Arthotec forte ist ein Medikament, das die Wirkstoffkombination Diclofenac und Misoprostol enthält. Diese Kombination wird bei Patienten eingesetzt, die eine Behandlung mit dem nicht-steroidalen Antirheumatikum Diclofenac benötigen, aber gleichzeitig einen empfindlichen Magen haben.
Wirkungsweise und Anwendungsgebiet
Arthotec forte kombiniert die entzündungshemmenden, schmerzstillenden und fiebersenkenden Eigenschaften von Diclofenac mit der schützenden Wirkung von Misoprostol auf die Magenschleimhaut. Misoprostol reduziert die Produktion von Magensäure und schützt die Magenschleimhaut vor Schäden, die durch nicht-steroidale Antirheumatika wie Diclofenac verursacht werden können. Daher ist Arthotec forte besonders geeignet für Patienten, die eine entzündungshemmende Therapie benötigen, aber anfällig für Magengeschwüre oder andere Magen-Darm-Beschwerden sind.

Dosierung und Anwendung
Erwachsene nehmen in der Regel zweimal täglich eine Tablette Arthotec forte mit reichlich Flüssigkeit zu den Mahlzeiten ein. Die Tabletten sollten im Ganzen geschluckt und nicht zerbissen oder zerkaut werden, um die volle Wirkung der Wirkstoffe zu gewährleisten.
Zusammensetzung und Hilfsstoffe
Arthotec forte enthält neben den aktiven Wirkstoffen Diclofenac und Misoprostol eine Reihe von arzneilich nicht wirksamen Bestandteilen. Dazu gehören:
- Hochdisperses Siliciumdioxid
- Hypromellose
- Magnesiumstearat
- Maisstärke
- Mikrokristalline Cellulose
- Povidon K30
- Talkum
- Crospovidon
- Hydriertes Rizinusöl
- Lactose-Monohydrat
- Natriumhydroxid
- Poly(acrylat, methacrylat)
- Triethylcitrat
Besonders hervorzuheben ist der Hilfsstoff Lactose-Monohydrat, der von manchen Patienten schlecht vertragen wird.
Nebenwirkungen
Die Einnahme von Arthotec forte kann, wie bei jedem Medikament, zu Nebenwirkungen führen. Diese können nach ihrer Häufigkeit wie folgt eingeteilt werden:
Sehr häufige Nebenwirkungen (bei mehr als 1 von 10 Behandelten):
- Leibschmerzen
- Durchfall
- Übelkeit
- Verdauungsstörungen
Häufige Nebenwirkungen (bei 1 bis 10 von 100 Behandelten):
- Blähungen
- Erbrechen
- Magenschleimhautentzündung
- Aufstoßen
- Verstopfung
- Hautreaktionen (z. B. Erythema multiforme)
- Überempfindlichkeitsreaktionen wie Juckreiz
- Konzentrationserhöhung bestimmter Enzyme im Blut (SGPT, alkalische Phosphatase)
- Verlängerte Dauer der Monatsblutung
- Zwischenblutungen
- Vaginalblutungen bei Frauen im gebärfähigen Alter und nach den Wechseljahren
- Schlaflosigkeit
- Kopfschmerzen
- Schwindel
Gelegentliche Nebenwirkungen (bei 1 bis 10 von 1.000 Behandelten):
- Mundschleimhautentzündung
- Unterhautblutungen
- Nesselsucht
- Blutplättchenmangel
Seltene Nebenwirkungen (bei 1 bis 10 von 10.000 Behandelten):
- Allergische Reaktionen
- Gesichtsschwellungen (Quincke-Ödem)
- Leberentzündung mit oder ohne Gelbsucht
Nebenwirkungen ohne Angaben der Häufigkeit:
- Teerstuhl
- Bluterbrechen
- Appetitlosigkeit
- Mundtrockenheit
- Zungenentzündung
- Unterbauchbeschwerden (blutende Dickdarmentzündung, Verstärkung einer Colitis ulcerosa oder eines Morbus Crohn)
- Lichtempfindlichkeit der Haut
- Schwere Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, Lyell-Syndrom, exfoliative Dermatitis)
- Haarausfall
- Blasige Hautausschläge (Erythema multiforme)
- Schleimhautreaktionen
- Allergische Reaktionen (Bronchialkrämpfe, Blutgefäßentzündung, Lungenentzündung)
- Benommenheit
- Nervliche Missempfindungen
- Stimmungsschwankungen
- Gedächtnisstörungen
- Orientierungslosigkeit
- Erregbarkeit
- Krämpfe
- Zittern
- Geschmacksstörungen
- Müdigkeit
- Beschwerden einer Gehirnhautentzündung (Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Fieber oder Bewusstseinstrübung)
- Psychose-artige Reaktionen
- Depressionen
- Angstzustände
- Alpträume
- Ohrensausen
- Mangel an weißen Blutkörperchen
- Blutplättchenmangel
- Fehlen von Granulozyten
- Blutarmut (hämolytische Anämie, aplastische Anämie)
- Nierenerkrankungen (Papillennekrosen, interstitielle Nephritis, nephrotisches Syndrom, Eiweiß im Urin, Blut im Urin, akute Nierenfunktionsstörung und Nierenversagen)
- Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme)
- Herzklopfen
- Brustschmerzen
- Herzmuskelschwäche
- Herzinfarkt
- Bluthochdruck
- Niedriger Blutdruck
- Atemnot
- Sehstörungen
- Frösteln
- Fieber
- Verschlechterung infektionsbedingter Entzündungen

Besonderheiten und Vorsichtsmaßnahmen
Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes oder verschiedenen Bindegewebsstörungen können anfälliger für eine Gehirnhautentzündung sein. Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme) treten vor allem bei Patienten mit Bluthochdruck oder eingeschränkter Nierenfunktion auf.
