L. Sprague de Camp, geboren am 27. November 1907 in New York und gestorben am 6. November 2000 in Plano, Texas, war ein herausragender Autor, der sich durch seine vielfältigen Beiträge zur Science Fiction und Fantasy einen Namen gemacht hat. Er verfasste zahlreiche Bücher und Hunderte von Kurzgeschichten und war zudem als Sachbuchautor tätig, unter anderem mit Biografien über Howard Phillips Lovecraft und Robert E. Howard sowie einem Werk über den Atlantismythos.

Frühe Jahre und Ausbildung
De Camp war der Sohn von Lyon de Camp und Emma Beatrice, geborene Sprague. Seine schulische Laufbahn begann er an der Trinity School in New York. Nach dem Besuch der High School studierte er Luftfahrttechnik am California Institute of Technology, wo er 1930 seinen Bachelor erwarb. Anschließend setzte er sein Studium am Massachusetts Institute of Technology fort und erlangte 1933 am Stevens Institute of Technology seinen Master.
Berufliche Anfänge und der Weg zum Schriftsteller
Nach seinem Ingenieursstudium unterrichtete de Camp bis 1936 an der Inventors Foundation in Hoboken. Danach leitete er die Abteilung für Erfindungen und Patente der International Correspondence Schools in Scranton, Pennsylvania. Seine erste Science-Fiction-Geschichte erschien 1937, und 1938 wurde er freiberuflicher Schriftsteller, eine Tätigkeit, die durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde. Während des Krieges diente er zusammen mit Isaac Asimov und Robert A. Heinlein.
Familie und Partnerschaft mit Catherine Crook
Am 12. August 1939 heiratete de Camp Catherine Crook (1907-2000), mit der er 60 Jahre verheiratet war. Seine Frau, eine ehemalige Erzieherin und selbst Autorin, wurde ab den 1960er Jahren zur Co-Autorin vieler seiner Veröffentlichungen. Das Paar reiste für Recherchen oft um die Welt und de Camp beherrschte mehrere Sprachen.
Literarisches Schaffen: Anfänge und frühe Erfolge
De Camp begann 1936 mit dem Schreiben von Science-Fiction. Seine erste Geschichte, "The Hairless Ones Come", wurde mehrfach zurückgewiesen und erschien erst 1939. Eine frühe Zusammenarbeit mit dem Science-Fiction-Autor P. Schuyler Miller, "Genus Homo", wurde ebenfalls erst viele Jahre später veröffentlicht. Diese Geschichte ist eine Zeitreise-Erzählung, in der eine in einem Tunnel verschüttete Gruppe in einer fernen Zukunft erwacht, in einer Welt, die von intelligenten Affen beherrscht wird, nachdem die Menschheit verschwunden ist.
Die Geschichte "The Isolinguals" erschien im September 1937 im Science-Fiction-Magazin Astounding. Während viele frühere Autoren nach Campbells Übernahme des Magazins in den Hintergrund traten, wurde de Camp zu einem der Hauptautoren von Astounding und insbesondere des Fantasy-Magazins Unknown. Dort veröffentlichte er 1939 zusammen mit Horace L. "Lest Darkness Fall", eine Zeitreise-Geschichte, die einen altphilologisch gebildeten Amerikaner ins Rom des 6. Jahrhunderts versetzt. Dort erfindet er die Destillation von Branntwein, die Druckpresse und das Zeitungswesen und versucht, den Untergang der antiken Welt zu verhindern, indem er in die Gotenkriege eingreift.
Weitere frühe Werke umfassen "Hyperpilosity" (Astounding, April 1938), eine Geschichte über eine Virusinfektion, die bei jedem Menschen ein Fell wachsen lässt, und "The Command" (Astounding, Oktober 1938), die von einem Schwarzbären handelt, dessen Intelligenz durch eine experimentelle Droge gesteigert wurde und der einen Anschlag auf die Menschheit vereitelt.

Kooperationen und die Schaffung von Welten
Viele von de Camps Geschichten und Romanen entstanden in Zusammenarbeit mit anderen Autoren. In den Anfangsjahren gehörte Fletcher Pratt zu seinen Koautoren. Aus ihrer Zusammenarbeit entstand 1940 die Figur des Harold Shea, eines Psychologen, der mittels "symbolischer Logik" verschiedene imaginäre Parallelwelten besucht, in denen beispielsweise Magie funktioniert. Die Harold Shea-Romane werden dem Subgenre der humoristischen Fantasy zugeordnet, deren Hauptvertreter de Camp gilt.
