Drillingsgeburten sind an sich schon sehr ungewöhnlich. Eineiige Drillinge stellen dabei eine noch größere Seltenheit dar, deren Entstehung auf einer einzigen befruchteten Eizelle basiert. Solche Fälle, bei denen drei genetisch identische Kinder aus einer einzigen Eizelle hervorgehen, sind statistisch extrem selten und faszinieren immer wieder aufs Neue.

Die Entstehung von eineiigen Drillingen
Voraussetzung für die Entstehung eineiiger Drillinge ist, dass sich eine befruchtete Eizelle zweimal teilt. Dadurch entwickeln sich drei genetisch identische Kinder. Statistisch stehen die Chancen dafür bei etwa 1 zu 100 Millionen.
Besondere Fälle von eineiigen Drillingen in Deutschland
Deutschland hat in jüngster Zeit mehrere bemerkenswerte Fälle von eineiigen Drillingen verzeichnet. Im bayrischen Bamberg ist der extrem seltene Fall nun eingetreten, bei dem drei Jungen namens Zakariya, Yaaqoub und Ayoub zur Welt kamen. Sie wogen nach ihrer Geburt per Kaiserschnitt zwischen 1491 und 1723 Gramm und ihre Organe waren gut entwickelt. Das Ziel war, dass sie schon nach wenigen Wochen gemeinsam mit ihren Eltern die Klinik verlassen könnten.
Zuvor freute sich ein Dresdner Paar über eineiige Drillinge. Die 29-jährige Mutter Synthia gebar ebenfalls drei Jungen, Levi, Hardy und Bernie. Diese kamen bereits in der 31. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt zur Welt, was deutlich zu früh ist - optimal wäre eine Geburt zwischen der 38. und 42. Schwangerschaftswoche.
Im September kamen eineiige Drillinge im baden-württembergischen Böblingen und kurz zuvor im nahegelegenen Winnenden zur Welt. Am Universitätsklinikum Dresden gab es laut Erinnerungen einer langjährigen Ärztin in der Geburtshilfe den letzten solchen Fall vor etwa 35 Jahren.
Eineiige Drillinge stellen das Leben von Familie Sommer auf den Kopf
Mehrlingsgeburten sind mit hohem Risiko verbunden
Mehrlingsgeburten, insbesondere Drillinge, sind mit einem erhöhten Risiko verbunden. Eine solche Schwangerschaft ist nicht nur mit einem ausgeprägten Risiko für eine Fehlgeburt (zehn Prozent) und Frühgeburt verbunden, sondern auch mit einem erheblich erhöhten Risiko für fetale Komplikationen. Die Jungs in Dresden waren trotz der frühen Schwangerschaftswoche in gutem Zustand. Dennoch benötigen sie als sehr unreife Frühgeborene eine besondere Behandlung, die nur an ausgewählten Zentren möglich ist. Zunächst wurden sie auf der Kinderintensivstation, später auf der Normalstation versorgt.
Monochorial-triamniote Drillingsschwangerschaft: Eine Hochrisikoschwangerschaft
Eine monochorial-triamniote Drillingsschwangerschaft beschreibt die Art der Plazenta- und Fruchthöhlenanlage bei drei Embryonen. Monochorial bedeutet, dass sich alle drei Embryonen eine gemeinsame Plazenta teilen. Triamniot steht dafür, dass die drei Embryonen jeweils eine eigene Fruchthöhle haben. Alle Blutgefäße zur Versorgung der Drillinge entspringen aus derselben Plazenta, während jeder Fetus einen eigenen Raum mit eigener Fruchtblase besitzt. Eine solche Schwangerschaft gilt als Hochrisikoschwangerschaft, da es zum Beispiel zu Gefäßverbindungen zwischen den Embryonen kommen kann (fetofetales Transfusionssyndrom, TTTS, 30 %). Diese Art der Drillingsschwangerschaft ist mit einer geschätzten Häufigkeit von etwa 1:100.000 bis 1:600.000 Geburten eine Rarität, besonders auch, weil sie in diesem Fall spontan, also ohne reproduktionsmedizinische Unterstützung, entstanden ist.
Der Alltag mit Drillingen: Herausforderungen und Freuden
Das Leben mit Drillingen stellt Eltern vor besondere Herausforderungen, aber auch vor einzigartige Freuden. Die Eltern Maria und Franz Giuliani, die Drillinge Elena, Lorena und Selina haben, berichten von einem sich stark veränderten Alltag. Anfangs hatten sie eine Familienhelferin, mittlerweile meistern sie alles alleine. Die Drillinge gehen gegen 20 Uhr ins Bett und schlafen meist bis 8 Uhr morgens durch.
Äußerlich sind die Drillinge kaum auseinanderzuhalten, charakterlich unterscheiden sie sich jedoch bereits. Elena ist die ruhigste, Lorena die lauteste und Selina die aktivste. Die Familie zieht stets die Blicke auf sich, und die häufigste Frage lautet: „Sind das drei Drillinge?“ Die Eltern sind überglücklich und dankbar.

