Paracetamol ist ein weit verbreiteter Wirkstoff zur Linderung von Schmerzen und zur Senkung von Fieber. Es gehört zur Gruppe der Analgetika und Antipyretika. Obwohl der genaue Wirkmechanismus von Paracetamol noch nicht vollständig geklärt ist, wird angenommen, dass es sowohl zentral im Gehirn als auch peripher im Körper wirkt. Eine nachgewiesene Wirkung ist die Hemmung der Prostaglandinsynthese im Gehirn, was zur Schmerzlinderung beiträgt. Prostaglandine sind körpereigene Substanzen, die bei Entzündungszuständen entstehen und Schmerzen verursachen können. Zusätzlich beeinflusst Paracetamol das temperaturregulierende Zentrum im Gehirn, was zu einer fiebersenkenden Wirkung führt.
In Deutschland ist Paracetamol in vielen Darreichungsformen erhältlich. Dazu gehören Lösungen, Sirupe, Suspensionen, Tabletten, Brausetabletten, Kapseln, Granulate, Zäpfchen und Pulver zur Herstellung von Lösungen. Die Wahl der richtigen Wirkstärke und Darreichungsform sollte in Absprache mit einem Arzt oder Apotheker erfolgen.

Wann wird Paracetamol angewendet?
Paracetamol wird zur symptomatischen Behandlung von leichten bis mäßig starken Schmerzen eingesetzt. Dazu zählen beispielsweise Kopfschmerzen, Zahnschmerzen und Regelschmerzen. Ebenso findet es Anwendung bei Fieber.
Wichtige Hinweise vor der Anwendung von Paracetamol
Kontraindikationen: Wann darf Paracetamol nicht angewendet werden?
Die Anwendung von Paracetamol ist nicht gestattet, wenn eine Überempfindlichkeit gegen Paracetamol oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels besteht. Ebenso darf es nicht bei einer schweren Beeinträchtigung der Leberfunktion angewendet werden.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn:
- das Kind allergisch gegenüber Erdnuss oder Soja ist, da Paracetamol-ratiopharm Sojaöl enthält.
- ein Mangel an Flüssigkeit im Körper (Dehydratation) vorliegt, z. B. bei schweren Krankheiten, schwerer Nierenfunktionsstörung oder Sepsis, Mangelernährung oder gleichzeitiger Einnahme von Flucloxacillin. In solchen Fällen kann eine schwere Erkrankung (metabolische Azidose) auftreten, insbesondere bei längerer Anwendung oder in Kombination mit Flucloxacillin. Symptome einer metabolischen Azidose können starke Atembeschwerden, Benommenheit, Übelkeit und Erbrechen sein.
- ein Mangel des am Leberstoffwechsel beteiligten Eiweißes Glutathion vorliegt (verursacht durch Mangelernährung, Lebererkrankung, Blutvergiftung/Infektion, Nierenerkrankung). In diesem Fall kann die Anwendung von Paracetamol das Risiko einer Leberschädigung erhöhen.
Besondere Vorsicht bei der Anwendung
Es ist wichtig sicherzustellen, dass andere gleichzeitig angewendete Arzneimittel kein Paracetamol enthalten, um eine Überdosierung zu vermeiden.
Die Anwendung von Paracetamol sollte ohne ärztlichen oder zahnärztlichen Rat nicht länger als 3 Tage oder in höheren Dosen erfolgen. Eine gewohnheitsmäßige Anwendung von Schmerzmitteln, insbesondere in Kombination, kann zu dauerhaften Nierenschäden mit dem Risiko eines Nierenversagens führen (Analgetika-Nephropathie).
Bei längerem, hoch dosiertem und nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch von Schmerzmitteln können Kopfschmerzen auftreten, die nicht durch erhöhte Dosen behandelt werden dürfen. Ein abruptes Absetzen kann zu Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskelschmerzen, Nervosität und vegetativen Symptomen führen.
