Leistenbruch bei Säuglingen und Kindern: Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein Leistenbruch, auch Hernia inguinalis genannt, tritt auf, wenn Fettgewebe oder Teile des Darms durch eine Lücke in der Bauchwand in die Leistengegend vorstülpen. Bei Babys und Kindern ist dieser Zustand meist angeboren. Fast 5 von 100 Kindern sind betroffen, wobei Frühgeborene ein erhöhtes Risiko aufweisen.

Diese Information basiert auf den Vorgaben ärztlicher Fachliteratur, medizinischer Leitlinien und aktueller Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Ursachen eines angeborenen Leistenbruchs

Die Ursache für einen Leistenbruch bei Säuglingen und Kindern ist eine angeborene Schwäche der Bauchwand. Diese Schwäche entsteht, wenn sich die natürliche Verbindung zwischen Bauchraum und Leiste, die während der Embryonalentwicklung angelegt wird, nicht vollständig schließt. Beim Jungen wandern die Hoden in der Schwangerschaft von der Bauchhöhle durch den Leistenkanal in den Hodensack. Bleibt dieser Kanal offen, kann sich Bauchinhalt hindurchdrücken.

Jungen sind etwa 4- bis 8-mal häufiger von einem Leistenbruch betroffen als Mädchen. Dies wird darauf zurückgeführt, dass die Hodenentwicklung bei Jungen mit einem Abstieg durch den Leistenkanal verbunden ist, was die Wahrscheinlichkeit einer offenen Verbindung erhöht.

Im Gegensatz dazu ist ein Leistenbruch bei Erwachsenen häufig die Folge von Bindegewebsschwäche, Operationen oder einem ständigen Druckanstieg im Bauchraum.

Schema der Embryonalentwicklung des Leistenkanals bei Jungen

Symptome und Erkennung eines Leistenbruchs

Das typischste Symptom eines Leistenbruchs ist eine kugelige Schwellung in der Leistengegend, die an eine Beule erinnert. Diese Schwellung stellt den sogenannten Bruchsack dar.

Manchmal zeigt sich der Leistenbruch nur unter bestimmten Bedingungen:

  • Wenn das Baby oder Kind schreit
  • Beim Pressen (z. B. beim Stuhlgang)
  • Beim Husten
  • Im aufrechten Stand

Eine bereits sichtbare Schwellung kann durch Anstrengung oder Weinen größer werden. Manchmal rutscht die Schwellung im entspannten Zustand zurück und ist dann nicht mehr sichtbar.

Wenn der Bruchsack nach unten wandert, kann sich der Leistenbruch auch wie folgt äußern:

  • Bei Jungen als geschwollener Hodensack
  • Bei Mädchen als geschwollene Schamlippe

Die Diagnose eines Leistenbruchs wird in der Regel durch eine körperliche Untersuchung gestellt. Gegebenenfalls kann eine Ultraschalluntersuchung zur Bestätigung herangezogen werden.

Der Wasserbruch (Hydrozele) als verwandte Erkrankung

Der Wasserbruch (Hydrozele) hat einen ähnlichen Ursprung wie der Leistenbruch. Hierbei ist die Öffnung im Leistenkanal kleiner, und es sammelt sich Bauchwasser anstelle von Darm oder Fettgewebe im Bruchsack.

  • Bei Jungen zeigt sich ein Wasserbruch als wechselnd vergrößerter Hodensack, der leicht bläulich erscheinen kann.
  • Bei Mädchen tritt er seltener als sogenannte Nuck'sche Cyste auf.

Im Gegensatz zum Leistenbruch besteht bei einer Hydrozele die Chance, dass sie sich von selbst verschließt. Oft wird zunächst abgewartet und die Schwellung beobachtet, bevor eine Operation in Erwägung gezogen wird.

Komplikationen: Die Einklemmung (Inkarzeration)

Solange der Bruchinhalt (z. B. Darm) wieder in den Bauchraum zurückgleiten kann, verursacht der Leistenbruch oft keine oder nur geringe Beschwerden. Mit der Zeit kann die Schwellung jedoch zunehmen.

Eine ernsthafte Komplikation ist die Einklemmung (Inkarzeration). Dabei ist Bauchgewebe, ein Teil des Darms oder bei Mädchen möglicherweise ein Eierstock im Bruchsack gefangen und kann nicht mehr zurückgeschoben werden. Dies stellt einen medizinischen Notfall dar.

Anzeichen einer akuten Einklemmung sind:

  • Starke Schmerzen beim Baby oder Kind
  • Die Schwellung wird fester und kann sich rot verfärben
  • Die Durchblutung des eingeklemmten Gewebes kann stark eingeschränkt sein, was zum Absterben des Gewebes führen kann.
  • Bei eingeklemmtem Darm können Übelkeit, Erbrechen, Blähungen und Fieber auftreten.

Eine eingeklemmte Hernie muss schnellstmöglich operiert werden, um lebensbedrohliche Folgen zu verhindern.

Illustration einer eingeklemmten Leistenhernie mit roter, fester Schwellung

Behandlung des Leistenbruchs bei Kindern

Ein Leistenbruch bei Babys und Kindern wird immer operativ behandelt, auch wenn die Beschwerden gering sind oder ganz fehlen. Dies ist notwendig, da sich der Bruch nicht von selbst zurückbildet und das Risiko einer Einklemmung besteht.

