Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat eine Warnung bezüglich homöopathischer Arzneimittel herausgegeben, die auf der schwarzen Tollkirsche (Atropa belladonna) basieren. Insbesondere Präparate zur Linderung von Zahnungsbeschwerden bei Kleinkindern wurden untersucht. Laboranalysen ergaben, dass einige dieser Produkte zu hohe Mengen giftiger Substanzen aus der Pflanze enthielten, was ein unnötiges Risiko für Kinder darstelle.
Die FDA prüft derzeit einen möglichen Zusammenhang zwischen der Einnahme dieser Mittel und dem Tod von zehn Kleinkindern. Laut einer Mitteilung der Behörde ist die körperliche Reaktion von Kindern unter zwei Jahren auf die Inhaltsstoffe von Atropa belladonna unvorhersehbar und birgt ein unnötiges Risiko. Medienberichten zufolge untersucht die FDA derzeit rund 400 Fälle von unerwünschten Arzneimittelwirkungen, die im Zeitraum von 2010 bis 2016 in Zusammenhang mit der Einnahme von Belladonna-Zahnungsprodukten gemeldet wurden, darunter auch zehn Todesfälle. Ob diese Todesfälle auf die Präparate zurückzuführen sind, wird derzeit noch überprüft. Die gemeldeten Nebenwirkungen waren häufig schwerwiegend und umfassten Krämpfe, Zittern, Fieber, Atembeschwerden, Lethargie, Schwäche, Rötungen und Verstopfung.

Die FDA analysierte Zahnungspräparate von zwei US-amerikanischen Unternehmen und stellte dabei ungleichmäßig hohe und teilweise zu hohe Dosen der giftigen Inhaltsstoffe Scopolamin und Atropin fest. Aufgrund dieser Ergebnisse forderte die Behörde den Hersteller Hyland’s auf, ein betroffenes Zahnungsprodukt vom Markt zu nehmen. Das Unternehmen kam dieser Aufforderung nicht nach, setzte jedoch den Vertrieb aus. Die FDA rät Verbrauchern dringend davon ab, Zahnungsprodukte von Hyland’s weiter zu verwenden und die Vorräte zu entsorgen.
Regulatorische Unterschiede zwischen den USA und Deutschland
Auch in Deutschland sind homöopathische Präparate zur Behandlung von Zahnungsbeschwerden zugelassen. Laut der Datenbank PharmNet.Bund besitzen sechs Präparate die Zulassung für diese Indikation: Calcium comp. GEHsan Komplex 22, Globuli Chamomilla e radice, Denisia Nr. 9 Tabletten, Escatitona Zahnungsglobuli, Osanit Zahnungskügelchen und Weleda Fieber- und Zahnungszäpfchen. Von diesen Präparaten enthalten nur die Weleda Fieber- und Zahnungszäpfchen Belladonna.
Maik Pommer vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erklärte gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung, dass in Deutschland deutlich strengere Marktzugangsvoraussetzungen für homöopathische Produkte gelten als in den USA. In Deutschland müssen die Präparate entweder zugelassen oder registriert werden, wobei Qualität und Unbedenklichkeit nachgewiesen werden müssen. Nach der Zulassung oder Registrierung wird der Produktionsprozess streng überwacht. In den USA fehlen vergleichbare Regularien.
Atropa Belladonna: Herkunft und Wirkung
Atropa Belladonna Globuli werden aus dem Gift der Tollkirsche gewonnen. Die Tollkirsche gehört zu den Nachtschattengewächsen und enthält das Toxin Atropin, das auf das Nervensystem wirkt. Die Einnahme des Gifts versetzt den Körper in einen erregten Zustand, der zu erhöhtem Herzschlag und starker Pupillenerweiterung führen kann. Letztere Wirkung wurde im Mittelalter von Frauen genutzt, um attraktiver zu erscheinen, woraus sich auch der Name Belladonna (schöne Frau) ableitet.
In der Homöopathie wird Belladonna als Mittel bei zahlreichen entzündlichen Erkrankungen im Anfangsstadium eingesetzt. Charakteristisch sind plötzlich auftretende, heftige Symptome wie hohes Fieber, starkes Schwitzen und pochende Schmerzen. Hahnemann wies auf die kraftvolle Wirkung von Atropa Belladonna hin und betonte, dass bereits die kleinste Gabe bei akutesten Fällen heilsam sein kann. Die Anwendung sollte unter professioneller Aufsicht erfolgen, um die korrekte Potenzierung sicherzustellen.
Anwendungsgebiete und typische Symptome von Belladonna in der Homöopathie
Belladonna wird in der Homöopathie für eine Vielzahl von akuten Erkrankungen eingesetzt, die oft plötzlich und sehr heftig auftreten. Die Symptome ähneln teilweise denen einer Vergiftung mit der Tollkirsche.
Typische Krankheitsbilder und Symptome:
- Entzündungen im Anfangsstadium: Mandel-, Hals-, Ohren-, Atemwegs-, Augen-, Verdauungsapparat-Entzündungen.
