Während der Schwangerschaft werden verschiedene Untersuchungen zur Gesundheit von Mutter und Kind durchgeführt, eine davon ist die CTG-Untersuchung. Die Abkürzung CTG steht für Kardiotokografie, englisch Cardiotocography. Das Wort setzt sich aus den Begriffen „Kardio“ für das Herz, „Toko“ für die Wehe und „Grafie“ für das Schreiben zusammen.
Das CTG ist eine nichtinvasive Untersuchungsmethode, die ohne Eingriff in den Körper erfolgt. Dabei werden die Wehentätigkeit der Mutter und die Herztöne des Babys im Bauch gemessen. Technisch gesehen ist das Schreiben eines CTGs ungefähr ab der 24. Schwangerschaftswoche möglich. In gynäkologischen Praxen wird diese Untersuchung in der Regel ab der 28. bis 30. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Je nach Verlauf der Schwangerschaft und Befund wiederholt sich diese Untersuchung ab dann für circa alle zwei bis vier Wochen.

Wie funktioniert ein CTG?
Beim CTG werden zwei Sensoren auf den Bauch der Mutter gelegt und mit einem Gummigurt fixiert. Der Sensor für die kindlichen Herztöne sendet Ultraschallwellen in den Körper; das zurückgeworfene Echo wird aufgefangen und beschreibt die Herztöne des Babys. Der zweite Sensor ist ein Drucksensor, der die Wehentätigkeit erfasst.
Die Untersuchung dauert circa 30 Minuten, die du allein im Untersuchungsraum verbringst.
Wann macht man ein CTG in der Schwangerschaft?
Das Schreiben eines CTGs in der Schwangerschaft ist kein unumstrittenes Thema. Die Leitlinie und die Mutterschaftsrichtlinie sagen ganz klar, dass bei einer Schwangerschaft ohne besondere Risiken kein CTG vor der Geburt geschrieben werden sollte. Wenn es den Verdacht auf Schwangerschaftskomplikationen wie vorzeitige Wehen, eine drohende Frühgeburt oder Ähnliches gibt, wird ein CTG angeordnet. Falls dir während einer Kontrolluntersuchung ein CTG empfohlen wird, bedeutet dies nicht gleich, dass etwas nicht in Ordnung ist. Bei einem bisher unproblematischen Schwangerschaftsverlauf dient ein CTG oft als Absicherung und Bestätigung. Viele gynäkologische Praxen bieten diese Vorsorgeleistung weiterhin im Rahmen ihrer Schwangerschaftsuntersuchungen routinemäßig an.
CTG während der Geburt
Während der Geburt ist die zeitweise Überwachung mit einem CTG unverzichtbar. Es ermöglicht dem Personal, den Zustand des Kindes zu prüfen und mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu reagieren. Ein von der Norm abweichendes CTG könnte beispielsweise Hinweise auf eine vorzeitige Ablösung der Plazenta, eine Umschlingung der Nabelschnur oder auch Unterversorgung des Babys geben. Eine kontinuierliche, also ununterbrochene CTG-Überwachung unter der Geburt wird bei erhöhten Geburtsrisiken oder Risikofaktoren während des Geburtsvorgangs empfohlen. Risikofaktoren können unter anderem untypische Schmerzen, frische Blutungen, Fieber, Geburtsstillstand oder Dauerkontraktionen sein.
Wird dir ein Dauer-CTG während der Geburt empfohlen, bedeutet dies aber nicht, dass du die ganze Zeit liegen oder sitzen musst.
Rechtliche Grundlagen und aktuelle Empfehlungen
Der Rahmen der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Die Richtlinien über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Geburt sind vom Gemeinsamen Bundesausschuss festgeschrieben. Die Gesetzesänderungen werden damit erklärt, dass es noch nicht genug Informationen darüber gibt, wie häufige CTGs den Körper beeinflussen und welche Auswirkungen sie haben könnten. Es gibt keine sicheren Studien oder eine Einigung unter Experten dazu. Viele Ärzte führen diese Untersuchung aber weiterhin durch, da sie sich als Routineuntersuchung etabliert hat.
Gemäß der aktuellen S3-Leitlinie ist eine CTG-Untersuchung nicht für jede schwangere Frau regelmäßig nötig, besonders wenn keine besonderen Risiken („Low-risk-Kollektiv“) vorliegen. Wenn es bei Ihnen keine Gesundheitsprobleme oder Risiken gibt, die die Schwangerschaft komplizierter machen könnten, brauchen Sie nicht unbedingt CTG-Untersuchungen. Der Grund dafür ist, dass Studien gezeigt haben, dass diese Untersuchungen bei Frauen ohne Risiken nicht unbedingt dazu beitragen, Probleme bei der Geburt oder für das Baby zu verhindern. Außerdem könnten sie dazu führen, dass öfter Eingriffe bei der Geburt vorgenommen werden, die vielleicht gar nicht nötig wären.
