Das schwangere Haus in Lüneburg: Eine architektonische Besonderheit mit Geschichte

Wenn Sie die charmanten Straßen von Lüneburg, Deutschland, erkunden, wird Ihr Blick vielleicht auf ein merkwürdiges Gebäude gelenkt, das sich zur Straße hin auszuwölben scheint. Dies ist Das schwangere Haus oder „The Pregnant House“.

Das schwangere Haus hebt sich von seinen Nachbarn durch seine ungewöhnliche Fassade ab. Der untere Teil des Hauses scheint in einem runden Buckel nach vorne zu ragen, so dass es wie „schwanger“ wirkt. Diese markante Ausbuchtung an der Fassade ist es, die dem Haus seinen Namen gab.

Die charakteristische Ausbuchtung des „Schwangeren Hauses“ in Lüneburg

Entstehung der ungewöhnlichen Form

Die außergewöhnliche Form der Fassade entstand durch spezielle Baumaterialien, die beim Bau verwendet wurden. Die Häuser in Lüneburg wurden traditionell mit einem Holzrahmen gebaut, der mit Ziegeln oder Lehm gefüllt war. Im Laufe der Zeit verschoben sich diese Materialien und setzten sich ungleichmäßig ab, so dass sich einige Teile der Außenwände des Gebäudes nach außen wölbten.

Für den kugelrunden Bauch des Hauses gibt es eine ganz logische Erklärung. Im 12. Jahrhundert bauten die Lüneburger ihre Backsteinhäuser mit Gips vom nahegelegenen Kalkberg. Statt herkömmlichem Mörtel verwendeten die Bauherren Anhydrit vom nahegelegenen Kalkberg. Was sie damals noch nicht wussten: Wenn man diesen Gips bei zu hoher Temperatur brennt, darf man ihn eigentlich nicht mehr verwenden. Wenn der Gips dann durch Grund- und Regenwasser Feuchtigkeit zieht, beginnt ein chemischer Prozess im Mauerwerk. „Das ist nichts anderes als beim Backen mit Hefe, Natron oder Backpulver. Wir wissen alle, was dann passiert.“ In der feuchten, kalten Außenwand reagiert der Anhydrit unter Volumenzunahme zu Gips, während in der warmen, trockenen Mauer im Gebäude keine Reaktion abläuft. Diese chemische Reaktion führte zu einer Volumenzunahme, wodurch die charakteristische Auswölbung entstand.

Heute gilt das Gebäude als Symbol für die besondere Baugeschichte Lüneburgs.

Historischer Kontext und Bedeutung

Erbaut wurde das Haus im Jahr 1698 vom Kaufmann Johann Hinrich Wittenborg, der mit Zucker und Kaffeebohnen aus überseeischen Kolonien wie Antigua und Barbados handelte. Die Bedeutung Lüneburgs als Zentrum der Salzproduktion führte dazu, dass die Stadt während des Mittelalters und der Renaissance zu einer der reichsten Städte Nordeuropas wurde.

Das Schwangere Haus ist eine visuelle Erinnerung an die reiche Geschichte Lüneburgs, die eng mit der Salzgewinnung verbunden ist. Seit dem Mittelalter wurde unter der Stadt Salz in großem Umfang abgebaut, bis der Betrieb Mitte des 20. Jahrhunderts eingestellt wurde, weil die übermäßige Förderung zu einer Instabilität des Bodens in mehreren Bereichen Lüneburgs führte - auch dort, wo heute das Schwangere Haus steht! Salz, das „weiße Gold“, verschaffte Lüneburg eine herausragende wirtschaftliche und politische Stellung in Norddeutschland, und das Lüneburger Salzwerk war bis zum Ende des 16. Jahrhunderts der größte Salzproduzent Nordeuropas. Im Jahre 1980 schloss das Werk seine Pforten, und die alten Produktionsstätten wurden zu einem interessanten Salzmuseum umgebaut.

Das schwangere Haus ist mehr als nur eine architektonische Kuriosität; es symbolisiert die reiche Geschichte und den Wohlstand, die Lüneburg in seiner Blütezeit prägten.

