Viele Frauen verfolgen ihren Zyklus, um den Eisprung zu bestimmen und so ihre Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen. Ovulationstests, die den Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH) im Urin messen, sind dabei ein beliebtes Hilfsmittel. Doch was passiert, wenn die Tests lange Zeit negativ bleiben, obwohl Anzeichen wie spinnbarer Zervixschleim und Mittelschmerz auf einen bevorstehenden Eisprung hindeuten? Ist ein Eisprung ohne messbaren LH-Anstieg möglich, oder bedeutet ein negativer Test, dass kein Eisprung stattfindet?
Zuverlässigkeit von Ovulationstests und die Rolle des LH-Anstiegs
Grundsätzlich gelten Ovulationstests als sehr zuverlässig, wenn sie korrekt angewendet werden und die richtige Intensität des LH-Anstiegs im Urin messen. Ein positiver Test zeigt einen LH-Anstieg an, der in der Regel 24 bis 36 Stunden vor dem Eisprung stattfindet. Dies ist die fruchtbarste Zeit, und Geschlechtsverkehr am Tag des positiven Tests sowie in den folgenden drei Tagen erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft erheblich.
Allerdings gibt es verschiedene Gründe, warum Ovulationstests über einen längeren Zeitraum negativ bleiben können, selbst wenn ein Eisprung stattfindet oder erwartet wird:
- Verpasster LH-Peak: Der LH-Anstieg kann kurz und intensiv sein, manchmal nur wenige Stunden dauern. Wenn der Test nicht häufig genug durchgeführt wird (empfohlen wird zweimal täglich), kann der Peak verpasst werden.
- Individuelle Zyklusvariationen: Nicht jeder Zyklus ist gleich. Stress, intensive körperliche Aktivität, plötzliche Gewichtsveränderungen oder ein ungewohntes Klima können den Eisprung beeinflussen und dazu führen, dass der LH-Anstieg ausbleibt oder anders verläuft.
- Falscher Testzeitpunkt: Bei unregelmäßigen Zyklen ist es schwierig, den optimalen Zeitpunkt für den Test zu bestimmen. Ein zu früher oder zu später Test kann zu negativen Ergebnissen führen.
- Sensibilität des Tests: Die Empfindlichkeit von Ovulationstests variiert. Empfindlichere Tests mit einer niedrigeren IU/L-Angabe können auch geringere LH-Werte nachweisen.
Es ist wichtig zu verstehen, dass ein LH-Anstieg nicht immer zwangsläufig zu einem Eisprung führt. Auch der Zervixschleim kann vor und nach dem Eisprung spinnbar sein und ist kein alleiniger Garant für den Eisprung.

Eisprung ohne messbaren LH-Anstieg: Ist das möglich?
Die Frage, ob ein Eisprung ohne messbaren LH-Anstieg möglich ist, ist komplex. Während der LH-Peak der entscheidende Auslöser für den Eisprung ist, gibt es Situationen, in denen die Detektion erschwert sein kann:
- Hormonelle Störungen: Abnormitäten im Hypothalamus können die LH-Produktion beeinträchtigen.
- Luteinisierung eines nicht gesprungenen Follikels: Manchmal reicht der LH-Wert aus, um von einem Test erkannt zu werden, aber das Ei verlässt den Eierstock nicht.
- Polyzystische Ovarien (PCOS): Bei PCOS kann ein Test einen LH-Anstieg anzeigen, aber es kommt nicht immer zu einem Eisprung.
- Künstliche Auslösung: Eine Auslösung des Eisprungs mit einer HCG-Spritze (z. B. Ovitrelle) könnte theoretisch auch ohne einen im Urin messbaren LH-Anstieg zu einem Eisprung führen.
In solchen Fällen können andere Methoden der Zyklusbeobachtung, wie die symptothermale Methode (Kombination aus Basaltemperaturmessung und Zervixschleimbeobachtung), zusätzliche Hinweise liefern. Die Basaltemperaturerhöhung nach dem Eisprung ist ein starker Indikator.
