Die Entscheidung für oder gegen einen Kaiserschnitt ist eine komplexe, die von vielen Faktoren beeinflusst wird. Während in der Vergangenheit der Kaiserschnitt als riskanter Eingriff galt, hat sich die medizinische Praxis weiterentwickelt. Dennoch bleiben Fragen bezüglich der Auswirkungen auf Mutter und Kind bestehen.
Die Entscheidung für den Kaiserschnitt: Medizinische Notwendigkeit und elterliche Wünsche
Ein wichtiger Grund für die Zunahme der Kaiserschnitte liegt in der Tatsache, dass das Risiko der Schnittentbindung für die Mutter in den letzten Jahren erfreulich abgenommen hat. Früher galt der Kaiserschnitt als großer Eingriff mit gefürchteten Risiken für Blutungen, Infektionen und Thrombosen. Mittlerweile hat jedoch der operative Eingriff seinen Schrecken verloren. Eine große Rolle beim wachsenden Trend zum Kaiserschnitt (medizinisch: Sectio caesarea) spielt das Alter der Mütter beim Kinderkriegen: Immer mehr Frauen bekommen ihr erstes und vielleicht einziges Kind im Alter von über 35 Jahren. Sie haben deshalb den verständlichen Wunsch, bei dieser Geburt “auf Nummer sicher” zu gehen. Während sich Geburtshelfer früher nur dann für einen Kaiserschnitt entschlossen, wenn die Gefahren für Mutter oder Kind durch die natürliche Geburt größer waren als die Risiken eines Kaiserschnitts, werden sie heute oft auch auf Wunsch der Schwangeren tätig. Der Gedanke, stundenlange Wehenschmerzen auf sich zu nehmen, erscheint auch vielen anderen Frauen als abwegig. Andere Schwangere möchten ihre Beckenmuskeln nicht den Strapazen einer Geburt aussetzen. Eine geplante Schnittentbindung hat überdies für Geburtshelfer und Entbindungsklinik Vorteile: Die Geburt kann zu einem festgelegten Termin stattfinden, niemand muss mitten in der Nacht oder am Wochenende in den Kreißsaal gerufen werden.

Natürliche Geburt vs. Kaiserschnitt: Erfahrungen und Sorgen
Die Erfahrungen von Frauen mit Kaiserschnitten sind vielfältig. Einige berichten von Komplikationen bei natürlichen Geburten, wie beispielsweise einer Geburtszange, die zu schlechten Herztönen beim Kind führte. In solchen Fällen wird oft ein Kaiserschnitt als rettende Option betrachtet. Andere Frauen äußern jedoch die Angst vor einem Kaiserschnitt und bevorzugen die natürliche Geburt, auch wenn das Kind groß ist. Eine Frau schildert ihre Sorge, dass ihr zweiter Sohn mit geschätzten 3200-3300g und einem Kopfdurchmesser von 10 cm möglicherweise eine Zangengeburt zur Folge haben könnte, und fragt nach Ratschlägen und Erfahrungen.
Im Gegensatz dazu berichten andere Frauen von positiven Erfahrungen mit natürlichen Geburten, selbst bei Kindern mit einem Gewicht von über 4000g. Sie betonen, dass die natürliche Geburt, wenn sie nicht medizinisch notwendig ist, jederzeit der natürlichen Geburt vorzuziehen sei, da sie ein wertvolles Geburtserlebnis darstellt, das bei einem Kaiserschnitt verloren gehen kann.
Manche Frauen berichten auch, dass die Schätzungen des Kindsgewichts vor der Geburt stark von der tatsächlichen Geburtsgröße abweichen können. So wurde ein Baby vor der Geburt auf 4200g geschätzt, wog bei der natürlichen Geburt jedoch nur 3500g. Dies führt zu der Überlegung, dass nicht immer ein Kaiserschnitt ratsam ist und man sich nicht von Ärzten zu oft zu einem Kaiserschnitt drängen lassen sollte, nur aus Übervorsichtigkeit.
Mögliche langfristige Auswirkungen des Kaiserschnitts auf das Kind
Die Stiftung Kindergesundheit warnt, dass das, was teurer ist, nicht unbedingt besser sein muss. Bei einer Schnittentbindung fehlen wichtige natürliche Reize für den Organismus des Babys, was nicht nur in den ersten Lebenswochen zu zahlreichen Gesundheitsproblemen führen kann, sondern auch Risiken fürs spätere Leben mit sich bringt.
