Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG): Geschichte, Struktur und Leistungen

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) ist eine bedeutende wissenschaftliche Fachgesellschaft, deren Wurzeln bis ins Jahr 1885 zurückreichen. Ursprünglich als Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie in Straßburg von einer Gruppe von Frauenärzten unter der Leitung von Wilhelm Alexander Freund gegründet, trägt sie seit dem 40. Kongress im Jahr 1974 ihren heutigen Namen. Die DGGG organisiert den alle zwei Jahre stattfindenden Deutschen Kongress für Gynäkologie und Geburtshilfe und hat sich zum Ziel gesetzt, die Forschung und Wissenschaft in allen Teilgebieten der Gynäkologie und Geburtshilfe zu fördern sowie auf die ständige Erneuerung diagnostischer und therapeutischer Richtlinien und Empfehlungen hinzuwirken.

Die Gesellschaft vertritt die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber wichtigen Institutionen wie dem Bundesministerium für Gesundheit, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der Bundesärztekammer sowie der Öffentlichkeit. Mit über 10.000 Mitgliedern (Stand Oktober 2022), darunter Frauenärztinnen, Frauenärzte und junge Ärzte in Weiterbildung, ist die DGGG eine der größten Fachgesellschaften auf ihrem Gebiet.

Historische Aufnahme der Gründungsmitglieder der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie

Struktur und Organisation der DGGG

Die Organe der DGGG sind der Vorstand und die Mitgliederversammlung. Unterstützt wird der Vorstand durch einen wissenschaftlichen Beirat. Die Gesellschaft ist seit 1962 Mitglied der Frauenärztlichen Bundes-Akademie und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Dies unterstreicht die Einbindung der DGGG in das breitere wissenschaftliche und medizinische Netzwerk.

Sektionen und Arbeitsgemeinschaften

Die DGGG umfasst eine Vielzahl von Sektionen und Arbeitsgemeinschaften, die sich spezifischen Bereichen der Frauenheilkunde und Geburtshilfe widmen. Dazu gehören unter anderem:

  • Arbeitsgemeinschaft für Geburtshilfe und Pränatalmedizin in der DGGG e. V.
  • AG Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin e. V.
  • Deutsch-Azerbaijanische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V.
  • AG Gynäkologische Endoskopie e. V.
  • AG für Urogynäkologie und Plastische Beckenbodenrekonstruktion e. V.
  • AG für gynäkologische Onkologie e. V.
  • AG Endometriose e. V.
  • Deutsch-Türkische Gynäkologengesellschaft e. V.
  • AG Kinder- und Jugendgynäkologie e. V.
  • AG für Naturheilkunde, Akupunktur und Umweltmedizin in der Frauenheilkunde e. V.
  • Europäische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe französischer und deutscher Sprache e.
  • Menschen für Frauen - Deutsch-Afrikanische Freundschaftsgesellschaft in der Gynäkologie e. V.
  • Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau e. V.

Historische Entwicklung der DGGG

Die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie am 16. September 1885 war das Ergebnis langjähriger Diskussionen über die Notwendigkeit einer eigenständigen Fachgesellschaft. Bereits 1877 hatte Carl Credé versucht, die gynäkologische Sektion der Naturforscherversammlung in eine eigene Gesellschaft umzuwandeln, was jedoch zunächst scheiterte. Im Jahr 1885 wurde ein Gründungsausschuss gebildet, aus dem der erste Vorstand hervorging.

Der erste Kongress der DGG fand vom 17. bis 19. Juni 1886 in München unter der Präsidentschaft von Franz von Winckel statt. Auf dieser Tagung trugen Persönlichkeiten wie Ernst Bumm, Hermann Fehling und Max Hofmeier vor. Es wurde beschlossen, die Kongresse alle zwei Jahre im Wechsel mit den Versammlungen der Deutschen Gesellschaft für Naturforscher und Ärzte durchzuführen. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs entwickelte sich die DGG zu einer weltweit führenden Fachgesellschaft.

Die DGGG im Nationalsozialismus

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Gesellschaft aufgefordert, sich der Reichszentrale für Gesundheitsförderung anzuschließen, was der damalige Präsident Walter Stoeckel 1933 vollzog. Der DGG-Kongress 1933 in Berlin thematisierte auch politisch motivierte Themen wie Zwangssterilisationen und Schwangerschaftsabbrüche nach den Reichsgesetzen. Stoeckel äußerte Verständnis für den Ausschluss jüdischer Ärzte und Wissenschaftler aus der DGG. Viele Mitglieder traten nationalsozialistischen Organisationen bei, während andere Repressalien ausgesetzt waren oder emigrieren mussten, wie der Gynäkopathologe Robert Meyer und der Gynäkoendokrinologe Ludwig Fraenkel.

Die ersten Statistiken zu eugenischen Sterilisationen wurden 1935 in München als Hauptreferat vorgetragen. Der 26. Kongress musste kriegsbedingt verschoben werden und fand 1941 in Wien statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der DDR eine eigene Fachgesellschaft gegründet. Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 wurde die DDR-Gesellschaft aufgelöst und ihre Mitglieder konnten der gesamtdeutschen DGGG beitreten.

