Muttermilch: Geschmack, Vitamine und Zusammensetzung – Ein umfassender Leitfaden

Die Entscheidung zum Stillen ist eine wunderbare, aber gerade für junge Mütter eine neue Erfahrung, bei der viele Fragen aufkommen. Eine davon betrifft die Dauer des Stillens. Historisch gesehen wurden Kinder oft zwei bis drei Jahre lang gestillt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, Säuglinge in den ersten sechs Monaten ausschließlich zu stillen und die Stillzeit bis zum zweiten Lebensjahr des Kindes fortzusetzen, wobei ab dem sechsten Monat Beikost eingeführt wird. Diese Empfehlung dient als Richtwert, da individuelle Umstände das Stillen beeinflussen können.

Fakt ist: Muttermilch ist eine ideal auf den Säugling abgestimmte Nahrung.

Es gibt auch Babys, die das Stillen ablehnen, oft gegen Ende des ersten Lebensjahres. Dies kann sich durch das Ausspucken der Brustwarze oder das Wegdrehen des Köpfchens bemerkbar machen. Eine Veränderung des Geschmacks der Muttermilch, beispielsweise durch eine erneute Schwangerschaft der Mutter, kann ebenfalls zu einer Ablehnung führen. In solchen Fällen sollte der Wunsch des Kindes respektiert werden.

Die Zusammensetzung der Muttermilch: Von Vormilch bis reifer Milch

Vormilch (Kolostrum)

Die erste Milch, die ein Baby erhält, ist die kostbare Vormilch, auch Kolostrum genannt. Sie ist äußerst vitamin- und nährstoffreich, sodass bereits geringe Mengen ausreichen, um das Baby zu sättigen. Kolostrum enthält:

  • Abwehrstoffe, die das Baby vor Infektionen schützen und den Aufbau seines eigenen Immunsystems unterstützen.
  • Eine abführende Wirkung, die die Ausscheidung des Mekoniums (erster Stuhlgang) erleichtert.
  • Es ist besonders wichtig für Kinder aus allergiebelasteten Familien, da es vorbeugend gegen Allergien wirkt.

Reife Muttermilch

Etwa drei Tage nach der Geburt wandelt sich die Milch von der Vormilch zur reifen Muttermilch um. Diese Umstellung kann von einem leichten Temperaturanstieg begleitet sein, was in den ersten Tagen normal ist und nicht auf eine Brustentzündung hindeutet. Die reife Muttermilch verändert sich ständig und passt sich den Bedürfnissen des Kindes an. Im Laufe der Zeit nimmt der Gehalt an Eiweißen ab, während der Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen, Kohlenhydraten und Spurenelementen zunimmt. Gegen Ende der Stillmahlzeit ist die Milch besonders nährstoffreich und sättigend.

Schema der Umstellung von Vormilch auf reife Muttermilch

Gesundheitliche Vorteile und Nährstoffgehalt der Muttermilch

Babys, die in den ersten 4-6 Monaten ausschließlich mit Muttermilch ernährt werden, erkranken im Säuglingsalter bis zu 40-70 % seltener an Infektionen. Dies liegt an den antibakteriellen und immunmodulierenden Eiweißstoffen in der Muttermilch. Kohlenhydrate sind der drittgrößte Bestandteil der Muttermilch. Wenn das Baby krank wird, bildet der Körper der Mutter spezifische Immunzellen gegen die Krankheitserreger, selbst wenn die Mutter selbst nicht erkrankt ist.

Interessanterweise enthält die Muttermilch von Müttern, die Jungen stillen, bis zu 25 % mehr Kalorien, da Jungen im Säuglingsalter schneller wachsen und einen höheren Energiebedarf haben.

