Die Kaiserschnittrate in Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen. Im Jahr 2023 lag sie bei knapp einem Drittel (32,6 Prozent) aller Entbindungen in Krankenhäusern, was mehr als einer Verdoppelung seit 1991 entspricht. Während viele Frauen sich Sorgen um ihr Kind machen und daher einen Kaiserschnitt bevorzugen, wird oft übersehen, dass der natürliche Geburtsverlauf für das Neugeborene vorteilhaft sein kann. Die Wehen und der Geburtsvorgang unterstützen die Umstellung des kindlichen Stoffwechsels und bereiten die Lungen auf das Leben außerhalb des Mutterleibs vor. Ein Kaiserschnitt unterbricht diesen Prozess abrupt, was dazu führen kann, dass Babys nach der Geburt Schwierigkeiten haben und Beatmung oder Intensivpflege benötigen.

Langfristige Risiken und Komplikationen nach Kaiserschnitten
Obwohl ein geplanter Kaiserschnitt bei gutem Gesundheitssystem heute meist unkompliziert verläuft, können sich Schwierigkeiten im Anschluss ergeben. Ein signifikantes Risiko, das mit jedem Kaiserschnitt steigt, ist die Verschiebung der Plazenta. Dies macht jede weitere Geburt für die Mutter gefährlicher.
Für manche Frauen kann eine Schwangerschaft nach einem Kaiserschnitt erschwert sein. Die Narbe in der Gebärmutter kann zu Verwachsungen führen, die eine erneute Empfängnis erschweren. Selbst wenn eine Schwangerschaft ohne Probleme verläuft, birgt die Narbe Risiken. Bei einer natürlichen Geburt können die Anstrengungen dazu führen, dass die Narbe reißt. Wenn zwischen den Geburten mehr als zwei Jahre liegen, sinkt dieses Risiko unter ein Prozent.
Es ist wichtig zu betonen, dass auch Zwillingsschwangerschaften und Kinder in Beckenendlage oft auf natürlichem Wege geboren werden können. Der Druck, Frauen weniger Zeit für die Geburt zu lassen und häufig sofort einen Wehentropf zu verabreichen, sowie die drastisch gesunkene Zahl von Hebammen in Deutschland, tragen zur steigenden Kaiserschnittrate bei.
Wirtschaftliche Aspekte und internationale Vergleiche
Kaiserschnitte sind in den meisten Ländern teurer als natürliche Geburten. In Deutschland können Ärzte für einen Kaiserschnitt etwa 1000 Euro mehr abrechnen als für eine natürliche Geburt. Obwohl der Eingriff auch für das Krankenhaus kostspieliger ist, sind Kaiserschnitte besser planbar, was für die Geschäftsleitung wirtschaftlich vorteilhaft ist.
Im Gegensatz dazu ist die Kaiserschnittrate in vielen Ländern Subsahara-Afrikas extrem niedrig. Länder wie Niger, Tschad, Äthiopien, Burkina Faso und Madagaskar verzeichnen die geringsten Kaiserschnittraten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt einen Kaiserschnittanteil von zehn bis 15 Prozent, der der Anzahl der Geburten mit Komplikationen entspricht, die durch einen Kaiserschnitt vermieden werden können.
Eine WHO-Studie, die Geburten in 137 Ländern verglich, zeigte, dass entweder zu oft zum Skalpell gegriffen wird (wie in Deutschland, Ägypten, der Türkei und den USA) oder viel zu selten. Besonders alarmierend ist, dass in Ländern mit den meisten Geburten die wenigsten Kaiserschnitte durchgeführt werden, was vor allem auf finanzielle Gründe zurückzuführen ist.
