Die männlichen Geschlechtszellen, die Spermien, sind entscheidend für die Fortpflanzung. Sie werden in den Hoden produziert, die sich außerhalb des Körpers befinden, um eine optimale Temperatur von etwa 34 bis 35 Grad Celsius zu gewährleisten. Dies ist ideal für die Bildung der Samenzellen.
Während eines einzigen Herzschlags produzieren Männer ungefähr 1000 Spermien, die jeweils nur etwa 1/500 Millimeter lang sind. Würden Spermien menschliche Größe erreichen, würde ein Hoden ein Volumen von 1000 Kubikmetern einnehmen.
Die genetische Bestimmung des Geschlechts erfolgt durch die Spermien. Die Hälfte der Spermien trägt ein Y-Chromosom, das zur Zeugung eines Jungen führt, während die andere Hälfte ein X-Chromosom trägt und ein Mädchen zeugt. Alle Eizellen enthalten neben 22 normalen Chromosomen ein X-Chromosom als einziges Geschlechtschromosom.
Jedes Spermium ist für seine Reise gerüstet: Zwischen dem langen, schwimmfähigen Schwanz (Geißel) und dem Kopf, der den genetischen Bauplan enthält, befinden sich ein Antriebsmotor und ein Energiespeicher für das anspruchsvolle Rennen.
Es wird angenommen, dass männliche Spermien etwas schneller schwimmen, während weibliche Spermien eine längere Lebensdauer haben.

Die Reise durch den weiblichen Körper
Während des Samenergusses werden durch peristaltische Kontraktionen etwa 3 bis 6 Milliliter Ejakulat, das pro Milliliter rund 80-100 Millionen Spermien enthalten kann, durch den Samenleiter, vorbei an Harnblase und Prostata, in die Scheide (Vagina) ausgestoßen.
Häufige Ejakulationen (mehr als alle zwei Tage) können die Qualität und Anzahl der Spermien beeinträchtigen. Lichtmikroskopische Untersuchungen zeigen, dass viele Spermien missgestaltet oder schwimmunfähig sind; nur etwa 20% der menschlichen Spermien gelten als "fit".
Bereits in der Vagina sterben die meisten Spermien, obwohl sie zunächst durch die mitgeführte Flüssigkeit geschützt sind. Gleitmittel, Speichel und die saure Umgebung der Vagina können Spermien schädigen. Zusätzlich greift das Immunsystem der Frau mit Leukozyten (weißen Blutkörperchen) jede fremde Zelle an, wodurch etwa 99,9% der Spermien bereits in der Vagina abgetötet werden, um Infektionen zu verhindern.
An unfruchtbaren Tagen der Frau schützt ein dichter Schleimpfropf die Gebärmutter (Uterus) vor dem Eindringen von Spermien. Dieser Schleimpfropf löst sich kurz vor dem Eisprung auf.

