Der Mars-Zyklus, auch bekannt als Barsoom-Saga, ist eine ikonische Science-Fantasy-Buchreihe des amerikanischen Schriftstellers Edgar Rice Burroughs. Der erste Roman, A Princess of Mars, erschien 1912 und begründete eine Serie, die Generationen von Lesern und Schriftstellern inspirierte.
Die Entstehung des Mars-Zyklus
Edgar Rice Burroughs, der auch für seine Geschichten um Tarzan bekannt ist, schuf die Figur des John Carter im Jahr 1911, noch bevor er Tarzan entwickelte. Der Roman A Princess of Mars wurde ursprünglich von Februar bis Juni 1912 unter dem Titel Under the Moons of Mars im US-Magazin The All Story veröffentlicht und avancierte schnell zu einem großen Erfolg. Die erste Buchausgabe folgte 1917 unter dem Titel A Princess of Mars.
Die gesamte Serie, die als Barsoom-Saga berühmt wurde, umfasst fünfzehn Geschichten, die heute in insgesamt elf Büchern vollständig vorliegen. Die deutsche Erstausgabe von Die Prinzessin vom Mars erschien bereits 1925 im Dieck-Verlag in Stuttgart. Später versuchten sich auch andere Verlage an der Realisierung einer Mars-Serie.

John Carters Reise zum Mars
Die Geschichte beginnt kurz nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs. Hauptmann John Carter begibt sich mit einem Freund auf Goldsuche in Arizona. Dort geraten sie in einen Hinterhalt der Apachen. Während sein Freund getötet wird, kann sich John Carter in einer geheimnisvollen Höhle verstecken. Dort verfällt er in eine Art Starrkrampf. Als er wieder zu sich kommt, befindet er sich in einer fremdartigen, bizarren Landschaft. Er erkennt schnell, dass er nicht mehr auf der Erde ist, sondern durch eine mystische Kraft auf den Mars transportiert wurde, den seine Bewohner Barsoom nennen.
Aufgrund der geringeren Schwerkraft und des niedrigeren atmosphärischen Drucks auf dem Mars verfügt John Carter über übermenschliche Körperkraft und die Fähigkeit, große Entfernungen zu springen. Dies ermöglicht es ihm, sich gegen die dortigen Kreaturen zu behaupten.
Das Leben auf Barsoom
Der Mars, wie er in Burroughs' Romanen beschrieben wird, ist ein sterbender Planet mit einer rauen Wüstenumgebung. Diese Vision basiert auf den Ideen des Astronomen Percival Lowell. Die Meere sind teilweise ausgetrocknet, und der Sauerstoff muss künstlich erzeugt werden. Trotz dieser Widrigkeiten gibt es ein mannigfaltiges Leben.
Die Bewohner des Mars
Barsoom wird von verschiedenen Rassen bewohnt, die in ständiger Feindschaft miteinander leben und sich bekriegen:
- Grüne Marsianer (Tharks): Riesige, vierarmige, kriegerische Wesen, die Carter zunächst gefangen nehmen, aber bald seinen Respekt und seine Freundschaft gewinnen, insbesondere durch Tars Tarkas, einen ihrer Häuptlinge.
- Rote Marsianer: Sie sind den Menschen am ähnlichsten und bewohnen ein loses Netzwerk von Stadtstaaten. Sie kontrollieren die Kanäle des Wüstenplaneten, entlang derer sich die Landwirtschaft konzentriert.
- Weitere Rassen: Neben den grünen und roten Marsianern gibt es auch weiße, schwarze und gelbe Marsianer.

