Der Geburtsverlauf: Von der Muttermundöffnung bis zur Geburt

Die Ankunft in der Klinik während der Wehen bedeutet in der Regel eine sofortige Verlegung in den Kreißsaal, wo zunächst einige Untersuchungen durchgeführt werden. Ihre Hebamme oder Ihr Frauenarzt wird Ihnen Fragen zum Verlauf der Schwangerschaft stellen, wie zum Beispiel, ob Fruchtwasser abgegangen ist und wie die Wehentätigkeit beschaffen ist - Beginn, Häufigkeit, Dauer und Art der Schmerzen.

Oft wird die Wehentätigkeit mittels eines Herztonwehenschreibers (CTG) über 30 Minuten gemessen. Dies ist auch der Zeitpunkt, um Ihre persönlichen Vorstellungen zum Ablauf der Geburt zu besprechen, wie gewünscht Überwachung (periodisch oder kontinuierlich), angestrebte Methoden der Schmerzlinderung und die gewünschte Aufenthaltsdauer in der Klinik.

Untersuchungen bei der Aufnahme in der Klinik

Nach dem Aufnahmegespräch erfolgen weitere Untersuchungen, die je nach Klinik variieren können:

  • Messung von Blutdruck, Puls und Temperatur.
  • Blutentnahme zur Bestimmung des Blutbilds, der Gerinnungsfaktoren und wichtiger Elektrolyte.
  • Untersuchung des Urins auf Proteine und Zucker.
  • Abhören der fötalen Herztöne mit einem Kardiotokographen (CTG) oder Dopton.
  • Feststellen der Position Ihres Babys durch Abtasten des Bauches oder Ultraschall.
  • Eine vaginale Untersuchung zur Feststellung der Muttermunddilatation (Öffnungsweite) und des Kopf-Eintritts ins Becken.

Sollten Sie sich für schmerzlindernde Medikamente entschieden haben, können diese bereits nach den Voruntersuchungen verabreicht werden, oder auch zu einem späteren Zeitpunkt, je nach Ihrem Empfinden.

Schema der verschiedenen Phasen der Muttermundöffnung während der Geburt

Die Phasen der Geburt

Die Geburt lässt sich grob in verschiedene Phasen unterteilen, die den Fortschritt der Muttermundöffnung und die Geburt des Kindes beschreiben.

Die Eröffnungsphase

Die Eröffnungsphase ist die erste und oft längste Phase der Geburt. Sie beginnt mit den ersten regelmäßigen, schmerzhaften Wehen und endet mit der vollständigen Öffnung des Muttermundes auf etwa 10 Zentimeter. Bei einer Erstgebärenden kann diese Phase 6 bis 12 Stunden oder länger dauern, während sie bei nachfolgenden Geburten oft kürzer ist.

Latenzphase (frühe Eröffnungsphase)

Die Latenzphase ist die anfänglich ruhigere Phase der Eröffnungsphase. Die Wehen sind zunächst schwach und von längeren Ruheintervallen unterbrochen. Zu Beginn treten sie im Abstand von 5 bis 20 Minuten auf und dauern etwa 20 bis 30 Sekunden. Der Muttermund öffnet sich dabei von etwa 1 bis 2 Zentimetern auf bis zu 4 Zentimeter. Während dieser Phase sind die Frauen noch relativ mobil und können ihren Aktivitäten nachgehen.

Mit jeder Wehe werden die Kontraktionen stärker, länger (30 bis 60 Sekunden) und regelmäßiger (alle 3 bis 7 Minuten). Der Muttermund öffnet sich dabei weiter, bis er mindestens 3 Zentimeter erreicht hat.

Aktive Eröffnungsphase

Ab einer Muttermundöffnung von mindestens 3 Zentimetern beginnt die aktive Eröffnungsphase. Diese Phase dauert in der Regel 3 bis 5 Stunden. Die Wehen werden schmerzhafter, da sich der Muttermund auf etwa 10 Zentimeter erweitern muss. Die Wehen setzen nun häufiger ein, etwa alle 2 bis 4 Minuten, und dauern ungefähr eine Minute. Zu diesem Zeitpunkt verlangen die meisten Gebärenden nach Schmerzmitteln.

Die Wehentätigkeit verstärkt sich am Ende der aktiven Eröffnungsphase weiter. Wenn die Fruchtblase noch nicht geplatzt ist, geschieht dies oft in dieser Phase. Dies ist eine Phase, in der die Gebärende oft mit starken Schmerzen kämpft und Entspannung kaum noch möglich scheint.