- Infektionen: Erkältungen, grippale Infekte mit hohem Fieber.
- Schmerzen: Heftige, stark pochende Kopfschmerzen, Ohrenschmerzen, Halsschmerzen, Bauchschmerzen.
- Fieber: Plötzlich auftretendes hohes Fieber, oft mit heißem Schweiß und geröteter, heißer Haut.
- Psychische Symptome: Unruhe, Angstzustände, Wahnvorstellungen, Reizbarkeit, Aggressivität.
Besonders typisch für Belladonna sind:
- Plötzlicher Beginn und Heftigkeit der Symptome: Krankheiten brechen schnell und unerwartet aus.
- Hohes Fieber: Oft über 40°C, begleitet von gerötetem Gesicht, heißer Haut und starkem Schwitzen.
- Kopfschmerzen: Klopfend, pochend, oft mit Druckgefühl, verschlimmert durch Bewegung und Lärm.
- Empfindlichkeit: Extreme Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen, Berührung und Erschütterungen.
- Trockenheit: Trockener Mund, trockene Schleimhäute, oft ohne Durstgefühl trotz Hitze.
- Gesicht: Feuerrot, heiß, geschwollen, mit erweiterten Pupillen.
- Unruhe: Starke innere Unruhe, Drang, sich zu bewegen oder wegzulaufen.

Belladonna kann auch bei folgenden Zuständen hilfreich sein:
- Sonnenstich und Hitzschlag: Symptome wie pochende Kopfschmerzen, rotes Gesicht, trockene heiße Haut, Unruhe.
- Nach Impfungen: Plötzliches hohes Fieber, roter Kopf, kühle Hände und Füße.
- Koliken und Blähungen bei Babys: Obwohl seltener, kann es in einigen Fällen eingesetzt werden.
- Entzündliche Prozesse: Insbesondere im Anfangsstadium, solange noch kein Eiter vorhanden ist.
Anwendung und Potenzierung von Belladonna
In der Homöopathie wird Belladonna üblicherweise in Form von Globuli, Tropfen oder Tabletten verabreicht. Die Potenzierung spielt eine wichtige Rolle:
- D6 und D12 Potenzen: Werden häufig zur Selbstbehandlung akuter Beschwerden eingesetzt und können mehrmals täglich eingenommen werden, um schnelle Erfolge zu erzielen.
- C30 Potenz: Wird bei ausgeprägteren Beschwerden angewendet und sollte nicht so häufig eingenommen werden. Die Wirkung sollte genau beobachtet werden.
- Höhere Potenzen (z.B. C200): Sollten nur nach Verordnung durch einen Homöopathen bei schweren akuten oder chronischen Krankheitsverläufen eingesetzt werden.
Bei korrekter Anwendung gelten homöopathische Mittel als nebenwirkungsarm. Dennoch ist bei Auftreten von Erstverschlimmerungen die Einnahme zu unterbrechen. Bei länger anhaltenden oder sich verschlimmernden Beschwerden, insbesondere bei Babys und Kindern, ist immer ein Arzt aufzusuchen.
Belladonna comp., Suppositorien (Zäpfchen) für Kinder
Ein spezifisches Präparat ist Belladonna comp., Suppositorien für Kinder. Diese Zäpfchen werden gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis angewendet und dienen der Harmonisierung von Auf- und Abbauprozessen in den glattmuskulären Organen des Bauchraumes, beispielsweise bei Krampfzuständen im Verdauungs- und Urogenitalsystem.
Zusammensetzung: 1 Zäpfchen zu 1 g enthält unter anderem Atropa belladonna ex herba ferm 33a Dil. D2. Weitere Bestandteile sind Hartfett und Honig.
Anwendungsgebiete: Harmonisierung von Auf- und Abbauprozessen in den glattmuskulären Organen des Bauchraumes, z.B. Krampfzustände im Bereich des Verdauungs- und Urogenitalsystems.
Gegenanzeigen: Allergische Reaktionen auf Bestandteile von Tollkirsche (Atropa belladonna), Kamille oder andere Korbblütler.
Dosierung: Soweit nicht anders verordnet, 1- bis 3-mal täglich 1 Zäpfchen in den Mastdarm einführen. Die Anwendung ist für Säuglinge und Kinder unter 7 Jahren gedacht.
Dauer der Anwendung: Die Behandlung einer akuten Erkrankung sollte nach 2 Wochen abgeschlossen sein. Bei ausbleibender Besserung innerhalb von 2-5 Tagen ist ein Arzt aufzusuchen.
Homöopathie: Was bringen Globuli & Co. wirklich? | Galileo | ProSieben
Es ist wichtig zu betonen, dass das Konzept der Homöopathie und seine spezifische Wirksamkeit wissenschaftlich umstritten sind und durch Studien nicht eindeutig belegt werden. Bei schwerwiegenden Erkrankungen oder Unsicherheiten sollte stets ärztlicher Rat eingeholt werden.
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