Kaiserschnitt | Die Geburt der Zukunft? | Doku | SRF Dok
Risiken für die Mutter nach einem Kaiserschnitt
Ein Kaiserschnitt ist ein operativer Eingriff, der stets mit gewissen Risiken verbunden ist. Frauen sind bei einem Kaiserschnitt einem dreimal höheren Risiko ausgesetzt, bei der Geburt zu sterben, als bei einer natürlichen Geburt. Dennoch war das Risiko, an einem Kaiserschnitt zu sterben, noch nie so gering wie heute. In Deutschland liegt die Müttersterblichkeit bei Kaiserschnitten bei etwa 0,04 Promille (eine von 25.000 Frauen). Das Risiko eines Notfalleingriffs ist dabei deutlich höher als bei einem geplanten Kaiserschnitt.
Nach einem Kaiserschnitt muss nicht jede weitere Geburt ebenfalls per Kaiserschnitt erfolgen. Heutige Kaiserschnitte werden in der Regel mit einem horizontalen Schnitt in der Gebärmutter durchgeführt, was das Risiko eines Risses in einer Folgeschwangerschaft oder unter der Belastung einer vaginalen Geburt verringert. Gegenüber einer vorangegangenen natürlichen Geburt ist dieses Risiko zwar mit etwa 0,6% leicht erhöht, aber tragbar, sodass Frauen bei einem ansonsten unkomplizierten Verlauf eine vaginale Geburt versuchen können.
Bei einem zweiten Kaiserschnitt kann die alte Narbe entfernt werden, um später nur eine Narbe zu hinterlassen. Wurden jedoch mehrere Kaiserschnitte durchgeführt, steigt die Gefahr von Komplikationen wie Narbenrissen, Verwachsungen des Mutterkuchens mit der Gebärmutter oder Verwachsungen des Narbengewebes.
Einfluss auf Stillen und Schmerzmanagement
Das Stillen nach einem Kaiserschnitt ist in der Regel nicht beeinträchtigt, jedoch kann der Milcheinschuss etwas verzögert eintreten, oft um einen Tag. Wurde die Frau mittels PDA operiert, kann das Kind bald nach der Geburt angelegt werden, was auch für das Bonding wichtig ist. Die Hoffnung, den Geburtsschmerz zu umgehen, wird jedoch durch die Schmerzen des Bauchschnitts nach der Operation getrübt. Die Heilung der Wunde, die durch mehrere Gewebeschichten geht, benötigt Zeit.
Mütter, die auf natürlichem Wege entbinden, sind meist schneller wieder auf den Beinen und können sich besser auf ihr Neugeborenes konzentrieren als Frauen nach einem Kaiserschnitt. Nach einem Kaiserschnitt benötigen Patientinnen Hilfe und Schonung und verbleiben im Schnitt etwa eine Woche länger im Krankenhaus. Schmerzmittel, die mit dem Stillen vereinbar sind, stehen zur Verfügung. Das Aufstehen kurz nach dem Eingriff ist jedoch wichtig, um das Risiko einer Embolie zu minimieren, das für einen Teil der erhöhten Sterblichkeit nach Kaiserschnitten verantwortlich ist.
Psychische Folgen eines Kaiserschnitts
Während Frauen, die auf natürliche Weise entbinden, oft mit Problemen wie Beckenbodenschwäche, Dammschnitten oder traumatischen Geburtserlebnissen zu kämpfen haben, wird dies bei Kaiserschnittmüttern vermieden. Allerdings berichten viele Kaiserschnittgebärende, insbesondere nach einem ungeplanten Eingriff, dass sie Zeit brauchten, um den Eingriff psychisch zu verarbeiten. Manche fühlen sich um das Geburtserlebnis betrogen oder schuldig, es nicht "normal" geschafft zu haben. Auch die Erfahrung, sich nicht sofort selbst um das Kind kümmern zu können, belastet einige Frauen.
Risiken für das Kind nach einem Kaiserschnitt
Kaiserschnittkinder können Probleme entwickeln, die natürlich geborene Kinder nicht haben. Es gibt Hinweise darauf, dass das Risiko für Allergien, Asthma und Zuckererkrankungen bei Kindern, die per Kaiserschnitt geboren wurden, geringfügig erhöht ist. Vermutet wird, dass der fehlende Kontakt des Kindes mit der Keimflora des Geburtskanals hierfür verantwortlich sein könnte.
