Die Barrierefreiheit im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist ein wichtiger Aspekt, der Menschen mit Behinderungen oder eingeschränkter Mobilität eine gute Teilhabe ermöglicht. Der MVV hat hier deutliche Fortschritte gemacht, um eine möglichst unkomplizierte Nutzung zu gewährleisten. Dennoch gibt es weiterhin Einschränkungen: So sind etwa 10 % der S-Bahn-Stationen noch nicht barrierefrei, und bei Regionalzügen ist dieser Prozentsatz höher. In einigen neuen Verbundlandkreisen verkehren zudem Busse, die keine Mitfahrt mit Rollstühlen zulassen. Daher ist es essenziell, sich vor Fahrtantritt über mögliche Barrieren zu informieren. Hierbei helfen Orientierungspläne und diverse Informationsangebote. Die barrierefreie Fahrtplanung wird besonders durch die MVV-App auf dem Smartphone unterstützt. Bei Bedarf an konkreter Hilfe im Stadtgebiet München steht der Bus & Bahn Begleitservice zur Verfügung. Der Schwerbehindertenausweis in Orange-Grün ist ein weiteres Instrument zur Teilhabe an der Mobilität. Der MVV arbeitet kontinuierlich mit seinen Partnern an der vollständigen Barrierefreiheit, wobei der niveaugleiche Zu- und Ausstieg sowie die stufenlose Erreichbarkeit aller MVV-Stationen im Fokus stehen. Verbände und Vereine, die sich für Inklusion engagieren, leisten hierbei wertvolle Unterstützung.

Neue Straßenbahnen in Augsburg: Fokus auf Komfort und Platz
Die Stadtwerke Augsburg haben kürzlich das erste von insgesamt 15 neu beschafften Straßenbahnmodellen des Herstellers Stadler der Öffentlichkeit vorgestellt. Diese neuen Bahnen, mit einem Stückpreis von 3,8 Millionen Euro, sollen die deutlich kleineren und älteren GT6-Straßenbahnen ersetzen, die bereits rund 30 Jahre im Einsatz sind. Die neuen Züge werden voraussichtlich in etwa drei Wochen auf Testfahrten im Augsburger Schienennetz gehen, und der reguläre Linienbetrieb ist für Anfang 2024 geplant. Die übrigen 14 Züge werden im Laufe des kommenden Jahres aus dem Werk im spanischen Valencia erwartet. Für die Fahrgäste bedeuten die neuen Bahnen vor allem mehr Komfort und Platz.

Besonderheiten der neuen Fahrzeuge im Detail
Ein besonderes Augenmerk bei den neuen Fahrzeugen liegt auf der Beschleunigung des Reisendenwechsels, insbesondere für Fahrgäste mit Fahrrädern oder Kinderwagen. Dies wird durch eine verringerte Anzahl von Türen im Vergleich zu den bisherigen Modellen erreicht: Während normale Sitzwagen nur zwei Türen haben, verfügt der Wagen für das Mehrzweckabteil über drei Türen. Die Türen sind zudem 20 cm breiter, was theoretisch das gleichzeitige Ein- und Aussteigen von zwei Personen ermöglichen soll, um die Wechselzeiten zu verkürzen. Erste Eindrücke zeigen, dass dies in den meisten Fällen gut funktioniert und einen positiven Eindruck hinterlässt.
Eine weitere Neuerung ist die LED-Lichtleiste an der Tür, die durch rote oder grüne Signale den Zustand der Tür anzeigt und Fahrgäste optisch darauf hinweist, zurückzutreten. Die Türöffner-Taster sind außen an der Tür angebracht. Direkt hinter den Türen befinden sich Bereiche, in denen Fahrgäste außerhalb des Ein- und Ausstiegsraums stehen können.
Erweiterte Fahrgastinformation und Sicherheitssysteme
Die Fahrgastinformation wurde im Vergleich zu früheren Modellen, wie dem 423, nochmals erheblich ausgebaut. Die FIS (Fahrgastinformationssystem)-Displays im Innenraum sind zahlreich vorhanden (insgesamt 106 Stück) und sollen detaillierte Informationen liefern. Äußere Displays über den Türen (insgesamt 62 Stück) zeigen das Zugziel und die wichtigsten Unterwegshalte in der jeweiligen Linienfarbe an. Das Linienband spiegelt ebenfalls die Linienfarbe zur schnellen Übersicht wider.
