Jede Geburt ist ein einzigartiges Ereignis, das nicht vollständig planbar ist. Dennoch gibt es wichtige Aspekte, die werdende Eltern im Vorfeld klären sollten, um sich bestmöglich auf die Geburt ihres Kindes vorzurufen. Dazu gehören die Wahl des Geburtsortes, die Entscheidung, wer bei der Geburt anwesend sein soll, und die Organisation der Betreuung von Geschwisterkindern.

Die Wahl des Geburtsortes: Klinik, Geburtshaus oder Hausgeburt?
Die Mehrheit der Kinder in Deutschland wird in Krankenhäusern geboren. Laut Statistiken aus dem Jahr 2017 entschieden sich über 90 Prozent der Schwangeren für eine Geburt in einer Geburtsklinik. Dennoch bevorzugen einige Frauen eine Hausgeburt oder eine von Hebammen geleitete Geburt in einem Geburtshaus. Für viele Schwangere ist dabei die Möglichkeit ausschlaggebend, die Geburt natürlich, bewusst und nach eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen erleben zu können, wobei medizinische Interventionen möglichst vermieden werden.
Bei komplizierten Schwangerschaften oder Mehrlingsgeburten wird stets eine klinische Geburt empfohlen. Hebammen informieren umfassend über Ausschlusskriterien für eine außerklinische Geburt.
Geburtskliniken: Vielfalt und Auswahlkriterien
Die Wahl der richtigen Geburtsklinik ist ein wichtiger Schritt in der Geburtsvorbereitung. Eltern sollten sich überlegen, welche Kriterien für sie am wichtigsten sind. Dazu gehören:
- Erreichbarkeit: Ist die Klinik schnell und unkompliziert mit dem Auto oder Taxi erreichbar? Wie verhält es sich bei Verkehrsstaus oder Sperrungen?
- Ausstattung der Geburtszimmer: Gibt es eine Geburtswanne für eine Wassergeburt, einen Geburtshocker oder andere Hilfsmittel zur Unterstützung der Wehenbewältigung?
- Auslastung der Entbindungsstation: Wie hoch ist die Betreuungsquote der Hebammen? Ist die Notfallversorgung durch einen Arzt jederzeit gewährleistet?
- Anschlüsse: Sollte die Klinik über eine angeschlossene Kinderklinik oder eine Neugeborenen-Intensivstation verfügen?
- Statistiken: Wie hoch ist die Kaiserschnittrate? Wie viele Kinder werden dort jährlich geboren?
Viele Geburtskliniken bieten Informationsabende und Führungen an, bei denen werdende Eltern einen Eindruck von den örtlichen Gegebenheiten erhalten und Fragen an Ärzte und Hebammen stellen können.
Geburtskliniken nach Levels: Ein Überblick
Geburtskliniken werden nach ihrem Versorgungsstandard in verschiedene Levels eingeteilt:
- Level 4 (Geburtsklinik): Krankenhäuser mit geburtshilflicher Abteilung ohne spezielle Einrichtung zur Versorgung von Früh- und Neugeborenen. Geeignet für Schwangere ab der 37. Schwangerschaftswoche ohne erwartete Komplikationen.
- Level 3 (Krankenhaus mit perinatalem Schwerpunkt): Ausgelegt für Geburten ab der 33. Schwangerschaftswoche und für Frühgeborene mit einem Gewicht von über 1.500 Gramm. Auch für Schwangere mit insulinpflichtigem Schwangerschaftsdiabetes ohne Gefährdung des Neugeborenen.
- Level 2 (Perinatalzentrum Level 2): Versorgung von Schwangeren mit schweren Schwangerschaftserkrankungen (z. B. HELLP-Syndrom, insulinpflichtiger Schwangerschaftsdiabetes mit Gefährdung des Neugeborenen). Betreuung von Frühgeborenen ab 1250 Gramm und ab der 30. Schwangerschaftswoche.
