Reaktion auf eine verhaltene Fehlgeburt (Missed Abortion)

Eine Missed Abortion, auch als verhaltene oder ausbleibende Fehlgeburt bekannt, stellt eine besondere Form des Schwangerschaftsverlustes dar. Im Gegensatz zu einer typischen Fehlgeburt, die oft mit Blutungen und Schmerzen einhergeht und vom Körper aktiv ausgestoßen wird, verbleibt bei einer Missed Abortion der abgestorbene Embryo oder Fötus samt Plazenta in der Gebärmutter. Dies führt dazu, dass die betroffene Frau die Fehlgeburt oft nicht sofort bemerkt, daher auch der Name „verpasste“ Fehlgeburt.

„Genaue Zahlen gibt es nicht, aber in den ersten zwölf Wochen enden mehr Schwangerschaften in einem Abort, als allgemein bekannt", sagt Chefarzt Dr. Stephan Henschen. Er ist Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in den Helios Kliniken Schwerin. Bei einer Missed Abortion ist das anders - daher der Name „verpasste“ oder „verhaltene“ Fehlgeburt.

Schema der weiblichen Fortpflanzungsorgane mit Hervorhebung der Gebärmutter

Ursachen einer verhaltenen Fehlgeburt

Die Ursachen für eine Missed Abortion sind vielfältig und ähneln denen anderer Formen von Fehlgeburten. Oft sind es leichte Fehlbildungen in der Gebärmutter, die ein Einnisten des Embryos zwar ermöglichen, aber das Wachstum stören. „Dazu gibt es infektionelle, genetische oder hormonelle Ursachen, die alle zum Abort beitragen können", sagt der Chefarzt. Manchmal erkenne der Körper den eingenisteten Embryo auch als Fremdkörper und versuche dann, diesen mit Antikörpern anzugreifen. „Wir haben mittlerweile in der Gynäkologie sehr viel Erfahrung darüber, welche Einflüsse möglicherweise zu Problemen führen können."

Die häufigste Ursache für eine Missed Abortion sind genetische Störungen, bei denen der Embryo nicht die richtige Chromosomenanzahl aufweist. Dies tritt in der Regel bereits in der frühen Schwangerschaft auf. Weitere, seltenere Ursachen können sein:

  • Ernste bakterielle oder virale Infektionen
  • Schlechte Blutgerinnung
  • Störungen des Immunsystems
  • Hormonelle Störungen, einschließlich Probleme mit der Schilddrüse
  • Fehlbildungen der Gebärmutter oder der Plazenta
  • Blutgruppenunverträglichkeit
  • Fortgeschrittenes Schwangerschaftsalter (z. B. nach dem 40. Lebensjahr)
  • Schwangerschaftsanämie
  • Harnwegsinfektionen

„Dazu gibt es infektionelle, genetische oder hormonelle Ursachen, die alle zum Abort beitragen können", sagt der Chefarzt. Manchmal erkenne der Körper den eingenisteten Embryo auch als Fremdkörper und versuche dann, diesen mit Antikörpern anzugreifen.

Symptome und Diagnose

Ein charakteristisches Merkmal der Missed Abortion ist das Fehlen der typischen Anzeichen einer Fehlgeburt wie starke Blutungen oder krampfartige Schmerzen. Der Körper produziert oft weiterhin Schwangerschaftshormone, wodurch Schwangerschaftssymptome wie Übelkeit, Müdigkeit oder Brustspannen zunächst bestehen bleiben können. Jedoch berichten viele Frauen im Nachhinein, dass diese Symptome schwächer geworden sind oder nachgelassen haben.

„Generell lassen die üblichen Anzeichen wie geschwollene Brüste, Übelkeit oder Müdigkeit nach", erklärt Dr. Henschen. Diese nachlassenden Symptome können ein Hinweis sein, dass sich der Embryo nicht weiterentwickelt.

Die Diagnose einer Missed Abortion erfolgt in der Regel durch eine Ultraschalluntersuchung. Dabei können fehlende Herztöne oder fehlende Bewegungen des Embryos festgestellt werden. Oft zeigt sich eine Diskrepanz zwischen der Größe der Fruchtblase und dem zu kleinen Embryo, bei dem keine Herzaktion nachweisbar ist. Eine weitere Bestätigung kann eine hCG-Analyse (humanes Choriongonadotropin-Hormon) liefern, bei der ein stark gefallener Wert auf eine nicht intakte Schwangerschaft hindeutet.

„Beim Verdacht auf eine Missed Abortion hilft nur eine Ultraschalluntersuchung. So können fehlende Herztöne oder Bewegung festgestellt werden", sagt Dr. Henschen.

