Die Geburt eines Kindes ist ein wunderbares Ereignis, das jedoch auch Spuren im Körper hinterlässt. Insbesondere die Vagina erfährt während der Schwangerschaft und Geburt erhebliche Veränderungen. Diese körperlichen Veränderungen sind jedoch kein Grund zur Angst, da sie Teil eines natürlichen Prozesses sind und sich der Körper nach der Geburt regeneriert.
Veränderungen der Vagina während der Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft durchläuft die Vagina zahlreiche Veränderungen. Die Durchblutung wird verstärkt, was zu Schwellungen und einer möglichen Veränderung der Farbe führen kann. Auch die Schleimhäute werden dicker und können vermehrt Ausfluss produzieren. Aufgrund der hormonellen Veränderungen treten vaginale Pilzinfektionen (Candidosen) häufiger auf, da diese das Wachstum von Hefepilzen in der Scheide begünstigen. Ungefähr 30% aller Schwangeren sind davon betroffen.

Vorbereitung der Vagina auf die Geburt
Die Vorbereitung der Vagina auf die Geburt ist ein wichtiger Schritt. Regelmäßige Beckenbodenübungen während der Schwangerschaft können dazu beitragen, die Muskeln zu stärken und die Flexibilität der Vagina zu verbessern.
Der Geburtsvorgang
Während der Geburt dehnt sich die Vagina erheblich aus, um das Baby passieren zu lassen. Dieser Vorgang wird durch das Zusammenspiel von Wehen, den Kontraktionen der Gebärmutter, und der natürlichen Elastizität der Vaginalmuskulatur ermöglicht.
Direkt nach der Entbindung
Direkt nach der Entbindung kann die Vagina aufgrund der Ausdehnung während der Geburt gedehnt und geschwollen sein. Es ist normal, dass das Gewebe vorübergehend gedehnt und empfindlich ist. Der Körper einer Gebärenden ist bemerkenswert anpassungsfähig und hat die Fähigkeit, sich nach der Geburt zu regenerieren. Es ist wichtig zu beachten, dass der Körper nach der Geburt Zeit benötigt, um sich zu erholen.

Unterstützung der Vaginalen Erholung
Um die Erholung der Vagina zu unterstützen, ist es wichtig, auf eine gute Hygiene zu achten und enge Kleidung zu vermeiden. Verwenden Sie keine parfümierten Produkte im Vaginalbereich und wählen Sie atmungsaktive Unterwäsche. Beckenbodenübungen sind nach der Geburt besonders wichtig, um die Muskeln zu stärken und die Regeneration zu fördern.
Das Vaginal Seeding und der Mikrobiom-Transfer
Es wird diskutiert, ob das Vaginalsekret der Mutter bei der Geburt entscheidend für die Gesundheit und Entwicklung des Kindes ist. Durch Vaginal- und Darmsekrete sollen bei der vaginalen Geburt wichtige Bakterien von der Mutter auf das Kind übertragen werden. Beim Kaiserschnitt fehlt dieser Besiedelungsprozess. Studien haben gezeigt, dass die Übertragung mütterlicher Mikroorganismen auf das Neugeborene auf verschiedenen Wegen erfolgt, unabhängig von der Geburtsmethode. Muttermilch, Hautkontakt, Speichel und der Nasen-Rachen-Raum spielen ebenfalls eine signifikante Rolle. Kaiserschnittkinder holen schnell auf, insbesondere durch Mikroben über die Muttermilch. Nach einem Monat ist die Mikrobenvielfalt bei vaginal geborenen Kindern und Kaiserschnitt-Kindern kaum noch zu unterscheiden. Wissenschaftliche Belege für einen gesundheitlichen Nutzen des "vaginal seeding" beim Kaiserschnitt gibt es derzeit nicht.

