Die Antibabypille zur Unterdrückung der Menstruation: Möglichkeiten und Überlegungen

Die Möglichkeit, die monatliche Menstruation mithilfe der Antibabypille zu stoppen oder zu verschieben, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Viele Frauen wünschen sich eine blutungsfreie Zeit, da die Menstruation in bestimmten Lebenssituationen als störend empfunden werden kann. Dies reicht von persönlichen Präferenzen, wie dem Wunsch nach mehr Freiheit im Urlaub, bis hin zu praktischen Erwägungen, wie dem Vermeiden von Schmerzen und Beeinträchtigungen während wichtiger Termine oder Prüfungen.

Grundsätzlich ist die Unterdrückung der Periode durch die Einnahme der Antibabypille relativ einfach umzusetzen. Die entscheidende Methode hierbei ist die kontinuierliche Einnahme der Pille ohne die übliche siebentägige Pause. Diese Pause ist historisch gewachsen und hat keinen primär medizinischen Grund. Als die Pille in den 1960er Jahren auf den Markt kam, wurde die Pillenpause eingeführt, um den natürlichen Zyklus nachzuahmen und so die Akzeptanz des neuen Verhütungsmittels zu erhöhen. Die dabei auftretende Blutung ist keine natürliche Menstruation, sondern eine künstlich erzeugte Entzugsblutung, die durch den Hormonabfall nach Absetzen der Pille ausgelöst wird.

Der natürliche Zyklus im Vergleich zur Pilleneinnahme

Ein natürlicher Menstruationszyklus dauert in der Regel etwa 28 Tage. Nach dem Eisprung, der etwa um den 14. Tag herum stattfindet, und bei ausbleibender Befruchtung, sinkt die Produktion weiblicher Hormone. Dies führt dazu, dass die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen wird, was sich als Menstruationsblutung manifestiert. Die Antibabypille ahmt diesen Mechanismus nach, indem sie den Hormonspiegel kontrolliert. Wird die Pille nach 21 Tagen Einnahme abgesetzt, kommt es zu einer Entzugsblutung, da die Hormone fehlen. Diese Entzugsblutung ist typischerweise schwächer als eine natürliche Periode, da sich die Gebärmutterschleimhaut nur zu einem geringeren Teil aufbaut.

Schematische Darstellung des weiblichen Zyklus und der Pillenwirkung

Der Langzyklus: Vorteile und medizinische Aspekte

Die 21-Tage-Einnahme gefolgt von einer 7-Tage-Pause ist rein historisch bedingt. Da es keine stichhaltigen medizinischen Gründe für dieses Schema gibt und viele Frauen die monatliche Blutung vermeiden möchten, gewinnt der sogenannte Langzyklus - die durchgehende Einnahme der Pille - an Popularität. Viele Frauen entscheiden sich aus medizinischen Gründen für die Dauereinnahme, insbesondere wenn sie unter starken Regelbeschwerden leiden. Dazu gehören:

  • Starke Regelschmerzen und Krämpfe
  • Kopf- und Rückenschmerzen
  • Stimmungsschwankungen

Darüber hinaus kann die Langzeiteinnahme auch bei bestimmten Erkrankungen hilfreich sein, wie beispielsweise bei Zysten an den Eierstöcken oder gutartigen Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut. Studien deuten sogar auf ein potenziell geringeres Risiko für Eierstockkrebs hin.

Mögliche Bedenken und Langzeitfolgen

Grundsätzlich ist die Hormondosis bei der Dauereinnahme der Pille höher als bei der Einnahme im Monatsrhythmus. Die genauen Langzeitfolgen sind jedoch noch nicht vollständig erforscht, da entsprechende Langzeitstudien fehlen. Während einige Experten den Langzyklus als unproblematisch betrachten, äußern andere Bedenken hinsichtlich möglicher Störungen des komplexen weiblichen Hormonhaushalts und negativer Einflüsse auf Stoffwechselprozesse. Eine Cochrane Review konnte jedoch kurzfristig keine negativen Unterschiede zwischen der regelmäßigen und der Langzeiteinnahme feststellen.

