Die Entwicklung des menschlichen Embryos in den ersten Schwangerschaftswochen

Die menschliche Entwicklung, beginnend bei einer mikroskopisch kleinen Keimzelle bis hin zu einem ausgereiften Kind, erstreckt sich über einen Zeitraum von rund neun Monaten. In dieser Zeit werden alle lebensnotwendigen Organe und Gewebe ausgebildet. Eine normale Schwangerschaft dauert insgesamt 40 Wochen oder 280 Tage. Als Beginn der Schwangerschaft wird der erste Tag der letzten Menstruationsblutung herangezogen. Eisprung und Befruchtung finden jedoch erst rund zwei Wochen nach diesem Datum statt, was bedeutet, dass in den ersten beiden Schwangerschaftswochen streng genommen noch keine Schwangerschaft vorliegt. Dennoch hat sich diese Zählweise bewährt, da die meisten Frauen das Datum ihrer letzten Menstruationsblutung genau kennen, während der exakte Zeitpunkt der Befruchtung schwer zu bestimmen ist.

Ausgehend vom ersten Tag der letzten Menstruationsblutung lässt sich auch der voraussichtliche Geburtstermin berechnen. Es ist jedoch üblich, dass Kinder nicht exakt am errechneten Termin zur Welt kommen; eine Abweichung von einigen Tagen ist normal.

Grafische Darstellung des weiblichen Zyklus mit Eisprung und Befruchtung

Die erste Entwicklungsphase: Von der Befruchtung bis zur vierten Schwangerschaftswoche

Ungefähr in der Mitte des monatlichen Zyklus der Frau findet der Eisprung statt. Die freigesetzte reife Eizelle wird vom Eileiter aufgenommen und ist für etwa 24 Stunden befruchtungsfähig. Kommt es in diesem Zeitraum zu einer Verschmelzung mit einer Samenzelle, also zur Befruchtung, entsteht ein neuer Organismus, der zunächst als Zygote bezeichnet wird. Durch die Kombination der genetischen Informationen der Eizelle und der Samenzelle ist der Bauplan für das neue Leben vollständig.

Schon kurz nach der Befruchtung beginnt die Zygote sich mehrfach zu teilen und wandert mithilfe rhythmischer Kontraktionen des Eileiters in Richtung Gebärmutter. Etwa sechs Tage nach der Befruchtung nistet sie sich dort ein (Einnistung, Implantation). Bei einigen Frauen tritt dabei eine leichte vaginale Blutung auf, die sogenannte Einnistungsblutung. Wenn die Einnistung stattgefunden hat, bleibt die nächste Monatsblutung aus.

Zum Zeitpunkt der Einnistung haben sich bereits mehrere Zellkerne und Zellschichten gebildet, aus denen später die einzelnen Organe und Gewebe entstehen. Man spricht nun von einer Blastozyste. Gegen Ende der vierten Schwangerschaftswoche beginnen sich die Zellen zu spezialisieren: Einige entwickeln sich weiter zur rund zwei Millimeter großen Keimscheibe, aus der später der eigentliche Embryo entsteht, andere entwickeln sich zur späteren Plazenta (Mutterkuchen). Auch das erste Fruchtwasser beginnt sich zu bilden; am Ende der vierten Schwangerschaftswoche ist der Embryo vollständig davon umgeben. Es schützt ihn vor Austrocknung und Verletzungen, gewährleistet seine gute Beweglichkeit und hat zudem immunologische Funktionen. Bis zum letzten Schwangerschaftsdrittel wird die Fruchtwassermenge auf bis zu 1.000 ml ansteigen, vor der Geburt nimmt sie physiologischerweise wieder etwas ab.

Die fünfte und sechste Schwangerschaftswoche: Erste Organbildung und Herzschlag

Die hormonelle Umstellung im Körper der Frau hat längst begonnen und bildet die Grundlage dafür, dass die Anforderungen für eine Schwangerschaft geschaffen werden und der Embryo sich korrekt entwickeln kann. Einige Frauen bemerken bereits jetzt frühe Anzeichen einer Schwangerschaft, wie das Ausbleiben der Regelblutung, ein ziehendes Gefühl in den Brüsten, Müdigkeit, häufiger Harndrang sowie leichte Unterbauchschmerzen.

