Jod ist ein essenzielles Spurenelement, das für die Produktion der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) unerlässlich ist. Während der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Jod aufgrund verschiedener Faktoren, darunter der erhöhte Grundumsatz, die verstärkte Jodausscheidung über den Urin und der Jodbedarf des ungeborenen Kindes, dessen Schilddrüse ab der 12. Schwangerschaftswoche beginnt, eigene Hormone zu produzieren.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Schwangere eine tägliche Jodzufuhr von 220 µg/Tag, während für nicht-schwangere Erwachsene 150 µg/Tag empfohlen werden. Die Nationale Verzehrsstudie II zeigt jedoch eine Jod-Unterversorgung in Deutschland auf. Ohne die Verwendung von jodiertem Speisesalz erreichen 90 % der Frauen die empfohlene Zufuhr nicht. Selbst bei Berücksichtigung von jodiertem Speisesalz in allen Rezepturen unterschreiten noch 26 % der Frauen die Referenzwerte. Besonders schlecht versorgte Frauen nehmen nur etwa 91 µg Jod pro Tag auf, was einem Fehlbetrag von 39 % unter dem Referenzwert entspricht.

Die Bedeutung von Jod für die Entwicklung des Kindes
Jod ist entscheidend für die Synthese der Schilddrüsenhormone, welche zahlreiche Stoffwechselprozesse steuern. Besonders wichtig ist Jod für die Gehirnentwicklung und die kognitive Leistungsfähigkeit des Kindes, vor allem im ersten Lebensdrittel. Ab dem zweiten Trimenon ist die Plazenta für Schilddrüsenhormone nicht mehr durchlässig, sodass das Kind auf die eigene Hormonproduktion angewiesen ist.
Ein Jodmangel kann eine Struma (Schilddrüsenvergrößerung) bei Mutter und Kind verursachen. Obwohl die Einführung von Jodsalz die Häufigkeit von Strumen in Deutschland deutlich reduziert hat, weisen immer noch etwa 10-20 % der Erwachsenen, darunter Frauen im gebärfähigen Alter, eine vergrößerte Schilddrüse auf.
Weltweit ist ein schwerer Jodmangel die häufigste vermeidbare Ursache für geistige Beeinträchtigungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betrachtet Jodmangel während der Schwangerschaft als die wichtigste vermeidbare Ursache für einen Hirnschaden des Kindes. Studien zeigen, dass Kinder von Müttern mit Jodmangel in der Schwangerschaft schlechtere Ergebnisse in sprachlichen Intelligenztests und Lese-Tests aufweisen können.
Deutschland im Jodmangel: Die unterschätzte Gefahr für unsere Gesundheit I ARD Gesund
Empfehlungen zur Jodversorgung in der Schwangerschaft
Die WHO empfiehlt für Schwangere und Stillende eine tägliche Jodaufnahme von 250 Mikrogramm (µg). Da mit der Nahrung täglich etwa 100 µg aufgenommen werden, wird empfohlen, zusätzlich 100-150 µg Jod pro Tag über Supplemente einzunehmen. Dies kann beispielsweise durch eine Tablette erfolgen.
Seefisch, Meeresfrüchte und Milchprodukte sind die wichtigsten Jodlieferanten. Bei der Verwendung von Speisesalz wird empfohlen, auf jodiertes Speisesalz zurückzugreifen. Algen- oder Tangpräparate sollten vermieden werden, da ihr Jodgehalt schwanken kann. Ebenso sollte eine Mehrfachsupplementierung durch Kombinationspräparate vermieden werden, wenn Jod bereits in anderen Schwangerschaftsvitaminen enthalten ist.
Schilddrüsenerkrankungen und Jod in der Schwangerschaft
Neben einer ausreichenden Jodversorgung ist auch die Behandlung von Schilddrüsenfunktionsstörungen vor und während der Schwangerschaft wichtig. Ein Mangel an Schilddrüsenhormonen kann zu einer unzureichenden Entwicklung des ungeborenen Kindes führen.
Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
Frauen mit einer Hypothyreose, die mit Hormonen behandelt werden, folgen in Schwangerschaft und Stillzeit den gleichen Empfehlungen für die Jodzufuhr (100-150 µg über Supplemente). Sowohl das Jod aus der Ernährung als auch aus synthetischen Schilddrüsenhormonen steht dem Ungeborenen ausreichend zur Verfügung.
Eine milde (latente) Hypothyreose wird während der Schwangerschaft in der Regel nicht behandelt. Bei einigen Schwangeren können sich die Symptome im 2. und 3. Trimenon sogar bessern, da das Immunsystem weniger aktiv ist.
Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)
Bei einer bestehenden Schilddrüsenüberfunktion während der Schwangerschaft ist eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt vor einer Jodsupplementierung unbedingt erforderlich. Die Überfunktion wird standardmäßig mit Thyreostatika behandelt, die jedoch schädliche Nebenwirkungen haben können. Andere Behandlungsmethoden wie Radioiodtherapie oder Operation sollten vor der Schwangerschaft in Erwägung gezogen werden.
Autoimmunthyreoiditis und Postpartum-Thyreoiditis
Die Autoimmunthyreoiditis ist eine durch fehlgeleitete körpereigene Abwehr ausgelöste Entzündung der Schilddrüse. Jede sechste Frau hat eine erbliche Veranlagung dafür. Bei bis zu zehn Prozent der Schwangeren können Schilddrüsen-Autoantikörper nachgewiesen werden.
Auch nach der Geburt können Schilddrüsenstörungen auftreten. Eine Postpartum-Thyreoiditis (Wochenbett-Schilddrüsenentzündung) entsteht meist aufgrund hormoneller Umstellungen und klingt in der Regel innerhalb eines Jahres ab. In seltenen Fällen können jedoch anhaltende Funktionsstörungen zurückbleiben.
Fragen zur Jodaufnahme und Schilddrüsenfunktion
Es gibt Bedenken hinsichtlich der Einnahme von zu viel Jod. Ein Jodwert im Urin von 417,26 µg/L, bei einem Normalwert zwischen 150-250 µg/L, könnte auf eine erhöhte Zufuhr hindeuten. Ob ein solcher Überschuss ausgeschieden wird oder schaden kann, sollte ärztlich abgeklärt werden.
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion mit einem TSH-Wert von 0.01 und normalen fT3/fT4-Werten, bei gleichzeitiger Einnahme von L-Thyroxin und Jodid 200 µg, ist eine genaue Überwachung durch den Arzt notwendig. Es gibt unterschiedliche Empfehlungen bezüglich der Jodeinnahme bei bestimmten Schilddrüsenwerten, daher ist eine individuelle ärztliche Beratung unerlässlich.
Die Fachgesellschaften empfehlen die Messung von TSH und fT4 bereits zu Beginn der Schwangerschaft (etwa in der sechsten Woche), um Schilddrüsenfunktionsstörungen frühzeitig zu erkennen. Die Kosten für diesen Test werden jedoch nicht immer von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
