Eine Fehlgeburt, auch Spontanabort genannt, bezeichnet den Verlust einer Schwangerschaft vor der 20. Schwangerschaftswoche. Fehlgeburten treten relativ häufig auf, insbesondere in der frühen Phase der Schwangerschaft. In vielen Fällen bleibt die genaue Ursache unbekannt. Mögliche Gründe können eine abnormale Entwicklung des Fötus, genetische Anomalien, Geburtsfehler oder gesundheitliche Probleme bei der schwangeren Frau sein. Dazu zählen strukturelle Fehlbildungen der Fortpflanzungsorgane, Infektionen, der Konsum von schädlichen Substanzen wie Alkohol, Nikotin oder Kokain sowie Verletzungen.
Zu den Symptomen einer Fehlgeburt zählen Blutungen und Krämpfe. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine ärztliche Untersuchung, einschließlich einer Ultraschalluntersuchung und einer gynäkologischen Untersuchung. Bei bestätigter Fehlgeburt kann die Frau entscheiden, ob sie das Ausscheiden des Schwangerschaftsgewebes abwartet oder medikamentöse oder operative Unterstützung in Anspruch nimmt.

Definition und Häufigkeit von Fehlgeburten
Schätzungen zufolge enden etwa 10 bis 15 Prozent der bestätigten Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt. Noch häufiger verlaufen Fehlgeburten unbemerkt, da die Frauen zu diesem Zeitpunkt noch keine Kenntnis von ihrer Schwangerschaft haben. Etwa 85 Prozent aller Fehlgeburten ereignen sich in den ersten 12 Schwangerschaftswochen. Die verbleibenden 15 Prozent treten zwischen der 13. und 20. Schwangerschaftswoche auf.
Für betroffene Frauen und ihre Partner ist eine Fehlgeburt oft eine emotional belastende Erfahrung, die Unterstützung durch Angehörige und medizinisches Fachpersonal erfordern kann. Das Risiko einer Fehlgeburt ist bei sogenannten Risikoschwangerschaften erhöht, insbesondere wenn keine angemessene medizinische Versorgung gewährleistet ist.
Ursachen einer Fehlgeburt
In den meisten Fällen ist die Ursache einer Fehlgeburt unbekannt. Fehlgeburten, die in den ersten 10 bis 11 Schwangerschaftswochen auftreten, sind häufig auf chromosomale Störungen des Embryos zurückzuführen. Dieses Risiko ist bei Frauen unter 20 oder über 35 Jahren erhöht.
Weitere Ursachen können sein:
- Anatomische Anomalien des Fortpflanzungstrakts der Frau, wie z.B. Myome in der Gebärmutter, eine zweigeteilte Gebärmutter (Uterus bicornis) oder innere Vernarbungen. Diese können bis zur 20. Schwangerschaftswoche zu einem Abgang führen.
- Infektionen, insbesondere Virusinfektionen wie Zytomegalievirus-Infektionen oder Röteln.
- Chronische Erkrankungen der Frau, z.B. Diabetes oder Autoimmunerkrankungen.
- Gerinnungsstörungen, wie das Antiphospholipid-Syndrom, können zu wiederholten Fehlgeburten (habituelle Aborte) vor der 10. Schwangerschaftswoche führen.
Risikofaktoren für eine Fehlgeburt
Folgende Faktoren können das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen:
- Alter der Mutter: Jüngere (unter 20 Jahre) oder ältere (über 35 Jahre) Mütter.
- Vorherige Fehlgeburten: Mindestens drei aufeinanderfolgende Fehlgeburten (habituelle Aborte).
- Lebensstilfaktoren: Rauchen von Zigaretten, Konsum von Substanzen wie Kokain und Alkohol.
- Mütterliche Erkrankungen: Unkontrollierter Diabetes, Bluthochdruck oder schwere Schilddrüsenerkrankungen während der Schwangerschaft.

Ein schweres körperliches Trauma kann eine Fehlgeburt verursachen, leichte Krafteinwirkungen oder Verletzungen (z.B. durch Ausrutschen oder Sport) sind jedoch in der Regel nicht ursächlich. Ein plötzlicher emotionaler Schock wird ebenfalls nicht mit Fehlgeburten in Verbindung gebracht.