Die Anwendung der gesamten Tagesdosis als Einzeldosis kann schwere Leberschäden verursachen, was umgehend ärztliche Hilfe erfordert.
Kinder
Dieses Arzneimittel ist nicht für Kinder unter 2 Jahren bzw. unter 13 kg Körpergewicht geeignet. Für jüngere Kinder oder leichtere Kinder stehen geeignete Darreichungsformen und Dosierungen zur Verfügung.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Ihr Kind andere Arzneimittel einnimmt oder kürzlich eingenommen hat. Mögliche Wechselwirkungen bestehen mit:
- Möglicherweise leberschädigende Substanzen oder enzyminduzierende Substanzen wie Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepin (Antiepileptika) und Rifampicin (Tuberkulosemittel). Bei gleichzeitiger Anwendung kann es auch bei sonst unschädlichen Dosen von Paracetamol zu Leberschäden kommen.
- Zidovudin (Mittel bei HIV-Infektionen): Die Neigung zur Verminderung weißer Blutkörperchen wird verstärkt. Eine gleichzeitige Anwendung sollte nur nach ärztlichem Anraten erfolgen.
- Flucloxacillin (Antibiotikum): Aufgrund des schwerwiegenden Risikos für Störungen des Blut- und Flüssigkeitshaushalts (metabolische Azidose), die dringend behandelt werden müssen.
- Gerinnungshemmende Arzneimittel (Antikoagulanzien) wie Warfarin: Die wiederholte Anwendung von Paracetamol über mehr als eine Woche kann die Wirkung verstärken. Eine langfristige Anwendung sollte nur unter medizinischer Aufsicht erfolgen. Gelegentliche Anwendung hat keinen signifikanten Einfluss.
- Mittel gegen Übelkeit (Metoclopramid und Domperidon) können die Aufnahme und den Wirkungseintritt beschleunigen.
- Mittel zur Senkung erhöhter Blutfettwerte (Cholestyramin) können die Aufnahme und Wirksamkeit verringern.
Auswirkungen auf Laboruntersuchungen
Die Harnsäurebestimmung und die Blutzuckerbestimmung können durch Paracetamol beeinflusst werden.
Schwangerschaft und Stillzeit
Während der Schwangerschaft sollte Paracetamol nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung und nur bei Bedarf angewendet werden. Es sollte die geringstmögliche Dosis für den kürzestmöglichen Zeitraum verwendet werden.
Paracetamol geht in geringen Mengen in die Muttermilch über. Da bisher keine nachteiligen Folgen für Säuglinge bekannt geworden sind, ist eine Unterbrechung des Stillens in der Regel nicht erforderlich.
Verkehrstüchtigkeit und Bedienung von Maschinen
Paracetamol hat keinen oder nur einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Dennoch ist nach der Anwendung eines Schmerzmittels immer Vorsicht geboten.
ZÄPFCHEN RICHTIG SCHIEBEN - geht ab wie ein Zäpfchen
Dosierung von Paracetamol-Zäpfchen
Die Dosierung von Paracetamol richtet sich nach dem Körpergewicht und Alter des Kindes. Generell gilt:
- Einzeldosis: 10 bis 15 mg/kg Körpergewicht (KG)
- Maximale Tagesgesamtdosis: bis zu 60 mg/kg KG
Das Dosierungsintervall sollte mindestens 6 Stunden betragen und keinesfalls die maximale Tagesdosis überschritten werden.
Beispiele für die Dosierung von Zäpfchen (basierend auf Körpergewicht und Alter):
Paracetamol-ratiopharm 125 mg Zäpfchen:
- Kinder 6-7 Monate (7 kg): 1 Zäpfchen (125 mg Paracetamol), maximal 3 Zäpfchen pro Tag (375 mg Paracetamol).
- Kinder 7 Monate bis 2 Jahre (8 bis 12 kg): 1 Zäpfchen (125 mg Paracetamol), maximal 4 Zäpfchen pro Tag (500 mg Paracetamol).