Das Konzept des "vaginal seeding", bei dem ein in die Scheide eingeführtes Tuch nach dem Kaiserschnitt zum "Impfen" des Kindes mit Scheidenkeimen verwendet wird, wird diskutiert. Aktuelle Studien mit geringer Fallzahl konnten zwar eine Veränderung der Keimflora nach "vaginal seeding" nachweisen, jedoch fehlt der Beweis, dass dies die Rate an Allergien, Asthma oder Zuckererkrankungen senkt. Zudem wird das unkalkulierbare Infektionsrisiko durch krankmachende Keime kritisch angemerkt. Daher wird "vaginal seeding" bis zum Vorliegen weiterer Studien nicht generell empfohlen.

Besondere Risiken bei mehreren Kaiserschnitten
Die Risiken für erneute Kaiserschnitte und Plazentationsstörungen steigen mit der Anzahl der vorherigen Kaiserschnitte. Frauen mit einer oder mehreren Kaiserschnitten sollten engmaschig überwacht werden, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen.
Risiken nach zwei Kaiserschnitten
- Placenta Previa: Bei Frauen mit zwei vorherigen Kaiserschnitten kann das Risiko für Placenta previa auf etwa 5-10 % ansteigen.
- Placenta Accreta: Das Risiko für Placenta accreta kann auf 1-2 % oder mehr ansteigen.
Die Beratung von Frauen nach einem Kaiserschnitt konzentriert sich oft auf die Risiken eines Versuchs der vaginalen Entbindung für den vernarbten Uterus und die Gefahr einer Uterusruptur, anstatt auf die Risiken späterer wiederholter Kaiserschnitte. Nach zwei Kaiserschnitten wird den meisten Frauen eine vaginale Geburt nach Kaiserschnitt (VBAC) nicht mehr angeboten.
Risiken bei drei und mehr Kaiserschnitten
Studien deuten darauf hin, dass Hysterektomien (Gebärmutterentfernungen) mit der Anzahl der Kaiserschnitte zunehmen. Bei drei und mehr Kaiserschnitten steigt das Hysterektomie-Risiko bei Placenta praevia erheblich an. Die Hauptindikationen für diese Eingriffe sind Placenta praevia/accreta, Uterusatonie sowie Rupturen und Risse.
Die Wahrscheinlichkeit von Blutungen, Transfusionen, Adhäsionen und chirurgischen Verletzungen steigt mit der Anzahl der Kaiserschnitte. Auch das Risiko einer vorzeitigen Plazentalösung ist nach Kaiserschnitten erhöht. Mit steigender Kaiserschnittzahl erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Placenta accreta signifikant, insbesondere bei Frauen mit Placenta praevia und früherer Kaiserschnitt-Anamnese.
Eine Obergrenze für die Anzahl zulässiger Kaiserschnitte lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Frauen, die sich große Familien wünschen, sollten umfassend über die Risiken mehrfacher Kaiserschnitte beraten werden. Auch die Möglichkeit einer vaginalen Geburt nach Kaiserschnitt (VBAC) sollte thematisiert werden, insbesondere nach dem ersten Kaiserschnitt.

Die Frage nach der natürlichen Geburt nach Kaiserschnitt
Die Chancen für eine natürliche Geburt nach einem Kaiserschnitt liegen bei etwa 70%. Das größte Risiko ist, dass es dennoch zu einem weiteren Kaiserschnitt kommt. Die gefürchtete Komplikation der Uterusruptur (Gebärmutterriss) ist sehr gering.