Bei Auftreten von Magen-Darm-Blutungen oder -Geschwüren während der Einnahme von Arthotec forte ist die Behandlung umgehend abzubrechen. Gleiches gilt beim ersten Anzeichen von Hautausschlägen, Schleimhautschäden oder sonstigen Anzeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion.
Das Medikament kann Anzeichen einer Infektion verschleiern. Daher ist besondere Vorsicht geboten, wenn das Medikament während einer Infektion eingenommen wird.
Besonders bei häufiger oder langzeitiger Anwendung des Medikaments sind die Leberwerte regelmäßig ärztlich zu prüfen. Wenn sich Anzeichen für eine Lebererkrankung zeigen (Gelbfärbung der Haut, Übelkeit), sollte die Therapie sofort beendet werden.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Die Einnahme von Arthotec forte kann zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten führen:
- Entwässerungsmittel und Blutdrucksenker: Nicht-steroidale Antirheumatika wie Diclofenac können die Wirkung dieser Medikamente abschwächen.
- ACE-Hemmer oder AT1-Rezeptor-Antagonisten: Bei gleichzeitiger Einnahme mit Diclofenac kann dies bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion zu einer weiteren Verschlechterung der Nierenfunktion führen.
- Kaliumsparende Entwässerungsmittel: Die gleichzeitige Behandlung kann zu erhöhten Kaliumwerten im Blut führen.
- Ciclosporin und Tacrolimus: Diclofenac erhöht die nierenschädigende Wirkung dieser Medikamente.
- Digoxin und Lithium: Die gleichzeitige Anwendung kann die Konzentration dieser Wirkstoffe im Blut erhöhen und deren Nebenwirkungen verstärken.
- Antimykotika (Pilzmittel): Ketoconazol kann die Blutkonzentration von Diclofenac senken, während Voriconazol sie erhöhen kann.
- Antikoagulanzien (Blutverdünner), Thrombozytenaggregationshemmer und selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer: Arthotec forte kann die blutverdünnende Wirkung dieser Medikamente verstärken und das Risiko von Magen-Darm-Blutungen erhöhen.
- Methotrexat: Die gleichzeitige Gabe innerhalb von 24 Stunden vor oder nach Methotrexat kann zu erhöhten Konzentrationen von Methotrexat im Blut und einer Zunahme seiner Giftwirkung führen.
- Glukokortikoide ("Kortison") und andere nicht-steroidale Antirheumatika: Die gleichzeitige Therapie kann das Risiko von Magen-Darm-Geschwüren und -Blutungen erhöhen.
- Säurehemmende Mittel (Antazida): Können die Aufnahme von Diclofenac verzögern und bei Magnesium-haltigen Antazida die Misoprostol-bedingten Durchfälle verstärken.
- Gyrasehemmer (Antibiotika): Können zusammen mit Diclofenac das Risiko für epileptische Krämpfe erhöhen.
- Mifepriston: Nicht-steroidale Antirheumatika können die Wirkung von Mifepriston abschwächen.
Gegenanzeigen
Arthotec forte darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Diclofenac, Acetylsalicylsäure, andere nicht-steroidale Antirheumatika oder Misoprostol.
- Früheren Reaktionen wie Asthma, Nesselsucht oder allergischem Schnupfen nach der Einnahme von Acetylsalicylsäure und anderen nicht-steroidalen Antirheumatika.
- Akuten Magen-Darm-Geschwüren oder Blutungen im Verdauungskanal.
- Aktiven Magen-Darm-Blutungen oder anderen aktiven Blutungen (z. B. Gehirnblutung).
- Schweren Leber- oder Nierenfunktionsstörungen.
- Herzmuskelschwäche (NYHA-Stadium II-IV).
- Durchblutungsstörungen des Herzmuskels (ischämische Herzerkrankung).
- Sonstigen Durchblutungsstörungen (Arteriosklerose).
- Durchblutungsstörungen des Gehirns.
- Schmerzen nach einer Bypass-Operation an den Herzkranzgefäßen.