Die neuen Fahrzeuge sind zudem mit einer großen Anzahl an Kameras ausgestattet, die nicht nur zur Überwachung von Straftaten dienen, sondern auch Funktionen wie eine „Leerstandsanzeige“ ermöglichen sollen. Bevor ein Fahrzeug beispielsweise in die Werkstatt fährt, kann mithilfe der Kameras überprüft werden, ob alle Fahrgäste ausgestiegen sind. Für den Triebfahrzeugführer (Tf) entfällt die Notwendigkeit, beim Abfertigen aus dem Fenster zu schauen oder an Bahnsteigen mit Bögen auszusteigen, um sicherzustellen, dass niemand eingeklemmt ist. Selbst an Stationen ohne Bahnsteigmonitore kann der Tf auf einem großen Bildschirm im Führerstand jeden Wagen einsehen. An jedem Wagen sind jeweils zwei Kameras angebracht, vermutlich zur Redundanz.

Innenraumgestaltung und Ausstattung
Die neuen Fahrzeuge wirken mit ihrer Breite von 3,02 Metern sehr geräumig. Die Gänge sind breit gestaltet, und der Übergang zwischen den Wagen wirkt offen und großzügig. Die Sitze ähneln denen des Vorgängermodells 423, wobei die Funktion des Verriegelns von Klappsitzen kritisch gesehen wird, da sie als anfällige Technik gilt und keine klaren Konzepte für ihre Nutzung vorliegen.
Die „Familienecke“ hinter dem Führerstand ist nun über zwei Fenster konstruiert. Positiv hervorzuheben ist die integrierte Ladefunktion mittels USB-C-Buchsen, was angesichts der fortschreitenden Technologie und der EU-Festlegung auf USB-C als Standard als zukunftsweisend gilt.
Die Anordnung der Haltestangen entspricht dem des 423 (in der Mitte, an den Flügeltüren und an den Sitzen). Die Erreichbarkeit von Schaltern, Tastern und Bildschirmen wird als gut bewertet, auch für Personen mit einer Körpergröße von 1,75 Metern. Der Platz hinter dem Fahrersitz ist im Vergleich zum 423 deutlich größer gestaltet.
Technische Details und historische Entwicklungen der Baureihe 612
Die Fahrzeuge der Baureihe 612 sind Neigetechnik-Nahverkehrsdieseltriebzüge der Deutschen Bahn (DB), die primär als Regional-Express auf Strecken mit vielen Bögen eingesetzt werden. Nach den problembehafteten Triebwagen der Reihe 611 entwickelte die DB mit der Baureihe 612 einen neuen Versuch, einen zuverlässigen Neigetechnik-Zug aus deutscher Produktion auf die Schiene zu bringen.
Konstruktion und Antrieb
Bei der Baureihe 612 sind beide Wagen motorisiert. Zum Einsatz kommen Cummins-Dieselmotoren des Typs QSK19-R mit einer Leistung von 563 kW. Die Kraftübertragung erfolgt hydraulisch über ein Strömungsgetriebe mit integrierter hydrodynamischer Bremse. Die Triebdrehgestelle befinden sich an den Kurzkupplungs-Enden, während die Drehgestelle unter den Führerständen als Laufdrehgestelle fungieren.
Neigetechnik und Kupplungssystem
Die Steuerung der Neigetechnik obliegt dem System Neicontrol-E, das mithilfe von Beschleunigungssensoren Bogenanfänge und -enden erkennt und die Wagenkästen entsprechend dem Bogenradius und der Fahrgeschwindigkeit neigt. Dies ermöglicht eine Geschwindigkeitssteigerung um bis zu 30 % gegenüber Fahrzeugen ohne Neigetechnik, sofern die Strecke dafür ausgebaut ist. Bis zu vier Doppeltriebwagen können über selbsttätige Scharfenbergkupplungen an den Führerstandsenden gekuppelt und vielfachgesteuert werden. Diese Kupplungen verbinden automatisch Druckluft- und Steuerleitungen. Die Bordrechner stellen die Zugkonfiguration fest, und jeder Triebwagen ist für die Aufrechterhaltung grundlegender Funktionen wie Beleuchtung und Heizung selbst verantwortlich, da ein größerer Austausch elektrischer Energie zwischen den Einheiten nicht möglich ist.