Zeitpunkt der Operation

Generell gilt: Je früher nach der Diagnose operiert wird, desto besser. Die genaue Dringlichkeit hängt vom Alter des Kindes und der Schwere des Bruchs ab:

  • Bei geringen Beschwerden findet die Operation meist innerhalb eines Monats nach der Diagnose statt.
  • Bei Schmerzen (sofern keine Einklemmung vorliegt) ist eine Operation innerhalb von 1 bis 2 Tagen ratsam.
  • Bei einer Einklemmung ist eine sofortige Operation zwingend erforderlich.

Bei sehr jungen oder frühgeborenen Kindern wird die Operationsindikation sorgfältig abgewogen, da die Narkose ein höheres Risiko darstellen kann. Andererseits sind jüngere Babys häufiger von Komplikationen betroffen.

Der operative Eingriff

Eine Leistenbruch-Operation bei Kindern ist meist ambulant möglich, das heißt, das Kind kann am selben Tag nach Hause entlassen werden. Jüngere Säuglinge (unter sechs Monaten) werden oft für eine kurze stationäre Überwachung nach der Operation aufgenommen.

Vor der Operation erhält das Kind in der Regel eine Vollnarkose. Manchmal wird zusätzlich eine lokale Betäubung im Operationsgebiet zur Schmerzlinderung eingesetzt.

Während des Eingriffs schiebt die Chirurgin oder der Chirurg den Bruchinhalt zurück in die Bauchhöhle. Anschließend wird die Bauchwand sorgfältig durch Verschließen der Lücke mit eigenem Körpergewebe (Vernähen) korrigiert. Ein Netz wird bei Kindern in der Regel nicht eingesetzt.

Die Operation wird meist durch einen kleinen Hautschnitt in der Leiste durchgeführt. Alternativ kann auch eine minimalinvasive Methode (Laparoskopie) zum Einsatz kommen, wobei die Wahl des Verfahrens von der Klinik und dem individuellen Fall abhängt.

Die Operationszeit beträgt in der Regel nur etwa 20 bis 30 Minuten.

Leistenbruch Operation | Netz oder Naht ? Operative Versorgungsmöglichkeiten beim Leistenbruch

Nachsorge und Erholung

Nach der Operation ist eine Beobachtung des Kindes und die Kontrolle der Operationswunde wichtig. Eltern erhalten Informationen zur Nachsorge zu Hause, beispielsweise bezüglich Ernährung und Baden.

Babys und Kleinkinder erholen sich meist sehr schnell. Oft sind sie bereits 24 bis 48 Stunden nach dem Eingriff wieder normal aktiv. Schulkinder können in der Regel wenige Tage nach der Operation wieder zur Schule gehen.

Einige Vorsichtsmaßnahmen können erforderlich sein:

  • Die Wunde sollte für etwa eine Woche trocken gehalten werden.
  • Abhängig vom Alter des Kindes ist eine Ruhephase von einigen Tagen ratsam.
  • Sportliche Aktivitäten sollten je nach Alter für etwa zwei Wochen vermieden werden.

Die bei der Operation verwendeten Hautfäden sind in der Regel selbstauflösend.

Risiken und Komplikationen nach der Operation

Leistenbruch-Operationen bei Kindern verlaufen in den allermeisten Fällen problemlos. Komplikationen sind selten und liegen in erfahrenen Kliniken bei unter 1 %.

Mögliche, wenn auch seltene Komplikationen können sein:

  • Bluterguss im Operationsgebiet
  • Entzündung der Wunde
  • Sehr selten: Verletzung von Strukturen wie dem Samenleiter (bei Jungen)

Sollten nach der Entlassung Beschwerden oder Komplikationen auftreten, ist es wichtig, umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Warten Sie nicht bis zum nächsten Kontrolltermin, sondern kontaktieren Sie sofort Ihre Praxis oder Klinik.

Häufigkeit und Risikogruppen

Insgesamt sind etwa 4 Prozent der Neugeborenen von einem Leistenbruch betroffen. Frühgeborene leiden deutlich häufiger daran, da sich das Bauchfell im Leistenkanal oft erst kurz vor dem eigentlichen Geburtstermin schließt.

Weitere Risikogruppen sind:

  • Babys mit urologischen Problemen (z. B. Hodenhochstand)
  • Babys, deren nahe Verwandte ebenfalls einen angeborenen Leistenbruch hatten

Die Leistenhernie tritt etwas häufiger auf der rechten Seite auf, kann aber auch linksseitig oder in etwa 10 bis 50 Prozent der Fälle beidseitig auftreten.

Infografik zur Häufigkeit von Leistenbrüchen bei Jungen und Mädchen sowie bei Frühgeborenen

Zusammenfassung und wichtige Hinweise

Ein Leistenbruch bei Säuglingen und Kindern ist eine häufige, meist angeborene Erkrankung, die immer einer operativen Behandlung bedarf. Die frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um Komplikationen wie die Einklemmung zu verhindern.

Es ist wichtig, dass der Eingriff von Kinderchirurginnen und -chirurgen durchgeführt wird, die Erfahrung mit Säuglingen und Kleinkindern haben. Diese Spezialisten können die bestmögliche Versorgung gewährleisten und Risiken minimieren.

Wichtiger Hinweis: Diese Informationen dienen der Aufklärung und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung. Bei Verdacht auf einen Leistenbruch oder bei Beschwerden sollten Sie umgehend einen Kinderarzt oder Kinderchirurgen konsultieren.

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