Grafik, die den Fortschritt der Muttermundöffnung in Zentimetern über die Zeit zeigt

Die Übergangsphase

Die Übergangsphase markiert das Ende der aktiven Eröffnungsphase und ist oft die intensivste und schmerzhafteste Etappe der Geburt. Die Wehen treten in immer kürzeren Abständen auf, dauern länger und werden heftiger, um die vollständige Öffnung des Muttermundes zu erreichen. In dieser Phase können verschiedene Begleiterscheinungen auftreten, wie Zittern, Schweißausbrüche, Übelkeit mit Erbrechen und das unfreiwillige Entleeren von Blase oder Darm durch den Druck des kindlichen Kopfes.

Emotional kann dies eine sehr schwierige Phase sein, die von Gereiztheit, Besorgnis oder Verärgerung geprägt ist. Hinzu kann der "Senkungsschmerz" kommen, ein starker Pressdrang bei jeder Kontraktion, wenn sich das Kind weiter in den Geburtskanal bewegt. Diesem Drang sollte jedoch widerstanden werden, bis der Muttermund vollständig geöffnet ist.

Die Austreibungsphase

Die Austreibungsphase beginnt, sobald sich der Muttermund vollständig auf 10 Zentimeter geweitet hat, und endet mit der Geburt des Kindes. Diese Phase kann sehr unterschiedlich lange dauern: von 30 Minuten bis zu zwei Stunden oder länger. Bei Mehrgebärenden kann sie auch nur 10 bis 20 Minuten betragen.

Die Presswehen sind in dieser Phase um einiges stärker und kommen alle 2 bis 4 Minuten, dauern 60 bis 90 Sekunden. Auf dem Weg in Richtung Beckenboden dreht sich der Kopf des Kindes. Wenn der Kopf des Kindes sichtbar bleibt und zwischen den Wehen nicht mehr zurückgeht, steht die Geburt kurz bevor. Das Pressen kann dazu führen, dass etwas Urin abgeht oder der Darm entleert wird, da die Beckengegend und der Enddarm entspannt sind.

Mit jeder Presswehe wird das Kind sanft und gleichmäßig weiter herausgedrückt. Bei einer unkomplizierten Geburt überwacht die Hebamme oder der Geburtshelfer die Geburt des kindlichen Kopfes, um einen tiefen Dammriss oder Dammschnitt zu vermeiden. Manchmal wird auch der Damm massiert, um ihn vorsichtig über das Köpfchen zu dehnen. Kleine Risse unter der Geburt sind normal und bedürfen keiner weiteren Behandlung.

Phasen der Geburt – Hebammen des Marien Hospital Herne erklären Geburtsphasen am Beckenmodell

Die Nachgeburt

Die Nachgeburtphase ist die dritte Geburtsphase und dauert von der Geburt des Kindes bis zur Ausstoßung der Plazenta zusammen mit der Nabelschnur und den Eihäuten. Diese Organe werden auch als Nachgeburt bezeichnet.

Um diesen Vorgang zu beschleunigen, wird in vielen Krankenhäusern das Hormon Oxytocin verabreicht. Kontraktionen, die leichten Wehen ähneln, sorgen dafür, dass der Mutterkuchen abgestoßen wird und sich die Gebärmutter anschließend zusammenzieht. Viele Frauen nehmen diesen Vorgang kaum bewusst wahr, da ihre Aufmerksamkeit ganz dem Neugeborenen gilt.

Muttermundöffnung: Die Maße und ihre Bedeutung

Der Muttermund, der untere Teil des Gebärmutterhalses, ist normalerweise fest verschlossen. Im Verlauf der Geburt öffnet er sich schrittweise.

Wie schnell öffnet sich der Muttermund?

Die Geschwindigkeit der Muttermundöffnung ist sehr individuell. Als Durchschnittswert gilt bei einer Erstgebärenden mit regelmäßiger Wehentätigkeit eine Öffnung von etwa einem Zentimeter pro Stunde. Bei Frauen, die bereits Kinder geboren haben, verläuft die Geburt oft schneller, da sich der Geburtskanal bereits gedehnt hat. Dies kann bedeuten, dass sich der Muttermund zügiger öffnet.

