Babybrei im Test: Worauf Eltern achten sollten

Die Einführung von Beikost ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung eines Babys. Fertige Babybreie aus dem Glas bieten eine praktische Alternative zum Selberkochen. Doch welche Produkte sind empfehlenswert und worauf sollten Eltern bei der Auswahl achten? Aktuelle Tests von ÖKO-TEST und Stiftung Warentest beleuchten die Qualität von Obstbreien und Baby-Menüs.

Verpackungen mit verschiedenen Babybrei-Gläschen

ÖKO-TEST: Bisphenol A (BPA) in Babygläschen

Im aktuellen ÖKO-TEST wurden 15 Obstbreie für Babys untersucht. Ein besonderer Fokus lag auf der Reinheit der Produkte und der Abwesenheit von Schadstoffen. Erfreulicherweise enthielten zwölf von 15 getesteten Gläschen tatsächlich nur Obst, wie es sein sollte.

Allerdings stieß das beauftragte Labor in einigen Babygläschen auf Bisphenol A (BPA). Diese Chemikalie, die in vielen Verpackungen und Beschichtungen von Konservendosen vorkommt, ist seit Anfang 2025 in Verpackungen mit Lebensmittelkontakt verboten. BPA kann potenziell in die Lebensmittel übergehen und gesundheitliche Bedenken hervorrufen, da es hormonähnliche Wirkungen haben und die Fortpflanzung beeinträchtigen kann. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2023 die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) für BPA deutlich gesenkt. ÖKO-TEST orientiert sich bei der Bewertung am strengeren TDI-Wert der EFSA.

Der Fund von BPA in den Babygläschen war überraschend, da die üblichen Verdächtigen wie Konservendosen nicht Teil des Tests waren. Die Hersteller konnten auf Nachfrage keine eindeutige Erklärung für die BPA-Befunde liefern. Vermutet wird, dass die Chemikalie möglicherweise über andere Verpackungsmaterialien oder während des Transports in die Produkte gelangt.

Aufgrund des erhöhten BPA-Gehalts wurden einige Produkte abgewertet. Drei Fruchtpürees erhielten die Note "Ausreichend", darunter:

  • Dm Babylove Erdbeere & Himbeere in Apfel
  • Dm Bio Apfel-Himbeere-Heidelbeere, Demeter
  • Freche Freunde Baby Apfel, Erdbeere & Blaubeere

Weitere drei Produkte, die mit "Befriedigend" bewertet wurden, wiesen ebenfalls erhöhte BPA-Werte auf:

  • Holle Waldbeeren in Apfel, Demeter
  • Lebenswert Bio Apfel mit Mango Pur, Bioland
  • Sprösslinge Apfel Holsteiner Cox, Bioland

Die Testsieger, die die Note "Sehr Gut" erhielten, waren:

  • K-Bio Banane in Apfel (Kaufland)
  • Mamia Bio Apfel-Mango (Aldi Süd)
Infografik, die die Gefahren von BPA in Babyprodukten darstellt

Kritikpunkte bei Obstbreien

Neben dem BPA-Befund identifizierte ÖKO-TEST weitere Kritikpunkte:

"Ohne Zuckerzusatz" - Eine trügerische Aussage?

Fast alle Hersteller werben mit dem Hinweis "Ohne Zuckerzusatz". Dies kann Eltern suggerieren, dass der Brei zuckerärmer ist als vergleichbare Produkte. Tatsächlich enthalten die Früchte jedoch von Natur aus Zucker, und das nicht zu knapp. Fruchtzucker (Fruktose) ist kein "besserer Zucker" und kann bei übermäßigem Verzehr zu Problemen wie Übergewicht, Stoffwechselstörungen und Karies führen. ÖKO-TEST wertet Produkte ab, wenn sie mehr als doppelt so viel Zucker enthalten wie ein empfohlener Apfel als Zwischenmahlzeit.

Überflüssiger Zusatz von Vitamin C

Der Zusatz von Vitamin C (Ascorbinsäure) wurde in einigen Babygläschen festgestellt. Obwohl erlaubt, wird dieser Zusatz von ÖKO-TEST als überflüssig angesehen, da er lediglich einen kosmetischen Effekt hat, um die frische Farbe des Breis zu erhalten.

Irreführende Fütterungsempfehlungen

Einige Hersteller raten dazu, den Obstbrei pur zu füttern. Dies wird von Ernährungsexperten kritisiert, da pürierte Früchte einen stärkeren Anstieg des Blutzucker- und Insulinspiegels bewirken können als der Verzehr frischer Früchte. Fertige pürierte Früchte sollten laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) eher als Teil einer Mahlzeit, beispielsweise in einem Obst-Getreide-Brei, angeboten werden.

Werbung mit Selbstverständlichkeiten

Die Aufschrift "Ohne Konservierungsstoffe und/oder Farbstoffe lt. Gesetz" wird als irreführend kritisiert, da diese Stoffe in Babybreien ohnehin gesetzlich verboten sind. Die Hervorhebung dieses Verzichts als Vorteil wird als irreführend empfunden.

