Babytragen im Krankenhaus: Unterstützung für Eltern und Personal

Hebamme Stephanie Filshteyn, eine von zwei Trageberaterinnen im CaritasKlinikum Saarbrücken, betont: „Man kann nie zu viel tragen. Tragen hat nichts mit Verwöhnen zu tun, weil Tragen ein Grundbedürfnis ist.“ Ihr Anliegen ist es, Klarheit in die oft von Verunsicherung und Ängsten geprägte Diskussion rund um das Tragen von Babys und Kleinkindern zu bringen. Sie erklärt, dass Kinder schon immer getragen wurden, was durch Aufzeichnungen aus der Steinzeit belegt ist. Dennoch erfahren viele Frauen, insbesondere von älteren Generationen, Kritik, etwa den Vorwurf, ihre Kinder zu verwöhnen. Ein weit verbreiteter Irrglaube besagt zudem, dass der Rücken des Babys gerade liegen müsse.

Stephanie Filshteyn, selbst Hebamme und ausgebildete Trageberaterin, hebt die praktischen Vorteile hervor: „In den ersten Lebensmonaten muss man ein Baby sowieso sehr viel tragen, da ist es auch eine Entlastung für die Eltern, wenn man eine passende Tragehilfe zum Einsatz nimmt. Es ist rückenschonend für den Tragenden und man hat beide Hände frei - das ist Gold wert.“ Darüber hinaus fördert das Tragen die geistige Entwicklung und die Bindung zwischen Eltern und Kind und kann Bauchschmerzen vorbeugen.

Foto einer Hebamme, die ein Baby in einem Tragetuch hält

Der Weg zur Trageberaterin

Stephanie Filshteyns Wunsch, Hebamme zu werden, entstand, als sie mit 17 Jahren die Schwangerschaft ihrer Mutter intensiv begleitete und bei der Geburt dabei sein durfte. Diese Erfahrung faszinierte sie zutiefst. Da es damals schwierig war, einen Ausbildungsplatz als Hebamme zu bekommen, absolvierte die aus der Eifel stammende junge Frau zunächst eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin an einem Krankenhaus in Trier. Bereits während ihrer Ausbildung, als sie eine freiberufliche Hebamme begleiten durfte, wurde ihr die Bedeutung des Tragens bewusst. Dies motivierte sie, 2016 eine Fortbildung zur Trageberaterin zu absolvieren.

Die richtige Trageberatung

In der Fortbildung zur Trageberaterin erwarb Stephanie Filshteyn vertieftes Wissen über Anatomie und die Prinzipien des richtigen Tragens. Sie betont wichtige Aspekte:

  • Der Rücken des Babys muss immer rund sein, da die Wirbelsäule ebenfalls gerundet ist.
  • Man sollte nie mit dem Gesicht nach vorne tragen, auch wenn dies oft auf Bildern suggeriert wird.
  • Bei der Anhock-Spreiz-Haltung befinden sich die Knie auf Bauchnabelhöhe des Kindes, und der Po ist der tiefste Punkt, was die Hüftentwicklung unterstützt.
  • Das Kind sollte weit oben und nah am Körper getragen werden.

Mit einem Lächeln fügt sie hinzu: „Man braucht keine Angst haben, dass man ein Kind zu festbindet.“

Schema zur korrekten Anhock-Spreiz-Haltung beim Tragen eines Babys

Tragen als Thema in der Elternschule

Stephanie Filshteyn gehört zu den drei Hebammen, die Geburtsvorbereitungskurse im Rahmen der Elternschule am CaritasKlinikum leiten. Sie integriert das Thema Tragen in ihre Vorträge über das Wochenbett und beobachtet in den letzten Jahren ein stetig wachsendes Interesse bei werdenden Eltern. Aktuell besitzen etwa 80 Prozent der Familien eine Tragehilfe, sei es als Geschenk, Leihgabe oder eigener Kauf. „Aber es gibt leider auch schlechte Tragehilfen auf dem Markt“, warnt Filshteyn. Sie empfiehlt das Tragetuch als ergonomischste Option, räumt jedoch ein, dass viele Eltern davor zurückschrecken oder skeptisch sind, weil sie unsicher im Binden sind.

Persönliche Erfahrungen mit dem Tragen

Stephanie Filshteyn hat inzwischen selbst eine Familie gegründet und lebt im Saarland. Sie lachend teilt sie die Redewendung: „Wie das so ist: Wegen des Jobs gekommen - wegen der Liebe geblieben.“ Sie fühlt sich dort sehr wohl. Schon nach ihrer Ausbildung begann sie, freiberuflich Mütter zu begleiten und schätzt die Kombination aus ihrer Tätigkeit im Krankenhaus und der Selbstständigkeit. Auch in ihrer freiberuflichen Arbeit spricht sie stets über die Vorteile des Tragens und verleiht gerne verschiedene Tragen. Sie erinnert sich an eine Situation, in der eine Frau nach einer Tragetuchberatung sehr verunsichert war, da ihre Tante jeden Satz kommentierte und in Frage stellte. Stephanie Filshteyn musste sich permanent rechtfertigen, was sie für die junge Mutter sehr bedauerte. Fünf Jahre später traf sie die Frau zufällig wieder.