Es gibt jedoch bestimmte Situationen, in denen ein Wehenschreiber wichtig sein kann. Zum Beispiel, wenn es Anzeichen dafür gibt, dass das Baby vielleicht zu früh geboren werden könnte - hier wird ein CTG meistens zwischen der 26. und 27. SSW (Schwangerschaftswoche) zum ersten Mal gemacht. Ab der 28. SSW könnte ein CTG nötig sein, wenn der Frauenarzt oder die Hebamme Veränderungen beim Herzschlag des Babys bemerkt oder wenn es Anzeichen für zu frühe Wehen gibt.
Wie läuft eine CTG-Untersuchung ab?
Vorbereitung
Die schwangere Frau wird gebeten, sich in eine bequeme Position zu legen, üblicherweise auf den Rücken liegend mit leicht erhöhtem Oberkörper oder auf die Seite, um eine optimale Aufzeichnung zu gewährleisten und gleichzeitig den Blutfluss nicht zu behindern. Der Bauch wird freigelegt, um die Sensoren anbringen zu können.
Anbringen der Sensoren
Zwei Haupttypen von Sensoren werden verwendet: Ein Ultraschallsensor zur Erfassung der fetalen Herzfrequenz und ein Drucksensor (Tokodynamometer), um die Wehentätigkeit zu messen. Diese Sensoren werden mit elastischen Bändern am Bauch der Mutter befestigt. In manchen Fällen kann zusätzlich ein dritter Sensor zur Messung der Sauerstoffsättigung oder anderer Parameter angelegt werden.

Durchführung der Untersuchung
Nachdem die Sensoren positioniert sind, beginnt die Aufzeichnung. Die fetale Herzfrequenz und die Wehentätigkeit werden simultan erfasst und auf dem CTG-Monitor in Echtzeit dargestellt. Einige Geräte verfügen über einen integrierten Drucker, der die aufgezeichneten Daten ausdruckt. Die CTG-Untersuchung dauert in der Regel zwischen 20 und 30 Minuten, kann jedoch je nach Situation und den Anweisungen des medizinischen Personals länger sein. Während dieser Zeit werden die schwangere Frau und das medizinische Personal auf Veränderungen in den Aufzeichnungen achten.
Interpretation der Ergebnisse
Nach Abschluss der Aufzeichnung wird der Arzt oder die Hebamme die Daten auswerten. Sie beurteilen die fetale Herzfrequenz, erkennen Muster wie Akzelerationen (vorübergehende Erhöhungen) und Dezelerationen (vorübergehende Absenkungen) sowie die Häufigkeit und Intensität der Wehen. Basierend auf dieser Analyse kann das Team das Wohlergehen des Fötus einschätzen und entscheiden, ob weitere Maßnahmen erforderlich sind.
Nach der Untersuchung
Die Sensoren werden entfernt, und die schwangere Frau kann ihre normalen Aktivitäten wieder aufnehmen. Falls erforderlich, werden weitere Anweisungen oder Empfehlungen für die weitere Schwangerschaftsüberwachung oder Vorbereitung auf die Geburt gegeben.
Sonderfall: Das interne CTG
Die Kardiotokographie kann in zwei Hauptformen durchgeführt werden: extern und intern. Die externe Überwachung wurde bereits beschrieben. Die interne CTG-Überwachung bietet eine direkte Messmethode zur Überwachung der fetalen Herzfrequenz und, in manchen Fällen, der Wehentätigkeit. Diese Methode wird üblicherweise dann eingesetzt, wenn die externe Überwachung keine klaren Ergebnisse liefert oder in spezifischen klinischen Situationen, wie bei einer Frühgeburt oder wenn die Fruchtblase bereits gesprungen ist.
Ablauf des internen CTG
- Voraussetzungen: Für die interne Überwachung muss die Fruchtblase der Schwangeren geöffnet (gesprungen) sein. Zudem ist es notwendig, dass der Muttermund teilweise erweitert ist, um den internen Sensor einführen zu können.
