Der Wunsch nach Kindern ist ein tief menschliches Bedürfnis, das sich durch die Geschichte zieht und auch in den biblischen Schriften eine wichtige Rolle spielt. Zahlreiche Erzählungen thematisieren die Herausforderungen, die mit Kinderlosigkeit verbunden sind, und die Freude, wenn sich ein lange gehegter Kinderwunsch erfüllt. Diese Geschichten zeigen, dass bei Gott nichts unmöglich ist und dass göttliches Eingreifen oft unerwartete Wendungen bringt.
Gottes Verheißung und Abrahams Nachkommenschaft
Im Alten Testament finden wir die Geschichte von Abraham, dem Gott eine große Nachkommenschaft versprach: "Zähle die Sterne; kannst du sie zählen? So zahlreich sollen deine Nachkommen sein!" Trotz dieser Verheißung blieb der Kindersegen lange aus. In seiner Verzweiflung riet Abrahams Frau Sara ihm, ein Kind mit ihrer Magd Hagar zu zeugen. Hagar brachte Abrahams ersten Sohn Ismael zur Welt, doch dies verbesserte Saras Unglück nicht.
Als Abraham und Sara bereits alt geworden waren, geschah etwas Bemerkenswertes: Drei Männer erschienen Abraham und verkündeten: "Siehe, dann soll Sara einen Sohn haben." Sara konnte dies kaum glauben und sprach bei sich selbst: "Nun ich alt bin, soll ich noch der Liebe pflegen?" Doch kurze Zeit später wurde Sara schwanger und gebar einen Sohn, der den Namen Isaak erhielt. Diese Begebenheit unterstreicht die Botschaft: Bei Gott ist nichts unmöglich.

Neid und Kindersegen in Isaaks Familie
Die Geschichte von Jakob, Isaaks Sohn, zeigt weitere Facetten des Kinderwunsches und familiärer Spannungen. Jakob hatte zwei Schwestern geheiratet, von denen er jedoch nur eine, Rahel, wirklich liebte. Der Herr sah, dass Lea, die andere Schwester, ungeliebt war, und machte sie fruchtbar. Lea bekam ununterbrochen Kinder, während Rahel unfruchtbar blieb.
Rahel beneidete ihre Schwester und sprach zu Jakob: "Schaffe mir Kinder, wenn nicht, so sterbe ich!" Daraufhin schlief Jakob mit Rahels Magd, die daraufhin Kinder in Rahels Namen zur Welt brachte. Schließlich machte Gott auch Rahel fruchtbar, und sie gebar einen Sohn. Sie sprach: "Gott hat meine Schmach von mir genommen." Diese Erzählung verdeutlicht, wie stark der Wunsch nach Kindern sein kann und wie familiäre Beziehungen dadurch beeinflusst werden.
Die Mutter Simsons und die göttliche Prophezeiung
Auch die Mutter des israelitischen Helden Simson war lange unfruchtbar. Eines Tages erschien ihr der Engel des Herrn und verkündete: "Siehe, du bist unfruchtbar und hast keine Kinder, aber du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären." Der Engel prophezeite weiter, dass ihr Sohn ein Geweihter Gottes sein und Israel erretten werde.
Als seine Frau ihrem Mann Manoach von dieser Begegnung erzählte, konnte er es zunächst nicht glauben. Er bat Gott, den Engel erneut zu schicken. Langsam begriff er, dass diese Begegnung das Leben des Paares verändern sollte. Seine Frau gebar tatsächlich einen Sohn, den sie Simson nannten. "Und der Knabe wuchs heran, und der Herr segnete ihn."

Hanna und ihre Gebete um einen Sohn
Die Geschichte von Hanna, der Mutter Samuels, ist ein eindrückliches Beispiel für die Kraft des Gebets im Angesicht von Kinderlosigkeit. Hanna war so traurig über ihre Unfruchtbarkeit, dass sie jedes Mal weinte und nichts aß, wenn ihr Mann zu seiner zweiten Frau ging. Ihr Mann tröstete sie: "Hanna, warum weinst du, und warum isst du nichts? Und warum ist dein Herz so traurig? Bin ich dir nicht mehr wert als zehn Söhne?"
Hanna ließ sich von ihrem Mann nicht über die fehlenden Kinder hinwegtrösten. Sie ging zum Tempel und bat Gott inbrünstig um einen Sohn. Gott erhörte ihr Gebet, und als ihr Mann das nächste Mal mit Hanna schlief, wurde sie schwanger. Diese Geschichte zeigt die tiefe Sehnsucht nach einem Kind und die Hoffnung, die durch Glauben und Gebet gestärkt wird.
Jeftas Gelübde und die Schmach der Kinderlosigkeit
Die Erzählung von Jeftah, einem Richter Israels, wirft ein Schlaglicht auf die gesellschaftliche Bedeutung von Nachkommenschaft. Als Jeftah gegen die Ammoniter kämpfte, legte er ein Gelübde ab: "Gibst du die Ammoniter in meine Hand, so soll, was mir aus meiner Haustür entgegengeht, wenn ich heil zurückkomme, dem Herrn gehören und ich will's als Brandopfer darbringen."
Jeftah siegte, doch die Freude währte nicht lange. Als er nach Hause kam, lief ihm seine Tochter entgegen, begleitet von Pauken und Reigen. Sowohl Jeftah als auch seine Tochter erkannten, dass das Gelübde nicht gebrochen werden durfte. Seine Tochter bat nur um zwei Monate Aufschub, um mit ihren Freundinnen ihre Jungfrauschaft zu beklagen. Denn ein Leben ohne Kinder wurde als äußerst schmachvoll angesehen.
Kindersegen als Segen in den Psalmen und Sprüchen
Die Bedeutung von Kindern wird auch in den biblischen Weisheitstexten hervorgehoben. Kinder zu bekommen, galt als ein Segen, denn nur so konnte die Erinnerung an die Vorfahren weiterleben. In den Sprüchen Salomos heißt es: "Der Alten Krone sind Kindeskinder, und der Kinder Ehre sind ihre Väter."
Auch in den Psalmen wird Gott für die Gabe der Fruchtbarkeit gelobt. Psalm 113, Vers 5 und 9 besagt: "Wer ist wie der Herr, unser Gott, der thront in der Höhe? Er hilft der armen Frau aus dem Staub und macht, dass sie Mutter wird und Kinder bekommt." Diese Verse unterstreichen die göttliche Perspektive auf den Kinderwunsch und die Freude, die mit der Erfüllung einhergeht.
Elisabeth und Zacharias: Ein spätes Wunder
Auch das Neue Testament erzählt von einem Paar, das lange auf die Erfüllung seines Kinderwunsches warten musste: Elisabeth und Zacharias. "Sie hatten kein Kind; denn Elisabeth war unfruchtbar, und beide waren hochbetagt." Als Zacharias eines Tages im Tempel Dienst tat, erschien ihm ein Engel und versprach: "Dein Gebet ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Johannes geben."
Als Zacharias aus dem Tempel kam, war er stumm, und die Menschen merkten, dass er eine Erscheinung im Tempel gehabt hatte. Tatsächlich wurde Elisabeth kurz darauf schwanger und gebar den Sohn Johannes, der später als Täufer bekannt wurde. Diese Geschichte schließt den Kreis und zeigt, dass auch im Neuen Testament der Kinderwunsch und seine Erfüllung durch göttliches Wirken thematisiert werden.
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