Eileiterprobleme: Ursachen, Folgen und Behandlung von Verklebungen und Fehlgeburten

Die Eileiter, auch als Tuben bezeichnet, sind entscheidende Anhänge der Gebärmutter, die eine zentrale Rolle im Fortpflanzungsprozess spielen. In ihnen findet die Befruchtung statt, die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle.

Funktion und Bedeutung der Eileiter

Die primäre Funktion des Eileiters besteht darin, die aus dem Eierstock ausgestoßene Eizelle aufzunehmen. Gleichzeitig erleichtert er den Spermien den Weg zur Eizelle. Jede Schädigung der Eileiter, sei es durch eine Verstopfung aufgrund von Fehlbildungen oder aus anderen Gründen, kann zu erheblichen Problemen bei der Empfängnis führen.

Oftmals bemerken Frauen erst dann, dass ihre Eileiter verklebt sind, wenn sie Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden, und ihre Fruchtbarkeit untersuchen lassen. Jeder Umstand, der sich auf die Eileiter auswirkt, kann zu Schädigungen führen.

Schema der weiblichen Fortpflanzungsorgane mit Hervorhebung der Eileiter

Ursachen für verklebte und beschädigte Eileiter

Es gibt eine Vielzahl von Ursachen, die zu Problemen mit den Eileitern führen können. Diese Krankheiten können den Eileiter blockieren und beschädigen:

Infektionen und Entzündungen

  • Entzündliche Beckenerkrankung (Pelvic Inflammatory Disease, PID): Dies ist die häufigste Ursache für verklebte Eileiter. PID ist eine unzureichend behandelte sexuell übertragbare bakterielle Infektion. Zu den Symptomen gehören Schmerzen während der Menstruation oder beim Geschlechtsverkehr, starker Scheidenausfluss mit unangenehmem Geruch und Beschwerden beim Wasserlassen.
  • Aufsteigende Infektionen: Infektionen, die über die Gebärmutter zu den Eileitern aufsteigen, sind häufige Auslöser. Hauptauslöser sind oft Chlamydien sowie Gonokokken (umgangssprachlich „Tripper“). Insbesondere Chlamydien und Mykoplasmen können sich symptomlos über längere Zeit im Körper vermehren und bei ausbleibender Behandlung zu einer Verklebung der Eileiter führen. Die Entzündung verändert das Gewebe, was zu Verwachsungen und Vernarbungen führt.
  • Entzündungen, die zu Schädigungen führen: Bestimmte Entzündungen wie Tuberkulose oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen können ebenfalls die Gebärmutter und die Eileiter schädigen.
  • Bakterien bei sexueller Aktivität: Bakterien, die bei sexueller Aktivität mit einem infizierten Partner in die Scheide gelangen, können sich ausbreiten und bis in die Eileiter vordringen.

Endometriose

Bei einer Endometriose wächst Endometriumgewebe außerhalb seiner natürlichen Umgebung, der Gebärmutter. Dieses Gewebe kann Verwachsungen verursachen und den Transport der Eizelle behindern.

Strukturelle Anomalien und Tumore

  • Uterusmyome: Dies sind gutartige Tumore an der Gebärmutterwand. Wenn sie in der Nähe des Eileiterausgangs wachsen, können sie diesen ganz oder teilweise blockieren.
  • Anomalien im Becken: Anomalien, einschließlich der Gebärmutter, können die Eizelle daran hindern, sich in die Gebärmutterschleimhaut einzunisten, und die Eileiter blockieren.
  • Geburtsfehler: Angeborene Fehlbildungen der Gebärmutter und Eileiter können ebenfalls zu Problemen führen.

Andere Ursachen

  • Frühere Eileiterschwangerschaft: Eine Schwangerschaft, die sich im Eileiter eingenistet hat, kann zu irreparablen Schäden führen.
  • Operationen im Becken oder Unterbauch: Chirurgische Eingriffe in diesem Bereich können Narbengewebe hinterlassen, das die Eileiter beeinträchtigt.
  • Narbenbänder (Adhäsionen): Diese können sich zwischen normalerweise nicht verbundenen Strukturen im Becken bilden, z. B. beim Asherman-Syndrom, oft verursacht durch Infektionen oder Verletzungen während Operationen wie einer Dilatation und Kürettage (D und K).

Folgen von Eileiterproblemen

Probleme mit den Eileitern, wie ein blockierter oder beschädigter Eileiter, können verschiedene Folgen haben:

  • Verhinderung der Befruchtung: Das Sperma kann die Eizelle nicht erreichen.
  • Beeinträchtigung des Eizelltransports: Die Eizelle oder die bereits befruchtete Eizelle (Zygote) kann nicht vom Eierstock in die Gebärmutter wandern, um sich dort einzunisten.
  • Unfruchtbarkeit: Wenn die Eileiter blockiert oder stark beschädigt sind, ist eine natürliche Empfängnis oft nicht mehr möglich. Bei etwa einem Drittel aller ungewollt kinderlosen Frauen liegen verklebte Eileiter oder verwachsene Eierstöcke vor.
  • Erhöhtes Risiko für Eileiterschwangerschaften: Beschädigte Eileiter erhöhen das Risiko, dass sich eine befruchtete Eizelle außerhalb der Gebärmutter einnistet.
Grafik, die den Weg einer Eizelle durch den Eileiter zur Gebärmutter zeigt, mit Markierung von Blockaden

