Schwindel und Kreislaufprobleme sind in der Schwangerschaft häufige Begleiter und beunruhigen viele werdende Mütter. Gerade ab der 20. Schwangerschaftswoche können spezifische Ursachen wie das Vena Cava Kompressionssyndrom oder das Risiko einer Präeklampsie eine Rolle spielen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Gründe für Bewusstlosigkeit und Schwindelgefühle während dieser besonderen Phase und erklärt, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Häufige Ursachen für Kreislaufprobleme in der Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft passt sich der Körper an die neuen Bedingungen an, was zu Kreislaufproblemen führen kann. Diese sind meist normal, besonders im ersten und zweiten Trimester.
Physiologische Veränderungen
- Erhöhtes Blutvolumen: Der Körper produziert bis zu 50% mehr Blut, um das Baby zu versorgen.
- Gefäßerweiterung: Das Hormon Progesteron weitet die Blutgefäße, was den Blutdruck senken kann.
- Blutzuckerschwankungen: Längere Phasen ohne Nahrungsaufnahme können zu einem Abfall des Blutzuckerspiegels und damit zu Schwindel führen.
- Verminderte Flüssigkeitszufuhr: Ein Mangel an Flüssigkeit kann sich ebenfalls durch Schwindel bemerkbar machen.
- Schnelles Aufstehen: Aufgrund des erhöhten Blutvolumens und des niedrigeren Blutdrucks dauert es länger, bis sich das Blut im Körper verteilt hat.
- Überhitzung: Zu warme Umgebungen oder Kleidung können den Kreislauf zusätzlich belasten.

Spezifische Ursachen ab der 20. Schwangerschaftswoche
- Vena Cava Kompressionssyndrom: Ab etwa der 20. Schwangerschaftswoche kann die wachsende Gebärmutter in Rückenlage Druck auf die untere Hohlvene (Vena Cava) ausüben. Dies reduziert die Blutzufuhr zum Herzen, was zu einem Blutdruckabfall, Schwindel, Übelkeit, Unruhe und Blässe führen kann.
- Eisenmangel: Ein niedriger Eisenwert erschwert die Sauerstoffaufnahme und kann Schwindel verursachen.
- Präeklampsie: Diese hypertensive Schwangerschaftserkrankung, die ab der 20. SSW auftreten kann, erfordert ärztliche Abklärung. Schwindel kann ein Begleitsymptom sein.
Das Vena Cava Kompressionssyndrom
Das Vena Cava Kompressionssyndrom, auch Vena-Cava-Syndrom oder Cava-Syndrom genannt, tritt vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel auf. Es entsteht durch den Druck des wachsenden Fötus auf die untere Hohlvene, wenn die Schwangere in Rückenlage liegt. Die untere Hohlvene transportiert sauerstoffarmes Blut zurück zum Herzen. Durch den Druck wird der Blutfluss behindert, was zu einem verminderten Rückfluss zum Herzen führt. Dies wiederum reduziert das Herzzeitvolumen und kann zu einem Blutdruckabfall und den typischen Symptomen führen.
Anatomie und Mechanismus
Die untere Hohlvene (Vena Cava Inferior) verläuft auf der rechten Körperhälfte und hat dünnere, weniger stabile Wände als die Bauchaorta. Daher lässt sie sich leichter durch das Gewicht des Ungeborenen komprimieren, insbesondere in der Rückenlage. Der Frank-Starling-Mechanismus, der besagt, dass ein besseres Füllen des Herzens zu einer stärkeren Pumpingleistung führt, wird durch den reduzierten Blutrückfluss negativ beeinflusst. Dies kann zu einer gefährlichen Abwärtsspirale führen, die im schlimmsten Fall einen Kreislaufkollaps zur Folge hat.