Ein Kaiserschnitt sollte nur dann durchgeführt werden, wenn er medizinisch notwendig ist, da er eine Operation mit beachtlichen Nebenwirkungen darstellt. Zwischen zwei Kaiserschnitten sollte mindestens ein Jahr vergehen, um das Risiko eines Uterusrisses zu minimieren. Bis zu vier Kaiserschnitte können theoretisch durchgeführt werden.
Die natürliche Geburt und das Stillen haben beide einen positiven Einfluss auf das Wohl des Kindes. Wenn eine Frau ihr Kind nicht vaginal gebären und nicht stillen kann, ist das Kindeswohl damit nicht zwangsläufig gefährdet.
Diskussion über Wunschkaiserschnitte und medizinische Notwendigkeit
Ein Gynäkologe kann einen Kaiserschnitt nur dann durchführen, wenn die schwangere Frau ausreichend über die Vor- und Nachteile einer normalen Geburt und eines Kaiserschnitts aufgeklärt wurde. Die Geburt soll immer selbstbestimmt sein, und ein Paar, das einen Kaiserschnitt wünscht, hat eigene Gründe dafür.
Es gibt keine Altersbeschränkung für eine natürliche Geburt. Die Kaiserschnittrate in ärmeren Ländern ist deutlich niedriger, was jedoch mit einer höheren Kinder- und Müttersterblichkeit sowie schwerwiegenden Geburtsverletzungen einhergeht. Ein Kaiserschnitt ist dort selten ein Luxuseingriff.
Ein Leistenbruch macht in der Regel im Verlauf der Schwangerschaft weniger Beschwerden, und ein Kaiserschnitt ist nicht zwingend notwendig. Bei einer Streptokokken-B-Infektion wird während der Geburt Antibiotika verabreicht, um schwere Infektionen beim Neugeborenen zu verhindern.
Eine lange natürliche Geburt, auch mit PDA, beeinflusst die Entstehung von Kreidezähnen nicht. Ein Steißbeinbruch nach einer natürlichen Geburt muss bei einer erneuten Geburt nicht befürchtet werden; die Wahrscheinlichkeit, dass die zweite Geburt einfacher verläuft, ist groß.
Starke Angststörungen nach einem sekundären oder Notkaiserschnitt sind ein bekanntes Problem. Die Geburt ist ein außergewöhnliches Ereignis, das viele Frauen nachhaltig beschäftigt und ein Gefühl der Hilflosigkeit auslösen kann. Es ist wichtig, sich in solchen Situationen professionelle Hilfe zu holen.
Die Entbindung in Beckenendlage ist selten, da nur wenige das Kunstwerk beherrschen und Studien eine erhöhte Gefahr für das Kind aufzeigten. Dies führte zu einer vermehrten Durchführung von Kaiserschnitten.
Eine äußere Wendung in der 37. Schwangerschaftswoche kann unter bestimmten Bedingungen eine gute Möglichkeit sein, einen Kaiserschnitt zu verhindern und eine natürliche Geburt zu ermöglichen.
Es gibt Studien, die darauf hindeuten, dass eine Beckenbodenschwäche nicht unbedingt durch einen Kaiserschnitt verhindert werden kann. Bei einer zweiten Geburt mit entsprechender Vorgeschichte ist ein Kaiserschnitt nicht zwangsläufig notwendig, sollte aber bei Wunsch der Frau in Erwägung gezogen werden.
Das "vaginal seeding" hat trotz anfänglicher Hoffnungen bisher keinen eindeutigen Nutzen für das Kind beweisen können und birgt potenzielle Risiken. Es wird daher nicht generell empfohlen.
Bei anhaltenden Schmerzen nach der Geburt, die den Alltag, Sex oder Sport beeinträchtigen, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Die WHO empfiehlt das Stillen im ersten Lebensjahr und darüber hinaus. Stillen bietet einen optimalen Nestschutz durch die Übertragung von Immunkörpern der Mutter. Bei Allergikerinnen wird empfohlen, das Kind in den ersten sechs Monaten voll zu stillen, um das Allergierisiko zu senken.
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