Einflussfaktoren und Besonderheiten der Muttermilch

Medikamente, Rauchen und Amalgam

Stillende Mütter sollten ihren Arzt unbedingt informieren, wenn ihnen Medikamente verordnet werden. In solchen Fällen kann es notwendig sein, die Milch abzupumpen und zu verwerfen. Ebenso wie während der Schwangerschaft sollten Mütter während der Stillzeit auf das Rauchen verzichten, da Schadstoffe in die Muttermilch übergehen. Auch die zahnärztliche Behandlung mit Amalgam-Füllungen sollte während der Stillzeit vermieden werden, da freigesetztes Quecksilber in die Milch gelangen kann. Ist eine Behandlung unumgänglich, ist das Abpumpen und Verwerfen der Milch ratsam.

Ernährung der stillenden Mutter

Die Ernährung der stillenden Mutter spielt eine Rolle für die Zusammensetzung der Muttermilch, insbesondere bei den Fettsäuren und wasserlöslichen Vitaminen. Eine ausgewogene Ernährung mit Omega-3-Fettsäuren (z.B. aus Fisch wie Makrele, Hering, Lachs), Vollkornprodukten, Eiweiß, Eisen, Jod und Kalzium ist empfehlenswert. Die Annahme, dass die Milchbildung durch exzessives Trinken gesteigert wird, ist ein Mythos; es reicht aus, nach Durstgefühl zu trinken. Wasser sollte beim Stillen stets griffbereit sein, da viele Frauen dabei Durst empfinden.

Blähende Lebensmittel wie Blumenkohl, Zwiebeln oder Kohl verursachen keine Bauchschmerzen beim Baby. Die Muttermilch wird aus dem Blut der Mutter gebildet, und die Gase, die bei der Verdauung von Kohl entstehen, gelangen nicht direkt in die Milch. Manche Bestandteile der Nahrung können jedoch in die Muttermilch übergehen, wie z.B. Fremdeiweiß (Kuhmilcheiweiß), Vitamin D, Vitamin C und bestimmte Aromastoffe.

Infografik: Nährstoffe in der Muttermilch und ihre Quellen

Die Zusammensetzung der Muttermilch ist weltweit nahezu identisch. Selbst bei starker Unterernährung der Mutter nimmt die Milchmenge ab, nicht aber die Qualität. Die Art der Fette und die Fettsäurezusammensetzung sind beeinflussbar. Wasserlösliche Vitamine können bei unterernährten Frauen durch Substitution positiv beeinflusst werden.

Geschmack und Geruch der Muttermilch

Muttermilch schmeckt grundsätzlich leicht süßlich, was auf den Gehalt an Mehrfachzuckern (Oligosacchariden) zurückzuführen ist. Der Geschmack und die Konsistenz der Muttermilch verändern sich: Die Vormilch ist gelblich und dickflüssig, die Übergangsmilch cremiger, und die reife Muttermilch wird heller und dünnflüssiger. Die Ernährung der Mutter beeinflusst den Geschmack der Muttermilch. Aromen wie Curry, Knoblauch, Blauschimmelkäse und Vanille können übergehen, jedoch nicht eins zu eins. Studien zeigen, dass bestimmte Aromen, wie die von Fischölkapseln, nicht unbedingt in relevanten Mengen in die Muttermilch übergehen. Der Scharfstoff Piperin aus Pfeffer kann leicht in die Muttermilch übergehen, jedoch ist es unwahrscheinlich, dass Babys diese Schärfe bewusst wahrnehmen.

Die mütterliche Ernährung kann die späteren Essgewohnheiten des Kindes prägen. Wenn die Mutter während der Stillzeit viel Obst und Gemüse isst, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind später einen leichteren Zugang zu gesundem Essen hat. Die Aromastoffe, die aus den Lebensmitteln gebildet werden, beeinflussen die Geschmacksrichtung der Muttermilch.

Eingefrorene und wieder aufgetaute Milch kann anders schmecken, da das Enzym Lipase Fette spaltet. Dies ist ein Schutzmechanismus gegen Bakterienwachstum. Wenn die abgepumpte Milch jedoch sauer riecht und klumpt, kann sie verdorben sein.

