Während der Schwangerschaft durchläuft der Körper zahlreiche Veränderungen, die sich auch auf den Geschmackssinn auswirken können. Viele Frauen bemerken einen veränderten Geschmack im Mund, der von leicht unangenehm bis hin zu Ekel erregend reichen kann. Diese Veränderungen sind in der Regel harmlos und vorübergehend, können aber für die werdende Mutter sehr belastend sein.
Dysgeusie: Der metallische oder bittere Geschmack im Mund
Ein häufiges Phänomen während der Schwangerschaft ist die sogenannte Dysgeusie. Viele Schwangere beschreiben das Gefühl, als ob sie Tinte, Metall, Geldmünzen oder Alufolie im Mund hätten. Dieser bittere oder metallische Geschmack kann dazu führen, dass gewohnte Speisen und Getränke wie Tee oder Kaffee ihren gewohnten Geschmack verlieren und unangenehm schmecken. In einigen Fällen entwickeln Frauen sogar eine Abneigung gegen bestimmte Lebensmittel, Getränke oder Gerüche, die sie normalerweise mögen, wie zum Beispiel Parfums.
Die Ursache für Dysgeusie wird hauptsächlich im veränderten Hormonhaushalt während der Schwangerschaft vermutet. Insbesondere der erhöhte Östrogenspiegel scheint den Geschmacks- und Geruchssinn erheblich zu beeinflussen. Diese hormonellen Schwankungen können dazu führen, dass der Körper bestimmte Gerüche als zu intensiv wahrnimmt und dies unter Umständen sogar Übelkeit auslöst. Ursprünglich war dies eine Schutzmaßnahme des Körpers, um verdorbene Nahrung leichter erkennen und vermeiden zu können.
Die Dysgeusie tritt häufiger im ersten Trimester der Schwangerschaft auf und verschwindet in der Regel im Laufe des zweiten Trimesters wieder. Dies ist ein ganz normales Phänomen und kein Grund zur Beunruhigung.

Pica: Der Drang, Ungewöhnliches zu essen
Neben den Geschmacksveränderungen berichten viele Frauen auch von starken Heißhungerattacken auf bestimmte Speisen oder Getränke. Manchmal beziehen sich diese Gelüste sogar auf nicht essbare Substanzen wie Dreck, Kohle oder Lehm. Dieser Drang, ungewöhnliche Dinge zu essen, wird als Pica-Syndrom bezeichnet. Es wird vermutet, dass Pica in einigen Fällen mit einem Mangel an Eisen, Zink oder Kalzium zusammenhängen kann. Die Lust auf Eiswürfel könnte beispielsweise ein Anzeichen für Eisenmangel sein. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass dies eher eine Assoziation als eine nachgewiesene Ursache ist und weitere Forschung benötigt wird.
Weitere Geschmackveränderungen während der Schwangerschaft
Manche Schwangere bemerken auch einen süßlichen oder sauren Geschmack im Mund, der oft nach dem Essen oder Trinken auftritt. Dieser saure Geschmack kann sich sehr widerlich anfühlen und nur kurzfristig durch Kaugummi oder Bonbons gelindert werden. Einige Frauen empfinden es, als hätten sie eine Zitrone im Mund. Der saure Geschmack kann durch die erhöhte Magensäure während der Schwangerschaft entstehen, insbesondere wenn viel erbrochen wird, da die Magensäure die Zähne angreifen kann.
Einige Frauen berichten auch von einem chemischen Geschmack im Mund, der insbesondere nach dem Verzehr von bestimmten Lebensmitteln, wie beispielsweise Salat mit Zitronen-Dressing, auftreten kann. Auch nach dem Gebrauch von Parfüm oder Aftershave durch den Partner können solche Empfindungen auftreten.
Ein selteneres, aber ebenfalls berichtetes Phänomen ist ein eitrig wirkender Geschmack im Mund, der auch nach einer Corona-Infektion auftreten kann. Dies kann mit den Nebenhöhlen oder Zähnen zusammenhängen. In solchen Fällen ist es ratsam, einen Zahnarzt und einen HNO-Arzt aufzusuchen.
Mögliche Linderung bei Geschmacksstörungen
Es gibt verschiedene Strategien, um die unangenehmen Geschmacksempfindungen während der Schwangerschaft zu lindern:
- Säurehaltige Lebensmittel: Säurehaltige Lebensmittel können helfen, den bitteren oder metallischen Geschmack auszugleichen. Dazu gehören saure Süßigkeiten zum Lutschen, Zitrussäfte und in Essig marinierte Nahrungsmittel wie Gewürzgurken. Diese fördern die Speichelproduktion, was den unangenehmen Geschmack mildern kann.
- Zuckerfreie Kaugummis und Lutschbonbons: Das Kauen von zuckerfreien Kaugummis oder das Lutschen von Bonbons kann den metallischen Geschmack überdecken und die Speichelproduktion anregen.
- Scharfe Speisen: Scharfe Lebensmittel können ebenfalls helfen, den Geschmack auszugleichen, indem sie die Geschmacksknospen stimulieren.
- Gute Mundhygiene: Regelmäßiges Zähneputzen, die Verwendung von Zahnseide und Mundwasser können zur Verbesserung des Geschmacks im Mund beitragen.
- Obst: Das Schälen und Zerkauen eines Apfels kann ebenfalls helfen, den Geschmack zu neutralisieren.
Viele dieser Veränderungen sind auf die hormonellen Umstellungen zurückzuführen und verschwinden nach der Geburt wieder. Sollten die Beschwerden jedoch sehr stark sein oder von anderen besorgniserregenden Symptomen begleitet werden, ist es ratsam, eine Ärztin oder einen Arzt zu konsultieren.