Die Rolle des Beckenbodens
Die Muskeln des weiblichen Intimbereichs, die für das Lustempfinden beider Partner*innen beim Sex verantwortlich sind und trainiert werden können, sind die der Beckenbodenmuskulatur. Diese bildet den muskulären Verschluss des Beckens und ist dafür verantwortlich, dass die Bauch- und Beckenorgane (z. B. Harnblase, Gebärmutter und Darm) dort bleiben, wo sie hingehören. Außerdem sorgt sie dafür, dass Sie kontrolliert auf Toilette gehen können. Darüber hinaus spielt sie beim Orgasmus eine wesentliche Rolle. Eine starke Beckenbodenmuskulatur sorgt dafür, dass die Vagina den Penis fester umschließen kann und ein An- und Entspannen des „Liebesmuskels“ kann für beide die sexuelle Lust steigern.
Der Beckenboden kann wie eine dreilagige Hängematte vorgestellt werden, die im knöchernen Becken aufgespannt ist. Je weniger sie durchhängt, desto optimaler funktioniert sie.
Der Beckenboden in der Schwangerschaft
Unter dem Einfluss hormoneller Veränderungen wird die Beckenbodenmuskulatur in der Schwangerschaft immer weicher, obwohl sie zunehmend mehr Gewicht tragen muss. Hintergrund ist, dass sie sich darauf vorbereitet, unter der Geburt soviel Platz für Ihr Kind machen zu können, wie nötig. Ob Ihr Beckenboden in der Schwangerschaft bereits überfordert ist, merkst Du an ungewolltem Urinabgang beim Husten, Niesen, Springen oder Bücken.
Der Beckenboden nach der Geburt
Unter der Geburt werden Beckenbodenmuskulatur und Vagina ziemlich gedehnt. Logisch, dass sich in den ersten Tagen nach der Geburt Ihr Genitalbereich weich, locker und irgendwie „offen“ anfühlt. Teilweise ist er auch geschwollen und Sie verspüren einen diffusen Druck nach unten. Das ist normal und geht durch körperliche Schonung und Entlastung des Beckenbodens ein paar Tage nach der Geburt merklich zurück.
Was Sie gegen einen schlaffen Beckenboden tun können
- Training: Beginnen Sie, nach Rücksprache mit Ihrem Arzt oder einer Hebamme, ab dem 10. Tag nach der Entbindung mit leichten Übungen, bei denen es darum geht, wieder ein gutes Gespür für den Beckenboden zu bekommen. Mit einem echten Aufbautraining für den Beckenboden sollten Sie frühestens 8 Wochen nach der Entbindung beginnen. Dafür empfiehlt sich vor allem ein qualifizierter Rückbildungskurs zum Einstieg. Darüber hinaus empfehlen wir Ihnen regelmäßige Übungen und ein beckenbodenschonendes Verhalten.
- Gewichte: Eine Ergänzung zum gezielten Beckenbodentraining sind Vaginalgewichte. Das sind kleine konische Gewichte, die vaginal eingeführt werden und dann über einen gewissen Zeitraum vom Beckenbodenmuskel gehalten werden müssen. Weil eine schwache Muskulatur die relativ kleinen Konen allerdings noch gar nicht halten kann, eignen sie sich vor allem zum Ausdauertraining bei bereits relativ stabilem Beckenboden, aber noch nicht direkt nach einer Entbindung.
Sexuelle Erfahrung nach der Geburt
Die sexuelle Erfahrung kann nach der Geburt für jede Frau unterschiedlich sein. Einige Frauen berichten, dass sie vorübergehend eine gewisse Trockenheit oder Empfindlichkeit verspüren können. Es ist wichtig, offen mit Ihrem Partner*Ihrer Partnerin über Ihre Bedenken zu sprechen und die Kommunikation zu verbessern. Mit der Zeit und angemessener Pflege sollte sich das sexuelle Empfinden jedoch normalisieren.
Kaiserschnitt vs. Vaginale Geburt
Es gibt Situationen, in denen ein Kaiserschnitt für Mutter und Kind die sicherere Alternative ist. Nicht immer ist die Entscheidung eindeutig, und es gibt Gründe sowohl für als auch gegen einen Kaiserschnitt. Die vaginale Geburt wird oft als "natürlicher Weg" angesehen, birgt aber auch Risiken wie Harninkontinenz und Dammrisse. Der Kaiserschnitt ist ein Routineeingriff, birgt aber im Vergleich zur vaginalen Geburt Risiken wie Wochenbettinfektionen oder Blutgerinnsel. Für das Kind ist der Kaiserschnitt an sich mit wenig Risiken verbunden, kann aber zu Anpassungsschwierigkeiten nach der Geburt führen, wie z.B. Atemproblemen. Langfristig haben Kinder nach einem Kaiserschnitt ein höheres Risiko für Erkrankungen wie Übergewicht, Diabetes und Asthma, was vermutlich am fehlenden Kontakt mit mütterlichen Bakterien liegt.
Kaiserschnitt und vaginale Geburt: Ablauf, Risiken und Fakten
Die langfristige Perspektive
Die Veränderungen, die die Vagina während der Schwangerschaft und nach der Geburt durchläuft, sind völlig normal und Teil des natürlichen Prozesses. Indem Sie sich gut auf die Geburt vorbereiten und Ihre Vagina während der Erholungsphase unterstützen, können Sie ihre Gesundheit und Elastizität fördern. Die Muskeln und Gewebe brauchen Zeit, um sich zu erholen und zu regenerieren. In einigen Fällen kann es jedoch zu einer dauerhaften Veränderung der Vaginalweite kommen. Es gibt heute verschiedene Möglichkeiten, die Scheide nach der Geburt wieder zu verengen, wie zum Beispiel das nicht-invasive Viveve-Verfahren, das auf gezielten Impulsen eines Tiefenwärme-Energie-Systems basiert.
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