Architektonische Details und Erhaltung

Das Haus ist über die Jahrhunderte hinweg gut erhalten geblieben und gibt uns einen Einblick in die Architektur und Bauweise der damaligen Zeit. Zwar war das Fugennetz bereits 1976 nachgemalt worden, doch in den vergangenen Jahren war es so verblasst, dass die Linien fürs Auge nicht mehr wahrzunehmen waren. 2009 hatte es dort den ersten Bauabschnitt gegeben, jetzt ist der zweite beendet. "Der alte Anstrich der Fassade wurde entfernt, das Mauerwerk saniert und ein neuer Anstrich wieder aufgebracht", so Denkmalpflegerin Cornelia Abheiden. Dabei wurden nicht nur die Fugen als deutlicher Kontrast zum Untergrund gemalt.

Das sogenannte "Schwangere Haus" an der Waagestraße trägt jetzt Netzstreifen - sozusagen. Nach der umfangreichen Fassadensanierung hat der Eigentümer die Fugen zwischen den Backsteinen mit heller Farbe auf rostrotem Anstrich nachmalen lassen. Sichtbar sind die Arbeiten an den zahlreichen Gerüsten vor den Häusern. Am prägnantesten fällt die Restaurierung der Fassade des Gebäudekomplexes "Schwangeres Haus" sowie des Eckhauses An der Münze/ Waagestraße ins Auge.

Dass das Haus vermutlich aus der Zeit vor dem 15. Jahrhundert stammt, darauf deuten die kleinen, noch heute sichtbaren Spitzbogenfenster an der Nordseite zur Waagestraße hin. Im 14./15. Jahrhundert erstellt, gehörte der Gebäudekomplex ab 1480 dem Patrizier Hermen von Bardowick, nachzulesen in der Denkmaltopographie "Baudenkmale in Niedersachsen. Hansestadt Lüneburg" von Doris Böker.

Besuch des Schwangeren Hauses und Umgebung

Das schwangere Haus befindet sich Unter der St. Johanniskirche 10, 21335 Lüneburg und kann jederzeit besichtigt werden, da es sich um eine Außenattraktion handelt. Bitte beachten Sie jedoch, dass es sich um ein privates Wohnhaus handelt und Besucher keinen Zutritt haben. Für die Besichtigung des Schwangeren Hauses wird kein Eintritt erhoben, da es sich um eine öffentlich zugängliche Sehenswürdigkeit handelt.

Übrigens soll es Glück bringen, wenn man die Hand auf den „Bauch“ der Fassade legt. Über das „schwangere Haus“ erzählt man sich in Lüneburg die verschiedensten Mythen. Nur einer der Gründe, warum es viele Touristen in die Waagestraße zieht.

Luftaufnahme der historischen Altstadt von Lüneburg mit der St. Johanniskirche

Weitere Sehenswürdigkeiten in Lüneburg

Während Sie Das schwangere Haus besichtigen, sollten Sie sich Zeit nehmen, um andere Attraktionen in Lüneburg zu erkunden. Lüneburg hat viele historische und kulturelle Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Kirchen und historische Gebäude

  • In der Nähe von Das schwangere Haus befindet sich die St. Johanniskirche aus dem Jahr 1289 mit ihrer schönen gotischen Architektur. Der Kirchturm gehört zu den höchsten in ganz Niedersachsen und wenn man genau hinschaut, dann erkennt man seine leichte Schieflage. Am Sande ist wohl der schönste Platz in ganz Lüneburg. Bereits im Mittelalter liefen dort wichtige Handelswege und Straßen zusammen. Händler boten ihre Waren an und um das Manövrieren der Pferde- und Ochsenkarren zu erleichtern, wurde damals der gesamte Grund mit Sand bedeckt - daher auch der eher ungewöhnliche Name. Heute ist der kopfsteingepflasterte Platz von historischen Häusern mit gotischen Treppen- und Schneckengiebeln umsäumt. Im Osten steht die St. Johannis Kirche mit ihrem leicht schiefen Turm, gegenüber beeindruckt die imposante Industrie-und Handelskammer mit ihrer dunklen Fassade.
  • Das Rathaus von Lüneburg gehört zu den bedeutendsten Baudenkmälern Norddeutschlands. Bereits im Jahre 1230 wurde der Grundstein für das mittelalterliche Gebäude gelegt. Seitdem wurde es immer wieder umgebaut, erweitert und aufgestockt. So lassen sich heute an der Rathausfassade neben Backstein auch gotische und barocke Elemente erkennen. Prächtige Malereien und Schnitzereien aus verschiedenen Epochen gibt es zu bestaunen.
  • In der Bäckerstraße befindet sich die alte Raths-Apotheke. Um 1598 wurden die gotischen Verzierungen rund um den Torbogen nach umfangreichen Umbauarbeiten vollendet, das imposante Wappen über dem Portal zeigt an, dass die Apotheke stets dem Rat der Stadt Lüneburg gehörte.
  • Am Ochsenmarkt 1 in einem schönen Patrizierhaus aus dem 16. Jahrhundert lebten einst die Eltern des Dichters Heinrich Heine und obwohl sie dort nur vier Jahre wohnten, wurde das Haus zum Treffpunkt für Literatur- und Kunstinteressierte. Heinrich Heine selbst verbrachte als junger Student mehrere Monate in Lüneburg. Im zu Ehren wurde im Jahre 1901 eine Gedenktafel an der Fassade angebracht und das Haus als Heinrich-Heine-Haus betitelt.