Geeignete Pillenpräparate und Beratung

Für den Langzyklus eignen sich in der Regel niedrig dosierte Einphasenpräparate, sogenannte Mikropillen, bei denen die Hormondosis von Östrogen und Gestagen in jeder Tablette gleich ist. Bei Unsicherheiten bezüglich der Eignung eines bestimmten Präparats ist eine Beratung durch einen Frauenarzt oder Apotheker unerlässlich. Seit Februar 2017 ist auch eine speziell für den Langzyklus konzipierte Pille auf dem Markt, die die Periode nur viermal im Jahr auftreten lässt. Meist wird jedoch eine "normale" Pille für den Langzyklus verwendet, was als "Off-Label-Use" gilt, da Langzeitstudien über mehr als 10 Jahre fehlen.

Liebe mit Sicherheit. Wie funktioniert die Pille? (Trailer)

Historische und evolutionäre Perspektive

Interessanterweise hatten Frauen in der Vergangenheit durch häufigere Schwangerschaften und längere Stillzeiten seltener ihre Periode als moderne Frauen. Forscher schätzen, dass Frauen vor 100 Jahren im Laufe ihres Lebens etwa 160 Monatsblutungen hatten, während moderne Frauen mit weniger als zwei Kindern und 450 Regelblutungen konfrontiert sind. Die frühere Menarche (erste Menstruation) bei Mädchen trägt ebenfalls zu dieser erhöhten Anzahl bei. Früher wurde die Menstruation oft als reinigende oder entgiftende Funktion betrachtet, heute wird sie zunehmend mit gesundheitlichen Problemen in Verbindung gebracht, wie:

  • Blutarmut und Eisenmangel aufgrund von Eisenverlust
  • Prämenstruelles Syndrom (PMS)
  • Endometriose, begünstigt durch rückwärts fließendes Menstruationsblut
  • Eierstockkrebs, da jeder Eisprung kleine Läsionen auf den Eierstöcken hinterlässt

Die Rolle der Placebopillen und des hormonfreien Intervalls

Bei vielen kombinierten hormonellen Verhütungsmitteln, wie der Pille, dem Pflaster und dem Vaginalring, wird nach einer Einnahmephase von etwa drei Wochen eine einwöchige hormonfreie Zeit eingelegt. Die Blutung, die in dieser Woche auftritt, ist eine Entzugsblutung und unterscheidet sich in der Regel von einer natürlichen Menstruationsblutung, da sie schwächer ist. Es gibt keine medizinische Notwendigkeit, diese Blutung jeden Zyklus zu haben. Das Auslassen der Placebopillen oder der hormonfreien Zeit ist sicher und kann den Zyklus verlängern. Dies geschieht durch die kontinuierliche Einnahme der aktiven Pillen, was zu einer konstanten Hormonversorgung führt und Schwankungen vermeidet. Aktive Pillen verhindern das Wachstum des Endometriums und den Eisprung.

Vergleich von natürlichem Zyklus und hormoneller Verhütung

Müssen Placebopillen eingenommen werden?

Nein, die Einnahme von Placebopillen ist nicht zwingend erforderlich. Sie dienen lediglich als Erinnerung, täglich eine Pille einzunehmen. Das Auslassen der Placebopillen und der sofortige Beginn mit der nächsten Packung aktiver Pillen hat keine negativen Auswirkungen auf die Verhütungswirksamkeit. Wenn die Placebopillen ausgelassen werden, muss innerhalb von sieben Tagen mit der nächsten Packung begonnen werden, um den Schutz vor einer Schwangerschaft aufrechtzuerhalten. Eine zusätzliche Verhütungsmethode wie Kondome kann in dieser Zeit ratsam sein.

Vorteile und potenzielle Nebenwirkungen des Auslassens der Periode

Das Auslassen der Periode kann verschiedene Vorteile mit sich bringen. Ursprünglich wurde die kontinuierliche Einnahme von Antibabypillen für Frauen mit starken Blutungen, Anämie und Blutungsstörungen verschrieben. Heute wird sie auch bei anderen Beschwerden eingesetzt, wie hormonell bedingten Kopfschmerzen, Endometriose, Periodenschmerzen, PMS und PMDD. Die Nebenwirkungen des Auslassens der Periode ähneln im Allgemeinen denen der regulären Pilleneinnahme. Dazu gehören:

