Die Frauenheilkunde und Geburtshilfe haben in den letzten Jahren signifikante Fortschritte gemacht, sowohl in der Diagnostik als auch in der Vorsorge und Therapie. Spezielle Schutzimpfungen und Vorsorgeuntersuchungen tragen dazu bei, Erkrankungen der Brust, der Gebärmutter, des Darms oder der Blase vorzubeugen. Die Früherkennung in der Frauenheilkunde hat dabei enorme Fortschritte erzielt. Während der Schwangerschaft ermöglichen spezielle Vorsorgemethoden eine engmaschige Beobachtung der kindlichen Entwicklung. Gemeinsam mit der Hebamme begleitet das Team die Schwangerschaft bis zum Wochenbett und auch nach der Geburt. Bei bislang unerfülltem Kinderwunsch ist eine umsichtige Ursachenanalyse unerlässlich, um geeignete Behandlungswege zu entwickeln. In den Wechseljahren durchläuft der weibliche Organismus eine weitere Umstellung.

Schließung der Geburtshilfe in Preetz: Hintergründe und Entscheidungsfindung
Seit August 2022 ist die Geburtshilfe in der Klinik in Preetz abgemeldet. Der wichtigste Grund für diese Entscheidung war der deutliche Rückgang der durchgeführten Geburten in den vergangenen Jahren. Neben einer unwirtschaftlichen Arbeitsweise führen die niedrigen Geburtenzahlen vor allem zu fehlender Routine beim bestehenden Personal und beeinträchtigen die Attraktivität für potenzielle Mitarbeitende. Unabhängig von der Schließung der Geburtshilfe bleiben jedoch Versorgungsangebote für Schwangere vor und nach der Geburt erhalten. Hierzu zählen insbesondere die Arbeit des Teams von Frau Dr. Pfau vom MVZ an der Klinik Preetz sowie die hauseigene Fachabteilung Gynäkologie der Klinik in Preetz unter der Leitung von Chefärztin Frau Dr. Keden.
Eine grundsätzliche Entscheidung war notwendig, nachdem die Geburtshilfe bereits im August 2022 abgemeldet wurde. Ein weiterer entscheidender Grund ist das Risiko für die Versorgungsqualität bei Geburten. Zuletzt lag die Anzahl der Geburten bei durchschnittlich nur einer pro Tag, was zu einem Mangel an Routine beim Personal führt. Im Falle von Komplikationen gibt es in der Klinik Preetz keine Pädiatrie, und Kooperationskliniken wären erst nach einer Stunde vor Ort. Zudem lässt sich aufgrund von Kostensteigerungen (Personal, Material etc.) eine Geburtshilfe in dieser Größe in Preetz nicht mehr wirtschaftlich betreiben. Das Defizit der Klinik trägt der Kreis Plön als alleiniger Gesellschafter, was letztlich die Steuerzahler belastet. In den Jahren 2020 bis 2023 verzeichnete die Klinik Preetz ein Minus von insgesamt 5,37 Millionen Euro, das zum Großteil durch Gelder aus der Kreiskasse ausgeglichen werden musste. Solche Defizite dürfen nicht die gesamte Einrichtung in Gefahr bringen, da die Klinik ein wichtiger Arbeitgeber mit rund 900 Arbeitsplätzen im Kreis ist. Es gilt, den Erhalt der Klinik zu fokussieren und diesen nicht durch eine stark defizitäre Abteilung wie die Geburtshilfe zusätzlich zu gefährden.

Personalmangel und seine Auswirkungen auf die Geburtshilfe
Der Personalmangel stellt eine erhebliche Herausforderung dar, insbesondere bei der Gewinnung von medizinischem Personal für die Geburtshilfe. Die unklare Situation der Geburtshilfe hat die Akquise neuer Ärzte erschwert. Selbst bei statistisch einer Geburt am Tag fehlt die notwendige Routine. Diese fehlende Routine bei so wenigen Geburten führt bei den Ärzten in Weiterbildung (Assistenzärzte) zu zusätzlicher Verunsicherung. Assistenzärzte benötigen für ihre Weiterbildung eine bestimmte Anzahl von durchgeführten Geburten; bei wenigen Geburten im Jahr verlängert sich die Weiterbildung. Die Akquise von Hebammen war zuletzt ebenfalls schwierig, da kein konkreter Eröffnungstermin genannt werden konnte.
