Clomifen in der Kinderwunschbehandlung: Wirkweise, Anwendung und Risiken

Ein unerfüllter Kinderwunsch, der mit einem unregelmäßigen oder ausbleibenden Eisprung einhergeht, kann für viele Frauen eine große emotionale Belastung darstellen. In solchen Fällen kann die Behandlung mit dem Wirkstoff Clomifen eine unterstützende Maßnahme sein, um die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen. Clomifen ist ein Medikament, das seit Jahrzehnten erfolgreich in der Kinderwunschbehandlung eingesetzt wird und als selektiver Östrogenrezeptormodulator (SERM) fungiert.

Wie wirkt Clomifen?

Clomifen ist ein Wirkstoff und Medikament, das antiöstrogen wirkt. Seine Hauptfunktion besteht darin, dem weiblichen Körper vorzugaukeln, dass ein Mangel an Östrogen besteht. Dies geschieht, indem Clomifen die Andockstellen (Rezeptoren) für Östrogene im Hypothalamus, einem wichtigen Steuerzentrum im Gehirn, blockiert. Normalerweise signalisiert ein hoher Östrogenspiegel dem Hypothalamus, die Produktion von Hormonen zu drosseln. Wenn Clomifen die Östrogenrezeptoren blockiert, wird dieser negative Rückkopplungsmechanismus unterbrochen.

Als Folge dieser Blockade schüttet der Hypothalamus vermehrt Gonadoliberin (GnRH) aus. GnRH wiederum stimuliert die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) zur Ausschüttung von follikelstimulierendem Hormon (FSH) und luteinisierendem Hormon (LH). Diese Gonadotropine wirken auf die Eierstöcke und regen dort die Follikelreifung an, was letztendlich zum Eisprung (Ovulation) führen soll.

Darüber hinaus kann Clomifen auch die körpereigene Östrogensynthese in den Follikeln stimulieren. Es ist wichtig zu betonen, dass Clomifen keine gestagenen, androgenen oder gluko- und mineralokortikoiden Effekte hat.

Schema des Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Systems und die Wirkung von Clomifen

Anwendungsgebiete von Clomifen

Clomifen ist primär für Frauen mit Kinderwunsch zugelassen, die unter einer ovulatorischen Dysfunktion leiden, also einem unregelmäßigen oder ausbleibenden Eisprung. Es kann auch bei bestimmten Formen der ausbleibenden Regelblutung (Amenorrhoe) eingesetzt werden, wenn dies auf eine hormonelle Störung im Bereich von Hypothalamus und Hypophyse zurückzuführen ist.

Die Behandlung mit Clomifen kommt infrage, wenn andere Ursachen für die Unfruchtbarkeit sowohl bei der Frau als auch beim Mann bereits ausgeschlossen wurden. Dazu gehören beispielsweise anatomische Veränderungen der Eileiter oder männliche Sterilitätsfaktoren.

Wie wird Clomifen angewendet?

Clomifen wird in der Regel in Form von Tabletten eingenommen, was die Anwendung zu Hause erheblich vereinfacht. Die Behandlung erfolgt in Zyklen, wobei die genaue Dosierung und der Beginn der Einnahme individuell vom behandelnden Arzt festgelegt werden.

Dosierung und Einnahmezeitpunkt

Die empfohlene Anfangsdosis für den ersten Behandlungszyklus beträgt meist 50 mg Clomifen täglich über fünf Tage. Der Therapiebeginn ist flexibel und kann am zweiten, dritten, vierten oder fünften Tag nach Einsetzen der Menstruation erfolgen. Der erste Tag der Menstruation wird als Zyklustag 1 gezählt.

Sollte mit dieser Dosierung im ersten Zyklus kein Eisprung ausgelöst werden, kann im nächsten Zyklus eine höhere Dosis, beispielsweise 100 mg täglich über fünf Tage, verordnet werden. Insgesamt können bis zu sechs Therapiezyklen durchgeführt werden.

Falls die Patientin längere Zeit keine Menstruation hatte, kann die Behandlung zu einem beliebigen Zeitpunkt begonnen werden, oder es wird zunächst versucht, eine Regelblutung mit Gestagenen auszulösen.

Kontrolle und Timing

Eine wesentliche Komponente der Clomifen-Therapie ist die regelmäßige Kontrolle des Follikelwachstums mittels Ultraschall. Diese Überwachung beginnt üblicherweise ab dem 10. oder 11. Zyklustag nach Einnahmebeginn. Anhand der Größe der heranreifenden Follikel (Eibläschen) kann der Arzt den optimalen Zeitpunkt für den Eisprung abschätzen.

