Herausforderungen und Lösungen: Reisen mit Kinderwagen in öffentlichen Verkehrsmitteln

Als Bewohnerin der Innenstadt erledige ich die meisten Besorgungen zu Fuß oder mit dem Auto, wenn die Distanz größer ist. Bus und Bahn nutze ich nur sehr selten. Während meine Kinder die Fahrten spannend finden, vermeide ich öffentliche Verkehrsmittel, wo es geht. Wer kennt den Hamburger Hauptbahnhof an einem Freitagnachmittag? Menschenmassen drängen sich auf den Bahnsteigen und an den Gleisen. Züge kommen an, spucken Menschen aus, andere drängen hinein, Züge fahren wieder ab - ein endloser Strom von Menschen.

Aus der Perspektive meines fünfjährigen Sohnes muss dieses Gedränge noch furchteinflößender wirken: Sein Kopf befindet sich ungefähr auf Popohöhe der meisten Menschen. Er sieht also nur die Hinterteile fremder Menschen, und das in großer Zahl. Ich nehme meinen Sohn zwischen die Arme und schiebe den Buggy mit dem Kleinen. Auch er sieht nicht mehr als Popos und Kniekehlen, während Koffer an Kopfhöhe vorbeizuhuschen. Im Zickzack suchen wir unser Gleis. Bahnfahren mit Kindern ist tatsächlich immer wieder ein echtes Erlebnis!

Menschenmenge auf einem belebten Bahnhofsvorplatz

Unüberwindbare Hindernisse: Treppen und fehlende Barrierefreiheit

Plötzlich bleiben wir stehen: Zu unserem Gleis führt nur eine steile Treppe - mindestens 30 Stufen. Mit einem Buggy? Unmöglich. Wir schauen uns um. Die Rolltreppe fährt nur hoch, nicht runter. Der Fahrstuhl ist nur vom anderen Eingang aus erreichbar. Das bedeutet: Einmal durch das Gedränge raus, halb um den Bahnhof herum, auf der anderen Seite wieder rein, auf den langsamen Fahrstuhl warten, in den nicht mehr als zwei Kinderwagen passen, und dann bis ans Ende des Gleises laufen, wo sich das Fahrradabteil befindet. An uns drängen sich die Menschen, hektisch, wie es an Bahnhöfen üblich ist.

Viele gehen vorbei, bis endlich zwei nette Männer anbieten, uns beim Tragen der Buggys zum Gleis zu helfen. Denn diese Bahn ist eine Doppelstockbahn. Das heißt: Drei Stufen beim Einsteigen. Dann ein Minitreppenhaus ohne Sitzplätze und weitere Treppen nach oben und unten. Mit Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl bleibt nur das Fahrradabteil - und da muss man erstmal hinkommen! Das Fahrradabteil befindet sich nämlich am Ende des Zuges, entweder ganz hinten oder ganz vorne. Wir stehen jedoch ziemlich in der Mitte und bleiben im Gedränge stecken.

Platz für eine Mutter mit Kind und Buggy machen? An diese Idee denkt niemand. Jeder versucht, so schnell wie möglich in den Zug zu kommen, während die bereits angekommenen Passagiere noch am Aussteigen sind. Schließlich möchte man ja auch einen Sitzplatz ergattern. Leichter gesagt als getan. Drei Stufen, der breite Spalt zwischen Bahnsteigkante und Zug: Das ist mit einem Buggy oder Kinderwagen eine echte Herausforderung! Genervte Fahrgäste drängeln an uns vorbei und beschweren sich, dass wir im Weg stehen. Mit unseren Buggys stehen wir nun ziemlich im Weg.

Eine Mutter mit Kinderwagen steht vor einer steilen Treppe am Bahnhof

Die Realität des Reisens mit Kinderwagen: Ein ständiger Kampf

Treppen nach oben, Treppen nach unten. Zum nächsten Waggon gibt es eine kleine Automatiktür, durch die kein Kinderwagen oder Buggy passen würde. Wir stehen also irgendwie mitten im Weg mit unseren Buggys, die Leute drängen an uns vorbei, stehen um uns herum, und der Zug fährt los. Geschafft! Aus dem Zug herauszukommen ist übrigens auch nur mit Hilfe möglich - die Treppen sind zu hoch und zu steil, der Spalt zur Bahnsteigkante zu groß. Bahnfahren mit Kinderwagen ist tatsächlich immer wieder ein Vergnügen!

Barrierefreiheit? Wenn man nur von A nach B fahren will und mit Begleitung unterwegs ist, die beim Heben hilft, dann geht das noch. Wenn man genug Zeit hat, die Bahnfahrt mit Kindern zu planen und sich vom Bahnservice helfen lässt, geht es auch. Doch für diesen Mutterkindservice muss man sich vorher anmelden. Und wenn man umsteigen muss, innerhalb kurzer Zeit Gleise wechseln muss, auf Fahrstühle oder helfende Hände angewiesen ist (ich habe es auch schon mehrmals erlebt, dass Fahrstühle kaputt waren) - dann steigt der Stresspegel schnell. Spaß ist das nicht. Behindertengerecht und kinderwagenfreundlich auch nicht unbedingt.

Ich bin jedenfalls froh, dass ich nicht so bald wieder mit dem Buggy Bahn fahren muss. Wie nahezu erholsam war es doch beim Bahnfahren mit Kindern, als zumindest eines der Kinder in die Babytrage konnte! Doch dafür sind meine Jungs zu schwer. Und während ich den Buggy im Gedränge am Bahnhof schiebe, ist da ja auch immer noch der Große, der meine Hand fest umklammert hält. Kennt Ihr das auch? Hattet Ihr auch schon so tolle Erlebnisse mit dem Kinderwagen in Bus oder Bahn? Müssen oft die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt werden?