Von den Neugeborenen im Kreis Plön kamen in der Vergangenheit nur zwischen 40 und 50 % in der Klinik Preetz zur Welt. Gründe dafür lagen in den Aufnahmekriterien für Schwangere. So wurden beispielsweise nur Schwangere ab der 37. Schwangerschaftswoche und keine Risikoschwangerschaften aufgenommen. Risikoschwangerschaften liegen vor, wenn die werdende Mutter älter als 35 Jahre ist oder Begleiterkrankungen hat.
Versorgungsangebote für Schwangere in der Klinik Preetz
Die Geburtshilfe in Preetz ist seit August 2022 abgemeldet. Seitdem kommen die Neugeborenen im Umkreis des Kreises Plön in vier größeren Kliniken mit unterschiedlichen Geburtshilfestufen zur Welt. Sowohl jetzt als auch in Zukunft wird es Versorgungsangebote für Schwangere in der Klinik Preetz geben. Hierzu zählt das Team von Frau Dr. Pfau vom MVZ an der Klinik Preetz sowie die hauseigene Fachabteilung Gynäkologie der Klinik Preetz unter der Leitung von Chefärztin Frau Dr. Keden.
Problematisch aus Sicht der Klinik ist die parallele Vermittlung der Vertrautheit der Hebammengeburt und der Sicherheit der „Klinikgeburt“ an Schwangere. Es wird kein positiver Effekt für das Haus gesehen, da die Anzahl der Geburten nicht steigen und die Wirtschaftlichkeit der Klinik sich nicht verbessern wird, wenn man nur mit den festgelegten Mieteinnahmen des Geburtshauses rechnet. Gemäß einem Gutachten aus dem Jahr 2021 der Institute for Health Care Business GmbH zur Zukunft der medizinischen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern, beauftragt vom Landtag Mecklenburg-Vorpommern, lässt sich eine Geburtshilfe erst bei einer jährlichen Zahl von mindestens 1.000 oder sogar mehr Geburten wirtschaftlich betreiben. Hintergrund ist, dass Geburten nicht planbar sind und entsprechend qualifiziertes Personal rund um die Uhr zur Verfügung stehen muss. In der Klinik Preetz sind dies nicht nur die Gynäkologen, sondern auch die Beleghebammen.
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Entscheidungsfindung zur Wiedereröffnung und Sanierungsgutachten
Ein bestehender Kreistagsbeschluss vom 10. Februar 2022 besagte, dass die Geburtshilfe in der Klinik Preetz erhalten bleiben soll. Sowohl der Aufsichtsrat als auch die Kreistagsabgeordneten und die Klinik Preetz insgesamt haben sich in den vergangenen Monaten auf unterschiedlichste Weise um die Wiedereröffnung der Geburtshilfe bemüht. Es wurden beispielsweise Gespräche zur Kooperation mit dem UKSH geführt, unterschiedliche Hebammen-Konzepte erstellt und eine neue Chefärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe eingestellt. Alle Beteiligten arbeiteten an einer inhaltlichen Lösung.
Mitte 2023 wurde die Firma ENDERA-Gruppe GmbH mit einem Sanierungsgutachten beauftragt. Ziel des Gutachtens war es, die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen des Kreises Plön gGmbH zu analysieren, wobei der Abteilung Geburtshilfe besondere Aufmerksamkeit galt. Die Begründungen aus dem Gutachten, zusammen mit den oben genannten Gründen, führten nach ausgiebigen Diskussionen innerhalb des Aufsichtsrates zu dem Schluss, dass eine Wiedereröffnung der Geburtshilfe die Zukunftssicherheit der gesamten Klinik gefährdet. Die Räumlichkeiten, in denen sich aktuell der Kreißsaal und die Familienzimmer befinden, könnten sofort anderweitig genutzt werden. Die Klinik Preetz empfiehlt den Umbau zu einer ambulanten Einheit inklusive Erstversorgung und Aufwachraum für Patienten verschiedener Fachabteilungen. Das Sanierungsgutachten der ENDERA-Gruppe gibt weitere konkrete Handlungsempfehlungen, die direkt angegangen werden können.