Attaching Your Baby at the Breast (German) - Breastfeeding Series

Muttermilch versus Kuhmilch und Muttermilch für Erwachsene

Muttermilch schmeckt nicht wie Kuhmilch. Sie ist auf die Bedürfnisse des Säuglings abgestimmt und bietet ihm viele gesundheitliche Vorteile. Diese Vorteile gelten nicht gleichermaßen für Erwachsene. Ein gesundheitlicher Nutzen oder positive Effekte auf Muskelaufbau oder Erektionsprobleme bei Erwachsenen sind nicht belegt. Der Kauf von Muttermilch aus dem Internet birgt zudem ein Verunreinigungs- und Infektionsrisiko.

Besonderheiten bei Sport und Lagerung

Moderater Sport in der Stillzeit hat in der Regel keine Auswirkungen auf die Muttermilch. Bei intensiver sportlicher Betätigung kann sich Laktat im Blut bilden, das den Geschmack der Milch beeinflussen kann. In solchen Fällen ist es ratsam, das Baby vor dem Sport zu stillen oder abgepumpte Milch zu füttern. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr während des Sports ist wichtig.

Gekühlte oder eingefrorene Muttermilch kann einen veränderten Geruch aufweisen (säuerlich, seifig, bitter, fischig oder metallisch). Dies liegt am Enzym Lipase, das Fettsäuren abbaut und durch Oxidation zu Geruchsveränderungen führt. In der Regel beeinträchtigt dies das Geschmacksempfinden des Babys nicht, solange die Milch richtig gewonnen und gelagert wurde.

Die Zusammensetzung der Muttermilch: Nicht immer perfekt

Obwohl Muttermilch als die ideale Nahrung für Neugeborene gilt, ist ihre Zusammensetzung nicht immer perfekt. Studien zeigen, dass Muttermilch, auch in Industrieländern, Mängel an bestimmten Nährstoffen aufweisen kann. Dazu gehören häufig Vitamin D, Jod, Eisen und Vitamin K. Insbesondere bei veganer oder vegetarischer Ernährung der Mutter oder bei Essstörungen können Defizite bei Vitamin B12, Zink und anderen Nährstoffen auftreten. Eine einseitige mütterliche Ernährung kann zu einer unzureichenden Aufnahme von Mikro- und Makronährstoffen führen, was sich in der Muttermilch widerspiegelt.

Die Arbeitsgruppe von Baker stellte fest, dass 20-30% aller Schwangeren unter einem Vitaminmangel leiden. Die Kontrolle der Nährstoffaufnahme während der Schwangerschaft und der Zusammensetzung der Muttermilch ist daher von Interesse. Muttermilch enthält generell wenig Eisen, weshalb Früh- und Mangelgeborene oft Eisen supplementiert bekommen müssen. Die Konzentration von Vitamin D in der Muttermilch ist gering, weshalb eine allgemeine Vitamin-D-Prophylaxe für Säuglinge empfohlen wird. Auch Vitamin K ist oft in unzureichender Menge vorhanden, was zu einem erhöhten Blutungsrisiko führen kann.

Tabelle: Häufige Nährstoffdefizite in der Muttermilch und ihre Ursachen

Zukünftige Entwicklungen: Muttermilch aus dem Labor

Es gibt Bestrebungen, Muttermilch im Labor herzustellen, indem aus Brustdrüsenzellen oder Stammzellen individuelle Muttermilch gezüchtet wird. Ziel ist es, eine Milch zu schaffen, die der Muttermilch so nah wie möglich kommt und Müttern, die nicht stillen können, eine Alternative bietet. Diese Labormilch könnte bestimmte Nährstoffe für das Immunsystem enthalten. Allerdings fehlen ihr die Antikörper, die die Mutter zur Immunisierung des Säuglings bildet.

Experten wie Mathilde Kersting und Regina Ensenauer sind skeptisch, ob Labormilch die "echte" Muttermilch imitieren kann. Sie betonen, dass individuelle Aspekte der Muttermilch in der Petrischale nicht nachzubilden sind und die Sicherheit und Wirkung der Labormilch noch unzureichend erforscht ist. "Echte" Muttermilch bleibt die beste Option für das Baby.

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