Ultraschallbild eines Embryos mit Hervorhebung des Herzschlags (oder Fehlen davon)

Behandlungsmöglichkeiten

Nach der Diagnose einer Missed Abortion gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die individuell mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden sollten:

1. Operative Entfernung (Ausschabung/Kürettage)

Eine gängige Methode ist die Ausschabung (auch Abrasio uteri, Kürettage oder Curettage genannt). Dabei wird der Gebärmutterinhalt - der abgestorbene Embryo und die Plazenta - mit einer Metallschlinge oder einem Absaugkatheter entfernt. Dieses Verfahren wird oft ambulant und unter Vollnarkose durchgeführt und kann für Frauen emotional entlastend sein, da es einen schnellen Abschluss schafft.

„Meistens raten die behandelnden Ärztinnen und Ärzte zu einer medikamentösen Fehlgeburtsauslösung", erklärt Dr. Henschen. Anschließend kann diese untersucht werden, um zu sehen, was der Auslöser für die Fehlgeburt war. „Dabei sind leichte Schmerzen möglich", sagt der Chefarzt.

Bei einer schonenden Saugcurettage wird der Gebärmutterinhalt abgesaugt. Eine Curettage, bei der der Gebärmutterinhalt ausgekratzt wird, ist aber bei starken Blutungen oder Infektionen zwingend nötig.

2. Medikamentöse Auslösung

Eine weitere Option ist die medikamentöse Auslösung der Fehlgeburt. Hierbei werden Medikamente wie Misoprostol (Cytotec) verabreicht, die den Muttermund öffnen und die Gebärmutterkontraktionen anregen, um den Fötus auszustoßen. Diese Methode kann zuhause angewendet werden, erfordert aber eine engmaschige ärztliche Überwachung.

Bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche kann das Medikament Misoprostol (Cytotec) als Einmaldosis zusammen mit einem Schmerzmittel eingenommen werden. Das Medikament öffnet den Muttermund, zieht die Gebärmutter zusammen und stößt so den Fötus aus. Nach zwei bis drei Tagen wird eine Ultraschallkontrolle durchgeführt. Falls noch Gewebe oder eine Fruchtblase sichtbar ist, wird die Behandlung wiederholt. Ist die Gebärmutter dann immer noch nicht entleert, muss eine Saugcurettage durchgeführt werden.

3. Abwartendes Vorgehen (natürlicher Abgang)

In manchen Fällen kann auch ein abwartendes Vorgehen gewählt werden, bei dem auf einen natürlichen Abgang des Fötus gewartet wird. Dies kann jedoch Wochen dauern und birgt das Risiko von Komplikationen wie starken Blutungen oder Infektionen. Dieses Vorgehen wird oft nur in Betracht gezogen, wenn bereits leichte Blutungen eingesetzt haben.

Ein abwartendes Vorgehen ist bei einer verhaltenen Fehlgeburt bis zur 12. Schwangerschaftswoche möglich. Dieses Vorgehen wird nicht häufig empfohlen, vor allem dann nicht, wenn die Schwangere keinerlei Symptome des Aborts hat. Das Warten auf einen natürlichen Abgang kann mehrere Wochen dauern und je mehr Zeit vergeht, umso grösser wird die Wahrscheinlichkeit von starken Blutungen oder einer Infektion. Wenn aber schon leichte Blutungen eingesetzt haben, kann bis zu einer Woche abgewartet werden. Je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist, umso unwahrscheinlicher ist es, dass der Fötus nach einer verhaltenen Fehlgeburt auf natürliche Weise abgeht.

Eine medikamentöse Behandlung oder das Warten auf einen natürlichen Abgang ist nur möglich, wenn keine starken Blutungen bestehen, keine Gerinnungsstörungen vorliegen und es sich nicht um eine Eileiterschwangerschaft handelt.

Welches Vorgehen für Sie das richtige ist, ist sehr individuell. Die einen Schwangeren können sich nicht vorstellen, einen toten Embryo oder Fötus in sich zu tragen und möchten so bald als möglich eine Curettage. Andere brauchen die Zeit und das Erlebnis des natürlichen Abgangs für den Trauerprozess. Besprechen Sie mit Ihrer Gynäkologin Ihre Bedürfnisse und lassen Sie sich über die einzelnen Vorgehensweisen aufklären.

Missed Abortion I Fehlgeburt ohne Symptome I Dr. K. Wagner

Psychische Bewältigung und erneute Schwangerschaft

Der Verlust eines Kindes, auch in der frühen Schwangerschaft, ist für betroffene Frauen und ihre Partner ein tiefgreifendes emotionales Erlebnis. Trauer, Angst und Schuldgefühle sind häufig. Es ist wichtig zu betonen, dass niemand Schuld an einer Fehlgeburt hat.