Die zentrale Handlung: John Carter und Dejah Thoris
John Carter begegnet Dejah Thoris, der Prinzessin von Helium und einer Vertreterin des roten Marsianer-Volkes. Er rettet ihr Leben und bringt sie zu ihrem Volk zurück. In der Folge wird Carter in die politischen Angelegenheiten sowohl der roten als auch der grünen Marsianer verwickelt, um Dejah Thoris zu schützen. Er führt schließlich eine Horde Tharks gegen den Stadtstaat Zodanga, den historischen Feind von Helium.
Nachdem er Dejah Thoris' Herz gewonnen hat, wird er Prinz von Helium. Die beiden leben neun Jahre lang glücklich zusammen und bekommen zwei Kinder: Carthoris und Tara. Liana von Gathol ist die Enkeltochter von John Carter und Dejah Thoris und Tochter von Tara von Helium.
John Carter and Dejah Thoris
Weitere Charaktere und Handlungsstränge
Der Mars-Zyklus erweitert die Welt von Barsoom mit weiteren Charakteren und Handlungsbögen:
- Carthoris: Sohn von John Carter und Dejah Thoris, der unglücklich in Thuvia verliebt ist.
- Ulysses Paxton: Wird unerwartet von der Erde auf den Mars versetzt, eine Folge der Experimente des verrückten Wissenschaftlers Ras Thavas mit Gehirntransplantationen.
- Tan Hadron von Hastor: Ein niederer Krieger (Padwar), der in die schöne Sanoma Tora verliebt ist, die ihn aber wegen seines Standes verschmäht.
Der Mars als sterbender Planet
Burroughs' Vision des Mars als sterbender Planet mit einer dünnen Atmosphäre und künstlich aufrechterhaltenem Leben wurde zu einem prägenden Element der Serie. Der plötzliche Zusammenbruch der Atmosphärenanlage, die die schwindende Luftzufuhr des Planeten aufrechterhält, stellt eine ständige Bedrohung für alles Leben auf Barsoom dar.

Die Welt von Barsoom: Geologie und Atmosphäre
Der Mars selbst, von seinen Bewohnern Barsoom genannt, ist ein faszinierender Planet:
- Größe und Dichte: Mit einem Durchmesser von knapp 6800 Kilometern ist er etwa halb so groß wie die Erde und weist eine geringere Dichte auf.
- Oberfläche: Die Oberfläche ist von einer dünnen, staubigen Atmosphäre geprägt, die hauptsächlich aus Kohlenstoffdioxid besteht. Die Temperaturen schwanken extrem zwischen Tag und Nacht. Die Südhalbkugel ist ein Hochland mit alten Kratern, während die nördliche Tiefebene geologisch jünger ist. Markante geologische Merkmale sind die Valles Marineris, das größte Grabensystem im Sonnensystem, und der Olympus Mons, der höchste Vulkan im Sonnensystem.
- Atmosphäre und Klima: Die dünne Atmosphäre speichert wenig Sonnenwärme, was zu großen Temperaturschwankungen führt. Jahreszeiten ähneln denen der Erde, sind aber aufgrund der elliptischen Umlaufbahn des Mars länger und ausgeprägter, besonders auf der Südhalbkugel. Heftige Staubstürme, die große Teile der Oberfläche verhüllen können, sind ein wiederkehrendes Phänomen. Es gibt Hinweise auf vergangene Flutperioden und die Existenz von Wasser in Form von Eis und möglicherweise unterirdischen Reservoirs.

Einfluss und Vermächtnis
Der Mars-Zyklus von Edgar Rice Burroughs hatte einen enormen Einfluss auf die Science-Fiction-Literatur und die Popkultur:
- Literarischer Einfluss: Die Serie inspirierte zahlreiche bekannte Science-Fiction-Autoren des 20. Jahrhunderts, darunter Jack Vance, Ray Bradbury, Arthur C. Clarke, Robert A. Heinlein und John Norman. Sie gilt als klassisches Beispiel für Pulp Fiction und als wegweisendes Werk des Subgenres der planetarischen Romanze.
- Wissenschaftliche Inspiration: Die Ideen und Beschreibungen von Burroughs inspirierten auch Wissenschaftler auf dem Gebiet der Weltraumforschung und der Suche nach außerirdischem Leben, wie Carl Sagan.
- Mediale Adaptionen: Die Geschichten wurden mehrfach verfilmt. 2009 erschien eine lose Verfilmung des ersten Bandes unter dem Titel Princess of Mars von The Asylum. 2012 folgte der Film John Carter - Zwischen zwei Welten. Es gibt auch eine 28-bändige Comicserie John Carter - Warlord of Mars von Marvel Comics und neuere Comics von Dynamite.
- Einfluss auf andere Werke: Elemente aus dem John-Carter-Universum finden sich auch in anderen bekannten Science-Fiction-Werken wieder. So diente das Universum als Inspiration für Teile des Films Avatar - Aufbruch nach Pandora. Auch die Star-Wars-Saga von George Lucas enthält viele Anleihen, wie z.B. Titel wie Jed (= König) oder Jeddak (= Kaiser).
Besonderheiten und Spiele
In der Barsoom-Saga wird auch das strategische Brettspiel Jetan beschrieben, eine Art Mars-Schach, das im fünften Band der Serie vorgestellt wird.
