich der Muttermund öffnet.

Manchmal kann sich der Muttermund auch vorzeitig öffnen, was ohne Wehen auf eine unerkannte Infektion oder eine Gebärmutterhalsschwäche hindeuten kann. Verkürzt sich der Gebärmutterhals und öffnet sich der Muttermund vor der 37. Schwangerschaftswoche, besteht die Gefahr einer Frühgeburt, was ärztliche Maßnahmen wie Bettruhe erfordern kann.

Die Rolle der Hebamme und medizinische Interventionen

Während der gesamten Geburt spielt die Hebamme eine zentrale Rolle. Sie überwacht den Geburtsfortschritt, berät und unterstützt die Gebärende. Bei Bedarf kann die Hebamme auch medizinische Interventionen durchführen oder empfehlen. Dazu gehören:

  • Muttermundkontrolle: Regelmäßige Tastuntersuchungen durch die Hebamme oder den Arzt geben Aufschluss über den Öffnungsgrad und die Beschaffenheit des Muttermundes. Oft wird davon gesprochen, dass der Muttermund "fingerdurchlässig" ist, was bedeutet, dass er weicher wird und sich langsam zu öffnen beginnt. Aus hygienischen Gründen und zur Vermeidung von Verunsicherung wird von Selbstuntersuchungen abgeraten.
  • Unterstützung der Wehen: Wenn die Wehen schwächer werden oder ins Stocken geraten (Wehenschwäche), können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um den Geburtsfortschritt zu fördern. Dazu gehören Positionswechsel der Gebärenden, die Aufnahme von Energie durch zuckerhaltige Getränke oder auch die Gabe von Oxytocin über eine Infusion ("Wehentropf").
  • Blasensprengung (Amniotomie): Wenn die Fruchtblase noch intakt ist und die Geburt beschleunigt werden soll, kann die Hebamme die Fruchtblase mit einem kleinen Instrument anritzen. Dies ist schmerzfrei und kann die Wehen anregen.
  • Dammschutz und Dammschnitt: Um Risse im Dammbereich (Perineum) während der Geburt des Kopfes zu verhindern oder zu minimieren, kann die Hebamme den Damm mit warmen Kompressen unterstützen oder durch leichten Gegendruck von außen schützen. Nur in seltenen Fällen, wenn ein unkontrollierter, größerer Dammriss droht oder eine schnelle Geburt notwendig ist, kann ein Dammschnitt (Episiotomie) durchgeführt werden. Früher wurde dies häufiger routinemäßig gemacht, heute wird es als Intervention nur noch gezielt eingesetzt, da ein Dammschnitt nicht immer besser heilt als ein Riss.
  • Geburtshilfliche Instrumente: Bei Bedarf können Saugglocke oder Geburtszange eingesetzt werden, um die Geburt zu unterstützen, wenn das Baby nicht schnell genug vorankommt. Diese Instrumente werden angewendet, um den kindlichen Kopf zu fassen und durch Zug die Austreibung zu erleichtern.

Die Geburt ist ein individueller Prozess, und jede Schwangerschaft und jede Geburt verläuft anders. Informationen aus Geburtsvorbereitungskursen, Gespräche mit der Hebamme und das Vertrauen in den eigenen Körper sind entscheidend, um diese besondere Zeit bestmöglich zu erleben.

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