Stiftung Warentest: Umfassende Prüfung von Baby-Menüs

Die Stiftung Warentest hat in ihrer Ausgabe 1/2021 20 verschiedene Babybreie, auch Babymenüs genannt, auf Schadstoffe, Keime, Zusammensetzung und Etiketten geprüft. Die Produkte umfassten Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Breie sowie Varianten mit Nudeln, Reis und Couscous, auch ohne Fleisch. Getestet wurden bekannte Marken wie Hipp, Alete und Bebivita sowie Handelsmarken.

Die gute Nachricht vorab: Keines der getesteten Babygläschen schnitt schlechter als "befriedigend" ab. Eltern können zwischen sieben guten Breien wählen.

Testsieger und Empfehlungen der Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest präsentierte folgende Spitzenreiter:

  1. Dm Bio Fenchel-Pastinake mit Couscous & Huhn von Dm: Mit einer Gesamtbewertung von 2,2 schnitt dieser Brei am besten ab. Die ernährungsphysiologische Qualität wurde mit "Gut" (Note 1,9) bewertet, ebenso die Deklaration (Note 2,3). Mikrobiologische Qualität und Nutzerfreundlichkeit der Verpackung erhielten die Bestnote 1,0.
  2. Vegetarisches Menü Couscous-Gemüse-Pfanne von Hipp: Dieser Markenprodukt erreichte eine gute Bewertung. Die ernährungsphysiologische Qualität und Deklaration waren "gut". Mikrobiologische Qualität und Nutzerfreundlichkeit der Verpackung erhielten ebenfalls die Bestnote 1,0.
  3. Vegetarische Menü Linsengemüse mit Couscous von Alnatura: Dieses Produkt belegte den dritten Platz mit einer guten Bewertung der ernährungsphysiologischen Qualität und Deklaration. Auch hier wurden mikrobiologische Qualität und Nutzerfreundlichkeit mit 1,0 bewertet.

Beikost: Wann starten, was einsetzen, wie zubereiten?

Worauf Eltern bei Babybrei achten sollten

Inhaltsstoffe und Nährstoffzusammensetzung

Bei der Auswahl von Babybrei sollten Eltern auf eine ausgewogene Nährstoffzusammensetzung achten. Besonders wichtig für Babys sind:

  • Eisen: Babys verbrauchen ihre Eisenspeicher im zweiten Lebenshalbjahr. Fleisch liefert gut verwertbares Eisen. Vegetarische Menüs können durch Zugabe von Orangensaft oder Obstpüree die Eisenaufnahme verbessern, da das enthaltene Vitamin C die Aufnahme pflanzlichen Eisens fördert. Alternativen wie Amaranth oder Linsen sind ebenfalls eisenreich.
  • Fett: Als gute Energiequelle für Babys sollte ausreichend Fett, insbesondere ungesättigte Fettsäuren aus Pflanzenölen, im Brei enthalten sein.

Bio-Qualität und Reinheit

Die meisten im Handel erhältlichen Babybreie sind mittlerweile in Bio-Qualität. Dies ist eine positive Entwicklung, da Bio-Produkte in der Regel auf den Einsatz von Pestiziden verzichten. Im ÖKO-TEST wurden keine Pestizidrückstände in den getesteten Obstbreien gefunden.

Vermeidung von Schadstoffen

Neben BPA sind weitere Schadstoffe, auf die Eltern achten sollten:

  • Furan: Dieser Stoff kann beim industriellen Erhitzen von Fertigbreien entstehen. Es gilt als leicht flüchtig und kann durch Erwärmen im Wasserbad und Umrühren reduziert werden.
  • Nitrat: Kann sich beim Aufwärmen von Spinat bilden und im Körper zu krebserregenden Nitrosaminen umgewandelt werden.
  • Schwermetalle (z.B. Cadmium): Können auf Dauer die Nieren schädigen.

Zuckergehalt

Auch wenn kein Zucker zugesetzt ist, enthalten Früchte natürlichen Fruchtzucker. Eltern sollten den Zuckergehalt im Auge behalten und Produkte bevorzugen, die nicht übermäßig süß sind.

Zutatenliste

Eine Faustregel besagt, dass Babybreie nicht mehr als fünf Zutaten enthalten sollten. Dies erleichtert die Feststellung möglicher Unverträglichkeiten.

Selbst kochen als Alternative

Wer die Kontrolle über die Zutaten behalten möchte, kann Obstbrei auch selbst kochen. Dabei kann auf saisonales Bio-Obst aus der Region zurückgegriffen und der Brei frisch zubereitet werden. Das schonende Dünsten der Fruchtstücke hilft, die Vitamine zu erhalten.

Nahaufnahme von frisch zubereitetem Babybrei

tags: #beikost #glaschen #test