  • Zwischenblutungen oder Schmierblutungen: Diese sind besonders in den ersten Monaten häufig, nehmen aber meist mit der Zeit ab.
  • Übelkeit: Kann bei manchen Frauen auftreten und durch die Einnahme vor dem Schlafengehen gelindert werden.
  • Stimmungsschwankungen: Das Auslassen von Perioden kann für Frauen, die während ihrer Periode Stimmungsschwankungen erleben, vorteilhaft sein.
  • Brustspannen: Obwohl es keine spezifischen Studien dazu gibt, könnte das Auslassen der Periode Brustschmerzen lindern.
  • Sexualtrieb: Einige Frauen berichten von einem positiven Einfluss auf ihren Sexualtrieb.
  • Blutklümpchen: Bei entsprechender Vorerkrankung sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Arten von Antibabypillen und deren Anwendung im Langzyklus

Es gibt verschiedene Arten von Antibabypillen, die sich in ihrer Hormonkonzentration und Wirkungsweise unterscheiden:

  • Minipille: Enthält nur Gestagen und wird in der Regel ohne hormonfreie Zeit eingenommen. Sie kann zu unregelmäßigen Zwischenblutungen führen.
  • Kombinationspillen: Enthalten Östrogen und Gestagen. Sie können für 28-Tage-Zyklen, für Langzeitanwendung (drei Monate mit einer Woche Pause) oder in kontinuierlicher Formulierung (ganzjährig ohne Pause) konzipiert sein.
  • Pillen mit niedrigem Östrogengehalt: Enthalten 20 µg Estradiol oder weniger.

Auch das Hormonpflaster und der Vaginalring können kontinuierlich angewendet werden, um eine Entzugsblutung zu vermeiden. Bestimmte Verhütungsmethoden wie die Verhütungsspritze, Intrauterinpessare (Spirale) und subdermale Implantate sind ebenfalls darauf ausgelegt, die Anzahl der Perioden über einen längeren Zeitraum zu reduzieren.

Die Bedeutung des Trackings mit Apps

Apps wie Clue können dabei helfen, die Antibabypille zu tracken und das Vergessen zu vermeiden. Sie bieten tägliche Erinnerungen und Benachrichtigungen für den Beginn neuer Pillenpackungen, um versehentliche Verlängerungen des hormonfreien Intervalls zu verhindern. Darüber hinaus können sie zur Protokollierung von Symptomen wie Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen oder Müdigkeit genutzt werden, um den Körper und seine Reaktionen auf die hormonelle Verhütung besser zu verstehen.

Entzugsblutung vs. "echte" Periode

Die Blutung, die während der Einnahme kombinierter hormoneller Verhütungsmittel auftritt, wird als Entzugsblutung bezeichnet. Sie ist nicht dasselbe wie eine "echte" Periode, da kein Eisprung stattfindet. Die Entzugsblutung entsteht durch den Abfall des Hormonspiegels während des hormonfreien Intervalls. Sie ist in der Regel schwächer, kürzer und kann anders aussehen als eine natürliche Menstruationsblutung. Manchmal tritt sie nur leicht oder gar nicht auf. Das Ausbleiben der Entzugsblutung bedeutet nicht zwangsläufig, dass keine Schwangerschaft vorliegt, insbesondere wenn die Einnahme der Pille vergessen wurde. In solchen Fällen ist ein Schwangerschaftstest ratsam.

Die Pillenpause: Historische Gründe und heutige Erkenntnisse

Die sieben-tägige Pillenpause wurde ursprünglich eingeführt, um die Akzeptanz der Pille zu erhöhen und den natürlichen Zyklus zu imitieren. Nach heutigem Kenntnisstand bringt die monatliche Pause jedoch weder gesundheitliche Vorteile noch reduziert sie Nebenwirkungen. Daher ist es medizinisch nicht notwendig, eine Pillenpause einzulegen. Die Verkürzung oder das Auslassen der Pause sind aus medizinischer Sicht unproblematisch und können das Risiko für ungewollte Schwangerschaften sogar weiter minimieren.

Wissenschaftliche Perspektiven und individuelle Entscheidungen

Die wissenschaftliche Forschung zum Langzyklus und seinen langfristigen Auswirkungen ist noch nicht abgeschlossen. Während einige Studien auf eine hohe Sicherheit und vergleichbare Risiken wie bei der regulären Pilleneinnahme hindeuten, gibt es auch Bedenken hinsichtlich der Gesamtdosis an Sexualhormonen und möglicher Langzeiteffekte. Letztendlich ist die Entscheidung, die Pille im Langzyklus einzunehmen, eine individuelle, die in Absprache mit einem Frauenarzt getroffen werden sollte. Dabei werden sowohl medizinische Aspekte als auch persönliche Präferenzen und Lebensumstände berücksichtigt.

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