- Level 1 (Perinatalzentrum Level 1): Höchster Versorgungsstandard für Schwangere mit jeglichen Risiken oder Erkrankungen sowie für sehr kleine Frühgeborene (unter 1250 Gramm oder vor der 29. Schwangerschaftswoche). Auch für Neugeborene, die besondere medizinische Versorgung benötigen, wie bei Fehlbildungen oder Mehrlingsgeburten (Drillinge, Vierlinge).
Ein Verzeichnis aller Perinatalzentren ist auf der Webseite des IQTIG verfügbar.
Geburtshäuser und Hausgeburten: Natürliche Alternativen
Geburtshäuser und Hausgeburten bieten eine Alternative für Frauen, die eine persönlichere und familiärere Atmosphäre bevorzugen. Voraussetzung ist in der Regel, dass keine besonderen medizinischen Risiken für die Schwangerschaft oder Geburt bestehen.
Geburt im Geburtshaus
Geburtshäuser ähneln in ihrer Ausstattung eher einer wohnlichen Umgebung als einem Krankenhaus. Sie sind meist in der Nähe einer Klinik angesiedelt, um im Notfall eine schnelle Verlegung zu ermöglichen. Die Geburt wird von einer Hebamme des Geburtshausteams begleitet, die eine Eins-zu-Eins-Betreuung sicherstellt. Bestimmte schmerzlindernde Verfahren wie eine PDA oder Lachgas sind hier nicht verfügbar, jedoch verfügen Geburtshäuser über medizinische Ausrüstung für Notfälle.
Hausgeburt
Bei einer Hausgeburt findet die Entbindung in der vertrauten Umgebung des eigenen Zuhauses statt. Diese Option wird von Frauen gewählt, die sich dort am sichersten fühlen und gut entspannen können. Auch hier ist eine engmaschige Betreuung durch eine vertraute Hebamme gewährleistet. Für eine Hausgeburt ist eine vorherige Anmeldung in einer Klinik ratsam, um im Notfall vorbereitet zu sein.
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Hebammen und Babylotsen: Unterstützung auf dem Weg zur Geburt
Jede schwangere Frau hat gesetzlichen Anspruch auf eine Hebamme. Diese betreuen und beraten umfassend während der Schwangerschaft, Geburt, im Wochenbett und beim Stillen. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen.
Es gibt verschiedene Plattformen und Vermittlungsdienste, die bei der Suche nach einer Hebamme helfen, wie die Berliner Hebammenvermittlung oder die Ammely-Hebammenplattform, die auch Videosprechstunden anbietet.
In vielen Berliner Krankenhäusern informieren Babylotsinnen und Babylotsen werdende Eltern über Angebote rund um die Geburt.
Anmeldung im Krankenhaus und benötigte Unterlagen
Die Anmeldung im Krankenhaus oder Geburtshaus erfolgt in der Regel einige Wochen vor dem errechneten Geburtstermin, oft um die 30. Schwangerschaftswoche herum. Die genaue Frist kann von Klinik zu Klinik variieren. Obwohl eine formelle Anmeldung nicht zwingend erforderlich ist - jedes Krankenhaus muss eine Frau mit Wehen aufnehmen - erleichtert sie dem Klinikpersonal die Organisation und Vorbereitung auf die individuellen Bedürfnisse der werdenden Mutter.
Bei der Anmeldung wird ein Aufklärungsgespräch geführt, in dem der Verlauf der Schwangerschaft besprochen und eventuell notwendige spezielle Untersuchungen identifiziert werden. Bei Geburtshäusern können auch Schwangerenvorsorgeuntersuchungen bereits durchgeführt werden.
