Eine Fehlgeburt, auch Abort genannt, ist das vorzeitige Ende einer Schwangerschaft, bevor das Kind lebensfähig ist. Dies kann für die betroffenen Frauen und Paare ein tiefgreifendes emotionales Erlebnis sein. Oftmals ereignen sich Fehlgeburten bereits, bevor eine Schwangerschaft überhaupt festgestellt wird, was die tatsächliche Häufigkeit dieser Komplikation deutlich erhöht.
Was genau ist eine Fehlgeburt?
Medizinisch spricht man von einer Fehlgeburt, wenn eine Schwangerschaft vor der 23. Schwangerschaftswoche und einem Geburtsgewicht von unter 400 Gramm endet. Endet die Schwangerschaft nach diesem Zeitpunkt und das Kind kommt lebend zur Welt, handelt es sich um eine Frühgeburt. Ist das Kind bereits im Mutterleib verstorben, spricht man von einer Totgeburt.
Fehlgeburten werden zeitlich weiter unterteilt:
- Frühabort: Fehlgeburt vor der 13. Schwangerschaftswoche.
- Spätabort: Fehlgeburt nach der 16. Schwangerschaftswoche.
Man unterscheidet zudem zwischen dem Spontanabort, der aus natürlichen Ursachen resultiert, und dem künstlich herbeigeführten Abort, beispielsweise durch medikamentöse Maßnahmen (Abtreibung).
Wenn bei einer Frau wiederholt Fehlgeburten auftreten, sprechen Mediziner von einem habituelle Abort (häufige Fehlgeburten). Nach den Leitlinien europäischer Fachgesellschaften liegt ein habitueller Abort vor, wenn drei oder mehr aufeinanderfolgende Fehlgeburten vor der 22. Schwangerschaftswoche stattgefunden haben. Die amerikanische Fachgesellschaft spricht bereits nach zwei aufeinanderfolgenden Fehlgeburten von einem habituellen Abort.
Häufigkeit von Fehlgeburten
Etwa zehn bis 15 Prozent aller medizinisch festgestellten Schwangerschaften enden als Fehlgeburt. Zählt man die nicht festgestellten Schwangerschaften, bei denen die Fehlgeburt als leichte oder verspätete Regelblutung interpretiert wird, hinzu, liegt die Aborthäufigkeit bei circa 50 bis 70 Prozent. Wissenschaftler gehen davon aus, dass etwa die Hälfte aller Fehlgeburten bereits stattfindet, bevor die Schwangerschaft überhaupt bemerkt wird.
Das Risiko für eine Fehlgeburt steigt mit jedem Verlust und auch mit dem Alter der Mutter. Für eine 40-jährige Frau liegt die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt bei etwa 40 Prozent.
Arten von Fehlgeburten
Es gibt verschiedene Formen von Aborten, die sich in ihrem Verlauf und den Symptomen unterscheiden:
- Abortus imminens (drohende Fehlgeburt): Eine bevorstehende Fehlgeburt, die theoretisch noch aufgehalten werden kann. Die Schwangerschaft ist intakt, zeigt jedoch Anzeichen wie vaginale Blutungen. Körperliche Schonung und Bettruhe können helfen.
- Abortus incipiens (beginnende Fehlgeburt): Ähnlich wie beim Abortus imminens treten vaginale Blutungen und eventuell Unterleibsschmerzen auf. Die Schwangerschaftsanlage ist jedoch bereits gestört, und Lebenszeichen des Embryos fehlen möglicherweise.
- Verhaltene Fehlgeburt (Missed Abortion): Diese Form tritt oft unerwartet auf, da sie sich durch keine Symptome wie Blutungen bemerkbar macht. Sie wird häufig bei Routineuntersuchungen diagnostiziert. Der abgestorbene Embryo verbleibt in der Gebärmutter, ohne dass eine Abstoßung erfolgt.
- Abortus completus (vollständige Fehlgeburt): Die Ausstoßung des Schwangerschaftsmaterials ist vollständig erfolgt. Im Ultraschall sind keine Schwangerschaftsreste mehr erkennbar.