Innenraumaufteilung und Modifikationen
In den Wagen 612.0 befinden sich Plätze der ersten Klasse, gefolgt von einem separaten Abteil mit vier Sitzgruppen und Tischen, ebenfalls der ersten Klasse zugeordnet. Daran schließt sich ein Großraum der zweiten Klasse an, der überwiegend Reihenplätze sowie einige Vierergruppen mit Tischen bietet. In den Wagen 612.5 fehlt das separate Abteil, und sie enthalten ausschließlich Plätze der zweiten Klasse. Am Kurzkupplungsende ist ein Mehrzweckraum für sperriges Gepäck wie Fahrräder oder Kinderwagen vorgesehen. In den Wagen 612.5 ist dort zusätzlich eine Toilette untergebracht. Beide Wagen sind kurzgekuppelt und der Wagenübergang ist mit einem Wellenbalg verkleidet.
Seit 2008 wurden die „kleinen ersten Klassen“ in den Wagen 612.0 zu Abteilen der zweiten Klasse deklassiert. Ab 2012 begann ein Umbau der in Thüringen stationierten Triebfahrzeuge, der eine neue Lackierung, die Erneuerung von Sitzpolstern und Kopfstützen sowie eine Änderung der Innenraumgestaltung beinhaltete. Die Sitze der ersten Klassen erhielten Lederbezüge und Steckdosen, und die Innenraumtüren wurden mit einer neuen Öffnungsautomatik ausgestattet. Das ehemalige Raucherabteil der ersten Klasse wurde zur zweiten Klasse umgezeichnet.
Seit September 2014 werden einige Einheiten im weiß/gelb/schwarzen Farbschema der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg lackiert. 2016 modernisierte Triebzüge erhielten unter anderem einen Hublift, eine Neuzulassung, eine Reduzierung und Verlegung des 1.-Klasse-Bereichs, mehr Fahrradabstellplätze und WLAN. Insgesamt wurden 41 Einheiten im Ausbesserungswerk Kassel modernisiert.
Einsatz und technische Herausforderungen
Insgesamt wurden 192 Doppeleinheiten der Baureihe 612 an die Deutsche Bahn ausgeliefert und an verschiedenen Standorten stationiert. Aufgrund eines Vorfalls im Mai 2003, bei dem der Arm einer Frau in einer Außentür eingeklemmt und sie vom anfahrenden Zug mitgeschleift wurde, ordnete das Eisenbahn-Bundesamt an, dass die Züge bis zur Überprüfung aller Türen nicht mehr ohne Zugbegleiter eingesetzt werden dürfen. Bei der Überprüfung wurden 40 nicht betriebssichere Türen festgestellt.
Nachdem am 10. August 2004 ein Achswellenriss an einem Laufradsatz festgestellt wurde, ordnete das Eisenbahn-Bundesamt am Folgetag Sicherheitsmaßnahmen an, darunter eine Reduzierung des Intervalls für Ultraschallprüfungen und die vorübergehende Außerbetriebnahme der Neigetechnik. Nach dem Fahrplanwechsel im Dezember 2005 konnten einzelne Züge mit Molybdän-gehärteten Rädern wieder im bogenschnellen Betrieb verkehren, unter der Bedingung regelmäßiger Ultraschalluntersuchungen der Räder.
Die Triebwagen der Reihe 612 sind für die Deutsche Bahn unverzichtbar geworden, da sie lokbespannte Züge abgelöst haben und das Rückgrat im Nahverkehr auf nicht elektrifizierten Strecken darstellen. Sie werden vorrangig auf Strecken eingesetzt, auf denen die Neigetechnik zur Fahrzeitersparnis genutzt werden kann. Trotz staatlicher Zuschüsse für die Fahrzeugbeschaffung verzögerten sich die Herrichtungen einiger Strecken für den Neigetechnik-Einsatz.