Ihre eigenen Kinder, eine vierjährige Tochter und ein knapp zweijähriger Sohn, hat Stephanie Filshteyn selbstverständlich auch getragen, „und zwar vom ersten Tag an“, betont sie. Diese Erfahrung bestätigte all ihr gelerntes Wissen. Ihre Tochter weinte beispielsweise im Kinderwagen, war aber im Tuch glücklich und zufrieden. Rückblickend erweist sich das Tragen als äußerst praktisch, da eine Tragehilfe leichter mitzunehmen ist als ein Kinderwagen. Da das Tragetuch für sie auch eine emotionale Bedeutung hat, erhielt ihr Sohn ein neues, eigenes Tuch. „Ich trage ihn manchmal immer noch“, sagt sie.

Collage aus Fotos von Stephanie Filshteyn mit ihren Kindern in verschiedenen Tragehilfen

Tragehilfe im Krankenhaus: Mehr als nur eine Option

Die Vorteile von Babytragen erstrecken sich weit über den Alltag hinaus und können auch in medizinischen Situationen wie Impfungen oder einem Krankenhausaufenthalt eine wertvolle Unterstützung darstellen. Das Tragen in einer Tragehilfe kann Kindern in stressigen Momenten durch Nähe und Körperkontakt Beruhigung verschaffen.

Vorteile des Tragens bei medizinischen Eingriffen:

  • Geborgenheit durch Körperkontakt: Das Baby spürt den Herzschlag, die Wärme und den Atem der tragenden Person, was beruhigend wirkt und Sicherheit gibt.
  • Weniger Stress für das Baby: Die enge, vertraute Umgebung hilft, Reizüberflutung in der Arztpraxis zu vermeiden und Ängste zu reduzieren.
  • Schmerzlindernder Effekt: Studien belegen, dass direkter Körperkontakt Schmerzen und die Schreidauer bei medizinischen Eingriffen senken kann.
  • Stabilität und Sicherheit: Das Baby sitzt sicher, ohne unkontrolliert strampeln zu können, was eine schnellere und unkompliziertere Durchführung von Prozeduren wie Impfungen ermöglicht.
  • Hände frei für Organisatorisches: Die tragende Person hat die Hände frei, um den Impfpass herauszusuchen, Fragen zu stellen oder das Baby nach dem Piks zu beruhigen.

Tragehilfe im Krankenhausaufenthalt

Auch bei einem notwendigen Krankenhausaufenthalt kann eine Tragehilfe eine wertvolle Unterstützung sein. Wenn beispielsweise ein Zugang für Infusionen gelegt werden muss, kann dies - nach Absprache mit dem medizinischen Team - oft auch in der Trage geschehen. Das Kind ist so nah bei der Bezugsperson, wird gehalten und kann sich an deren Körper orientieren. Selbst wenn das Kind in diesem Moment weint, ist die Bezugsperson direkt da, um es zu beruhigen. Viele Eltern berichten, dass sie so nicht nur ihr Baby besser begleiten, sondern sich auch selbst sicherer und handlungsfähiger fühlen und sich schneller wieder beruhigen können.

Bindungsorientierte Begleitung bedeutet, das Kind nicht allein mit herausfordernden Situationen wie Impfungen oder Krankenhausaufenthalten zu lassen, sondern es durch Körperkontakt, Stimme und Nähe zu unterstützen.

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Unterstützung für Krankenhäuser

Einige Anbieter statten Krankenhäuser mit Babytragen aus und schulen das Personal vor Ort, um eine schnelle und zufriedenstellende Lösung für Eltern und Pflegekräfte zu gewährleisten. Das Tragen von Kindern ist allgemein sehr wichtig und förderlich. Krankenhäuser können dem Programm beitreten, und die Babytragen werden kostenlos zur Verfügung gestellt. Das Pflegepersonal, das oft überarbeitet und psychisch stark belastet ist, profitiert ebenfalls von dieser praktischen Unterstützung im Alltag. Weinende Kinder finden Trost, und das Personal findet Ruhe.

Die Elternschule des Kreiskrankenhauses Bergstraße bietet eine Vielzahl von Kursen rund um die Geburt an, um werdende Eltern optimal auf die Geburt ihres Kindes vorzubereiten. Dazu gehören Geburtsvorbereitungskurse, Partnerkurse und Kurse nur für Frauen, die idealerweise mindestens drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin enden. Weiterhin werden Rückbildungskurse zur Wiederfindung von Kraft und Körpergefühl nach der Geburt angeboten, Babymassage zur Schaffung von Nähe und Vertrauen sowie mentale Geburtsvorbereitung mit Hypnose und mentalen Techniken. Zusätzliche Angebote umfassen Yoga für Schwangere zur körperlichen Balance und bewussten Erleben der Schwangerschaft sowie Yoga mit Baby zur Stärkung von Körper und Geist. Kurse wie "Erste-Hilfe an Säuglingen und Kindern" und Informationsveranstaltungen zu sozialrechtlichen Fragen und finanziellen Hilfen ergänzen das Angebot.

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