Terminologie rund um den Abort
Der Begriff "Schwangerschaftsabbruch" kann sich auf eine Fehlgeburt beziehen, da der medizinische Fachbegriff Spontanabort lautet. Ein beabsichtigter Schwangerschaftsabbruch wird als eingeleiteter Schwangerschaftsabbruch oder freiwillige Unterbrechung der Schwangerschaft bezeichnet.
Weitere spezifische Begriffe im Zusammenhang mit einem Abort sind:
- Fehlgeburt (Spontanabort): Schwangerschaftsverlust vor der 20. Schwangerschaftswoche.
- Frühabort: Schwangerschaftsverlust vor der 12. Schwangerschaftswoche.
- Spätabort: Schwangerschaftsverlust zwischen der 12. und 20. Schwangerschaftswoche.
- Drohender Abort (Abortus imminens): Blutungen oder Krämpfe in den ersten 20 Wochen der Schwangerschaft, jedoch ohne Öffnung (Dilatation) des Muttermundes.
- Verhaltener Abort (Missed Abortion): Fötaler Tod, der mittels Ultraschall vor der 20. Schwangerschaftswoche festgestellt wird, ohne dass Symptome wie Blutungen oder Schmerzen auftreten.
- Habitueller Abort: Mindestens 3 Fehlgeburten in der Vorgeschichte.
- Septischer Abort (Abortus febrilis): Infektion des Gebärmutterinhalts vor, während oder nach einer Fehlgeburt oder einem eingeleiteten Schwangerschaftsabbruch.
- Totgeburt (Stille Geburt): Fötaler Tod und Entbindung ab der 20. Schwangerschaftswoche.
- Windei (Abortivei): Eine leere Fruchthöhle ohne Embryonalanlage.
Symptome einer Fehlgeburt
Einer Fehlgeburt gehen üblicherweise Scheidenblutungen voraus, die als leichte Schmierblutungen mit hellem oder dunklem Blut auftreten können, aber auch als starke Blutungen. Die Gebärmutter, ein Muskel, zieht sich bei einer Fehlgeburt zusammen und verursacht Krämpfe, was zu einer Öffnung des Muttermundes (Dilatation) führen kann.
Es ist wichtig zu wissen, dass Scheidenblutungen in der frühen Schwangerschaft relativ häufig vorkommen. Bei etwa 25 Prozent der schwangeren Frauen treten mindestens einmal während der ersten 12 Wochen Blutungen auf, von denen nur etwa 12 Prozent zu einer Fehlgeburt führen.
In der Frühschwangerschaft kann das einzige Symptom eine leichte Scheidenblutung sein. In der Spätschwangerschaft können starke Blutungen mit Blutgerinnseln oder Gewebeteilen auftreten. Die Krämpfe intensivieren sich, bis die Gebärmutter sich zusammenzieht und den Fötus sowie die Plazenta ausstößt.
Manchmal stirbt ein Fötus, ohne dass Symptome einer Fehlgeburt auftreten. Dies wird als verhaltener Abort bezeichnet. Ein ausbleibendes Wachstum der Gebärmutter kann auf einen solchen Fall hindeuten und wird oft bei routinemäßigen Ultraschalluntersuchungen entdeckt.
Wenn nach einer Fehlgeburt Fragmente des Fötus oder der Plazenta in der Gebärmutter verbleiben, kann sich eine Infektion entwickeln (septischer Abort). Diese kann schwerwiegend und lebensbedrohlich sein. Eine Frau sollte ärztliche Hilfe aufsuchen, wenn Bauchschmerzen oder Scheidenblutungen einige Tage nach einer Fehlgeburt anhalten oder sich verschlimmern oder wenn Fieber auftritt.
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Diagnose einer Fehlgeburt
Die Diagnose einer drohenden oder eingetretenen Fehlgeburt erfolgt durch:
- Ärztliche Untersuchung: Einschließlich einer Beckenuntersuchung zur Beurteilung des Muttermundes.
- Ultraschalluntersuchung: Mittels transvaginalem Ultraschall (Gerät wird in die Scheide eingeführt) kann die Vitalität des Fötus und der Zustand der Schwangerschaft beurteilt werden.
- Bluttests: Messung des Hormons humanes Choriongonadotropin (hCG), das von der Plazenta produziert wird, zur Bestätigung der Schwangerschaft und zur Überwachung des Ausscheideprozesses.
