Schmierblutungen nach Ovitrelle: Ursachen, Behandlung und was Sie wissen müssen

Ovitrelle ist ein Medikament, das in der assistierten Reproduktionsmedizin eingesetzt wird, um den Eisprung auszulösen. Nach der Verabreichung von Ovitrelle können bei manchen Frauen Schmierblutungen auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen, die Behandlung und gibt Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um dieses Thema.

Was ist Ovitrelle und wie wirkt es?

Der Wirkstoff von Ovitrelle ist Choriogonadotropin alpha, ein rekombinantes humanes Choriongonadotropin (hCG), das künstlich im Labor hergestellt wird. Es ahmt den natürlichen LH-Peak nach, der den Eisprung auslöst.

Zusammensetzung und Darreichungsformen

Ovitrelle ist in zwei Formaten erhältlich:

  • Ovitrelle in vorgefüllter Spritze: Enthält 250 µg Alpha-Choriogonadotropin in 0,5 ml Injektionslösung (ca. 6.500 IE).
  • Ovitrelle in vorgeladenem Stift: Ebenfalls 250 µg Alpha-Choriogonadotropin in 0,5 ml Injektionslösung (ca. 6.500 IE). Das vorgeladene Stiftformat ist derzeit am weitesten verbreitet.

Als Hilfsstoffe dienen unter anderem Mannitol, Methionin, verschiedene Phosphate, Poloxamer 188, Phosphorsäure, Natriumhydroxid und Wasser zur Injektion.

Wirkungsweise im Körper

Da Frauen in der Kinderwunschbehandlung oft hormonell supprimiert sind, wird Ovitrelle benötigt, um den Eisprung auszulösen. Es fördert:

  • Die endgültige Reifung der Follikel.
  • Den Eisprung (Freisetzung der reifen Eizelle) etwa 36 bis 48 Stunden nach der Verabreichung. Dies ist entscheidend für die künstliche Befruchtung oder geplante Koitus-Zyklen.
  • Die Bildung des Gelbkörpers, der Östradiol und Progesteron produziert, welche für die Gebärmutterschleimhaut und die Einnistung des Embryos wichtig sind.

Die genaue Einhaltung der ärztlich festgelegten Injektionszeiten ist essenziell, um den Behandlungserfolg nicht zu gefährden.

Indikationen für die Anwendung von Ovitrelle

Ovitrelle wird in verschiedenen Situationen eingesetzt:

  • Bei Anovulation (fehlender Eisprung) oder Oligovulation (wenige Eizellen), häufig im Zusammenhang mit dem polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS).
  • Zur Auslösung des Eisprungs bei künstlicher Befruchtung.
  • Zur Auslösung der Follikelreifung und Planung der Eizellentnahme bei IVF-Zyklen.
  • Zur Unterstützung des Eisprungs bei natürlichen Zyklen für den Transfer von eingefrorenen oder gespendeten Embryonen.

Die Anwendung von Ovitrelle ist nur nach ärztlicher Verordnung und unter ärztlicher Aufsicht gestattet.

Gegenanzeigen und mögliche Risiken

Die Anwendung von Ovitrelle ist nicht für jede Frau geeignet. Kontraindikationen umfassen:

  • Allergien gegen den Wirkstoff oder Hilfsstoffe.
  • Tumoren der Eierstöcke, Gebärmutter, Brüste, des Hypothalamus oder der Hypophyse.
  • Vaginale Blutungen unbekannter Ursache.
  • Eierstockzysten, die nicht durch PCOS bedingt sind.
  • Vorgeschichte einer Eileiterschwangerschaft in den letzten 3 Monaten.
  • Thromboembolische Probleme.

Auch bei Umständen, die eine normale Schwangerschaft verhindern (z.B. primäre Ovarialinsuffizienz, Fehlbildungen der Geschlechtsorgane), kann von der Anwendung abgeraten werden.

Gebrauchsanweisung und Verabreichung

Ovitrelle wird subkutan (unter die Haut) injiziert. Die folgende Anleitung bezieht sich auf den häufig verwendeten vorgefüllten Stift:

Vorbereitung des Stiftes

  1. Kappe abnehmen.
  2. Nadel vorbereiten: Äußere Hülse festhalten, Verriegelungslasche entfernen.
  3. Gewindeende des Stiftes auf die äußere Nadelhülse schrauben, bis die Nadel fest sitzt.
  4. Äußere Nadelabdeckung vorsichtig abziehen.
  5. Stift mit Nadel nach oben halten, grünen Innenschutz vorsichtig entfernen.
  6. Dosis auf '250' einstellen.

Durchführung der Injektion

  1. Injektionsbereich mit Alkohol reinigen.
  2. Haut im Bauchbereich leicht einklemmen.
  3. Nadel langsam und vollständig in die Haut einführen.
  4. Dosis-Einstelltaste vollständig drücken und ca. 5 Sekunden halten, bis die Dosisanzeige auf '0' zurückgeht.
  5. Nadel bei gedrückter Taste langsam herausziehen.

Die korrekte Entsorgung von Nadel und Stift gemäß den Anweisungen des Apothekers ist wichtig.

Schema zur Vorbereitung und Injektion eines Ovitrelle-Pens

Risiken und Nebenwirkungen von Ovitrelle

Wie bei jedem Medikament kann Ovitrelle Nebenwirkungen verursachen:

Häufige Nebenwirkungen

  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Reizungen, Schwellung oder Schmerz im Injektionsbereich
  • Bauchschmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden (Durchfall, Übelkeit)
  • Brustschmerzen
  • Leichtes bis moderates Ovarielles Hyperstimulationssyndrom (OHSS)

Seltenere, schwerwiegendere Nebenwirkungen

Diese können psychiatrische Störungen, allergische Hautreaktionen, Hautausschläge oder andere gesundheitliche Beeinträchtigungen umfassen.