Die Keimscheibe entwickelt sich weiter und besteht nun aus drei Schichten, aus denen später in weiteren unzähligen Teilungsschritten sämtliche Organsysteme und Gewebe des Körpers entstehen. Im Laufe der sechsten Schwangerschaftswoche beginnen die ersten Organe, Form anzunehmen, und auch Kopf, Rumpf und Ansätze der Gliedmaßen sind erkennbar. Diese Woche stellt einen Meilenstein in der Entwicklung des Embryos dar: Das Herz beginnt zu schlagen und der Embryo bildet ein eigenes Kreislaufsystem aus. Der Embryo ist nun rund fünf Millimeter groß.

Mikroskopische Aufnahme eines frühen Embryos mit schlagendem Herzen

Die siebte und achte Schwangerschaftswoche: Organentwicklung und Sinnesorgane

In der achten Schwangerschaftswoche ist der Embryo etwa 15 Millimeter groß. Neben dem Herz sind weitere Organe wie Nieren und Magen angelegt und beginnen zu arbeiten. Mit Mund, Nase und Augen beginnen nun auch die Sinnesorgane, sich zu entwickeln. Bei der Körperform des Embryos dominieren der Kopf und die oberen Extremitäten.

Der Embryo wird in der frühen Schwangerschaft über den Dottersack mit Nährstoffen versorgt. Die Plazenta entwickelt sich immer weiter, und auch die Nabelschnur ist nun bereits erkennbar.

Die neunte und zehnte Schwangerschaftswoche: Erste Bewegungen und Gliedmaßenentwicklung

Nervenzellen und Muskeln sind so weit entwickelt, dass sich der Embryo ungezielt bewegen kann. Diese Bewegungen kann die Mutter allerdings noch nicht spüren. Vom Kopf bis zum Steiß misst der Körper des Embryos rund 25 Millimeter und wiegt zirka 15 Gramm. An den Händen sind die Finger nun schon klar zu erkennen. Auch die Ellbogen sowie Füße und Zehen haben begonnen, sich zu entwickeln. Gesichtszüge wie Ohren, Nase, Mund und Augen nehmen immer mehr Gestalt an. Die Augen des Embryos sind zu diesem Zeitpunkt noch dauerhaft geöffnet; die Lider bilden sich erst später vollständig aus.

Die elfte und zwölfte Schwangerschaftswoche: Beginn der Fetalperiode

Das ungeborene Kind wird nun nicht mehr als Embryo bezeichnet; die sogenannte Fetalperiode hat begonnen. Die Nervenbahnen haben sich weiter vernetzt, sodass die Bewegungen des Fötus immer gezielter erfolgen können; er kann inzwischen zum Beispiel schon eine Faust machen. Das Nervensystem entwickelt sich enorm schnell, jeden Tag bilden sich unzählige neue Nervenstränge und Verknüpfungen.

Die Anlagen für alle Organsysteme sind bereits angelegt; in den nächsten Wochen und Monaten reifen sie zunehmend aus. Der Kopf ist immer noch der größte Körperteil des Fötus, er macht etwa die Hälfte der gesamten Körpergröße aus. Die Anlagen für die Milchzähne sind bereits im Kiefer angelegt. Die äußeren Geschlechtsmerkmale des Fötus werden sichtbar, allerdings können sie noch nicht auf dem Ultraschallbild erkannt werden. In der zwölften Schwangerschaftswoche übernimmt nun die Plazenta die Aufgabe, den zirka fünf Zentimeter großen Fötus mit Sauerstoff und Nährstoffen aus dem Blut der Mutter zu versorgen.