Der Darm des Babys ist im Mutterleib noch frei von Keimen und steril. Erst bei der Geburt kommt er mit den Keimen der Umwelt in Berührung. Bereits während das Baby den Geburtskanal passiert, werden seine Haut, Nägel und Haare mit nützlichen Mikroben der Darm- und Vaginalflora und der Haut seiner Mutter besiedelt. Die Besiedlung mit diesen Mikroben - darunter Escherichia coli, Enterokokken und Laktobazillen - spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Immunsystems. Bei einem Kaiserschnitt ist das Baby dagegen zuallererst den Hautkeimen des OP-Personals und der Mutter ausgesetzt. Das Bakterienspektrum der dadurch entstehenden Darmflora unterscheidet sich deshalb deutlich von dem eines vaginal entbundenen Babys. Die Vielfältigkeit der Darmflora ist deutlich geringer im Vergleich zur natürlichen Geburt.

Die möglichen Folgen der Fehlbesiedlung nach Kaiserschnittentbindung im Vergleich zur Vaginalgeburt wurden beispielhaft in der großen GINI-Studie untersucht, die am Studienzentrum an der Universität München von Professor Dr. Sibylle Koletzko geleitet wird. Auf dem Weg durch den Geburtskanal wird der Körper des Babys einem immensen Druck ausgesetzt und intensiv massiert.
Ergebnisse aus 23 Studien zum Zusammenhang der Kaiserschnittgeburt mit Asthma liegen vor. Eine Auswertung von 20 Studien in einer sogenannten Metaanalyse ergab, dass Kinder, die per Kaiserschnitt geboren wurden, ein erhöhtes Risiko für Asthma und Allergien haben. Nach einer aktuellen Studie von Professor Annette-Gabriele Ziegler vom Institut für Diabetesforschung am Helmholtz-Zentrum München ist das Risiko für Kinder zuckerkranker Eltern mit 4,8 Prozent sogar doppelt so hoch nach einem Kaiserschnitt bis zum 12. Lebensjahr.
In Boston verfolgten Geburtshelfer und Kinderärzte die Entwicklung von 1.255 Kindern nach der Geburt. Sie stellten fest, dass der Anteil der übergewichtigen Kinder unter den 284 Kaiserschnitt-Babys im Vorschulalter doppelt so hoch war wie in der Gruppe der Babys nach einer natürlichen Entbindung. Die Stiftung Kindergesundheit stellt fest: Es gibt immer mehr Beweise dafür, dass die natürliche Geburt einen wichtigen Teil der frühen Programmierung darstellt, dessen positive Effekte die Gesundheit noch viele Jahre später grundlegend beeinflussen können. Ein Kaiserschnitt sollte deshalb nur bei medizinischer Notwendigkeit für die Gesundheit der Mutter oder des Babys vorgenommen werden.
Die Langzeitstudie der Universität Luxemburg liefert jetzt Beweise dafür, dass das Fehlen der ursprünglichen Bakterienportion noch lange nachwirkt. Die Forschergruppe unter der Leitung von Paul Wilmes untersucht seit mehreren Jahren das Darm-Mikrobiom von Kindern ab ihrer Geburt. Dieses Mikrobiom ist eine Gemeinschaft von Billionen von Mikroorganismen in und auf uns Menschen. Anna Heintz-Buschart war Mitautorin der Studie und arbeitet am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle. Sie war maßgeblich daran beteiligt, die unterschiedliche Zusammensetzung der Mikroorganismen, also das Mikrobiom, der beiden Gruppen sichtbar zu machen: "Also es gibt Unterschiede und diese Unterschiede sind teilweise auch nach einem Jahr immer noch sichtbar. Bei einem Kaiserschnitt wird der Mutter in der Regel ein Antibiotikum gegeben. Das heißt, das Baby kommt schon vor der Geburt damit in Berührung. Das, was wir alle so fürchten, nämlich Antibiotikaresistenzen, könnte also bereits als erste Reaktion der Bakterien im Darm beim Neugeborenen beginnen. Die beiden Gruppen haben de facto unterschiedliche Mikroorganismen im Darm. Nach der Geburt ist dieser Unterschied besonders groß, über die Zeit gleicht er sich etwas an. Aber eben nicht vollständig. Und gerade die Stimulation der Immunzellen bleibt unterschiedlich. Die Forschenden wollen nun herausfinden, was diese Unterschiede im ersten Lebensjahr für Langzeitfolgen haben könnten. Nun weiß man aus epidemiologischen Studien, dass Menschen, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, ein höheres Risiko haben, Autoimmunkrankheiten zu entwickeln. Allergien, Stoffwechselkrankheiten und eben auch Autoimmunkrankheiten wie Diabetes Typ 1 könnten Folgen von veränderten Darmmikrobiomen beim Baby sein."