Was Sie zur Geburt mitnehmen sollten
Im Vorgespräch kann erfragt werden, welche Dinge die Einrichtung zur Verfügung stellt und welche persönlichen Gegenstände mitgebracht werden dürfen. Wichtige Utensilien für die Geburt sind:
- Mutterpass
- Versichertenkarte
- Eventuell Einweisungsschein
- Bequeme Kleidung für die Geburt (z. B. ein Shirt)
- Bademantel und warme Socken
- Hausschuhe
- Waschutensilien
- Dinge zur Entspannung
- Etwas zu Essen und zu Trinken
Für die Zeit nach der Geburt sollten bequeme Kleidung, Stillutensilien und natürlich erste Kleidung für das Baby eingepackt werden. Auch bei einer geplanten ambulanten Geburt ist es ratsam, etwas mehr mitzunehmen, falls sich der Geburtsverlauf anders entwickelt.
Wann geht es los? Der Beginn der Geburt
Die Geburt des ersten Kindes dauert typischerweise zwischen zwölf und 18 Stunden. Es ist daher meist nicht notwendig, bei den ersten Wehen sofort ins Krankenhaus zu fahren. Für Erstgebärende wird empfohlen, sich auf den Weg zu machen, wenn die Wehen mindestens eine Minute andauern und in regelmäßigen Abständen von 5 bis 10 Minuten auftreten.
Ein Blasensprung kann ebenfalls den Beginn der Geburt ankündigen. In diesem Fall ist es ratsam, sich vorsichtshalber hinzulegen, sich zur Entbindungseinrichtung fahren zu lassen oder die Hebamme zu kontaktieren. Bei Komplikationen muss schnell gehandelt werden; gegebenenfalls ist ein Krankenwagen zu rufen, der die nächstgelegene Klinik mit Geburtshilfe anfährt.
Wer soll bei der Geburt dabei sein?
Die Entscheidung, wer bei der Geburt anwesend sein soll, hängt von den individuellen Bedürfnissen der Schwangeren ab. Wichtig ist, dass die Anwesenheit der Begleitpersonen die Arbeit des medizinischen Personals nicht behindert. Die Begleitung sollte sich wohlfühlen und die Situation einschätzen können.
Manche Eltern nehmen den Dienst einer Doula in Anspruch. Eine Doula ist eine erfahrene Geburtsbegleiterin, die einfühlsam unterstützt, aber keine medizinischen Funktionen übernimmt und somit die Hebamme nicht ersetzt. Sie hilft bei der Entspannung durch Massagen und ermutigt die Gebärende.

Geburtsplanung in der Klinik: Sprechstunden und medizinische Beratung
Viele Kliniken bieten spezielle Sprechstunden zur Geburtsplanung an, um werdende Eltern umfassend zu informieren und auf individuelle Wünsche einzugehen. Hierbei werden alle Aspekte der bevorstehenden Geburt besprochen, um Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln.
Besondere Situationen und Risiken
Bei Schwangerschaften mit besonderen Risiken, wie Vorerkrankungen der Mutter, Mehrlingsschwangerschaften oder gesundheitlichen Problemen bei Mutter oder Kind, bietet das Perinatalzentrum mit neonatologischer Betreuung die bestmögliche Versorgung. Dies gilt auch für Frühgeborene und Risikokinder.
Pränataldiagnostik: Moderne Methoden zur Früherkennung
Moderne pränataldiagnostische Verfahren ermöglichen eine differenzierte Untersuchung des ungeborenen Kindes. Dazu gehören:
- Ersttrimester-Screening: Einschätzung des Risikos für genetische Auffälligkeiten (z. B. Trisomie 21) mittels Ultraschall und Blutwerten.
- Früher Organultraschall: Ab der 12. Schwangerschaftswoche zur Beurteilung der kindlichen Organentwicklung.
- Sonographische Feindiagnostik: Ab der 20. Schwangerschaftswoche zur detaillierten Darstellung der kindlichen Strukturen.
- Fetale Echokardiographie: Gezielte Beurteilung der kindlichen Herzstruktur und -funktion.
- Invasive Verfahren: Wie Chorionzottenbiopsie (ab 11. SSW) oder Amniozentese (ab 16. SSW) zur Untersuchung des kindlichen Erbguts. Diese Verfahren bergen ein geringes Risiko und werden nur bei medizinischer Indikation durchgeführt.