Vergleich von Embryo- und Fötusgröße im Verhältnis zum Kopf

Die 13. bis 16. Schwangerschaftswoche: Skelettverknöcherung und erste Schluckbewegungen

Die Augenlider haben sich ausgebildet und die Augen des Fötus sind nun geschlossen. Die weichen Knorpel des Skelettgerüsts beginnen zu verknöchern. Die Haut ist nahezu fertig entwickelt. Es bildet sich die sogenannte Lanugobehaarung, die sich erst um den Geburtstermin langsam zurückbildet. Die Lanugohaare bilden zusammen mit der sogenannten Käseschmiere einen Film auf der Haut des Fötus, der vor äußeren Einflüssen schützt.

Der Fötus ist etwa ab der 15. Schwangerschaftswoche in der Lage zu schlucken und beginnt, Fruchtwasser zu trinken. Die Nieren haben begonnen zu arbeiten und scheiden das aufgenommene Fruchtwasser in Form von Urin wieder aus. Auch erste Atembewegungen werden bereits geübt und unterstützen die Entwicklung der Lunge. Das ungeborene Kind bewegt sich viel im Fruchtwasser und kann inzwischen zum Beispiel auch schon die Finger in den Mund nehmen. Es schläft nur kurz und unregelmäßig. Der Fötus ist Ende der 16. Schwangerschaftswoche zirka 18 Zentimeter groß.

Die 17. bis 20. Schwangerschaftswoche: Sinneswahrnehmung und Geschlechtsbestimmung

Die Sinne entwickeln sich weiter. Der Fötus kann Hell und Dunkel unterscheiden, und erste Augenbewegungen sind möglich. Ein weiterer Meilenstein betrifft die Ohren: Das Innenohr ist nun so weit entwickelt, dass das ungeborene Kind erste akustische Reize wahrnehmen kann, zunächst Geräusche aus dem Körper der Mutter, später von außerhalb.

Die Bewegungen des ungeborenen Kindes werden stärker; es dreht und wendet sich und „schlägt Purzelbäume“. Die meisten Mütter können in diesen Wochen zum ersten Mal die kleinen Stöße des Kindes spüren. Die äußeren Geschlechtsorgane können von einer Ärztin oder einem Arzt bei der Ultraschalluntersuchung erkannt werden. Die Proportionen des Fötus ändern sich, der Kopf erscheint im Vergleich zum Körper nicht mehr so groß wie bisher. Die Beine sind inzwischen länger als die Arme, und auch die Gesichtszüge werden kindlicher. Am Ende des fünften Monats ist der Fötus etwas über 20 Zentimeter groß.

Ultraschallbild, das die Geschlechtsmerkmale eines Fötus zeigt

Die 21. bis 24. Schwangerschaftswoche: Gehirnwachstum und Darmaktivität

Die Hälfte der Schwangerschaft ist nun bereits vorbei. Das Gehirn wächst besonders rasch, und Nervensystem und Reflexe entwickeln sich immer weiter. Dazu gehört auch der Saugreflex, den der Fötus in Form von Daumenlutschen regelmäßig trainiert. Zudem reagiert der Fötus nun schon eindeutig auf Geräusche von außen.

Auch der Darm arbeitet, und der erste Stuhl sammelt sich an. Dieser wird Mekonium genannt und in den ersten Tagen nach der Geburt ausgeschieden. In Stresssituationen kann es passieren, dass der erste Stuhl noch in der Gebärmutter abgegeben wird, was für das Kind gefährliche Folgen haben kann. Die Haut des Fötus ist im 6. Schwangerschaftsmonat noch blass und durchscheinend. Das bisher fehlende Fettgewebe wird ab jetzt verstärkt gebildet, wodurch der derzeit sehr dünne Fötus ab nun stetig an Gewicht zunimmt. Das sogenannte braune Fettgewebe unterstützt zudem den Wärmehaushalt. Auch erste Haare sowie Ansätze von Augenbrauen und Wimpern sind nun vorhanden, und Finger- und Zehennägel haben sich gebildet. Am Ende der 24. Schwangerschaftswoche ist der Fötus etwa 26 Zentimeter groß und rund ein dreiviertel Kilo schwer.