Der Krishna-Zyklus und "Viagens Interplanetarias"
Nach einer Phase geringerer literarischer Produktion nach dem Krieg markierte "The Animal Cracker Plot" (Astounding, Juli 1949) den Beginn eines umfangreichen Zyklus von Science-Fiction-Romanen und Erzählungen, bekannt als "Viagens Interplanetarias" (portugiesisch für interplanetare Reisen). In dieser Zukunftsvision ist Brasilien die dominierende Weltmacht und Portugiesisch die Landessprache. Die meisten Erzählungen spielen auf den nach Hindugottheiten benannten Planeten Vishnu, Krishna und Ganesha, weshalb die Reihe auch als Krishna-Zyklus bekannt ist.
Ein besonderer Platz in dieser Reihe nimmt der Roman "Rogue Queen" (1951, deutsch "Das Orakel der Fremden", 1978) ein. Hier landen irdische Raumfahrer auf einem Planeten mit einer humanoiden Bevölkerung, die nach Art eines Bienenstaates organisiert ist.
Fantasy-Beiträge und die Arbeit an Robert E. Howard
1949 erschienen die ersten Ausgaben von "The Magazine of Fantasy and Science Fiction", das nun stärker auf Fantasy setzte. 1950 veröffentlichten de Camp und Pratt hier die erste einer Reihe von Fantasy-Geschichten, die später als "Tales from Gavagan’s Bar" (1953, deutsch "Geschichten aus Gavagans Bar", 1982) gesammelt erschienen. Diese Geschichten waren angeblich den bekannten Jorkens-Geschichten von Lord Dunsany nachempfunden.
Ein weiterer entscheidender Einfluss auf de Camps Laufbahn war seine Beschäftigung mit den Werken von Robert E. Howard. Als er erfuhr, dass bei Howards Literaturagenten noch eine Kiste mit unveröffentlichten Geschichten Howards lagerte, erwarb er diese und begann, die Stories zu redigieren und zu ergänzen. 1952 erschien überarbeitet "The God in the Bowl" (deutsch "Der Gott in der Schale", 1970), 1953 entstanden in Zusammenarbeit "The Treasure of Tranicos" (deutsch "Der Schatz des Tranicos", 1971) und "The Frost Giant's Daughter" (deutsch "Die Tochter des Frostriesen", 1970). 1955 baute de Camp mehrere orientalische Erzählungen Howards zu Conan-Geschichten um und reicherte sie mit Fantasy-Elementen an, die unter dem Titel "Tales of Conan" erschienen. Für seine Bemühungen wurde er 1955 von der Hyborian Legion mit dem Titel des Royal Chronicler ausgezeichnet.
Historische Romane und Sachbücher
Neben seinen Science-Fiction- und Fantasy-Romanen, die sich oft durch Zeitreise-Themen oder mittelalterliche/archaische Schauplätze dem historischen Roman annäherten, widmete sich de Camp auch direkt historischen Themen. Er verfasste mehrere ausgewiesene historische Romane, darunter "An Elephant for Aristotle" (1958, deutsch "Ein Elefant für Aristoteles", 1989).
Zu de Camps bekannteren nichtliterarischen Arbeiten zählt die 1975 erschienene Biografie von H. P. Lovecraft, die 2002 auch in Übersetzung herauskam. Sie war die erste umfassende Arbeit, die sich mit Leben und Werk Lovecrafts auseinandersetzte. Eine weitere Biografie ist "Dark Valley Destiny" (1983) über Robert E. Howard. Bereits 1975 schrieb er eine erste Biografie Howards mit dem Titel "The Miscast Barbarian".

Der Atlantismythos und andere Sachgebiete
Mit seinem 1948 verfassten Buch "Lost continents: the Atlantis theme in history, science, and literature" (1954, deutsch "Versunkene Kontinente: von Atlantis, Lemuria und anderen untergegangenen Zivilisationen", 1975) legte de Camp die erste umfassende, populärwissenschaftliche Abhandlung zur historischen Entwicklung des Atlantismythos und seiner Rezeption vor. Er prägte den Begriff "Atlantismus" als abwertende Bezeichnung für pseudowissenschaftliche Literatur über Atlantis. Das Werk gilt aufgrund seiner Materialfülle als atlantologische Standardliteratur.