Zusätzlich kann ein urinärer LH-Test (z.B. Clearblue) verwendet werden, um den Anstieg des luteinisierenden Hormons, der den Eisprung ankündigt, zu detektieren. Im Kinderwunschzentrum Erlangen wird so der optimale Zeitpunkt für den Geschlechtsverkehr (Zeitpunkt für Verkehr zum Optimum - VZO) oder eine Insemination ermittelt.

Ein entscheidender, aber oft vernachlässigter Schritt ist die Bestimmung des Progesteron-Wertes im Blut etwa eine Woche nach dem Eisprung. Dieser Wert ist wichtig, um eine mögliche Gelbkörperschwäche aufzudecken und die Dosierung oder weitere Unterstützung im folgenden Zyklus zu optimieren.

Ultraschallbild eines heranreifenden Follikels im Eierstock

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken

Obwohl Clomifen ein bewährtes Medikament ist, kann es wie jedes Medikament Nebenwirkungen haben. Die häufigsten Nebenwirkungen sind:

  • Vasomotorischer Flush und Hitzewallungen: Diese sind in der Regel sofort nach Beendigung der Therapie reversibel.
  • Vergrößerung der Eierstöcke: Dies kann mit Unterbauchbeschwerden einhergehen.
  • Sehstörungen: Dazu gehören verschwommenes Sehen, Lichtblitze oder Flecken. Bei Auftreten solcher Symptome sollte die Einnahme von Clomifen sofort beendet und ein Augenarzt aufgesucht werden.
  • Kopfschmerzen
  • Brustspannen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Blähungen

Ein weiteres potenzielles Risiko ist die Auslösung von Mehrlingsschwangerschaften. Die Wahrscheinlichkeit für Zwillinge liegt schätzungsweise bei 10%, für Drillinge bei etwa 1%. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Clomifen manchmal die Reifung mehrerer Follikel stimuliert.

Clomifen kann auch die Gebärmutterschleimhaut negativ beeinflussen und diese zu dünn werden lassen, was die Einnistung einer befruchteten Eizelle erschweren kann. Dies wird durch regelmäßige Ultraschallkontrollen überwacht.

Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen

Die Einnahme von Clomifen ist nicht für jede Frau geeignet. Kontraindikationen sind:

  • Hypophysen- oder Ovarialtumoren
  • Vorliegende oder zurückliegende Lebererkrankungen und -funktionsstörungen
  • Ungeklärte Uterusblutungen
  • Blutgerinnungsstörungen
  • Ovarialzysten (mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume in den Eierstöcken)
  • Sehstörungen bei vorangegangener Clomifen-Behandlung

Da Clomifen das Reaktionsvermögen beeinträchtigen kann, ist Vorsicht beim Bedienen von Maschinen oder im Straßenverkehr geboten.

Clomifen und Schwangerschaft

Clomifen darf nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden, da es dem Fötus schaden könnte. Auch wenn ein teratogenes Potenzial bisher nicht eindeutig bewiesen ist, wird aus Gründen der Vorsicht von einer Anwendung abgeraten. Um eine ungewollte Einnahme in einer Frühschwangerschaft zu vermeiden, wird vor jedem erneuten Behandlungszyklus ein Schwangerschaftstest empfohlen.

Clomifen kann zudem die Laktation (Milchbildung) hemmen, weshalb es in der Stillzeit nicht angewendet werden sollte.

Clomifen bei Männern?

Obwohl Clomifen hauptsächlich zur Behandlung von Frauen eingesetzt wird, gibt es auch Untersuchungen zur Anwendung bei Männern. Es wurde untersucht, ob Clomifen die Spermienbildung bei unfruchtbaren Männern steigern kann. Es gibt positive Hinweise auf eine entsprechende Wirksamkeit, jedoch ist das Medikament für diesen Einsatz nicht zugelassen. Ebenso wenig ist es für sportliche Zwecke wie Muskelaufbau vorgesehen. Clomifen und andere SERMs stehen auf der Verbotsliste der nationalen Antidopingagentur (NADA).

Clomifen-Therapie: Langfristige Perspektive

Sollte trotz erfolgreicher Auslösung von Eisprüngen und nach maximal sechs Behandlungszyklen kein Erfolg (Schwangerschaft) eingetreten sein, wird Clomifen in der Regel abgesetzt. In solchen Fällen wird oft auf eine niedrig dosierte Gonadotropinen-Behandlung oder andere reproduktionsmedizinische Verfahren umgestellt.

Die Clomifen-Therapie ist seit den 1960er Jahren bekannt und hat vielen Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch geholfen, ihren Traum von einer Familie zu verwirklichen. Eine sorgfältige ärztliche Betreuung und Überwachung sind entscheidend für den Erfolg und die Sicherheit der Behandlung.

Q&A: Alles was Du über Clomifen wissen solltest 🤰🏻 Kinderwunsch und Clomifen (Heidi Gößlinghoff)

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