Museen und Natur

  • Besuchen Sie auch das Deutsche Salzmuseum, das einen Einblick in die Geschichte des Salzabbaus bietet.
  • Der Kalkberg, ursprünglich mit rund 70 Metern die höchste Erhebung Lüneburgs, schrumpfte durch den jahrhundertelangen Abbau von Gips als Baustoff auf knapp 58 Meter. Im Jahre 1932 wurde er zum Naturschutzgebiet erklärt und ist heute ein beliebtes Ausflugsziel mitten in der Stadt.

Malerische Altstadt und Wasserviertel

Erkunden Sie Lüneburgs malerische Altstadt mit ihren charmanten mittelalterlichen Gebäuden, urigen Geschäften, traditionellen Bäckereien und gemütlichen Cafés. In der malerischen Lüneburger Altstadt finden Sie rund 1300 mittelalterliche Häuser, die alle in der für Norddeutschland so typischen Backsteingotik erbaut wurden. Verschnörkelte Erker, reich verzierte Giebel und kleine Sprossenfenster schmücken diese prächtigen Patrizierhäuser. Besonders gut können Sie diesen hanseatischen Baustil in der Oberen Ohlingerstraße bestaunen, denn dort stehen einige der schmucken Häuser dicht beieinander. Sie sind alle etwas schief, da sie sich im Laufe der Zeit und aufgrund der Aushöhlung der Saline unter der Altstadt ein wenig abgesenkt haben.

Der Stintmarkt ist das Herzstück des Lüneburger Wasserviertels. Im Mittelalter fand dort der lokale Fischmarkt statt. Der Name des Platzes stammt übrigens von der kleinen Heringsart „Stint“, die in früheren Zeiten mit Vorliebe auf dem Markt gehandelt wurde. Heute können Sie in diesem malerischen Viertel nette Restaurants, Bars und Kneipen besuchen, dabei gemütlich direkt am Fluss Ilmenau sitzen und ein Bierchen zischen.

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Einst wurden mit seiner Hilfe Salz und andere Waren für den Weitertransport nach Lübeck auf Schiffe verladen. Einen tollen Blick auf das Lüneburger Wasserviertel und den Stintmarkt haben Sie von der Brausebrücke, die ihren Namen dem brausenden und rauschenden Wasser des Mühlenwehrs verdankt.

Eine Besichtigung des 56 Meter hohen Wasserturms sollten Sie sich bei einem Besuch in Lüneburg nicht entgehen lassen. Von der Aussichtsplattform haben Sie einen traumhaften Blick über die roten Dächer der mittelalterlichen Altstadt. Bei gutem Wetter reicht die Sicht sogar bis nach Hamburg.

Am Rande der Innenstadt von Lüneburg befindet sich das Kloster Lüne, das bereits im Jahre 1172 gegründet wurde und bis heute von einem Nonnenkonvent bewohnt wird.

Service-Informationen für Besucher

  • Adresse: Waagestraße, 21335 Lüneburg
  • Besichtigungszeiten: Jederzeit von außen frei zugänglich (Privatbesitz, kein Zutritt ins Gebäude)
  • Eintrittspreis: Kostenlos

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