Paracetamol-ratiopharm 250 mg Zäpfchen:
- Kinder 2 bis 8 Jahre (13 bis 25 kg): 1 Zäpfchen (250 mg Paracetamol), maximal 4 Zäpfchen pro Tag (1000 mg Paracetamol).
Paracetamol-ratiopharm 500 mg Zäpfchen:
- Patienten ab 26 kg Körpergewicht (Kinder ab 8 Jahren, Jugendliche und Erwachsene).
Paracetamol-ratiopharm 1000 mg Zäpfchen:
- Patienten ab 43 kg Körpergewicht (Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren und Erwachsene).
Besondere Patientengruppen
- Patienten mit Leber- oder Nierenfunktionsstörungen sowie Gilbert-Syndrom: Die Dosis muss vermindert bzw. das Dosisintervall verlängert werden. Bei leichter Einschränkung der Nierenfunktion ist eine Dosisreduktion empfohlen. Bei schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 10 ml/min) muss ein Dosisintervall von mindestens 8 Stunden eingehalten werden.
- Ältere Patienten: Eine spezielle Dosisanpassung ist in der Regel nicht notwendig. Bei geschwächten, immobilisierten älteren Patienten mit eingeschränkter Leber-/Nierenfunktion kann jedoch eine Dosisreduktion oder Verlängerung des Dosisintervalls erforderlich sein.
- Chronischer Alkoholmissbrauch, chronische Unterernährung, Körpergewicht unter 50 kg: Ohne ärztliche Anweisung sollte die maximale Tagesdosis von 2.000 mg nicht überschritten werden.
Anwendungshinweise für Zäpfchen
Zäpfchen werden möglichst nach dem Stuhlgang tief in den After eingeführt. Zur Verbesserung der Gleitfähigkeit kann das Zäpfchen in der Hand erwärmt oder kurz in warmes Wasser getaucht werden.
Was tun bei Überdosierung?
Die Gesamt-Dosis an Paracetamol darf für Kinder 60 mg/kg Körpergewicht täglich nicht übersteigen. Für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren bzw. ab 43 kg Körpergewicht beträgt die maximale Tagesdosis 4.000 mg Paracetamol.
Im Falle einer Überdosierung treten in der Regel innerhalb von 24 Stunden Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Blässe und Bauchschmerzen auf. Bei Dosierungen von 10 g Paracetamol und mehr können schwere, potenziell tödliche Leberschäden auftreten.
Bei Verdacht auf eine Überdosierung muss unverzüglich medizinische Hilfe aufgesucht werden.
Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Wie alle Arzneimittel kann Paracetamol Nebenwirkungen haben, die jedoch nicht bei jedem auftreten müssen.
Seltene Nebenwirkungen:
- Leichter Anstieg bestimmter Leberenzyme (Serumtransaminasen).
Sehr seltene Nebenwirkungen:
- Allergische Reaktionen (Hautausschlag, Nesselausschlag bis hin zu Schockreaktionen). Im Falle einer allergischen Schockreaktion sofort ärztliche Hilfe suchen.
- Verengung der Atemwege (Analgetika-Asthma) bei empfindlichen Personen.
- Schwere Hautreaktionen (Steven-Johnson-Syndrom, Toxische Epidermale Nekrolyse, Akute Generalisierte Pustulöse Exanthem).
- Veränderungen des Blutbildes (verminderte Anzahl von Blutplättchen - Thrombozytopenie, starke Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen - Agranulozytose).
Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, die Sie erheblich beeinträchtigen, informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker. Bei plötzlichem Auftreten oder starker Entwicklung von Nebenwirkungen ist umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Wie ist Paracetamol aufzubewahren?
Lagern Sie Paracetamol bei normaler Raumtemperatur (nicht über 25°C) und bewahren Sie es in der Originalverpackung, vor Licht und Feuchtigkeit geschützt, auf. Arzneimittel sollten generell für Kinder unzugänglich aufbewahrt werden.