Anwendung bei bestimmten Patientengruppen
Patienten mit Herz-Kreislauf- und Magen-Darm-Erkrankungen:
Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter dessen Kontrolle darf Arthotec forte bei Patienten mit erhöhtem Risiko für Magen-Darm-Blutungen und -Durchbrüche angewendet werden.
Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen:
Bei Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn kann sich der Zustand verschlechtern. Eine Anwendung sollte nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.
Patienten mit Herz-, Leber- oder Nierenschäden sowie stark dehydrierte Patienten:
Bei unbehandelbarer Herzmuskelschwäche, Leberzirrhose, nephrotischem Syndrom und akuter Nierenerkrankung sowie bei starker Dehydrierung kann Diclofenac die Nierenfunktion verschlechtern. Eine sorgfältige Überwachung ist erforderlich.
Patienten mit Bluthochdruck:
Diclofenac kann zu Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) führen.
Patienten mit Fettstoffwechselstörungen, Diabetes oder Raucher:
Diese Gruppen haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Anwendung sollte nur nach sorgfältiger Abwägung erfolgen.
Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft:
Die Kombination Diclofenac + Misoprostol darf von Schwangeren und Frauen, die eine Schwangerschaft planen, nicht eingenommen werden. Misoprostol kann die Gebärmutter zusammenziehen und eine Fehl-, Früh- oder Totgeburt auslösen. Es wurde mit Missbildungen in Verbindung gebracht. Diclofenac kann einen vorzeitigen Verschluss der Verbindung von Lungen- und Hauptschlagader bewirken. Frauen im gebärfähigen Alter dürfen die Kombination nur einnehmen, wenn eine Schwangerschaft ausgeschlossen wurde und eine zuverlässige Verhütungsmethode angewendet wird. Bei Verdacht auf eine Schwangerschaft ist die Behandlung sofort zu beenden.
Medikamente in der Schwangerschaft - was Ihr beachten solltet
Stillzeit:
Misoprostol geht in die Muttermilch über. Einzeldosen erfordern in der Regel keine Einschränkung des Stillens, es können jedoch Nebenwirkungen wie Durchfall beim Säugling auftreten.
Anwendung bei Kindern und Jugendlichen
Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist die Sicherheit und Wirksamkeit der Kombination nicht untersucht worden. Eine Anwendung wird daher nicht empfohlen.
Lagerung
Das Medikament darf nicht wärmer als 25 Grad Celsius gelagert werden. Es ist trocken und in der Originalverpackung aufzubewahren.
Erfahrungsberichte und Off-Label-Use
In den sozialen Medien und Foren finden sich zahlreiche Erfahrungsberichte von Frauen, die Arthotec forte oder ähnliche Präparate mit Misoprostol zur Einleitung eines medikamentösen Schwangerschaftsabbruchs oder zur Unterstützung des natürlichen Abgangs nach einer Fehlgeburt erhalten haben. Diese Anwendung erfolgt oft "off-label", d.h. außerhalb der zugelassenen Indikationen des Medikaments.
Beispielhafte Erfahrungen aus Foren:
- Eine Frau berichtet von der erfolgreichen Anwendung von Arthotec forte zur Unterstützung des natürlichen Abgangs nach einer späten Fehlgeburt, nachdem ihr von einer Ausschabung abgeraten wurde. Die Anwendung führte zu starken Blutungen und einem schnellen Absinken des HCG-Wertes.
- Andere Nutzerinnen teilen ihre Erfahrungen mit der Einnahme von Misoprostol-haltigen Medikamenten zur Einleitung von Blutungen, wobei die Wirksamkeit und das Auftreten von Schmerzen variieren.
- Einige Berichte thematisieren die Diskussion um die Sicherheit von Misoprostol (Cytotec) bei der Geburtseinleitung und die damit verbundenen Risiken, wie Gebärmutterrisse oder Sauerstoffmangel beim Kind. Es wird darauf hingewiesen, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Misoprostol in einer niedrigeren Dosierung empfiehlt.
- Es gibt auch Diskussionen über die Verfügbarkeit von geeigneten Präparaten für die medikamentöse Behandlung von Fehlgeburten in Deutschland und die Problematik des Off-Label-Uses.
Wichtiger Hinweis: Die Anwendung von Misoprostol zur Geburtseinleitung oder zum Schwangerschaftsabbruch ist mit Risiken verbunden und sollte nur unter strenger ärztlicher Aufsicht und nach sorgfältiger Abwägung der Vorteile und Risiken erfolgen. Die Informationen aus Foren ersetzen keine ärztliche Beratung.
Medikamente in der Schwangerschaft - was Ihr beachten solltet
Vergleichbare Medikamente
Arthotec forte enthält die Wirkstoffkombination Diclofenac + Misoprostol. Vergleichbare Medikamente mit ähnlichen Wirkstoffkombinationen oder Misoprostol als Hauptwirkstoff sind auf dem Markt erhältlich. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Zulassungsstatus und die genauen Indikationen variieren können.
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