Symptome und Erste Hilfe
Die Symptome des Vena Cava Kompressionssyndroms entstehen durch den Blutdruckabfall:
- Unwohlsein und Schwindel
- Schwarzwerden vor Augen
- Übelkeit und Erbrechen
- Blässe und kalter Schweiß
- Kreislaufkollaps
- Herzrasen
- Schock
- Bewusstlosigkeit
Erste Hilfe: Bei Auftreten von Symptomen in Rückenlage ist es entscheidend, sich sofort auf die Seite zu drehen. Eine Linksseitenlage ist optimal, da sie die Hohlvene am stärksten entlastet. Wenn dies nicht möglich ist, ist eine Rechtsseitenlage ebenfalls hilfreich. Wichtig ist, dass die Schwangere schnellstmöglich in die Seitenlage gebracht wird.
Abdomensonografie - Vena cava
Präeklampsie: Eine ernstzunehmende Schwangerschaftserkrankung
Die Präeklampsie, oft fälschlicherweise als Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet, ist eine ernste Erkrankung, die etwa zwei bis fünf Prozent aller Schwangerschaften betrifft. Sie tritt typischerweise nach der 20. Schwangerschaftswoche auf.
Was ist Präeklampsie?
Das Hauptmerkmal einer Präeklampsie ist Bluthochdruck (Hypertonie), der in Kombination mit weiteren Symptomen wie einer erhöhten Eiweißausscheidung im Urin (Proteinurie) oder Organschäden auftritt. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, aber eine gestörte Entwicklung der Plazenta und deren Blutgefäße spielt eine wichtige Rolle.
Formen der hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen
- Chronische Hypertonie: Bluthochdruck bestand bereits vor der Schwangerschaft oder wurde im ersten Drittel diagnostiziert.
- Schwangerschaftshypertonie (Gestationshypertonie): Erhöhter Blutdruck (> 140/90 mmHg) tritt in der zweiten Schwangerschaftshälfte auf und bildet sich nach der Geburt zurück.
- Präeklampsie: Bluthochdruck in Kombination mit mindestens einem weiteren Symptom (z.B. Proteinurie, Organstörungen).
- Eklampsie: Eine schwere Komplikation der Präeklampsie, die mit Krampfanfällen einhergeht und lebensbedrohlich ist.
- HELLP-Syndrom: Eine akute, schwer verlaufende Sonderform der Präeklampsie, gekennzeichnet durch Hämolyse (Abbau roter Blutkörperchen), ELevated Liver Enzymes (erhöhte Leberwerte) und LP (Low Platelets - niedrige Blutplättchenzahl).

Risikofaktoren für Präeklampsie
Obwohl jede Schwangere an Präeklampsie erkranken kann, erhöhen bestimmte Faktoren das Risiko:
- Übergewicht (BMI über 35)
- Alter über 40 Jahre
- Präeklampsie in einer früheren Schwangerschaft
- Präeklampsie bei der Mutter oder einer Schwester
- Blutgerinnungsstörungen
- Vor der Schwangerschaft bestehender Diabetes mellitus
- Nieren- oder Lebererkrankungen
- Autoimmunerkrankungen (z.B. Rheuma, Antiphospholipid-Antikörper-Syndrom)
- Vorbestehender Bluthochdruck
- Erstgebärende
- Mehrlingsschwangerschaft
- Kinderwunschbehandlung
Diagnose und Behandlung von Präeklampsie
Die Diagnose erfolgt durch regelmäßige Blutdruckmessungen, Urinuntersuchungen auf Eiweiß, Bluttests zur Überprüfung der Organfunktionen und gegebenenfalls Ultraschall und CTG zur Beurteilung des Wohlbefindens des Kindes. Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Erkrankung und dem Schwangerschaftsalter. Bei leichten Formen können Schonung und blutdrucksenkende Medikamente helfen. Schwere Fälle erfordern oft eine stationäre Behandlung und engmaschige Überwachung von Mutter und Kind. Die Entbindung ist die einzige definitive Therapie. Bei Frühgeburten vor der 37. SSW wird versucht, die Lungenreife des Kindes medikamentös zu fördern.

Was hilft gegen Kreislaufprobleme und Bewusstlosigkeit?
Die Bewältigung von Kreislaufproblemen in der Schwangerschaft erfordert Achtsamkeit und bestimmte Verhaltensweisen.
Sofortmaßnahmen
- Hinlegen und Beine hochlegen: Bei Schwindel sofort hinsetzen oder hinlegen und die Beine hochlagern.
- Langsam aufstehen: Vermeiden Sie ruckartige Bewegungen.
- Seitenlage beim Schlafen: Um das Vena Cava Kompressionssyndrom zu vermeiden, bevorzugen Sie die Seitenlage, eventuell mit einem Kissen zwischen den Beinen.
Langfristige Strategien
- Ausreichend trinken: Achten Sie auf eine konstante Flüssigkeitszufuhr, vorzugsweise Wasser.
- Regelmäßig essen: Kleine, regelmäßige Mahlzeiten helfen, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
- Frische Luft: Regelmäßiges Lüften und das Vermeiden von überhitzten Räumen sind wichtig.
- Bewegung: Leichte körperliche Aktivität wie Spaziergänge kann den Kreislauf unterstützen.
- Wechselduschen: Milde Wechselduschen können die Mikrozirkulation anregen.
- Stützstrümpfe: Können die Zirkulation in den Beinen verbessern.
Bei anhaltendem oder starkem Schwindel, Unsicherheit oder Sorgen sollten Sie immer eine Fachperson (Hebamme, Gynäkologe) konsultieren.
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