Foto von Walter Stoeckel, Präsident der DGGG während der NS-Zeit

Leistungen und Angebote der DGGG

Die DGGG engagiert sich für die Weiterentwicklung der Frauenheilkunde und Geburtshilfe und strebt eine Stärkung des evidenzbasierten Niveaus der flächendeckenden Versorgung an. Dies beinhaltet die Entwicklung von Strategien zur Optimierung der gynäkologischen und geburtshilflichen Versorgung, insbesondere in Ballungszentren und ländlichen Regionen.

Strafrechtsschutzversicherung für Mitglieder

Für DGGG-Mitglieder, die keine Doppelmitglieder im BVF sind, wurde 2004 eine Spezial-Strafrechtsschutzversicherung verabschiedet. Der Beitrag hierfür ist im Mitgliedsbeitrag enthalten. Diese Versicherung entfällt für Mitglieder mit Hauptwohnsitz im Ausland.

Mitgliedschaft und Vorteile

Die Mitgliedschaft in der DGGG steht jeder Frauenärztin und jedem Frauenarzt offen, ebenso wie jungen Ärzten in Weiterbildung. Die Mitgliedschaft bietet eine Reihe von Vorteilen, die durch die DGGG e.V. kommuniziert werden. Interessierte können den Mitgliedsantrag online oder als PDF nutzen.

Mitgliedsbeiträge (pro Jahr)

  • Studentinnen/Studenten: max. 2 Jahre beitragsfrei
  • Assistentinnen/Assistenten: 70,00 € bzw. 80,00 €*
  • Ruheständlerinnen/Ruheständler: 70,00 €**
  • Fachärztinnen/Fachärzte, Oberärztinnen/Oberärzte: 180,00 € bzw. 190,00 €*
  • Leitende Oberärztinnen/Oberärzte, niedergelassene Ärztinnen/Ärzte: 200,00 € bzw. 210,00 €*
  • Direktorinnen/Direktoren und Chefärztinnen/Chefärzte: 220,00€ bzw. 230,00 €*
  • Medien, Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftler und Privatpersonen: 180,00 €***

* Der entsprechende Jahresbeitrag wird von der DGGG e.V. im 1. Quartal eines Kalenderjahres erhoben.
** Die Strafrechtsschutzversicherung entfällt (ebenfalls bei Mitgliedern mit dem Hauptwohnsitz im Ausland).
*** In der Mitgliedversammlung der DGGG vom 17.09.2004 wurde eine Spezial-Strafrechtsschutzversicherung für alle diejenigen DGGG-Mitglieder verabschiedet, die keine Doppelmitglieder, d.h. gleichzeitig Mitglied im BVF sind. Der Beitrag zur Gruppenversicherung ist im Mitgliedsbeitrag enthalten und wird mit abgebucht.

Kongresse und Veranstaltungen

Die DGGG organisiert regelmäßig Kongresse, wie beispielsweise den 66. Kongress, der als reine Präsenzveranstaltung in München geplant war. Die Abstracteinreichung bietet eine hervorragende Plattform, sich auf dem Kongress zu präsentieren. Die Gesellschaft informiert zudem über aktuelle Veranstaltungen und Entwicklungen.

Positionen und Empfehlungen der DGGG

Die DGGG äußert sich zu wichtigen gesundheitspolitischen und medizinischen Fragestellungen. So wurde beispielsweise die geplante Ergänzung des §240 Absatz 4 kritisch gesehen, da sie zu einer nicht vorhersehbaren Ausweitung der Nötigungsstrafbarkeit führen könnte. Ebenso wurde die seitens der BÄK geplante Novellierung der GOÄ nicht vom Gesetzgeber übernommen.

Langfristig strebt die DGGG die Entwicklung von Einheiten mit hoher Geburtenzahl an, unter deren Dach Patientinnen mit jeglichem Risikoprofil optimal betreut werden können. In ländlichen Gebieten empfiehlt die Gesellschaft ein gestuftes Versorgungssystem mit einem Verbund von Perinatalzentren, regionalen Kliniken und kleineren Einheiten. Die Einrichtung von hebammengeleiteten Kreißsälen in Geburtskliniken wird ebenfalls befürwortet, um eine hebammengeleitete natürliche Geburt zu sichern und die unmittelbare Verfügbarkeit fachärztlicher Expertise zu gewährleisten.

Die DGGG fordert eine dringende Überprüfung geplanter Regelungen im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit schwangerer Frauen in Deutschland. Des Weiteren werden Nachsorgekonzepte zur Prävention chronischer Erkrankungen gefördert.

Grafik, die das gestufte Versorgungssystem in der Geburtshilfe darstellt

Auszeichnungen und Publikationen

Seit 1986 verleiht die DGGG alle zwei Jahre auf ihrem Deutschen Kongress die Carl Kaufmann-Medaille, die höchste Auszeichnung der Fachgesellschaft für Gynäkologen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Darüber hinaus vergibt die Gesellschaft Preise und Stipendien für wissenschaftliche Arbeiten.

Offizielles Organ der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V. ist "Dr. Breast Care". Die DGGG veröffentlicht zudem Leitlinien und Empfehlungen, wie beispielsweise zu Stilldauer oder Sectionarbendefekten. Die Gesellschaft ist auch an der Entwicklung und Veröffentlichung von AWMF-Leitlinien beteiligt.

Rechtliche Hinweise und Datenschutz

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