Der Wunsch nach Fortpflanzung ist ein natürliches menschliches Grundbedürfnis, das beim Menschen kognitiv gesteuert wird. Der weibliche Menstruationszyklus ist zweiphasig. In der ersten Zyklushälfte wächst unter dem Einfluss des follikelstimulierenden Hormons (FSH) ein Eibläschen im Eierstock heran, in dem die Eizelle heranreift. Dieser Prozess dauert in der Regel 11-14 Tage. Im wachsenden Eibläschen werden androgene Hormonvorstufen in das weibliche Sexualhormon Estradiol umgewandelt, welches den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut bewirkt.
Ein Eibläschen gilt ab einem Durchmesser von etwa 17 mm als ausreichend reif für den Eisprung. Der Eisprung selbst wird durch einen Ausstoß des luteinisierenden Hormons (LH) aus der Hirnanhangdrüse ausgelöst, welcher wiederum durch Endorphinausschüttung im Gehirn getriggert werden kann. Nach dem Eisprung wandelt sich das Eibläschen in den Gelbkörper um, der in der zweiten Zyklushälfte Progesteron produziert, um die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Schwangerschaft vorzubereiten.

Auslösen des Eisprungs im Rahmen der Kinderwunschbehandlung
In der Kinderwunschbehandlung wird häufig der Eisprung medikamentös ausgelöst, um den Zeitpunkt der Empfängnis optimal zu timen. Dies kann die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöhen, insbesondere im Zusammenhang mit Verfahren wie der Intrauterinen Insemination (IUI) oder der In-vitro-Fertilisation (IVF).
Medikamentöse Auslösepräparate
Zum Auslösen der Ovulation werden typischerweise hCG-Präparate eingesetzt. Hierzu zählen:
- Urinäre hCG-Präparate: Diese sind preisgünstiger, aber zunehmend schwerer verfügbar. Sie müssen vor der Anwendung mit Flüssigkeit gemischt und aufgezogen werden, was in ungeübten Händen zu Fehlern führen kann.
- Rekombinante hCG-Präparate (z. B. Ovitrelle): Diese sind einfacher in der Anwendung, da sie als Fertigspritze oder Einmalpen erhältlich sind und subkutan verabreicht werden können.
Zeitpunkt des Auslösens und Follikelgröße
Die Entscheidung, wann der Eisprung ausgelöst werden soll, basiert auf mehreren Faktoren, wobei die Follikelgröße eine zentrale Rolle spielt. Generell gilt ein Follikel ab 17 mm als reif für den Eisprung. Einige Experten empfehlen das Auslösen ab einer Größe von 17-18 mm, während andere eher auf eine Größe von 18-20 mm warten.
Die genaue Follikelgröße allein ist jedoch nicht immer ausschlaggebend. Auch der LH-Peak oder -Anstieg spielt eine wichtige Rolle für den Erfolg des Auslösens. In einigen Fällen kann es vorteilhaft sein, den Eisprung frühzeitig auszulösen, um den Eisprung perfekt timen zu können und zu verhindern, dass er vor einem geplanten IUI-Termin stattfindet.
Es ist wichtig zu betonen, dass das Wachstum der Follikel und die Reaktion auf Stimulationsmedikamente von Zyklus zu Zyklus und von Frau zu Frau variieren können. Daher sind regelmäßige Ultraschalluntersuchungen und eine individuelle Beurteilung durch den behandelnden Arzt unerlässlich.

Der Prozess der Empfängnis und Schwangerschaftsentwicklung
Nach dem Eisprung wandert die Eizelle in den Eileiter, wo sie für etwa 3-4 Tage befruchtungsfähig bleibt. Bei der Ejakulation werden Millionen von Spermien in die Scheide abgegeben. Nur die schnellsten und am besten geformten Spermien gelangen durch den Gebärmutterhals (dessen Schleim nur in der empfängnisfähigen Phase durchlässig ist) in die Gebärmutter und von dort in die Eileiter. Gelangt ein Spermium in die reife Eizelle, beginnt die Befruchtung und die Zellteilung. Nach etwa 5 Tagen erreicht der Embryo das Blastozystenstadium und wandert in die Gebärmutter, wo er sich einnistet. Das Hormon ß-HCG, das von der sich entwickelnden Schwangerschaft produziert wird, hält den Gelbkörper aufrecht und verhindert so die Menstruation. Das Ausbleiben der Periode ist somit das erste Zeichen einer Schwangerschaft.
Embryologie - Befruchtung und Implantation einfach erklärt
Stufenkonzept der Kinderwunschbehandlung
Bei unerfülltem Kinderwunsch wird oft ein stufenweises Behandlungskonzept verfolgt:
- Stufe 1 - Beobachtung des Eisprungs (Zyklusmonitoring): Hierbei wird der natürliche Zyklus mittels Ultraschall überwacht, um den Zeitpunkt des Eisprungs zu bestimmen. Bei einer Follikelgröße von 18-20 mm kann der Eisprung mit Ovitrelle ausgelöst werden, gefolgt von Geschlechtsverkehr. Ovulationsstreifen werden aufgrund ihrer oft unklaren Ergebnisse weniger empfohlen.
- Stufe 2 - Stimulierung eines Eisbläschens: Mittels Hormonspritzen (z. B. Gonal F) wird die Eibläschenreifung angeregt. Dies beginnt meist am 4. Zyklustag und erfordert regelmäßige Ultraschallkontrollen zur Verhinderung einer Überstimulation. Die Dauer der Stimulation und der Zeitpunkt des Eisprungs sind individuell.
- Stufe 3 - Intrauterine Insemination (IUI): Eine Kombination aus Ovulationsinduktion und IUI kann die Schwangerschaftschancen fast verdoppeln. Hierbei werden aufbereitete Spermien direkt in die Gebärmutter eingebracht. Die IUI erfordert Flexibilität bei der Terminplanung, da der Zeitpunkt nicht im Voraus genau bestimmt werden kann.
- Stufe 4 - In Vitro Fertilisation (IVF) / Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI): Bei bestimmten Ursachen des unerfüllten Kinderwunsches (z. B. Eileiterverschluss, schlechte Spermienqualität) wird eine künstliche Befruchtung im Labor durchgeführt. Hierbei werden Eizellen entnommen, im Labor befruchtet und die entstandenen Embryonen nach 3-5 Tagen in die Gebärmutter eingesetzt.
Die Entscheidung für eine bestimmte Behandlungsstufe hängt von der individuellen Ursache des unerfüllten Kinderwunsches ab. Bei der IVF/ICSI wird heutzutage oft der Single Embryo Transfer empfohlen, um das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften zu minimieren.