Ursachen für Fehlgeburten
Die Ursachen für Fehlgeburten sind vielfältig:
Genetische Faktoren
Bei etwa 45 Prozent der Aborte bis zur 20. Schwangerschaftswoche liegen genetische Ursachen zugrunde. Störungen des Erbguts können dazu führen, dass sich ein Embryo nicht richtig entwickeln kann. In solchen Fällen greift die Natur oft ein, um eine Schwangerschaft vorzeitig zu beenden. Bei Paaren mit habituellen Aborten können in 3-5 % der Fälle Auffälligkeiten im Karyotyp nachgewiesen werden.
Hormonelle Ursachen
Eine Gelbkörperschwäche (Lutealinsuffizienz) ist eine wichtige mögliche Ursache. Dabei produzieren die Eierstöcke nicht genügend Progesteron, das für den Erhalt der Schwangerschaft unerlässlich ist. Auch Erkrankungen der Schilddrüse oder Nebenschilddrüse können den Hormonhaushalt beeinflussen und das Fehlgeburtsrisiko erhöhen.
Anatomische Ursachen
Uterine Fehlbildungen wie ein Uterus septus oder Verklebungen (Adhäsionen) nach einer Ausschabung können ebenfalls zu wiederholten Fehlgeburten führen. Diese können oft diagnostisch und therapeutisch mittels einer Hysteroskopie behandelt werden.
Infektionen
Obwohl es keine eindeutigen Hinweise auf einen kausalen Zusammenhang zwischen genitalen Infektionen und habituellen Aborten gibt, können Infektionen während der Schwangerschaft das Risiko erhöhen. Ein septischer Abort ist eine schwere Infektion des Uterus, die als gynäkologischer Notfall gilt und oft auf unsterile Techniken bei der Uterusausräumung zurückzuführen ist.
Immunologische Faktoren
Das Antiphospholipidsyndrom (APS) ist eine Autoimmunerkrankung, die vielfach mit habituellen Aborten in Verbindung gebracht wird. Die Diagnose erfolgt durch spezifische Laboruntersuchungen, und die Behandlung umfasst oft Acetylsalicylsäure und Heparin.
Gerinnungsstörungen
Bei Verdacht auf eine Blutgerinnungsstörung, insbesondere wenn die Fehlgeburt nachweisbare Herztöne aufwies, können Tests auf Faktoren wie Faktor 5-Mutation oder Antiphospholipidsyndrom Aufschluss geben. Eine gestellte Diagnose kann eine Anpassung der Therapie in einer folgenden Schwangerschaft erfordern.
Umweltfaktoren und Lebensstil
Der Konsum von Drogen, Zigaretten und Alkohol während der Schwangerschaft kann zu Fehlbildungen, geistigen Behinderungen und im schlimmsten Fall zu einer Fehlgeburt führen. Auch bestimmte Medikamente können schädlich sein und sollten immer mit dem Arzt besprochen werden.
Stress
Extremer psychischer Stress kann eine Fehlgeburt begünstigen. Es ist wichtig, Stress zu reduzieren und sich Zeit für Entspannung zu nehmen. Dennoch sollte man sich nicht selbst die Schuld geben, da auch alltäglicher Stress keine Fehlgeburt verursacht.
Alter der Frau
Obwohl die Fruchtbarkeit mit dem Alter abnimmt, ist der Rückgang der Fruchtbarkeit bei Frauen zwischen 20 und 35 Jahren nicht dramatisch. Ein deutlicher Rückgang wird erst ab etwa 35 Jahren beobachtet.
Anzeichen und Symptome einer Fehlgeburt
Die Anzeichen einer Fehlgeburt können variieren:
- Vaginale Blutungen: Diese können leicht oder stark sein und von Schmerzen begleitet werden.
- Unterleibsschmerzen und Krämpfe: Diese können den Wehen ähneln.
- Abgang von Gewebe oder Blutklümpchen.
- Fehlen von Schwangerschaftssymptomen (z.B. Morgenübelkeit).
- Bei einer verhaltener Fehlgeburt fehlen oft jegliche Symptome.

Diagnose einer Fehlgeburt
Bei Verdacht auf eine Fehlgeburt wird der Arzt eine gründliche Untersuchung durchführen:
- Ärztliche Untersuchung: Abtasten des Bauches, Untersuchung der Vagina und des Gebärmutterhalses.