Die 25. bis 28. Schwangerschaftswoche: Lungenreife und Überlebenschancen

Die Organe des Fötus sind zum großen Teil entwickelt und funktionieren, nur die Lunge ist noch nicht fertig ausgereift; dies dauert bis kurz vor dem Geburtstermin. Das Bronchialsystem und die Lungenzellen sind um die 25. Schwangerschaftswoche aber bereits so weit entwickelt, dass im Falle einer Frühgeburt mit entsprechender intensivmedizinischer Unterstützung erste realistische Überlebenschancen vorhanden wären.

Etwa in der 26. Schwangerschaftswoche beginnen die Lungenzellen zudem mit der Produktion des sogenannten Surfactant. Diese Substanz umgibt die Lungenbläschen wie ein Film und vermindert deren Oberflächenspannung, was eine wichtige Voraussetzung für eine funktionierende Atmung ist. Die Augen des Fötus können sich immer wieder kurz öffnen. Er hat nun auch regelmäßig Schluckauf. Diese rhythmischen Kontraktionen des Zwerchfells unterstützen die Entwicklung der Atemmuskulatur. Das Kind beginnt mehrere Stunden lang durchzuschlafen und einen Schlaf-Wach-Rhythmus auszubilden. Es kann durch Bewegungen oder laute Geräusche geweckt werden.

Schematische Darstellung der Lungenentwicklung mit Surfactant

Die 29. bis 32. Schwangerschaftswoche: Gewichtszunahme und Geburtsposition

Der Fötus nimmt jetzt rasch an Gewicht zu und reift weiter heran. Unter der Haut lagert sich weiter Fett ein, die Haut glättet sich. Die Fingernägel und die Haare sowie die Wimpern und die Augenbrauen sind deutlich gewachsen. Am Ende des achten Monats wiegt das Kind rund zwei Kilogramm.

Je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist, desto weniger Platz hat das ungeborene Kind in der Gebärmutter. Es sind keine ausgedehnten Bewegungen mehr möglich. Der Fötus dreht sich in dieser Phase in die Geburtslage, später ist eine vollständige Drehung nur noch schwer möglich. Die meisten Geburten finden in sogenannter Schädellage statt, das heißt, das Kind legt sich mit dem Kopf nach unten in das Becken der Mutter. Dies ist die optimale Lage für eine natürliche Geburt. Gegen Ende der Schwangerschaft, bzw. wenn das Kind tiefer ins Becken rutscht, können bei der Schwangeren immer wieder Vor- oder Senkwehen auftreten. Diese sind ein Anzeichen dafür, dass sich der Körper langsam auf die Geburt vorbereitet.

Die letzten Wochen: Reifung und Geburtsvorbereitung

In den letzten Wochen vor der Geburt reift das Kind weiter aus. Insbesondere das Gehirn macht weitere wichtige Entwicklungsschritte, und die Lungen machen sich bereit für den ersten Atemzug. Etwa ab der 35. Schwangerschaftswoche wird Surfactant in den kindlichen Lungen in so großen Mengen produziert, dass eine Atmung auch ohne Unterstützung möglich wäre.

Auch die Sinne sind nun weitgehend ausgereift. Scharfes Sehen ist aber auch bei der Geburt noch nicht möglich; Neugeborene nehmen ihre Umwelt nur schemenhaft wahr. Sie können zunächst hauptsächlich Hell-Dunkel-Kontraste, Muster und Formen erkennen. Die Körpergröße, mit der das Kind auf die Welt kommen wird, ist schon einige Zeit vor dem Geburtstermin erreicht; in den letzten Wochen steht die Gewichtszunahme im Vordergrund. Die Lanugohaare verschwinden mit fortdauernder Schwangerschaft wieder. Ab der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche gilt das Kind als vollständig entwickelt und wird nicht mehr als Frühgeburt betrachtet, wenn es geboren wird.

Illustration der Geburtslage (Schädellage) des Fötus in der Gebärmutter

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