  • 1 cm offener Muttermund: Dies kann der Beginn der Latenzphase sein. Es kann noch Stunden oder Tage dauern, bis die Geburt richtig beginnt, insbesondere bei Erstgebärenden.
  • 2 cm offener Muttermund: Dies deutet auf eine fortgeschrittenere Latenzphase oder den Beginn der aktiven Eröffnungsphase hin.
  • 3 cm offener Muttermund: Oft wird dies als Beginn der aktiven Eröffnungsphase betrachtet.
  • 4 cm offener Muttermund: Die aktive Eröffnungsphase ist in vollem Gange.
  • 8 cm offener Muttermund: Die Übergangsphase beginnt, die Schmerzen nehmen zu.
  • 10 cm offener Muttermund: Dies ist die vollständige Öffnung, die Austreibungsphase beginnt.

Es ist wichtig zu verstehen, dass dies Durchschnittswerte sind und jede Geburt einzigartig ist. Manche Frauen haben Wehen bei einer geringeren Öffnung, andere erst bei einer fortgeschrittenen. Die Wehen der Eröffnungsphase sind es, die den Muttermund von seinem ursprünglichen Zustand bis zur vollständigen Öffnung von etwa 10 cm erweitern.

Vergleich von verschiedenen Muttermundöffnungen in Zentimetern

Maßnahmen zur Muttermundöffnung und Geburtsförderung

Es gibt verschiedene Ansätze, die den Geburtsverlauf positiv beeinflussen können:

  • Bewegung: Spaziergänge, Treppensteigen oder gymnastische Übungen können den Beckenboden lockern und das Baby in die richtige Position bringen.
  • Entspannungstechniken: Atemübungen und Massagen helfen, mit Schmerzen umzugehen und den Körper zu entspannen.
  • Wasseranwendungen: Ein warmer Wasserstrahl kann schmerzlindernd und entspannend wirken.
  • Muttermundmassage und Akupunktur: Diese Methoden können von einer Hebamme angewendet werden, um die Geburt zu fördern.
  • Sexuelle Aktivität: Kann die Produktion von Oxytocin anregen, einem Hormon, das Wehen auslöst.
  • Baden: Ein warmes Bad kann helfen, Wehen einzuleiten, wenn das Baby bereit ist.

Es ist ratsam, so lange wie möglich in einer angenehmen Umgebung zu verweilen, bevor man ins Krankenhaus fährt, um die Entspannung zu fördern.

Überwachung während der Geburt

Die Kardiotokografie (CTG) ist ein wesentlicher Bestandteil der klinischen Geburtsüberwachung. Es ist nicht invasiv und hilft, Notfallsituationen frühzeitig zu erkennen. Moderne Telemetrie-CTG-Geräte ermöglichen den Frauen mehr Bewegungsfreiheit.

Das CTG zeichnet die Regelmäßigkeit und Kraft der Wehen sowie die Reaktion der kindlichen Herzfrequenz auf die Wehen auf. Eine normale Reaktion zeigt eine Erhöhung (Akzeleration) oder einen kurzen Abfall (Frühdezeleration) der Herzfrequenz. Ein gefährliches Zeichen für Sauerstoffmangel ist ein verspäteter und länger anhaltender Abfall der Herzfrequenz (Spätdezeleration).

Bei Verdacht auf Sauerstoffmangel kann eine Fetalblutanalyse durchgeführt werden, um die Sauerstoffsättigung des kindlichen Blutes zu messen. Der pH-Wert des Blutes ist hierbei entscheidend.

Der Dammschnitt (Episiotomie)

Ein Dammschnitt kann erforderlich sein, wenn sich der Damm (das Gewebe zwischen Scheide und After) nicht ausreichend dehnen kann, um den Kopf des Babys ohne Einreißen des Gewebes hindurchzulassen. Heutzutage versuchen Geburtshelfer und Hebammen zunehmend, Dammschnitte zu vermeiden, da Risse oft besser verheilen.

Faktoren, die einen Dammschnitt notwendig machen können, sind:

  • Die Notwendigkeit einer schnellen Geburt, z. B. bei fetaler Mangelversorgung mit Abfall der kindlichen Herztöne.
  • Die Durchführung einer Zangen- oder Saugglockengeburt.

Die Episiotomie wird meist unter örtlicher Betäubung durchgeführt und mit Fäden genäht, die sich selbst auflösen. Nach der Geburt können Sitzbäder, Kühlungen oder schmerzlindernde Medikamente helfen, die Heilung zu unterstützen. Vorsorglich können Frauen während der letzten Schwangerschaftswochen Damm-Massagen oder Dehnungsübungen durchführen.

Illustration der Anatomie des Damms und möglicher Rissbereiche

tags: #ab #wieviel #muttermund #mundoffnung