Kinder nach Sectio seien in diesem Punkt schlechter vorbereitet. Die Folge: Das Bakterienspektrum der Darmflora nach Kaiserschnitt unterscheidet sich deutlich von der eines vaginal entbundenen Babys. Die Vielfältigkeit der Darmflora ist deutlich geringer. Bacteroides- und Bifidobakterien sind deutlich vermindert oder fehlen ganz. Und das hat Folgen, wie die große GINI-Studie der Universität München zeigt: Die mit Kaiserschnitt entbundenen Babys hatten ein um fast 50 Prozent erhöhtes Risiko, im ersten Lebensjahr an einer Durchfallerkrankung zu leiden. Zudem war die Entstehung einer Lebensmittelunverträglichkeit um mehr als doppelt so hoch als bei Kindern nach einer vaginalen Geburt.
Unterschiedliche Erfahrungen bezüglich der Empfindlichkeit von Kaiserschnittkindern
Es gibt unterschiedliche Meinungen und Erfahrungen darüber, ob Kinder, die per Kaiserschnitt geboren wurden, empfindlicher sind. Einige berichten, dass ihr Kaiserschnittkind das genaue Gegenteil von empfindlich sei, robust, temperamentvoll und pflegeleicht. Andere kennen Kinder, die normal geboren wurden und als schwierig gelten. Es wird vermutet, dass die Erziehung eine größere Rolle spielt, ob Kinder zimperlich sind oder nicht, als die Art der Geburt. Auch die körperliche Erholung nach einem Kaiserschnitt kann variieren. Einige Frauen berichten von starken Rückenschmerzen im unteren Bereich und an den Seiten nach einem Kaiserschnitt, die beim Aufstehen besser werden. Andere haben nach sechs Wochen nach einem Kaiserschnitt immer noch einen dicken und festen Bauch.
Die Stiftung Gesundheit hebt hervor, dass Kinder einen Kaiserschnitt manchmal nicht unbeschadet überstehen. Sie leiden häufiger an Anpassungsstörungen kurz nach der Geburt. Weil ihre Lungen auf das Atmen nicht während des Geburtsvorgangs vorbereitet wurden, bekommen die Säuglinge anfangs zwei- bis siebenmal so häufig nicht genug Luft. Sie müssten dann ihre ersten Lebenstage auf der Intensivstation verbringen, wo Fruchtwasser aus ihren Atemwegen abgesaugt werden muss. Dies ist ein Eingriff, den Eltern ohne Not vermeiden möchten.
Postoperative Erholung und Empfehlungen nach Kaiserschnitt
Die Erholungsphase nach einem Kaiserschnitt kann unterschiedlich lang sein und von verschiedenen Faktoren abhängen. Ärzte empfehlen in der Regel, etwa acht Wochen mit intimer Nähe zu warten. Frauen, die ihre erste Periode nach der Geburt für die Pilleneinnahme nutzten, fragen sich, ob dies zu früh war, da sich der Körper hormonell noch umstellt. Es wird auch die Frage aufgeworfen, ob die zusätzliche Hormonbelastung durch die Pille zu viel sein könnte.
Bei der Einnahme der Pille können Nebenwirkungen wie längere Periode oder Dauerblutungen auftreten. Bei Absetzen der Pille hören diese Blutungen in der Regel von selbst auf. Frauen, die kurz nach einem Kaiserschnitt schwanger werden, müssen sich ebenfalls mit den besonderen Umständen auseinandersetzen.
Das passiert bei einem Kaiserschnitt! 🍼👶
Insgesamt ist die Entscheidung für oder gegen einen Kaiserschnitt eine sehr persönliche. Es ist ratsam, sich umfassend zu informieren, verschiedene Meinungen einzuholen und die Entscheidung gemeinsam mit dem medizinischen Fachpersonal zu treffen, wobei die langfristigen Auswirkungen auf das Kind berücksichtigt werden sollten.
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