- Nicht-invasiver Pränataltest (NIPT): Zur Erkennung bestimmter Chromosomenanomalien.
Bei auffälligen Befunden erfolgt eine ausführliche Beratung zu weiteren Schritten und möglichen Behandlungsoptionen. Die Entscheidung für oder gegen eine Untersuchung liegt allein bei den Eltern.

Schmerzlindernde Optionen und geburtshilfliche Maßnahmen
In der Entbindungsplanungssprechstunde werden umfassend alle verfügbaren Methoden zur Schmerzlinderung aufgeklärt, von natürlichen Methoden wie Aromatherapie bis hin zu medikamentösen Lösungen wie der Periduralanästhesie (PDA) oder Lachgas.
Bei Bedarf werden auch geburtshilfliche Maßnahmen wie eine Saugglockenentbindung oder ein Kaiserschnitt besprochen. Ebenso werden mögliche Geburtsverletzungen und deren Behandlung thematisiert.
Besondere Geburtssituationen: Beckenendlage, Mehrlinge und Kaiserschnitt
- Beckenendlage: Wenn das Kind bis zur 37. Schwangerschaftswoche noch in Beckenend- oder Querlage liegt, wird eine individuelle Beratung angeboten. Bei entsprechenden Voraussetzungen ist eine natürliche Geburt möglich. Alternativ kann ein Kaiserschnitt geplant werden. Der Versuch einer äußeren Wendung kann eine natürliche Geburt aus Schädellage ermöglichen.
- Mehrlingsschwangerschaften: Mehrlinge stellen besondere Anforderungen. Ziel ist auch hier eine sichere Geburt, möglichst auf natürlichem Weg. Bei Zwillingsschwangerschaften wird eine Vorstellung in der Risikosprechstunde empfohlen.
- Geburt nach Kaiserschnitt: Die Möglichkeiten einer vaginalen Geburt nach Kaiserschnitt (VBAC) werden individuell besprochen, wobei der Grund für den vorangegangenen Kaiserschnitt eine entscheidende Rolle spielt. Auch ein geplanter Kaiserschnitt ist eine etablierte Alternative.
- Kaisergeburt: Bei dieser speziellen Kaiserschnitt-Variante entbindet die Mutter ihr Kind aktiv mitpressend selbst, was zu einem angenehmeren emotionalen Erleben führen kann.

Geburtsanmeldung und Informationsabende
Die Geburtsanmeldung ist der erste Schritt zu einer sicheren und gut vorbereiteten Geburt. Sie erleichtert die Organisation und stellt sicher, dass das Klinikpersonal auf die Wünsche und Bedürfnisse der werdenden Eltern vorbereitet ist. Bei der Anmeldung können auch wichtige Themen wie Bonding und Stillzeit besprochen werden.
Viele Kliniken bieten Infoabende für werdende Eltern an, bei denen das Team aus Hebammen und Ärzten vorgestellt wird und Informationen rund um Schwangerschaft, Geburt, Stillen und die erste Zeit mit dem Baby gegeben werden. Diese Abende sind auch eine gute Gelegenheit, die Kreißsäle und die Station zu besichtigen.
Die Zeit nach der Geburt: Versorgung und Aufenthalt
Nach der Geburt bleiben Mutter und Kind in der Regel noch einige Stunden im Kreißsaal. Bei einer ambulanten Geburt können Mutter und Kind die Klinik oft schon nach vier Stunden verlassen, sofern beide wohlauf sind und eine nachbetreuende Hebamme zur Verfügung steht.
Bei einem längeren Aufenthalt werden Mutter und Kind meist in einem Zweibett-Zimmer untergebracht. Ein Familienzimmer, in dem der Partner oder die Partnerin über Nacht bleiben kann, ist oft gegen Zuzahlung möglich und kann besonders nach einem Kaiserschnitt eine wertvolle Unterstützung sein.
Kliniken mit dem Zertifikat "Babyfreundlich" legen besonderen Wert auf die Förderung der Bindung zwischen Mutter und Kind sowie auf das Stillen.

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