Ovitrelle und Schwangerschaftstest: Das Problem falsch-positiver Ergebnisse

Ovitrelle enthält hCG, das auch von Schwangerschaftstests nachgewiesen wird. Dies kann zu falsch-positiven Ergebnissen führen, wenn der Test zu früh nach der Verabreichung durchgeführt wird.

Der Test misst das Beta-hCG. Da Ovitrelle ebenfalls hCG enthält, kann es fälschlicherweise als Schwangerschaftshormon interpretiert werden.

Daher wird empfohlen, den Schwangerschaftstest mindestens 14 Tage nach der Follikelpunktion oder künstlichen Befruchtung durchzuführen, um dem Körper Zeit zu geben, das Ovitrelle auszuscheiden.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wann und wie wird Ovitrelle verabreicht?

Ovitrelle wird subkutan unter ärztlicher Aufsicht verabreicht, sobald die optimale Follikelgröße erreicht ist, um den Eisprung auszulösen. Dies geschieht in der Regel um die Mitte des Menstruationszyklus.

Wie lange bleibt Ovitrelle im Blut?

Die Halbwertszeit von Ovitrelle beträgt etwa 30 Stunden. Es kann jedoch bis zu 10 Tage nach der Verabreichung zu Abweichungen in Blut- und Urintests kommen, was zu falsch-positiven Schwangerschaftstests führen kann. Daher wird empfohlen, frühestens 11 Tage nach der Verabreichung einen Schwangerschaftstest durchzuführen.

Ist es normal, nach dem Embryotransfer Ovitrelle zu bekommen?

Obwohl Ovitrelle primär zur Auslösung des Eisprungs eingesetzt wird, gibt es Studien, die auf mögliche Vorteile einer Verabreichung nach dem Embryotransfer in IVF-Zyklen hinweisen. Dies ist jedoch noch experimentell.

Setzt die Periode mit Ovitrelle früher ein?

Ovitrelle löst den Eisprung aus. Die Menstruation setzt normalerweise etwa zwei Wochen nach diesem Eisprung ein, es sei denn, eine Schwangerschaft tritt ein. Ovitrelle selbst löst keine vorzeitige Periode aus.

Hat Alkoholkonsum einen negativen Einfluss auf die Wirkung von Ovitrelle?

Alkohol schränkt die Wirkung von Ovitrelle nicht direkt ein. Für eine erfolgreiche Schwangerschaft wird jedoch generell empfohlen, auf Alkohol zu verzichten.

Was kostet Ovitrelle und übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Eine Packung Ovitrelle kostet etwa 55€. Bei Kassenrezept fällt ein Eigenanteil von ca. 5€ an. Die Kostenübernahme durch die Krankenkasse hängt von den jeweiligen Bestimmungen ab.

Sollte Ovitrelle im Kühlschrank oder bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden?

Ovitrelle kann bis zu einem Monat bei Raumtemperatur (unter 25°C) aufbewahrt werden. Danach sollte es zur optimalen Werterhaltung im Kühlschrank (2-8°C) gelagert werden.

Schmierblutungen nach Ovitrelle: Was steckt dahinter?

Schmierblutungen nach der Ovitrelle-Injektion können verschiedene Ursachen haben:

Mögliche Ursachen für Schmierblutungen

  • Hormonelle Umstellung: Ovitrelle löst eine signifikante hormonelle Veränderung im Körper aus, die zu leichten Blutungen führen kann.
  • Reaktion der Gebärmutterschleimhaut: Die durch Ovitrelle stimulierte Gebärmutterschleimhaut kann empfindlicher reagieren.
  • Follikelgröße: Eine sehr große Eizelle kann potenziell zu leichten Blutungen führen.
  • Kontaktblutung: Gelegentlich kann es zu einer Kontaktblutung kommen, beispielsweise nach einer gynäkologischen Untersuchung oder Geschlechtsverkehr.
  • Einnistungsblutung: Wenn eine Schwangerschaft eintritt, kann eine leichte Schmierblutung um den 10. Tag nach dem Eisprung auftreten, wenn sich der Embryo einnistet. Diese ist meist hellrot und minimal.
  • Ovulationsblutung: Manche Frauen erleben leichte Blutungen kurz nach dem Eisprung, wenn der Östrogenspiegel sinkt. Diese sind meist rötlich oder bräunlich gefärbt.

Wann sollte ärztlicher Rat eingeholt werden?

Bei einmaligen, leichten Schmierblutungen besteht oft kein Grund zur Sorge. Wenn die Blutungen jedoch stärker werden, anhalten, schmerzhaft sind oder Sie unsicher sind, ist es ratsam, ärztlichen Rat einzuholen.

Schmierblutungen im Kinderwunsch: Was können sie bedeuten? I Progesteronmangel I Gelbkörperschwäche

Es ist wichtig, die Anweisungen des Arztes zu befolgen und bei Unsicherheiten immer Rücksprache zu halten. Die Unterscheidung zwischen einer Ovulationsblutung, Einnistungsblutung oder dem Einsetzen der Menstruation kann schwierig sein und sollte im Zweifel durch einen Arzt abgeklärt werden.

tags: #schmierblutung #nach #ovitrelle