Diagnose von Eileiterproblemen

Um festzustellen, ob die Eileiter in Ordnung sind und ob Blockaden oder Schäden vorliegen, kommen verschiedene diagnostische Verfahren zum Einsatz:

Bildgebende Verfahren

  • Ultraschalluntersuchung: Eine erste Untersuchung, die allgemeine Auffälligkeiten im Beckenbereich aufdecken kann.
  • Sonohysterografie (Kochsalzinfusionssonographie): Bei dieser Methode wird während einer Ultraschalluntersuchung Kochsalzlösung durch den Gebärmutterhals in die Gebärmutter gespritzt, um das Innere zu dehnen und Auffälligkeiten besser sichtbar zu machen. Wenn die Lösung in die Eileiter fließt, sind diese nicht blockiert. Dieses Verfahren ist strahlungsfrei und erfordert keine Narkose. Es gilt als sicherer und kostengünstiger als die Hysterosalpingografie und wird zunehmend bevorzugt.
  • Hysterosalpingografie (HSG): Hierbei wird eine Röntgenaufnahme erstellt, nachdem ein Röntgenkontrastmittel durch den Gebärmutterhals eingespritzt wurde. Das Kontrastmittel macht das Innere von Gebärmutter und Eileitern sichtbar. Das Verfahren wird einige Tage nach der Menstruation und vor dem Eisprung durchgeführt. Es kann strukturelle Fehlbildungen aufzeigen, hat aber auch eine Rate an falsch positiven Ergebnissen.

Endoskopische Verfahren

  • Hysteroskopie: Ein dünnes Instrument mit Kamera (Hysteroskop) wird über die Scheide und den Gebärmutterhals in die Gebärmutter eingeführt, um Auffälligkeiten wie Adhäsionen, Polypen oder kleine Myome zu untersuchen und gegebenenfalls zu behandeln.
  • Laparoskopie (Bauchspiegelung): Ein dünner Beobachtungsschlauch (Laparoskop) wird durch einen kleinen Schnitt nahe dem Bauchnabel in den Bauchraum eingeführt. Dieses Verfahren ermöglicht die direkte Betrachtung der Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke. Es ist oft notwendig, um die genaue Ursache und das Ausmaß von Eileiterproblemen und Verwachsungen zu beurteilen, da es Informationen über die Wandbeschaffenheit, Form und Funktion des Fimbrientrichters sowie über Verwachsungen liefert, die andere Methoden nicht erfassen können.

Infektionsdiagnostik

Wenn eine Beckeninfektion vermutet wird, werden Tests auf Gonorrhö (Tripper) und Chlamydieninfektionen durchgeführt. Das Screening auf sexuell übertragbare Infektionen ist oft Teil der Routineuntersuchungen bei Frauen mit Kinderwunsch.

Behandlung von Eileiterproblemen

Die Behandlung hängt von der Art der Anomalie, der betroffenen Anatomie und dem Alter der Frau ab. Ziel ist es, die Fruchtbarkeit wiederherzustellen oder eine Schwangerschaft zu ermöglichen.

Medikamentöse Behandlung

Wenn eine Beckeninfektion diagnostiziert wird, erfolgt die Behandlung mit Antibiotika.

Chirurgische Eingriffe

  • Laparoskopie und/oder Hysteroskopie: Diese minimalinvasiven Verfahren können zur Behandlung oder Entfernung von abnormalem Gewebe wie Verwachsungen, Polypen oder Myomen eingesetzt werden. Bei Verschlüssen am Ende des Eileiters kann das Eileiterende wieder eröffnet und ein neuer Fimbrientrichter geformt werden. Verwachsungen um den Eileiter werden ebenfalls laparoskopisch entfernt.
  • Operation zur Reparatur: In einigen Fällen kann eine Operation zur Reparatur eines durch eine Eileiterschwangerschaft, Infektion oder frühere Sterilisation beschädigten Eileiters erwogen werden, insbesondere bei jüngeren Frauen und wenn das Problem nicht zu gravierend ist. Allerdings sind die Erfolgschancen hierfür begrenzt und das Risiko einer erneuten Eileiterschwangerschaft erhöht.

Assistierte Reproduktionstechnologien

Wenn eine operative Wiederherstellung der Eileiter nicht möglich oder nicht erfolgversprechend ist, oder wenn der Eileiterschaden sehr ausgeprägt ist, ist die In-vitro-Fertilisation (IVF) die Methode der Wahl.

  • In-vitro-Fertilisation (IVF): Bei der IVF werden Eizellen nach einer hormonellen Stimulation entnommen, im Labor mit Spermien befruchtet und der daraus entstehende Embryo wird direkt in die Gebärmutter eingesetzt. Da die Eileiter bei dieser Methode umgangen werden, spielt ihre Funktion keine Rolle mehr. Die IVF hat sich als äußerst erfolgreiche Behandlungsmethode für Frauen mit Eileiterschädigungen erwiesen und bietet die größte Chance auf eine Schwangerschaft. Die Schwangerschaftsrate pro Versuch liegt bei etwa 30 %.

Lifestyle-Faktoren

Eine gesunde Lebensweise kann die Fruchtbarkeit positiv beeinflussen. Eine ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf Nikotin und Alkohol sowie Stressreduktion können den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern und somit auch die Erfolgschancen einer Kinderwunschbehandlung erhöhen.

How Does In Vitro Fertilization (IVF) Work? A Step-by-Step Explanation

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