Kindergeld und staatliche Unterstützung in Tirol
In Österreich, wie auch in anderen Ländern, gibt es Regelungen zur finanziellen Unterstützung von Familien mit Mehrlingsgeburten. In Tirol beispielsweise greift das Land Familien gezielt unter die Arme: Mehrlingsgeburten werden bei Zwillingen mit 660 Euro, bei Drillingen mit 990 Euro und für jedes weitere zusätzliche Mehrlingskind mit 330 Euro gefördert. Diese Förderung ist einmalig und unbürokratisch. Im Jahr 2024 wurden in Tirol insgesamt 73 Mehrlingsgeburten gefördert, wobei der Bezirk Innsbruck-Land mit 25 Zusagen die höchste Anzahl aufwies.
Darüber hinaus unterstützt das Land Tirol Familien mit weiteren Förderungen wie der Schulkostenbeihilfe, dem Kinderbetreuungszuschuss, dem Kindergeld Plus und der Förderung für die Teilnahme an Schulveranstaltungen im Inland. Für Familien in schwierigen finanziellen Notsituationen gibt es zudem das Netzwerk Tirol hilft und das Tiroler Hilfswerk.
Besondere Geschichten von Drillingen
Die Geschichte von Verena Reinisch aus dem Stubaital zeigt die emotionale und finanzielle Belastung, die mit einer Drillingsschwangerschaft einhergehen kann. Sie verlor ihren Lebensgefährten, als sie mit Drillingen schwanger war. Die Familie, Freunde und die Gemeinschaft unterstützten sie jedoch mit überwältigender Anteilnahme und Hilfe. Ein Spendenkonto wurde eingerichtet, und das Land Tirol leistete finanzielle Unterstützung.
Ein weiteres Beispiel ist die Geschichte von Drillingen, die in der 31. Schwangerschaftswoche zur Welt kamen und zunächst beatmet werden mussten. Die Eltern berichteten von anfänglichen Schwierigkeiten bei der Aufnahme in der Uniklinik Innsbruck aufgrund fehlender freier Brutkästen. Schließlich wurden sie im Klinikum Rosenheim aufgenommen und die Mädchen kamen per Kaiserschnitt zur Welt. Trotz der Herausforderungen haben sich die Kinder prächtig entwickelt.
In Brasilien erfüllten sich Drillingsschwestern einen Kindheitstraum und traten gemeinsam vor den Altar. Die eineiigen Drillinge Rafaela, Rochele und Tagiane heirateten im gleichen Kleid, nur die Blumensträuße unterschieden sich farblich. Ihr Vater begleitete jede einzelne zum Altar.
Medizinische Betreuung und Expertise
Die Geburt von Drillingen, insbesondere von eineiigen, erfordert spezialisierte medizinische Expertise. Das Universitätsklinikum Dresden beispielsweise gilt als einziges ostsächsisches Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe - Level 1. Dort arbeitet ein interdisziplinäres Team aus Gynäkologie, Hebammen, Anästhesie und Neonatologie eng zusammen, um werdenden Eltern Sicherheit zu geben und eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Die Kaiserschnitte werden oft direkt auf der Kinder-Intensivstation (ITS) durchgeführt, um schnellstmöglich auf die Bedürfnisse der Neugeborenen reagieren zu können.
Die Drillinge Levi, Hardy und Bernie, die in Dresden zur Welt kamen, hatten ein Geburtsgewicht zwischen 980 und 1210 Gramm und eine Größe von 34 bis 37 Zentimetern. Sie lernten schnell, ohne Unterstützung zu atmen, die Milch ihrer Mutter zu trinken und nahmen ordentlich zu. Mittlerweile wiegen die drei Jungs über 2.200 Gramm.
Statistische Einordnung von Mehrlingsgeburten
Die häufigste Form der Mehrlingsschwangerschaft ist die Zwillingsschwangerschaft. Ungefähr ein Drittel aller Zwillinge ist eineiig. Die Entstehung von Zwillingen kann auf verschiedene Weisen erfolgen:
- Teilung in den ersten zwei bis drei Tagen nach der Befruchtung: Jeder Zwilling erhält eine eigene Fruchtblase sowie einen eigenen Mutterkuchen (ca. zehn Prozent aller Zwillinge).
- Teilung ab dem vierten Tag nach der Befruchtung: Jeder Zwilling erhält eine eigene Fruchtblase, sie teilen sich jedoch einen Mutterkuchen. Dies ist die häufigste Form der Zwillingsschwangerschaften (ca. 20 von 100 Zwillingsschwangerschaften).
- Teilung nach dem achten Tag: Die Zwillinge entwickeln sich in einer gemeinsamen Fruchtblase und teilen sich eine Plazenta (ca. 1 von 100 Zwillingen).
- Teilung nach dem 14. Tag: Eine vollständige Teilung ist nicht mehr möglich; die Kinder teilen sich Organe oder Körperteile.
Ungefähr zwei Drittel aller Zwillinge sind zweieiig. Sie entstehen durch die Befruchtung von zwei einzelnen Eizellen und sind erbverschieden, wie Geschwister.
Drillinge entstehen, wenn entweder drei einzelne Eizellen zeitgleich befruchtet werden (dreieiige Drillinge) oder wenn sich eine befruchtete Eizelle in drei genetisch idente Zellen teilt (eineiige Drillinge).