Die Herausforderungen auf dem Weg zur Gebärmutter
Die Schleimhaut der Vagina und des Gebärmutterhalses bildet ein komplexes Labyrinth, in dem etwa 99% der Spermien verhungern oder zerquetscht werden. Nur ein winziger Bruchteil, etwa 0,001% oder wenige Tausend der ursprünglich ausgestoßenen Spermien, erreichen die Gebärmutter. Die Anzahl der Spermien, die die Gebärmutter erreichen, kann davon abhängen, wie befriedigend der Geschlechtsverkehr für die Frau ist.
Frauen werden mit etwa einer Million Eizellen geboren, von denen bis zu den Wechseljahren keine einzige mehr übrig ist. Bei gesunden jungen Frauen reift monatlich eine Eizelle in einem der Eierstöcke heran und wandert in den Eileiter, wo sie darauf wartet, die Chromosomen einer Samenzelle aufzunehmen.
Hormone im Zeitraum um den Eisprung beeinflussen den weiblichen Körper, um die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung zwischen Eizelle und Spermien zu erhöhen. Verkürzende Kontraktionen der Gebärmuttermuskeln auf der Seite des Eileiters, in dem sich die reifende Eizelle befindet, erleichtern den Spermien den Weg durch den Uterus zum Eileiter.
Trotz dieser Unterstützung greifen Leukozyten auch im Uterus Spermien an, was die Anzahl der überlebenden Spermien weiter reduziert. Nur etwa 1% der Spermien erreichen den Gebärmutterhals, und nur wenige Dutzend gelangen in den korrekten Eileiter.
Das Warten und die Auswahl im Eileiter
Im Eileiter finden die überlebenden Spermien ideale Lebensbedingungen vor. Sie werden nicht mehr aktiv angegriffen und können sogar von Zellen der Eileiterwand versorgt werden. Hier können sie sich ausruhen, Kräfte sammeln und auf das Eintreffen einer reifen Eizelle warten.
Sobald eine reife Eizelle erscheint, schwimmen die Spermien gezielt auf sie zu, angezogen von ihrem Duft. Vor diesem entscheidenden Wettlauf werden die Spermien durch das Abstreifen bestimmter Proteine aktiviert. Aktivierte Spermien sind jedoch nur noch wenige Stunden lebensfähig.
Nur die zuerst aktivierten und die Eizelle am schnellsten erreichenden Spermien haben die Chance, in die Eizelle einzudringen. Wenn überhaupt, dringen nur wenige aktivierte Spermien in eine reife Eizelle ein.

Die Befruchtung und die Entstehung von Zwillingen
Um in die Eizelle einzudringen, sprengt ein Spermium seine Kopfspitze auf und setzt Enzyme frei, die die äußere Hülle der Eizelle aufweichen. Das siegreiche Spermium presst seinen Zellkern in die Eizelle, während der Rest des Spermiums sich auflöst.
Manchmal entstehen zweieiige Zwillinge, wenn gleichzeitig in beiden Eierstöcken Eizellen heranreifen und in den Eileitern von verschiedenen Spermien befruchtet werden.
Die Auswahl des "richtigen" Spermiums ist komplex. Wissenschaftler der Universität Stockholm haben in einer Studie von 2020 festgestellt, dass Eizellen Spermien zwar mit chemischen Signalen anlocken, aber nur ein handverlesener Kandidat zum Zuge kommt. Das Rennen gewinnt das Spermium, dessen Immungene die der Eizelle am besten ergänzen, um dem Nachwuchs optimale Abwehrstoffe zu verleihen. Frauen können am Geruch des Mannes erkennen, ob seine Immungene zu ihren passen.
Nachdem das auserwählte Spermium an die Eizelle angedockt hat, wird die Membran der Eizelle durch ein spezielles Enzym gehärtet, was das Eindringen weiterer Spermien verhindert und die Tür für die Entwicklung neuen Lebens öffnet.
Zeitdruck und Fruchtbarkeit
Im Gegensatz zu Spermien, die ständig produziert werden, stehen Eizellen unter einem erheblichen Zeitdruck. Von den rund 400.000 unreif geborenen Eizellen reifen im Leben einer Frau nur etwa 400 heran. Das optimale Alter für die Zeugung von Nachwuchs liegt für Frauen bei etwa 25 Jahren; ab Mitte 30 wird die Fruchtbarkeit kritisch, und mit 40 nimmt sie rapide ab. Nach der Menopause (etwa 45-50 Jahre) ist eine natürliche Schwangerschaft nicht mehr möglich.
Viele Frauen entscheiden sich heute dafür, sich erst beruflich zu etablieren und dann einen Kinderwunsch zu erfüllen. Dies führt dazu, dass die Umsetzung des Kinderwunsches mit zunehmendem Alter der Frau schwieriger wird. Die Evolution wird in diesem Aspekt oft als unfair empfunden.
Je früher eine Eizelle im Leben einer Frau reift, desto "fitter" ist sie generell und desto leichter lässt sie sich befruchten. Von den ursprünglich angelegten 400.000 Eizellen werden bis zur Menopause nur etwa 400 reif, was Frauen nur etwa 400 Chancen im Leben gibt, schwanger zu werden.
Eizellen sind mit einem Durchmesser von 0,11 bis 0,14 Millimetern um ein Vielfaches größer als Spermien und bieten somit eine größere "Andockfläche". Dennoch erreichen nur wenige Hundert Spermien von Millionen pro Milliliter Ejakulat den Eileiter und die Eizelle.