Insgesamt listet das Sanierungsgutachten 13 Maßnahmen zur wirtschaftlichen Verbesserung der Gesundheits- und Pflegeeinrichtung des Kreises Plön gGmbH auf, von denen sich einige bereits in der Umsetzung befinden. Das Gutachten prognostiziert eine positive wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten Jahren, wenn die Maßnahmen konsequent befolgt werden. Auf Bundesebene wird aktuell die Krankenhausreform diskutiert, bei der Krankenhäuser in verschiedene Level eingestuft und entsprechend vergütet werden sollen. Aus Sicht der Klinik ist es nicht sinnvoll, auf die Entscheidungen anderer zu warten. Der Schwebezustand hinsichtlich der Geburtshilfe in Preetz führt zu großer Verunsicherung bei den Beschäftigten. Räume wie der Kreißsaal oder die Familienzimmer stehen aktuell leer und blockieren Ressourcen, die für die Schaffung von ambulanten Strukturen genutzt werden könnten. Auf Bundesebene gibt es aktuell keinen konkreten Zeitplan für die Krankenhausreform (Stand März 2024), und es handelt sich um eine langfristig angelegte Reform, die erst verzögert wirken wird. Die Rücknahme des Kreistagsbeschlusses vom 10. Februar 2022 ist eine Konsequenz dieser Entwicklungen.
Gynäkologische Angebote und urogynäkologischer Schwerpunkt
Die Klinik Preetz bietet umfassende gynäkologische Leistungen an. Bei unwillkürlichem Urinverlust liegt meist eine Belastungsharninkontinenz, eine Dranginkontinenz oder eine Mischform vor. Nicht immer ist eine Operation notwendig; manchmal genügen medikamentöse Behandlung, Beckenbodengymnastik, Pessareinlage oder Elektrostimulation. Eine Senkung bezeichnet die Lageveränderung der Organe des kleinen Beckens, bei der Harnblase, Gebärmutter, Scheide und Darm nicht mehr ausreichend am Becken fixiert sind. Eng verbunden damit ist das Krankheitsbild der Harninkontinenz.
Als Frauenklinik mit urogynäkologischem Schwerpunkt verfügt die Klinik über umfangreiche Erfahrung in der Behandlung von Senkungszuständen. Die Wahl des Verfahrens orientiert sich am Defekt des Beckenbodens. Wenn immer möglich, wird versucht, die Gebärmutter zu erhalten.
Moderne operative Verfahren in der Gynäkologie
Viele Erkrankungen an der Gebärmutter (z.B. Muskelknoten), an den Eierstöcken (z.B. Zysten) oder am Eileiter (z.B. Eileiterschwangerschaft) lassen sich heute mit der sogenannten „Schlüssellochchirurgie“ behandeln. Unter Verwendung moderner Videotechnik erfolgt der Eingriff lediglich über ein schmales Röhrchen.
Bei starken und verlängerten Regelblutungen kann als schonender Eingriff die Gebärmutterschleimhautverödung durchgeführt werden. Dabei wird nur die Schleimhaut als Blutungsursache entfernt - unter Erhalt der Gebärmutter.
Muskelknoten in der Gebärmutterhöhle können Schmerzen oder eine verstärkte oder verlängerte Regelblutung auslösen. Bei Kinderwunsch und fehlender Empfängnis kann ein Myom ein Hindernis in der Gebärmutterhöhle darstellen, das die Einnistung des befruchteten Eis stört. In diesen Situationen wird die „Schlüssellochchirurgie“ eingesetzt, um den krankhaften Bereich zu entfernen.
Blutungsstörungen und Wachstum der Gebärmutter, z.B. durch Muskelknoten, sind die häufigsten Gründe für eine Gebärmutterentfernung. Wenn medikamentöse oder minimalinvasive Behandlungen (z.B. Gebärmutterschleimhautverödung) nicht mehr helfen, wird der Arzt zur Gebärmutterentfernung einweisen.

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