- Einführen des internen Sensors: Ein dünner Draht mit einer Elektrode am Ende wird vorsichtig durch den Muttermund in die Gebärmutter eingeführt und an der Haut des Fötus, üblicherweise am Kopf, befestigt. Diese „Kopfschwartenelektrode“ misst direkt die fetale Herzfrequenz. Für die Messung der Wehentätigkeit kann weiterhin ein externes Tokodynamometer verwendet werden, oder es wird ein spezieller Katheter neben dem Baby in die Gebärmutter eingeführt, der den Druck der Wehen misst.
- Überwachung: Nachdem der interne Sensor platziert ist, wird die fetale Herzfrequenz kontinuierlich überwacht und auf einem Monitor dargestellt. Die direkte Messung ermöglicht eine sehr genaue Überwachung der Herzfrequenz, unabhängig von Bewegungen der Mutter oder des Kindes.
- Nach der Untersuchung: Nach der Geburt oder wenn die interne Überwachung nicht mehr benötigt wird, werden der Draht und die Elektrode vorsichtig entfernt.
Aufgrund der Invasivität dieses Verfahrens und der damit verbundenen Risiken, wie Infektionen oder Verletzungen des Fötus, wird es relativ selten und nur bei speziellen Indikationen angewendet.
8 Tipps: Wie bereite ich mich auf eine CTG-Untersuchung vor?
- Informieren Sie sich: Machen Sie sich mit dem Zweck und dem Ablauf der CTG-Untersuchung vertraut. Wissen darüber, was Sie erwartet, kann Ängste reduzieren und dazu beitragen, dass Sie sich entspannter fühlen.
- Bequeme Kleidung: Tragen Sie bequeme Kleidung, die leicht an- und ausgezogen werden kann. Da die Sensoren am Bauch angebracht werden, ist Kleidung, die einfach hochgeschoben oder geöffnet werden kann, praktisch. Ein Oberteil mit hohem Stretchanteil ist vorteilhaft.
- Ausreichend trinken und essen: Achten Sie darauf, vor der Untersuchung ausreichend zu trinken, da eine gute Hydratation dazu beitragen kann, klare CTG-Ergebnisse zu erzielen. Essen Sie eine leichte Mahlzeit oder einen Snack, um sich wohlzufühlen, vermeiden Sie jedoch große Mahlzeiten unmittelbar vor der Untersuchung.
- Toilette aufsuchen: Ein voller Blasendruck kann während der Untersuchung unangenehm sein und die Ergebnisse beeinflussen. Es ist empfehlenswert, vor der Untersuchung die Toilette aufzusuchen.
- Entspannungstechniken: Praktizieren Sie Entspannungstechniken wie tiefe Atemübungen oder leichte Meditation, um während der Untersuchung ruhig zu bleiben. Stress kann die fetale Herzfrequenz beeinflussen, daher kann Entspannung zu zuverlässigeren Ergebnissen führen.
- Position: Wenn es Ihnen schwerfällt, auf dem Rücken zu liegen, fragen Sie das medizinische Personal, ob Sie die Position wechseln dürfen, z.B. auf die Seite liegen. Komfort ist wichtig, um genaue Messungen zu ermöglichen.
- Fragen stellen: Scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen oder Bedenken zu äußern. Das medizinische Personal ist da, um Sie zu unterstützen und sicherzustellen, dass Sie und Ihr Baby während der Untersuchung gut betreut werden.
- Zeit einplanen: Berücksichtigen Sie, dass eine CTG-Untersuchung zwischen 20 und 30 Minuten dauern kann, manchmal auch länger. Planen Sie ausreichend Zeit ein, damit Sie sich nicht gehetzt fühlen.
Wie oft wird ein CTG gemacht?
Die Häufigkeit der CTG-Überwachung während der Schwangerschaft kann je nach individuellen Bedingungen und Risikofaktoren variieren. Oft orientiert sie sich jedoch an den routinemäßigen Vorsorgeterminen, die in diesem Stadium der Schwangerschaft (ca. ab 32 SSW) etwa alle zwei Wochen stattfinden. Im Allgemeinen wird die Frequenz der CTG-Kontrollen in der Spätschwangerschaft und insbesondere in Situationen, die eine engmaschigere Überwachung erfordern, erhöht.
Ab dem errechneten Geburtstermin wird empfohlen, alle zwei Tage ein CTG durchzuführen, um das Wohlergehen des Fötus sicherzustellen. Dies liegt daran, dass das Risiko für Komplikationen wie eine Plazentainsuffizienz (Mutterkuchenschwäche) oder Übertragung mit jedem Tag nach dem errechneten Termin steigt.