„Mir ist es bei den Gesprächen immer wichtig zu betonen, dass niemand Schuld hat, wenn es zu einer Fehlgeburt kommt. Oft wird die verhaltene Fehlgeburt oder die bestehende Schwangerschaft bis dahin gar nicht bemerkt", betont Dr. Henschen.

Der Schmerz um ein verlorenes Kind ist immer da - ob in den ersten Wochen oder im späteren Verlauf. Für Dr. Henschen ist deshalb klar: „Trauer hat nichts mit der Schwangerschaftswoche zu tun. Trauerarbeit braucht einen Raum und Zeit und Wertschätzung. Gut gemeinte Kommentare sind da häufig nicht sinnvoll."

Ein wichtiger Schritt zur Verarbeitung ist für viele die Möglichkeit, auch sogenannte Sternenkinder beerdigen zu lassen oder ihnen beim Standesamt eine Geburtsurkunde ausstellen zu lassen. Der Gesetzgeber hat hierfür Regelungen geschaffen, die den Eltern helfen können, den Verlust zu verarbeiten.

„Nach einer verhaltenen Fehlgeburt gibt es keinen optimalen Zeitpunkt für eine erneute Schwangerschaft", stellt Chefarzt Dr. Henschen klar. „Familien sollten sich allerdings ausreichend Zeit nehmen, um das Geschehene zu verarbeiten", rät Dr. Henschen.

Ärzten zufolge müssen ein bis zwei Missed Abortions noch gar nichts bedeuten. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Fehlgeburt werde dadurch nicht erhöht. Frauen können nach der ersten Menstruation nach der Ausschabung bereits wieder schwanger werden. Die Psyche der Frau ist nach so furchtbaren Erfahrungen wirklich sehr zerbrechlich - in Bezug auf die hormonellen Veränderungen sind die ersten Wochen danach mit dem klassischen Wochenbett vergleichbar. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass diese Mutter ihr Baby verloren hat.

Bevor über eine erneute Schwangerschaft nachgedacht wird, ist es wichtig, den ganz persönlichen Weg zu finden, sich von dem kurzen Glück zu verabschieden. Das kann durch kleine Rituale geschehen, wie das Aufbewahren eines Ultraschallbildes, eines bereits gekauften Kleidungsstücks oder die Gestaltung eines Gedenkortes.

Symbolbild für Trauer und Hoffnung: Hände halten einen kleinen Vogel oder eine Kerze

Risiko einer erneuten Missed Abortion

Das Risiko für eine erneute Fehlgeburt nach einer vorausgegangenen Missed Abortion ist geringfügig erhöht. Nach einer Fehlgeburt liegt es bei etwa 15-20%, nach zwei vorausgegangenen Aborten bei etwa 28%. Dennoch ist es wichtig zu wissen, dass die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Schwangerschaft weiterhin hoch ist.

„Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Fehlgeburt werde dadurch nicht erhöht", so die Einschätzung von Ärzten. Frauen können nach der ersten Menstruation nach der Ausschabung bereits wieder schwanger werden.

Es ist entscheidend, sich nicht entmutigen zu lassen und bei einem erneuten Kinderwunsch eine offene Kommunikation mit dem behandelnden Arzt oder der Hebamme zu suchen.

Häufige Fragen

Was ist eine Missed Abortion?

Eine Missed Abortion ist eine Fehlgeburt, bei der der Embryo oder Fötus im Mutterleib abstirbt, aber nicht vom Körper ausgestoßen wird. Die Frau bemerkt dies oft nicht sofort, da typische Symptome wie Blutungen fehlen.

Welche Symptome deuten auf eine Missed Abortion hin?

Ein Nachlassen oder Verschwinden typischer Schwangerschaftssymptome wie Übelkeit oder Brustspannen kann ein Hinweis sein. Die Diagnose erfolgt jedoch meist erst bei einer Ultraschalluntersuchung.

Wie wird eine verhaltene Fehlgeburt ärztlich behandelt?

Die Behandlung kann operativ (Ausschabung), medikamentös oder durch abwartendes Vorgehen erfolgen. Die Wahl hängt von individuellen Faktoren und Wünschen ab.

Gibt es Missed Abortion als Fehldiagnose?

In sehr seltenen Fällen, besonders in der Frühschwangerschaft, kann es zu einer Fehldiagnose kommen. Daher wird vor einer operativen Entfernung die Diagnose oft durch einen zweiten Arzt bestätigt.

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