Hormonelle Einflüsse und Attraktivität
Rund um den Eisprung sorgen Hormone wie Estradiol und Östrogen dafür, dass Frauen für Männer attraktiver erscheinen. Dies kann sich in einer symmetrischeren Brustform, einer schmaleren Taille und breiteren Hüften äußern. Auch die Gesichtszüge können sich glätten und der Schweiß duftender werden, was die Attraktivität steigert.
Männer reagieren ebenfalls auf diese hormonellen Signale und empfinden Frauen während der fruchtbaren Phase als schöner. Diese gegenseitige Attraktivität, angetrieben durch Hormone, optimiert das Timing der Natur für Fortpflanzung.
Die Problematik sinkender Spermienqualität und "Sperm Racing"
In den letzten Jahrzehnten ist sowohl die Spermienzahl pro Milliliter als auch die Spermienqualität, wie z.B. die Beweglichkeit, weltweit zurückgegangen. Dieser Trend hat sich seit dem Jahr 2000 beschleunigt. Laut der Weltgesundheitsorganisation gilt ein Wert von unter 15 Millionen Spermien pro Milliliter als bedenklich, doch die Tendenz ist weiter fallend.
Das "Sperm Racing" in Los Angeles war ein Event, das auf die ernste Botschaft der abnehmenden Spermienqualität aufmerksam machen sollte. Das von einem US-Startup veranstaltete Rennen, bei dem die Spermien zweier Kandidaten angeblich mikroskopisch gegeneinander antraten, nutzte fortschrittliche Bildgebung und hochauflösende Kameras. Es wurde jedoch später zugegeben, dass die gezeigten Aufnahmen computergenerierte Bilder waren.
Die Idee von "Sperm Racing" als Unterhaltungsshow wurde auch in Deutschland diskutiert, stieß jedoch auf breite Kritik wegen seines potenziell geschmacklosen und respektlosen Umgangs mit dem Thema Fortpflanzung und menschlicher Würde. Kritiker bemängelten die Sensationslust und die fragwürdige wissenschaftliche Basis solcher Formate.
360° Video: Die Befruchtung - Spermium trifft Eizelle | WDR
Wissenschaftliche Einblicke in die Spermienbewegung
Die Fortbewegung von Spermien ist Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Forschung, insbesondere im Hinblick auf ihre Bewegung in engen Kanälen. Simulationen auf Supercomputern wie JURECA liefern Einblicke, wie Spermien durch die komplexen Strukturen des weiblichen Fortpflanzungssystems navigieren.
Ein Spermium besteht aus einem Kopf von wenigen Mikrometern Größe und einer etwa 50 Mikrometer langen Geißel. Die Geißel schlägt seitlich hin und her, wobei die Ausschläge oft breiter sind als der Kopf. Diese Form und Bewegung führen dazu, dass sich das Spermium geometrisch bedingt immer leicht gegen die Wand drückt und somit in Wandnähe bleibt.
Die Art und Weise, wie sich ein Spermium in gekrümmten Kanälen bewegt, hängt stark vom Schlagmuster der Geißel ab. Forscher unterscheiden zwischen einem zweidimensionalen Schlag (in einer Ebene) und einem dreidimensionalen spiralförmigen Muster. Spermien mit einem 3D-Schlag können auch stärker gekrümmte Windungen besser bewältigen, da sie ihre "Kegelform" beibehalten, während 2D-Schlag-Spermien ihre Schlagrichtung parallel zur Wand ausrichten und den Kontakt verlieren können.
Diese Erkenntnisse sind relevant für die Verbesserung der künstlichen Befruchtung, indem man beispielsweise Spermien basierend auf der Wellenlänge ihres Geißelschlags selektiert. Umgekehrt könnten sie auch zur Entwicklung neuer Verhütungsmethoden beitragen, indem der Geißelschlag medikamentös beeinflusst wird.

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