Indikationen zur CTG-Wiederholung
Bei folgenden Gegebenheiten wird gemäß den S3-Leitlinien eine CTG-Wiederholung empfohlen:
- Anhaltende Tachykardie (>160 Schläge pro Minute)
- Bradykardie (<110 Schläge pro Minute)
- Fehlende fetale Akzelerationen
- Bei Verdacht auf fetale Hypoxie (Sauerstoffmangel)
- Bei vorzeitigen Wehen
- Bei mütterlichen Erkrankungen wie Präeklampsie oder Diabetes
- Bei auffälligen Ultraschallbefunden
Was bedeuten die Kurven auf dem CTG?
Fetale Herzfrequenz (FHF)
Eine gesunde fetale Herzfrequenz liegt in der Regel zwischen 110 und 160 bpm. Die FHF-Kurve kann verschiedene Muster zeigen, darunter Akzelerationen (vorübergehende Erhöhungen der FHF) und Dezelerationen (vorübergehende Abnahmen der FHF), die auf die Reaktion des Fötus auf Wehen oder mögliche Stressfaktoren hinweisen. Die Variabilität/Oszillation dieser Kurve, also die Fluktuation der Herzfrequenz um einen Mittelwert, liefert wichtige Hinweise auf den Zustand des autonomen Nervensystems des Fötus.
Wehentätigkeit
Die untere Kurve gibt Aufschluss über die Häufigkeit, Dauer und Stärke der Wehen. Regelmäßige, starke Kontraktionen sind ein Zeichen für den Fortschritt der Geburt. Nicht jede Kontraktion ist eine Geburtswehe; oft bemerkt man die im CTG aufgezeichneten Kontraktionen gar nicht.

Herausforderungen und Kritik an der Kardiotokografie
Einige Experten weisen auf Herausforderungen und Kritikpunkte an der Kardiotokografie hin:
- Interobserver-Variabilität: Die Interpretation der CTG-Ergebnisse kann zwischen verschiedenen Untersuchern variieren, was zu unterschiedlichen Bewertungen führen kann.
- Zunahme operativer Eingriffe: Es gibt die Sorge, dass eine häufige Anwendung von CTGs, insbesondere in Risikogruppen, zu einer Zunahme von Kaiserschnitten oder anderen operativen Eingriffen führen könnte, die möglicherweise nicht immer notwendig sind.
- Fehlende eindeutige Evidenz: Die Aussagekraft von CTGs zur Vorhersage von kindlichem Leid unter der Geburt ist Gegenstand fortlaufender Forschung und Diskussion.
CTG ablehnen: Gründe und Überlegungen
Wenn Sie Bedenken bezüglich der Notwendigkeit oder der Auswirkungen von CTG-Untersuchungen haben, ist es wichtig, diese offen mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme zu besprechen. Sie haben das Recht, nach den Gründen für die Empfehlung eines CTGs zu fragen und mögliche Alternativen zu erörtern. In einer Schwangerschaft ohne besondere Risiken kann es durchaus vertretbar sein, auf routinemäßige CTG-Untersuchungen zu verzichten, wenn Sie dies wünschen und dies mit Ihrem medizinischen Betreuungsteam abgestimmt ist.
Was ist ein Doppler-Ultraschall?
Ein Doppler-Ultraschall (Duplex-Sonografie) ist eine spezielle Ultraschall-Untersuchung, die während der Schwangerschaft durchgeführt wird, um die Fließgeschwindigkeit in den Gefäßen und die Durchblutung wichtiger Organe des ungeborenen Kindes zu messen. Diese Untersuchung kommt in besonderen Fällen zum Einsatz, wie zum Beispiel bei Verdacht auf langsames Wachstum des Kindes, unzureichender Fruchtwassermenge oder bestimmten Erkrankungen der Mutter (z.B. Bluthochdruck oder Diabetes). Ab einem Alter von 35 Jahren gehört sie zu den Standarduntersuchungen.
Ab der 19. Schwangerschaftswoche wird mit einem speziellen Schallkopf die Durchblutung der Gebärmutter, der Plazenta, der Nabelschnur sowie der Hauptschlagader und Gehirngefäße des Babys untersucht. So kann der Arzt die Versorgung des Babys mit Blut und Nährstoffen beurteilen.
Was passiert, wenn das CTG oder die Doppler-Untersuchung auffällige Ergebnisse zeigen?
In solchen Fällen können Mutter und Kind intensiver überwacht werden, und der Arzt kann den optimalen Zeitpunkt für eine mögliche vorzeitige Entbindung festlegen, falls eine unzureichende Versorgung des Kindes festgestellt wird.