Die Deutsche Bahn reichte im Februar 2013 Klage gegen den Hersteller Bombardier ein. Im Dezember 2015 wurde ein technischer Fehler in einem Bauteil des Neigetechnikantriebs gefunden.
Einsatz im Fernverkehr und ausländische Nutzung
Zwischen Dezember 2003 und August 2004 wurden Triebwagen der Reihe 612 als Ersatz für die ICE-Dieseltriebzüge der Baureihe 605 im Intercity-Verkehr zwischen Nürnberg und Görlitz eingesetzt. Dazu wurden die verkehrsroten Züge im ICE-Farbschema umlackiert und in die Baureihe 612.4 eingeordnet. Bis Ende 2005 wurden die Fahrzeuge wieder verkehrsrot lackiert, behielten jedoch ihre 400er Betriebsnummern.
Die zwölf Triebwagen, die ab dem 10. Dezember 2006 als IRE Franken-Sachsen-Express eingesetzt wurden, waren ursprünglich „Fernverkehrs-RegioSwinger“. Acht Triebwagen, die die DB nicht abgenommen hatte, wurden an die Kroatische Bahn (HŽ) verkauft und dort als Reihe 7123 geführt und als InterCity Nagibni (ICN) auf der Strecke Zagreb-Split eingesetzt. Für den Fernverkehrseinsatz wurde pro Einheit eine zweite Toilette nachgerüstet.
Unfälle und besondere Ereignisse
Die Baureihe 612 war in verschiedene Unfälle und Zwischenfälle verwickelt. Dazu gehören Entgleisungen, Kollisionen mit Hindernissen auf den Gleisen, Brände und Auffahrunfälle. Diese Ereignisse führten zu Beschädigungen von Fahrzeugen, Betriebsunterbrechungen und teilweise auch zu Verletzten.
- Am 18. November 2003 brannte ein Triebzug auf der Fahrt zwischen Plauen und Reichenbach.
- Am 10. August 2004 wurde ein Achswellenriss festgestellt, was zu Sicherheitsmaßnahmen führte.
- Am 19. Mai 2017 entgleiste ein Triebzug als RE 3666 nach Kollision mit einer Gerölllawine.
- Am 10. August 2014 wurde ein Triebfahrzeug bei einem Zusammenprall mit einem Traktor an einem Bahnübergang beschädigt.
- Am 20. September 2018 fing die Maschinenanlage eines Triebzuges auf der Fahrt als RE 3917 Feuer.
- Am 24. Mai 2022 wurde ein Triebzug bei einem Zusammenprall mit einem Omnibus stark beschädigt.
- Am 8. Dezember 2009 entgleiste der hintere Wagen eines Regionalexpress-Zuges.
- Am 16. April 2015 gab es einen Auffahrunfall im Hauptbahnhof von Tübingen, bei dem zwei Einheiten beschädigt wurden.
- Am 27. Juli 2025 entgleiste eine Doppeltraktion beim Eisenbahnunfall von Riedlingen.
- Am 20. September 2011 kollidierte ein Triebzug in Lauterbach mit einem Pkw.
- Am 15. Oktober 2018 wurde ein Triebzug bei einem Zusammenprall mit einem Sattelzug stark beschädigt.
- Im November 2002 erlitt ein Triebzug einen Brandschaden.

Infrastrukturelle Maßnahmen und Bauarbeiten
Die DB InfraGO saniert bis Mitte der 2030er-Jahre zentrale Schienenkorridore in Deutschland, was zu Streckensperrungen führt. In Bayern werden Ersatzverkehrskonzepte in Abstimmung mit den beteiligten Unternehmen und Kommunen erarbeitet.
- Von 6. Februar bis 10. Juli 2026 saniert DB InfraGO die Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Regensburg.
- Von 14. Juni bis 12. Dezember 2026 saniert DB InfraGO die Bahnstrecke zwischen Obertraubling und Passau.
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