In diesem Themenbereich liegt auch das zusammen mit Willy Ley verfasste Buch "Lands Beyond", das sich mit verschiedenen geographischen Mythen befasst, wie dem Reich des Priesterkönigs Johannes oder Eldorado. In seinem Sachbuch "Ancient Ruins" (deutsch "Geheimnisvolle Stätten der Geschichte", 1966) beschreibt er zusammen mit seiner Frau bedeutende historische Stätten wie Troja, die Pyramiden von Gizeh, Stonehenge und Rapa Nui, beleuchtet aber auch die Mythen und Legenden, die sich um diese Orte ranken.
Eine weitere Gruppe von Werken bilden seine Arbeiten zur Technikgeschichte. Hierzu zählen "The Evolution of Naval Weapons" (1947), "The Heroic Age of American Invention" (1961) und "The Ancient Engineers" (1963, deutsch "Ingenieure der Antike", 1964).
Mit Charles Darwins Evolutionslehre setzt sich de Camp in "Darwin and His Great Discovery" (1972, zusammen mit seiner Frau) auseinander. Über die kulturellen Konsequenzen berichtet "The Great Monkey Trial" (1968), das den Scopes-Affenprozess von 1925 behandelt.
Das Buch "Elephant" (1964) über den Elefanten in Geschichte und Vorgeschichte schlägt den Bogen zum belletristischen Werk de Camps, in dem Elefanten und Mammuts eine wiederkehrende Rolle spielen, was auf eine lebenslange Faszination für diese Spezies hindeutet.
Leitfäden und Anerkennung
1953 veröffentlichte er zusammen mit seiner Frau das "Science Fiction Handbook", einen Leitfaden zur amerikanischen Science-Fiction-Szene und Ratschläge für angehende Autoren. Isaac Asimov beschrieb de Camp als einen der wenigen Science-Fiction-Autoren, die sowohl in der Belletristik als auch in der Sachliteratur versiert sind.
Der Krishna-Zyklus im Detail
Auf dem Planeten Krishna, einem Schauplatz des Krishna-Zyklus, spielt auch das Abenteuer "Im Auftrag eines reichen Levantiners reist Victor Hasselborg, Interstellarer Privatdetektiv, nach Krishna - wo terranische Siedler und eierlegende, menschenähnliche Eingeborene ihre Händel austragen -, um dessen Tochter und ihren zwielichtigen Liebhaber zur Erde zurückzulocken. Verblüfft muss Hasselborg feststellen, dass das reizende Pärchen sich zum Königspaar von Zamba aufgeschwungen hat. Schlimmer noch: Ein illegales Söldnerheer soll den beiden zur Macht über ganz Krishna verhelfen."
Ein weiteres Abenteuer auf Krishna beinhaltet das Verschwinden von Igor Shtain, dem Beherrscher des Wirtschaftsimperiums Shtain Enterprises. Es heißt, er habe den schwimmenden Kontinent Sunquahr gesucht, ein von Piraten heimgesuchtes Gebiet. Über den Herrscher des Sunquahr erzählt man sich schauerliche Dinge: Es sei ein mit hypnotischen Kräften ausgestattetes Ungeheuer, in dessen Gewalt sich zahlreiche Krishni und Erdenmenschen befinden. Dirk Barnevelt, PR-Mann bei Igor Shtain, macht sich auf die Suche nach seinem verschollenen Chef, doch mehr und mehr wird es für ihn zu einer Suche nach der Prinzessin Zei, bei deren Entführung er Zeuge wurde oder diese unterstützte.

Die Krishna-Zyklus-Reihe
Die Serie "Krishna-Zyklus" umfasst zehn Bände und begann im Jahr 1949 mit dem Teil "Die Königin von Zamba" (Originaltitel: "The Queen of Zamba"). Über einen Zeitraum von 42 Jahren erschienen Fortsetzungen in Abständen von durchschnittlich 4,7 Jahren. Die Veröffentlichung der Reihe endete mit dem zehnten Band. Eine Fortsetzung mit einem elften Teil ist nicht angekündigt.
Schlagworte zur Serie
Die Serie wird mit folgenden Genres und Themen assoziiert: Fantasy, Science Fiction, Zeitreisen, humoristische Fantasy, Barbaren, alternative Geschichte, Magie, Aliens, Dämonen und Atlantis.