- Ultraschalluntersuchung: Dies ist die wichtigste Methode, um das Vorhandensein eines Herzschlags und die Entwicklung des Embryos zu beurteilen. Ab der sechsten bis siebten Schwangerschaftswoche ist der Herzschlag in der Regel sichtbar.
- Laboruntersuchungen: Messung des Schwangerschaftshormons ß-hCG im Blut, um den Verlauf zu überwachen. Bei einer Fehlgeburt stagniert der Anstieg oder der Wert sinkt.
Behandlung von Fehlgeburten
Die Behandlung richtet sich nach der Art und dem Stadium der Fehlgeburt:
Bettruhe
Bei einer drohenden Fehlgeburt kann Bettruhe verordnet werden. Bei einer beginnenden Frühgeburt können wehenhemmende Medikamente und Magnesium zum Einsatz kommen.
Medikamentöse Behandlung
Alternativ zur operativen Ausschabung können Medikamente wie Mifepriston und Misoprostol eingesetzt werden, um die Gebärmutter zum Ausstoßen des Schwangerschaftsmaterials anzuregen. Diese werden im "Off-Label-Use" eingesetzt.
Ausschabung (Kürettage)
Bei einer unvollständigen Fehlgeburt oder wenn konservative Methoden nicht greifen, wird eine Ausschabung durchgeführt, um verbliebene Schwangerschaftsanteile zu entfernen. Dies ist wichtig, um Infektionen und anhaltende Blutungen zu vermeiden.
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Medikamente vor der Operation
Manchmal werden Medikamente vor einer operativen Ausräumung verabreicht, um den Gebärmutterhals zu lockern und die Gebärmuttermuskulatur anzuregen. Dies kann das Risiko von Verletzungen während der Operation verringern.
Fehlgeburt und emotionale Bewältigung
Der Verlust einer Schwangerschaft ist ein schmerzliches Ereignis, das eine intensive emotionale Verarbeitung erfordert. Es ist wichtig, sich Zeit zum Trauern zu nehmen und Unterstützung zu suchen.
- Zeit zur Heilung: Körperlich und seelisch kann die Verarbeitung mehrere Monate dauern.
- Gespräche suchen: Über die Gefühle mit dem Partner, Freunden oder der Familie zu sprechen, kann entlastend sein.
- Rituale: Ein Abschiedsritual, wie das Anzünden einer Kerze, kann helfen, den Verlust zu verarbeiten.
- Professionelle Hilfe: In manchen Fällen kann die Unterstützung durch Psychologen oder Selbsthilfegruppen sinnvoll sein.
Für viele Frauen ist es wichtig, sich von ihrem Baby verabschieden zu können. Dies kann durch eine Bestattung geschehen, die von vielen Kliniken auch bei frühen Fehlgeburten angeboten wird.
Dana Algül, eine Betroffene, berichtet von ihrer Erfahrung und wie wichtig ihr die Zeit zum Abschiednehmen war. Sie entschied sich gegen eine Ausschabung und vertraute auf ihren Körper. Nach der Fehlgeburt benötigte sie Zeit, um zu trauern, bevor sie sich bereit für eine neue Schwangerschaft fühlte.
Fehlgeburt und zukünftige Schwangerschaften
Nach einer einzelnen Fehlgeburt ist das Risiko für eine erneute Fehlgeburt nicht signifikant erhöht. In den meisten Fällen verläuft eine weitere Schwangerschaft normal. Bei gehäuften Fehlgeburten (rezidivierenden Aborten) ist es ratsam, nach möglichen Ursachen zu forschen, um das Risiko für zukünftige Schwangerschaften zu minimieren.
Die Diagnostik bei wiederholten Fehlgeburten kann genetische, endokrine, anatomische und immunologische Untersuchungen umfassen.
Es gibt keine generelle Maßnahme, um einer Fehlgeburt vorzubeugen. Ein gesunder Lebensstil, ein gesundes Körpergewicht, der Verzicht auf schädliche Substanzen, die Behandlung bestehender Erkrankungen und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen tragen jedoch zu einem gesunden Schwangerschaftsverlauf bei.