Diskussionen und Ratschläge aus der Community

In Online-Foren tauschen sich Eltern über ihre Erfahrungen aus. Eine Mutter fragt: "Hallo ihr lieben, ich möchte demnächst mit Kinderwagen Bahn fahren. Am liebsten mit KiWa am Platz. Geht das überhaupt? KiWa zusammenfalten und irgendwo hochwuchten geht nicht, da ich allein unterwegs bin. Auf was muss ich generell achten?"

Antworten darauf sind vielfältig:

  • Im Kleinkindabteil in ICE-Zügen gibt es Platz für Kinderwagen. Wenn das Abteil voll ist, wird es schwierig. Zugbegleiter und Mitreisende helfen oft gerne.
  • Manche raten zum Kleinkindabteil, das man online buchen kann, auch wenn die Online-Buchung manchmal unsicher ist.
  • Rollstuhlplätze oder Fahrradabteile (besonders in IC-Zügen) werden als gute Alternativen genannt, da sie mehr Platz bieten.
  • In Regionalzügen ist es normalerweise kein Problem, auch wenn die Stufen manchmal steil sind. Meistens ist jemand da, der hilft.
  • Einige Eltern empfehlen, die Tragetasche aus dem Kinderwagen zu nehmen oder das Baby aus dem Buggy zu holen und das Ganze in der ersten Klasse zu parken, wenn das Kleinkindabteil voll ist.
  • Eine Mutter reist viel mit ihrem Kleinen, findet aber das Reisen mit Kinderwagen zu stressig und bevorzugt es, wenn sie mit Kind und Gepäck alleine zurechtkommt.
  • Andere finden IC-Züge angenehmer als ICEs, aber auch im ICE klappt es meist problemlos, wenn man nett fragt, ob die Leute zusammenrücken.
  • Man kann sowohl im Zug als auch auf dem Bahnsteig immer andere Reisende und/oder Bahnpersonal um Hilfe bitten.

Die interessante Technik hinter der SHAPE von Eisenbahnrädern!

Mangelnde Barrierefreiheit als systemisches Problem

Ein Vater aus Frankfurt am Main berichtet: "Als ich das erste Mal mit einem Kinderwagen durch die Großstadt manövrierte, wurde mir klar, wie sehr das Sein das Bewusstsein bestimmt. Barrierefreiheit ist für mich plötzlich relevant geworden. Bisher habe ich ‚mehr Barrierefreiheit‘ höchstens wohlwollend beim Wahl-o-Maten angekreuzt. Jetzt erscheint es mir absurd, wie wenig unsere Gesellschaft auf mobilitätseingeschränkte Menschen Rücksicht nimmt."

Er beschreibt eine Situation, in der der einzige Aufzug am Bahnsteig defekt war und er die Rolltreppe benutzen musste, obwohl dies für Kinderwägen verboten ist. Alleine konnte er den Wagen nicht über die normale Treppe nach oben tragen. Die Frankfurter Verkehrsbetriebe (VGF) geben an, dass die Aufzüge zu 94 Prozent verfügbar waren, aber die verbleibenden sechs Prozent stellen für Eltern oft ein unüberwindbares Hindernis dar. Die vorgeschlagenen Alternativen der VGF - bis zur nächsten Station fahren oder auf dem anderen Gleis zurückfahren - sind oft zeitaufwendig und unpraktisch, besonders bei knappen Anschlüssen.

Auch die allgemeine Statistik zeigt das Problem auf: Fast jeder fünfte Personenbahnhof der Deutschen Bahn ist nicht stufenlos zugänglich. Zwar gibt es gesetzliche Vorgaben zur Barrierefreiheit im Nahverkehr, doch die Umsetzung lässt vielerorts zu wünschen übrig. Bei Tram- und Bushaltestellen ist die Situation oft noch schlechter.

Infografik zu Barrierefreiheit an Bahnhöfen in Deutschland

Praktische Tipps für das Ein- und Aussteigen

Eine häufig gestellte Frage betrifft das sichere Ein- und Aussteigen mit einem Kinderwagen, insbesondere mit Babywanne und Blickrichtung zur Mutter:

  • Aussteigen: Manche drehen sich um und steigen zuerst aus, während der Kinderwagen über das Hinterrad herausgerollt wird. Andere rollen zuerst den Kinderwagen heraus und steigen dann hinterher.
  • Hilfe suchen: Man kann andere Reisende oder das Bahnpersonal um Hilfe bitten. Viele bieten diese von sich aus an.
  • Gepäck minimieren: Wenn möglich, ohne Kinderwagen reisen (z.B. mit Tragetuch) und nur wenig Gepäck (z.B. Rucksack) mitnehmen.
  • Spezielle Abteile nutzen: In Nahverkehrszügen gibt es oft Wagen für Fahrräder, Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen. Im Fernverkehr gibt es das Kleinkindabteil (ICE).

Die Erfahrungen zeigen, dass die Hilfe von Mitreisenden und Bahnpersonal oft entscheidend ist. Dennoch bleibt die mangelnde Barrierefreiheit eine erhebliche Einschränkung für Eltern und mobilitätseingeschränkte Personen im öffentlichen Nah- und Fernverkehr.

tags: #bshnsteig #sog #kinderwagen