Ursachen für Zyklusunregelmäßigkeiten und Fruchtbarkeitsprobleme
Unregelmäßige Zyklen und Schwierigkeiten, schwanger zu werden, können vielfältige Ursachen haben, die sowohl bei Frauen als auch bei Männern liegen können. Nach dem Absetzen der Pille kann der Körper oft mehrere Monate benötigen, bis sich die Zyklen wieder einpendeln. Zykluslängen zwischen 36 und 48 Tagen sind in dieser Phase nicht ungewöhnlich.
Weitere Faktoren, die die Fruchtbarkeit beeinflussen können, umfassen:
Bei Frauen:
- Hormonelle Störungen: Ungleichgewichte bei Fruchtbarkeitshormonen können den Eisprung beeinträchtigen. Anovulation (Ausbleiben des Eisprungs) ist eine häufige Ursache für Unfruchtbarkeit.
- Strukturelle Probleme: Blockaden in den Eileitern (oft durch unbehandelte Chlamydieninfektionen verursacht), Tumore in der Gebärmutter oder Endometriose können eine Empfängnis verhindern. Endometriose kann auch zu starken oder schmerzhaften Perioden führen.
- Alter: Die Anzahl der Eizellen nimmt mit dem Alter ab. Ab 35 Jahren wird empfohlen, nach sechs Monaten erfolgloser Schwangerschaftsversuche einen Arzt aufzusuchen.
- PCOS: Das polyzystische Ovarialsyndrom kann zu unregelmäßigen Perioden, Gewichtszunahme und Fruchtbarkeitsproblemen führen.
Bei Männern:
- Geringe Spermienzahl oder schlechte Spermienqualität: Dies ist die häufigste Ursache für männliche Unfruchtbarkeit.
- Erektile Dysfunktion: Schwierigkeiten, eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten.
- Blockade des Samenleiters, genetische Erkrankungen, hormonelle Störungen.
Allgemeine Faktoren:
- Lebensstil: Übermäßiger Alkoholkonsum und Rauchen können die Fruchtbarkeit beider Partner beeinträchtigen. Auch der Konsum bestimmter Drogen und die Einnahme von Testosteron oder Anabolika können sich negativ auswirken.
- Gewicht: Über- oder Untergewicht kann den Menstruationszyklus stören und die Schwangerschaftschancen verringern.
- Medikamente: Einige Medikamente können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Eine Absprache mit dem Arzt ist hier ratsam.
- Vaginale Trockenheit: Bestimmte Gleitmittel können die Spermien negativ beeinflussen.
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Wann zum Arzt?
Wenn Sie unter 35 Jahre alt sind und seit einem Jahr erfolglos versuchen, schwanger zu werden, sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Sind Sie über 35 Jahre, ist eine Beratung nach sechs Monaten ratsam. Auch bei sehr kurzen (unter 23 Tagen), langen oder ausbleibenden Perioden sollte ein Arzt konsultiert werden.
Ärzte können verschiedene Untersuchungen durchführen, um Fruchtbarkeitsstörungen festzustellen:
- Blutuntersuchungen: Zur Bestimmung von Hormonspiegeln (z. B. Progesteron, Gonadotropine).
- Chlamydientest.
- Ultraschalluntersuchung: Zur Beurteilung von Eierstöcken, Gebärmutter und Eileitern.
- Röntgenuntersuchung oder Laparoskopie (Schlüsselloch-Chirurgie) zur genaueren Untersuchung der inneren Organe.
- Spermienanalyse beim Mann.
Auch wenn alle Tests normale Werte ergeben und eine Schwangerschaft dennoch ausbleibt, spricht man von ungeklärter Unfruchtbarkeit, die etwa 1 von 4 Paaren betrifft. In solchen Fällen können Behandlungen oder assistierte Reproduktionstechnologien (ART) helfen.