Bei Blutungen und Krämpfen in den ersten 20 Schwangerschaftswochen prüft der Arzt, ob ein drohender Abort vorliegt. Die Untersuchung des Muttermundes gibt Aufschluss darüber, ob er sich bereits geöffnet hat. Bei einer geöffneten Zervix vor der 20. Schwangerschaftswoche ist eine Fehlgeburt wahrscheinlich.
Bei Verdacht auf einen verhaltenen Abort, d.h. wenn die Gebärmutter nicht zunimmt, können weitere Untersuchungen notwendig sein. Frauen mit wiederholten Fehlgeburten (habituelle Aborte) sollten vor einer erneuten Schwangerschaft ärztlichen Rat einholen. Gegebenenfalls werden bildgebende Verfahren (Ultraschall, Hysteroskopie), Bluttests auf spezifische Erkrankungen oder Gentests durchgeführt, um die Ursache zu ermitteln.
Behandlung einer Fehlgeburt
Die Behandlung einer Fehlgeburt richtet sich nach dem Stadium der Schwangerschaft und dem Zustand der Frau. Mögliche Vorgehensweisen umfassen:
- Keine Behandlung: Wenn das Schwangerschaftsgewebe vollständig ausgeschieden wurde.
- Beobachtung und Abwarten: Bis das Schwangerschaftsgewebe von selbst ausgeschieden wird, mit engmaschiger ärztlicher Kontrolle.
- Medikamentöse Behandlung: Medikamente (z.B. Misoprostol, ggf. mit Mifepriston) können eingenommen werden, um die Austreibung des Schwangerschaftsgewebes zu unterstützen.
- Operatives Verfahren: Eine Ausschabung (Kürettage) oder Saugkürettage zur Entfernung von verbliebenem Schwangerschaftsgewebe aus der Gebärmutter.
- Schmerzmittel: Zur Linderung von Krämpfen und Schmerzen.
- Rho(D)-Immunglobulin: Wird bei Rh-negativen Müttern verabreicht, um eine Rhesus-Unverträglichkeit zu verhindern.
- Emotionale Unterstützung: Psychologische Betreuung und Beratung.
Bei einem drohenden Abort, bei dem die Schwangerschaft noch intakt ist, können einige Ärzte Bettruhe und die Vermeidung anstrengender Aktivitäten empfehlen, obwohl die Wirksamkeit dieser Maßnahmen nicht eindeutig belegt ist.
Bei einem Spätabort (zwischen der 12. und 20. Woche) wird in der Regel nicht zugewartet, bis die Schwangerschaft von selbst abgeht, da dies zu starken Blutungen oder Infektionen führen kann. Die Behandlung erfolgt meist durch ein operatives Verfahren oder medikamentös zur Einleitung von Wehen.

Psychische Unterstützung nach einer Fehlgeburt
Der Verlust eines Kindes durch Fehlgeburt kann tiefgreifende emotionale Auswirkungen haben. Frauen und ihre Partner können Gefühle von Trauer, Betrübtheit, Wut, Schuld oder Angst vor einer erneuten Schwangerschaft erleben.
Trauer ist eine natürliche Reaktion auf den Verlust und sollte nicht unterdrückt werden. Das Sprechen über die Gefühle mit vertrauten Personen kann helfen, diese zu verarbeiten.
Schuldgefühle können entstehen, wenn Frauen glauben, etwas getan zu haben, das die Fehlgeburt verursacht hat. In der Regel ist dies jedoch nicht der Fall. Alltägliche Handlungen vor Bekanntwerden der Schwangerschaft sind selten die Ursache.
Angst vor einer erneuten Schwangerschaft ist verständlich. Obwohl eine Fehlgeburt das Risiko für weitere Aborte leicht erhöhen kann, können die meisten Frauen danach eine gesunde Schwangerschaft austragen. Zusätzliche Untersuchungen sind in der Regel nur bei wiederholten Fehlgeburten notwendig.
Es ist wichtig, dass betroffene Frauen und Paare Unterstützung suchen, sei es durch Gespräche mit Freunden und Familie, Selbsthilfegruppen oder professionelle psychologische Beratung. Auch Hebammen und Entbindungspfleger können in der Nachbetreuung eine wichtige Rolle spielen.
